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Die 10 interessantesten Fragen zum Thema Trinkmenge, wie ,,Was passiert beim Dursten?“ oder ,,Gibt es eine Wasservergiftung?“

Version 8Im Folgenden drucke ich zu diesem Thema 10 Fragen aus einer  Fragerunde zum Thema ,,richtige Trinkmenge“ ab, zu der  ich vor kurzem als Expertin eingeladen worden war …

​… Heute können wir in dieser Runde 10 Fragen an unsere Expertin Dr. med. Agnes Wagner richten, die sich bereit erklärt hat, für uns Rede und Antwort zu stehen. Sie ist Fachärztin für Innere Medizin sowie Gynäkologie und Geburtshilfe mit langjähriger klinischer Erfahrung. Außerdem arbeitet sie im Vorstand der komplementär medizinschen Vereinigung, der NATUM, als Medizinjouralistin für renommierte Zeitschriften  und ist Bloggerin von ,,Salutary Style“. Und nun wünsche ich Ihnen interessante neue Erkenntnisse und viel Spaß mit Dr. Nessy, wie sie oft genannt wird! Die erste Frage bitte!

1. Frau Dr. Wagner, herzlichen Dank für ihr Kommen. Lange galt es als Jungbrunnen, viel zu trinken. Ich erinnere mich an Kolleginnen, die es sich zur Aufgabe machten, jeden Tag im Büro zwei Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Was hat sich für uns geändert und welche Getränke sind ratsam?

Heute weiß man, dass unser Körper, wenn wir erwachsen und gesund sind, in der Regel die richtigen Durst-Signale abgibt, wenn er Flüssigkeit benötigt. Trinken wir dann soviel wir möchten, erhalten wir in in etwa die richtige Trinkmenge. Dadurch wird der Körper dann  vor einem Anstieg der Plasma-Osmolarität geschützt, die zu negativen Auswirkungen führen würde.

Der tägliche Flüssigkeitsbedarf

Unser täglicher Flüssigkeitsbedarf beträgt dabei normalerweise etwa zwei bis zweieinhalb Liter, allerdings empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bei Menschen ohne Vorerkrankungen und mit nicht übermäßig körperlicher Belastung nur Flüssigkeitsmengen zwischen 400 ml (Säuglinge ab dem vierten Monat) und 1.710 ml (Stillende) durch Getränke aufzunehmen. Ein Erwachsener benötigt etwa 1500 ml Trinkmenge am Tag. Wer Zweifel bezüglich der richtigen Trinkmenge hat, sollte sich darüber mit seinem Hausarzt absprechen, denn er kennt die individuellen Besonderheiten am besten.

Ideale Durstlöscher

Als Durstlöscher ideal sind Wasser (sauberes Trinkwasser, Mineralwasser), ungesüßter Kräuter- oder Früchte-Tee, Saft-Schorle und – in geringeren Mengen – auch Kaffee und schwarzen Tee, die man übrigens trotz des wassertreibenden Koffeins zur Trinkmenge hinzuzählen kann, da der Effekt relativ gering ist. Übrigens wirkt Alkohol wassertreibend und ist nicht als Durstlöscher geeignet.

Auch Wasser kann schlecht werden!

Man muss wissen, dass Wasser durchaus schlecht werden kann, wenn es länger als  ein bis zwei Tage an der frischen Luft offen steht. Zu einem besonders schnellem Verderb kommt es bei Wärme und/oder dann, wenn man aus der Flasche trinkt. Bei letzterem gelangen Mundkeime in die Flasche, die  dort zusammen mit Mikrokrümel und was aus dem Mund sonst noch als Nährsubstrat für die Keime dienen kann, einen guten Brutplatz, besonders bei Zimmertemperatur, vorfinden.

Die Sache mit der Darmtätigkeit …

Auch bei einer großen Trinkmenge kann man übrigens unter Verstopfung leiden! Die Verdauung wird z.B. durch Ballaststoffe und spezielle kolloidale Lösungen angeregt. Allerdings kann ein Flüssigkeitsmangel zu Verstopfung führen!

 

2. Wieso wird eine Trinkmenge unterhalb des eigentlichen Bedarfes empfohlen?

Durch eine gute Ernährung mit viel Obst und Gemüse nehmen wir dadurch auch etwa einen Liter Flüssigkeit am Tag auf. Eine weitere Flüssigkeitszufuhr von etwa 335 ml erhalten wir durch das sogenannte Oxydationswasser, welches bei physiologischen Verbrennungsvorgängen im Körper entsteht.

3. Aber es gibt doch Menschen, die kaum etwas trinken, wie zum Beispiel meine Oma. Gibt es nicht Fälle, in denen wir doch regulierend in die Flüssigkeitszufuhr eingreifen sollten und was kann  passieren?

Es gibt Situationen, in denen die Durstwahrnehmung auch bei ,,ganz normalen“ Menschen eingeschränkt ist, etwa, wenn man sich sehr auf andere Dinge konzentriert oder müde ist. Auf der anderen Seite kann auch zu wenig Flüssigkeit Müdigkeit auslösen … So kann zum Beispiel ein Teufelskreis entstehen, der in solchen Fällen doch ein wenig Kontrolle über das Trinkverhalten erfordert.

Vorsicht ist allerdings generell bei Menschen geboten, die nicht mehr in der Lage sind, ihr Trinkverhalten zu steuern, wie z.B. bei einer dementiellen Erkrankung oder einer eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit des Durstgefühls. Bei ihnen gilt es, das  Trinkverhaltens genau beobachten um eventuell gegensteuern zu können.

Wer Zweifel bezüglich der richtigen Trinkmenge hat, sollte sich darüber mit seinem Hausarzt absprechen, denn er kennt die individuellen Besonderheiten am besten.

Fälle, bei denen wir uns nicht nur auf unser Durstgefühl verlassen sollten:

  • Bei speziellen Erkrankungen, z.B. der Nieren oder Teilen der Hormonachse, die für die Flüssigkeitsregulierung zuständig sind, aber auch der Psyche.
  • Nach Unfällen oder Operationen.
  • Bei Einnahme bestimmter Medikamente, z.B. Wassertabletten, aber auch Schmerzmittel, Schlafmittel oder Psychopharmaka.
  • Mit zunehmendem Alter bleibt bei manchen Leuten das Durstgefühl aus. Deshalb sollten wir, wenn wir älter sind oder sich andere ältere Leute in unserer Obhut befinden, diese oder uns mehrmals am Tag zur Flüssigkeitsaufnahme anhalten. Das gilt vor allem im Sommer an heißen Tagen.
  • Bei starker Hitze, wenn wir zur Kühlung des Körpers vermehrt Flüssigkeit verdunsten, also schwitzen. Pro Stunde können wir dann bis zu einem Liter Flüssigkeit mehr verdunsten. Meist zeigt uns der Körper dies aber mit einem vermehrtem Durstgefühl an.
  • Bei starker Überhitzung. Dann kann der Körper einem lebensbedrohlichen Hitzschlag erleiden und die betroffene Person schläfrig werden. Somit wird auch das Durstgefühl unterdrückt. Dieser Zustand ist insbesondere bei Säuglingen rasch erreicht, die z.B. warm eingepackt in einem Auto zurückgelassen werden!
  • Bei dem Konsum von Alkohol. Hierbei kommt es zu einem wassertreibenden Effekt, der das Durstgefühl erhöht. Die Gefahr einer Überwässerung steigt.

Auswirkungen einer zu geringe Trinkmenge auf den Organismus

Ist der Körper  mit Flüssigkeit unterversorgt, wird die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit herabgesetzt und bereits ab 3% des Flüssigkeitsverlustes kommt zu Symptomen wie Kopfschmerzen und Mundtrockenheit. Im weiteren wird das Herz belastet, weil es immer schneller pumpen muss, um den Flüssigkeitsmangel auszugleichen. Ab 14 % Wasserverlust macht der Kreislauf schlapp und bei einem noch höheren Mangel tritt ein für den Körper lebensbedrohliche Zustand ein…

Besteht ein chronischer Flüssigkeitsunterversorgung, kann es zu einer verminderten Hirnleistung oder zur Bildung von Nierensteinen kommen und das ,,dickere Blut“ kann die Bildung von Ablagerungen in den Gefäßen begünstigen. Dadurch ist die Gefahr erhöht, dass sich ein so

Um diesen Gefahren vorzubeugen, sollte man einmal überprüfen, wieviel man trinkt. In der Regel wird ein gut funktionierendes Durstgefühl dafür sorgen, dass wir rechtzeitig Trinken wollen.

Manchmal vergessen wir allerdings leicht, dass ein Zuviel an Flüssigkeit langfristig genauso schädlich ist, wie zu wenig Flüssigkeit!

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4. Wie funktioniert die Flüssigkeitsregulation im Körper genau?

Im Körper gibt es Mess-Stellen (Rezeptoren) zum Beispiel in der Niere und im Magen, die messen können, wieviel Flüssigkeit im Körper vorhanden ist und wieviel aufgenommen wird. Sie geben die Mess-Ergebnisse an die Schaltstelle im Gehirn (Hypophyse) weiter.

Wenn dort ein  Flüssigkeitsmangel registriert wird, schüttet die Hypophyse  das sogenannte antidiuretische Hormon ADH in die Blutbahn aus. Dieses sorgt dafür, dass Flüssigkeit im Körper zurückgehalten wird.

ADH hat folgende Wirkungen:

Es sorgt in der Niere unter Einbeziehung weiterer Hormone dafür, dass Wasser und Elektolyte wie Natriumionen im Körper zurückgehalten, bzw. aus dem Urin wieder aufgenommen werden (Rückresorption).
Die arteriellen Blutgefäße ziehen sich zusammen, wodurch es zu einer Blutdruckerhöhung kommt, damit mehr Flüssigkeit pro Zeiteinheit durch den Körper fließt.
Es steuert das Trinkverhalten im Gehirn (Hypothalamus).

5. Immer wieder liest man ja auch, dass junge gesunde Menschen, die zu viel getrunken haben, wie Sportler oder Teilnehmer an Trinkwettbewerben, zu Tode kommen. Was passiert im Körper bei so einer ,,Wasservergiftung“?

Solche Fälle gibt es in der Tat. So gesehen kann man tatsächlich an Mineral-Wasser ,,ertrinken“. So starb zum Beispiel Jennifer S. (28) aus Kalifornien wenige Stunden, nachdem sie an einem Trinkwettbewerb teilgenommen hatte. Auch Todesfälle von Sportlern sind bekannt, die es mit dem Wassertrinken übertrieben haben.

Wasservergiftung durch Verschiebung der Elektrolyte

Eine sogenannte ,,Wasservergiftung“ (hypotone Hyperhydratation) kommt dadurch zustande, dass die normale Verteilung der Elektrolyte im Blut gestört wird. Insbesondere Natrium spielt bei der Aufrechterhaltung des sogenannten ,,osmotischen Gleichgewichtes“ eine zentrale Rolle. Dabei herrscht normalerweise eine dynamische, ausgeglichene Elektrolyt-Verteilung innerhalb und außerhalb der Zelle.

Wenn man zwar Wasser aufnimmt, aber zu wenig oder kein Salz (Kochsalz = Natriumchlorid), ist die Niere nicht in der Lage, ausreichend Wasser auszuscheiden, bzw. scheidet mit dem Wasser zuviel Natrium aus, sodaß das Gleichgewicht an geladenen Teilchen gestört wird.

Durch den sogenannten osmotischen Druck werden nun die Flüssigkeiten, die weniger geladenen Teilchen enthalten, also zum Beispiel salzarmes Wasser, durch die Zellmembranen ins innere der Zellen geschleust, wo noch eine höhere Salzkonzentration vorliegt, um diese auszugleichen. Es kommt zu Verschiebungen der Elektrolyte, insbesondere zu einer Unterversorgung an dem positiv geladenem Natrium.

Diesen Zustand nennt man ,,hypotone Hyperhydratation“, also eine Überwässerung mit zu wenig geladenen Teilchen in der Flüssigkeit.

Erst, wenn es die Niere mit ihren Regulationsmechanismen geschafft hat, durch vermehrte Wasser-Ausscheidung das Gleichgewicht wieder herzustellen, das Blutplasma also wieder ,,isoton“ geworden ist, ist dieser Zustand behoben.

Kann die Niere den Zustand nicht kompensieren, schwellen schließlich die Zellen an und können nicht mehr richtig funktionieren. Es bilden sich sogenannte Ödeme, die bei flach gelagertem Oberkörper (z.B. im Schlaf) auch die Lungen betreffen, die dann den Gasaustausch  mit Sauerstoff nicht mehr optimal durchführen können. Das führt dazu, dass die Organe, insbesondere das Gehirn, mit Sauerstoff unterversorgt werden.

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6. An welchen Symptomen kann ich eine solche Überwässerung erkennen, und was sind die Folgen?

SYMPTOME

  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Krankheitsgefühl …

FOLGEN

  • Hirnödem (Anschwellen des Gehirnes bei einer starken hypotonen Hyperhydratation). Da es sich durch den Schädel nicht weiter ausbreiten kann, kommt es zu einem
  • erhöhtem Hirndruck.
  • Lungenödem
  • Krampfanfälle
  • Koma und letzt endlich zum
  • Tod …

7. Was kann ich tun, wenn ich den Verdacht habe, dass jemand zuviel Wasser aufgenommen hat?

Im Zweifelsfall sollte man natürlich immer ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, insbesondere, wenn es der betroffenen Person oder einem selbst schlecht geht! Dann wird der Arzt versuchen, den Flüssigkeitshaushalt durch geeignete Maßnahmen wieder in Ordnung zu bringen, wozu er den Patienten und seine Blutwerte überwachen muss. So kann er zum einen die Symptome behandeln, wie die Sauerstoffzufuhr unterstützen, zum anderen aber auch für eine vorsichtige Wasserausschwemmung sorgen und geeignete Medikamente geben, wenn zum Beispiel die Lunge überwässert ist, aber auch, um  ein mögliches Hirnödem behandeln.

Hat man nur den vagen Eindruck, etwas viel Wasser getrunken zu haben, aber es geht einem relativ gut dabei, sollte man natürlich sofort mit dem Wasserkonsum, aber auch mit sportlicher Betätigung aufhören. Solche Elektolyt – Verschiebungen können nämlich auch für den Körper und insbesondere auch für das Herz  sehr anstrengend sein, welches man sich deshalb in so einer Situation nicht übermäßig belasten sollte. Ratschläge wie die, ein Salzbrot oder salzige Chips zu essen, werden kontrovers diskutiert. Im Zweifelsfall oder bei Unwohlsein sollte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, insbesondere, wenn Begleiterkrankungen vorliegen oder man einen unregelmäßigen Herzschlag oder Verwirrtheitssymptome an sich bemerkt!

8. Ich habe von speziellen ,,isotonen“ Getränken gehört. Soll ich, wenn ich Sport betreibe, diese dann zur Vorbeugung anstatt Wasser zu mir nehmen?

In der Tat gibt es Getränke, bei denen der Salzgehalt dem im menschlichen Körper entspricht. Dies ist übrigens auch bei den meisten Infusionen so. Paradebeispiel ist die ,,physiologischen Kochsalzlösung“, die neun Gramm Salz pro Liter Wasser enthält.

Allerdings kann unser Körper bei normalem Freizeitsport in der Regel das Flüssigkeitsdefizit mit Wasser noch ausgleichen. Bei starkem Wasserverlust ,beispielsweise durch Schwitzen bei Hitze oder schweißtreibendem Sport, kann es jedoch sinnvoll sein, isotonische Getränke zu trinken, um ausreichend Wasser und Salze aufzunehmen. Dies klärt man am besten mit seinem Arzt ab.

Auch das übliche Mineralwasser enthält übrigens Salze, deshalb kann z.B. Apfelschorle bei leichtem Sport den Flüssigkeitsbedarf gut decken, ohne dass es zu Problemen kommt.

9. Wieso hat man lange Zeit empfohlen, in jedem Fall möglichst viel Wasser zu trinken?

Dahinter steckt die einfache Tatsache, dass viele Untersuchungen zur Wasseraufnahme von der Getränkeindustrie, vor allem in den USA, in Auftrag gegeben wurden, die natürlich ein starkes Interesse an reichlichem Flüssigkeitskonsum haben. Dabei sind manche Empfehlungen, zum Beispiel zu Trinken, bevor man überhaupt Durst verspürt und die Aufnahme der Empfehlung von durchschnittlich zwei bis drei Liter Trinkmenge  am Tag, nicht nach zu vollziehen, während andere Empfehlungen durchaus Sinn machen.

So stehe ich einigen diese Trink-Kampagnen, z.B. auch an Schulen, durchaus auch positiv gegenüber. Immerhin war es lange Zeit so, dass die Kinder während der Schulzeit tatsächlich ihren Durst nicht stillen durften. So halte ich zum Beispiel die ,,Trinken im Unterricht“ Kampagne, obwohl sie auch von der Getränkeindustrie initiiert wurde, durchaus für sinnvoll, was auch Untersuchungen zeigen.

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10. Das waren wirklich viele Infos auf einmal… Könnten Sie noch einmal kurz zusammenfassen, was wir beim Trinken beachten müssen?

Dann trinken, wenn wir Durst haben, dabei kann die Menge auch einmal etwas von den Normwerten abweichen.
Über den Tag verteilt trinken und nicht zu große Flüssigkeitsmengen auf einmal aufnehmen, die dann ,,ungenutzt“ ausgeschieden werden.
Als ,,Durstgetränk“ eignet sich am beste Wasser (sauberes Trinkwasser, Mineralwasser), ungesüsster Tee, Saft-Schorle und – in geringeren Mengen – auch Kaffee und schwarzer Tee.
Normalerweise beträgt der Flüssigkeitsbedarf bei einem Erwachsenen mit nicht zu starker sportlicher Betätigung etwa 1,5 Liter am Tag.
Bei Säuglingen, kranken und älteren Menschen sowie Leistungssportler gelten andere Richtwerte.
Bei starker sportlicher Tätigkeit (z.B. bei Leistungssport) eventuell auf isotone Durstlöscher umschwenken.
Hohe Flüssigkeitsaufnahmen, gesteigertes Durstgefühl und Unsicherheiten sollten mit einem Arzt besprochen werden, denn sie bedürfen individuelle Empfehlungen und vielleicht auch weiterführende Untersuchungen.

Frau Dr. Wagner, wir danken für dieses Gespräch!

GENTECHNIK – Genveränderte Menschen geboren! He Jiankui züchtet mit Genschere CRISPR Menschen, die resistent gegen HIV sind – DIE HINTERGRÜNDE

cropped-fullsizeoutput_3b5b5.jpegEs ist vollbracht … Die ersten genveränderten Menschen haben vor ein paar Wochen das Licht der Welt erblickt. Die Welt reagiert mit Jubel, Entsetzen und Abscheu …

Aber zuerst die Fakten: Die Nachricht verbreitete sich in den Medien wie ein Lauffeuer: Auf dem zweiten internationale Genetik – Wissenschaftssymposium (International Summit on Human Gene Editing) am 28. November in Honkong, überraschte der chinesische Wissenschaftler He Jiankui die Welt mit einer Nachricht, deren Folgen die Medizin für immer verändern würden …

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Leserfrage: ,,Ist der Körper mit einer normalen Ernährung optimal versorgt oder muss ich zusätzlich etwas beachten?“

In der Rubrik ,,Leserfragen“ beantworte ich häufig gestellte Fragen, die von allgemeinen Interesse sind und gebe Tipps, die aus meinem persönlichen medizinischen Erfahrungsschatz, aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und aus allgemeinen Empfehlungen hergeleitet sind.

cropped-fullsizeoutput_3ca31.jpegDa ich öffentlich antworte, kann ich persönliche  Angaben nicht mit einbeziehen und iübernehme auch keine Garantien für die Inhalte oder Therapien. Außerdem empfehle ich ausdrücklich, sich bei gesundheitlichen Problemen an einen Arzt Eures Vertrauens zu wenden! Nun aber genug der rechtlichen Abhandlungen … kommen wir zum Wesentlichen …

Viel Spaß und gute Erkenntnisse beim Lesen und  natürlich gute Besserung, falls Ihr gerade krank seid!

Die heutige Frage:

Ich denke, ich ernähren mich ,,normal“: Ich esse morgens Müsli und Joghurt, in der Frühstückspause meist ein Stück Obst und mittags Gemüse, wenig Fleisch, Nudeln oder Kartoffeln, Soße, grüner Salat. Etwa 2x in der Woche gehe ich 20 Minuten joggen  und freitags esse ich meist Fisch. Ich rauche nicht und trinke ab und zu ein Glas Wein oder Bier. Betrunken bin ich nie! Ich gehe einmal im Jahr zum Doc und lasse mich ,,checken“ mit Blutwerten und EKG.

Dennoch bin ich jetzt, da ich die 40 überschritten habe, manchmal müde und merke, dass meine Leistungsfähigkeit nachlässt.

Reicht mein bisheriges ,,Konzept“ aus, oder soll ich noch etwas zusätzlich machen?

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Innere Ausgeglichenheit ist eine der Säulen eines schönen und gesunden Lebens

Antwort Dr. Nessy

Grundsätzlich hast Du sicherlich eine ordentliche Basis für ein gesundes, langes Leben!

Denn du hast einen guten Weg für Dich gefunden, um den Unbillen, die nun einmal in jeder Phase unseres Lebens auf uns einprasseln, entgegen zu treten. Wobei ich das leise Gefühl nicht los werde, dass ja vielleicht  bei Dir noch ein wenig Luft nach oben ist…

Ein Problem bei der nachlassenden Leistungsfähigkeit …

ist sicherlich, dass wir es ohne Nahrungsergänzungsmittel eben meist doch nicht schaffen, unseren Körper mit allem zu versorgen, was er braucht, wie ich auch in den Bluttests der Patienten oft genug gesehen habe! Deshalb muß man herausfinden, ob Unterversorgungen an bestimmten Stoffen vorhanden sind. Dazu kann man natürlich Labortests durchführen, wobei man beachten muss, dass diese Tests oft nur Momentaufnahmen sind! Dennoch ist mein Vorschlag der, einen Arzt Deines Vertrauens aufzusuchen und diese Fragestellungen mit ihm abzuklären. Denn oft kann er Mängel auch an bestimmten klinischen Zeichen oder aus der Kenntnis der Ernährungsweise herausfinden.

Ich habe Dir nun, gemäß dem Ansatz: ,,Häufiges ist häufig und Seltenes ist selten“ im Folgenden die häufigsten Mängel aufgelistet!

Folgende Stoffe kommen häufig als Nahrungsergänzung zum Einsatz:

Als ,,Notnagel“ kann man , wenn man sich müde und schlapp fühlt und denkt, man können eventuell einen Nährstoffmangel haben

  •  die Mikroalge Spirulina

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einnehmen, mit der ich sehr gerne arbeite, weil sie über etwa 3000 verschiedenen Nährstoffe verfügt. Meist kommen diese in relativ niedrigen, ungefährlichen Dosierungen vor. Allerdings ist sie reich an  B-Vitaminen, an denen besonders Vegetarier häufig einen Mangel aufweisen, wenn sie kein Fleisch und wenig Milch oder Eier zu sich nehmen. Dies kann  zu  Konzentrationsschwäche, neurologische Störungen, Herzmuskelschwäche und allgemeiner Muskelschwund führen. Außerdem enthält Spirulina kein Jod. Dies ist wichtig, weil dauerhaft zu viel davon die Schilddrüse hemmen oder bei einer Autonomie zu einer bedrohlichen sogenannten thyreotoxischen Krise führen kann.

Der Vorteil von der Süßwasser-Blaualge ist, dass die Stoffe ergänzend zusammenwirken. Denn für die Aufnahme und Wirkungsweise ist das Zusammenspiel vieler Stoffe notwendig und die Natur hat es bei dieser Zusammensetzung meist optimal eingerichtet,  während Einzelvitamine oft nicht den gewünschten Effekt haben.

Notwendig ist bei relativ vielen Leuten auch die Einnahme des bereits genannten

  • Jod

. Vorher sollte man allerdings unbedingt beim Doc eine Autonomie/Knoten der Schilddrüse ausschließen lassen.

Die liegt daran, dass unsere Nahrung bis auf Fisch oder anderes Meerwassergetier kaum Jod enthält. Als Folge wird die Schilddrüse zuerst größer, schließlich bildet sich eine Unterfunktion aus, die z.B. auch den Antrieb und die Müdigkeit fördert! Die Schilddrüse entzündet sich auch öfter (,,Hashimoto-Thyreoditis „) und bildet Antikörper gegen sich selbst.

Des weiteren hat man auch festgestellt, dass in Deutschland, beispielsweise im Gegensatz zur USA  tatsächlich häufig ein

  • Selen

-Mangel vorliegt. Dies liegt zum einen daran, dass  hierzulande die Böden tatsächlich häufiger selen-arm sind, zum anderen daran, dass die Menschen auch weniger Fleisch essen. Ein Mangel kann sich übrigens in Muskelschwäche, Müdigkeit, leichtes Frieren, Haarausfall und Nagelveränderungen (z.B. weiße Flecken) zeigen.

  •  Zink

ist ein weiter Mineralstoff, an dem häufig ein Mangel besteht, wenn man wenig von Zinkreichen Lebensmitteln wie  Hartkäse, Vollkorn, Nüssen, Austern und  Leber zu sich nimmt. Er ist wichtig für das Immunsystem, aber auch für Haut, Haare und Nägel.

  •  Vitamin D

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ist ein weiterer Anwärter, zu dessen Mangel wir neigen. Wir haben in unserer Praxis bei etwa 30 % der Patienten, die wir getestet haben, einen substitutionswürdigen Vitamin D Mangel festgestellt. Das ,,Sonnenvitamin“, das zu 80% mit Hilfe der Sonne vom Körper selbst hergestellt wird, wird vom Körper unter anderem für die Immunfunktion, für die Knochenherstellung und  für das Zusammenwirken der Nervenzellen benötigt und hat eine Kontrollfunktion bei der Entwicklung von Gewebe. Während bis vor kurzem die einmal wöchentliche Gabe empfohlen wurde, ist man nun dazu übergegangen, eine tägliche Gabe zu favourisiern, damit sehr hohe Spiegel vermieden werden können.

  • Eisen

-Mangel  haben Frauen häufiger als Männer. Zum Einen durch die Periodenblutung oder eine Schwangerschaft, aber auch durch den Östrogenhaushalt an sich. Des weiteren kann bei beiden Geschlechtern  eine konsumierende Erkrankung (Tumor) dahinterstecken, okkulte (versteckte) Blutungen, zum Beispiel im Magen-Darmtrakt bei Divertikelblutungen oder bei einem Magengeschwür.

Natürlich gibt es

  • eine Reihe weiterer Stoffe,

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deren Versorgung mangelhaft sein kann und die dann und wann substituiert werden sollten! Hierzu gehören je nach Lebensabschnitt

Vitamin K, Fluor, (Substitution beim Säugling teilweise empfohlen), Vitamin C,  Calcium, Proteine (Mangel relativ häufig in der zweiten Lebenshälfte) ….

Eine Sonderstellung nimmt die Substitution von

  • Hormonen

ein über deren Notwendigkeit gerade beim Mann, allerdings deutliche Zweifel bestehen! Wenn man sich hierüber Gedanken macht, sollte man sich an einen Endokrinologen wenden, der genau untersuchen kann, ob Veränderungen des Hormonhaushaltes, die nicht altersentsprechend oder für Beschwerden verantwortlich sind, vorliegen!

Natürlich gibt es darüber hinaus noch

  •  weitere ,,Super“-Supplementierungen,

die den Organismus unterstützen sollen, die aber klinisch (noch) nicht eindeutig empfohlen werden, wie zum Beispiel

  • Colostrum-Kapseln (die ,,erste Milch“ nach der Geburt ist besonders reich an Stamm- und Immunzellen),
  • Collagen zum Trinken,(lagert sich im Bindegewebe an und soll es erhalten und so z.B. gegen Falten wirken)
  • das nährstoffreiche Gelee-Royale (der Futtersaft für die Bienekönigin enthält eine exzellente Nährstoffzusammensetzung für eine  hohe Leistungsfähigkeit),
  • Chia-Samen (enthält ideale Fettsäuren),
  • Traubenkern-Extrakt (ideale Fettsäuren und vielleicht Stoffe, die konservieren),
  • Ginseng-Wurzeln (v.a. in der Traditionell chinesischen Medizin als Kräftigungsmittel bekannt, soll u.a. die Denkfähigkeit erhalten),
  • MSM-Komplex (lagert sich im Gelenkknorpel an),
  • Astaxanthin (der rote Kraftstoff lässt die Lachse für das Laichen Fluss aufwärts schwimmen)
  • uvm.

Diese können in bestimmte Situationen vielleicht sinnvoll sein, ein Mangel daran besteht umgekehrt nicht, wenn man darauf verzichtet!

Allerdings wird diesen Stoffen, gerade von den vertreibenden Firmen, ein großer Nutzen für die Gesundheit zugeschrieben. In der Tat gibt es auch z.T. Studien, die darauf hinweisen! Ich werde sporadisch immer wieder auf solche ,, Super-Foods“ eingehen, aber schulmedizinisch wird ihr Einsatz aktuell nicht für nötig befunden.

Kommen wir zu der Frage, wieviel

Bewegungs-, Kraft- und Ausdauertraining

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Der Flexi-Bar

sinnvoll sind. Denn eine umfassende Ernährung und evtl. Supplementierung reicht nicht aus. Der Körper muss zudem fit gehalten werden! Hier gibt es viele unterschiedlichen Studien, wobei zweimal 20 Minuten Jogging in der Woche schon ganz gut ist.

Natürlich kann man auch seinen Alltag aktiv gestalten, so sind  flottes Spazieren gehen, häufiges Treppensteigen, Hobbys wie   Tanzen, Seilspringen, Reiten und Ballspielen, oder was einem sonst Spaß macht und mit Bewegung verbunden ist, toll geeignet, den Kreislauf auf Trab zu bringen und die Belastungsfähigkeit zu erhalten, wenn man das Ganze vernünftig angeht und regelmäßig trainiert.

Allerdings wird in der modernen Medizin aktuell empfohlen, gezielt nicht nur die

Ausdauer (Alltag, Audauersportart),

zu trainieren, sondern auch die

Beweglichkeit (Dehnung, gezielte Gymnastik),

was am besten durch gezielte Gymnastik und Dehnungsübungen geht und die

Muskelkraft (Krafttraining, Tens)

zu stärken, insbesondere auch der Rücken- und Bauchmuskulatur.

 

Möglichkeiten des Trainings:

Hier habe ich Dir einmal ein paar Möglichkeiten des gezielten Trainings aufgeschrieben.

  • Kieser-Training,

, welches ein nach medizinischen Gesichtspunkten ausgewählte Gerätetraining vor allem auch der Rückenmuskulatur beinhaltet und in speziellen Kieser-Zentren angeboten wird und auch bei Rückenbewchwerden sinnvoll ist!

  • Thai-Chi,

das durch statische Dehnungsübungen nicht nur für die Dehnungsfähigkeit der Muskeln, sondern auch für das äußere und innere Gleichgewicht sehr gut geeignet ist. Auch hilfreich, um die  sogenannte auctochtone (tiefe, innere Halte-) Muskulatur zu stärken, die aktiv nur schwer trainierbar ist, sind 5 MInuten tägliches Training mit dem sogenannten

  • Flexi-Bar.

Das ist ein Stab, den man selbst in Schwingung versetzt. Dadurch muss die tiefe Rückenmuskulatur und Baumuskulatur Haltearbeit verrichten und aktiv ist es kaum ,,Arbeit“ ! Allerdings empfehle ich, vorher und nachher ein paar Lockerungs. und Dehnungsübungen durchzuführen. Dies kann z.B. durch ausschütteln, hin- und herschwingen und strecken des Körpers geschehen…

Außerdem würde ich Dir ein

  •  leichtes Muskel -Aufbautraining

an speziellen Geräten, beispielsweise  in einem Fitness-Club, empfehlen, denn die Muckis fangen schon ab dem 25. Lebensjahr langsam an, sich mit Fett zu durchsetzen und weniger zu werden, wenn sie nicht gefordert werden. Wenn Du keinen Bock auf Geräte hast, gibt es übrigens  auch den ,,Weg für ,,solche, die gerne ihre eigene Energie sparen “ oder ,,Bewegungseingeschränkte“, die sogenannte

  • TENS (trankutane nervale Muskel-Stimulation)

Dabei handelt es sich um eine Form der Elektrotherapie bzw. Reizstromtherapie, die  für die Behandlung von  Muskelerkrankungen, aber auch Schmerzen  und Wunden eingesetzt wird, mit der man gezielt Muskeln durch Elektro-Stimulation trainieren und aufbauen  kann.

Natürlich gibt es noch eine ganze reihe weiterer Möglichkeiten, wie Schwimmen und Wassergymnastik, bei denen Kraft und Ausdauer, z.T. auch Dehnungsfähigkeit  trainiert wird,  oder auch Herzsportgruppen, die man besuchen kann, wenn zusätzlich eine Herzerkrankung vorliegt.

Ebenso können spezielle Gymnastik- oder auch Tanz-Kurse,  vielleicht das Richtige für Dich sein.

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Schau´ Dich einfach einmal um, was in Deiner Stadt angeboten wird und sprich´ vorher mit dem Arzt ab, was er von der Idee hält. Vielleicht möchte er aber auch noch, bevor Du startest, ein Belastungs-EKG vornehmen, um einen Überblick über Deine Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Denn je nach Interessen, Alter und körperlichen Möglichkeiten können unterschiedliche Ansätze für den Erhalt Deiner körperlichen Fitness die richtigen sein!

Du siehst, das Vorhaben, möglichst lange jung und vital zu bleiben, ist eine Lebenseinstellung,  der man auch immer einen Platz im Alltag zubilligen muß, damit man auch mit 80 noch fröhlich in den Spiegel schauen kann und einem dabei immer noch das gewisse, unternehmungslustige, jugendliche Blitzen in den Augen zurückblickt!

In diesem Sinne wünsche ich Dir noch ein wunderschönes, interessantes und natürlich gesundes Leben,

Deine Dr. Nessy

Medizinische Woche Baden-Baden, Teil 1: Vorträge und Preisverleihung Wissenschaftspreis der NATUM

Hallo Ihr Lieben!

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Als Moderatorin sollte man 1-2 gute Fragen stellen oder eine ,,spontane“ auflockernde Bemerkung auf den Lippen haben. Also lausche ich konzentriert den Vorträgen …

Am Wochenende habe ich mich, wie alle Jahre wieder, aufgemacht, um den größten und spannendsten komplementär-medizinschen und naturheilkundlichen Kongress in Europa, die ,,Medizinische Woche“ in Baden-Baden zu besuchen. Klar, dass ich Euch meine neuen Erkenntnisse nicht vorenthalten möchte! Insgesamt wurde etwa 200 Vorträge gehalten. Exemplarisch berichte ich Euch heute über eine interessante Vortragsreihe, an der ich mitgewirkt habe. Nächste Woche veröffentliche ich dann den zweiten Teil mit einigen neuen ,,Highlights“ der Ausstellung!

Aber nun spanne ich Euch nicht weiter auf die Folter! Viel Spaß und auch Euch viele neue Erkenntnisse …

Auf der ,,Medizinischen Woche Baden-Baden“ eröffnete Dr. Bernhard Ost vor gut gefüllten Reihen den NATUM-Tag Baden-Baden 2018 mit einer hochkarätigen Vortragsreihe und der Verleihung des Forschungspreises Komplementärmedizin 2018 an Professor Dr. Andreas Michalsen und seinem Team für die Arbeit über ,,Effekte von Kurzfasten auf die Lebensqualität und Verträglichkeit einer Chemotherapie bei Patientinnen mit Brust- und Ovarialkarzinom“. „Medizinische Woche Baden-Baden, Teil 1: Vorträge und Preisverleihung Wissenschaftspreis der NATUM“ weiterlesen

HERZINFARKT – THROMBOSE – EMBOLIE – Wie entstehen sie und wie kann ich mich schützen? Besondere Risiken Frauen/Männer

 

Nachdem letzte Woche die Geschichte des Fußballers Karl, der einen Herzinfarkt erlitt, gezeigt hat, dass man auch in jungen Jahren an Gefäßerkrankungen erkranken kann, gehen wir heute der Sache auf den Grund! Ich erkläre Euch, was einem Infarkt voraus geht, welche die Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen sind, wie sie genau entstehen und  welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt.

Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Geschlechtsunterschiede gelegt.

„HERZINFARKT – THROMBOSE – EMBOLIE – Wie entstehen sie und wie kann ich mich schützen? Besondere Risiken Frauen/Männer“ weiterlesen

Wie Fußballspieler Karl nur knapp einen Herz-Infarkt überlebte, wichtigste Erste-Hilfe Maßnahmen

Heute geht es um die Geschichte des Fußballers Karl, der auf dem Spielfeld einen Herzinfarkt erlitt! Anhand seiner Geschichte seht Ihr den möglichen Ablauf eines Herzinfaktes, die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen und Möglichkeiten der Akut-Behandlung … Lasst Euch überraschen!Bildschirmfoto 2018-10-14 um 20.14.13.pngDie Geschichte, die Maßnahmen und Abläufe sind nach meiner langjährigen Erfahrung als Notärztin beschrieben worden. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass ich keine Verantwortung für die Anwendung übernehme und ich bei jeder Erkrankung das Hinzuziehen eines Arztes empfehle. Zudem empfehle ich jedem, einen erste Hilfe Kurs zu absolvieren, in dem die richtigen Handgriffe erlernt werden können, auch wenn es besser ist, überhaupt zu agieren anstatt nur tatenlos zuzusehen, aus der Angst heraus, etwas falsch zu machen!

Notsituation! Infarkte sind meist

plötzliche, potentiell lebensbedrohliche Ereignisse …Herz, Herzschlag, Medizin, Frequenz

,, Wir gingen spazieren, auf einmal hatte er heftigste Schmerzen in der Brust…“,  ,, … ich glaubte, ersticken zu müssen…“, ,, … wurde er plötzlich und unerwartet aus unserer Mitte gerissen …“, ,,die Oma hat einfach morgens tot im Bett gelegen …“

Es ist erschreckend, was Erkrankungen, bei denen ein Pfropf irgendwo in unserem Gefäßsystem plötzlich die weitere Blut – und damit Sauerstoffzufuhr abschnürt, für Folgen haben können. Trifft es das Versorgungssystem des Herzens, der Lunge oder des Gehirnes, kann ein solcher Gefäßverschluss leicht tödlich enden. Deshalb steht dieses Thema auch an zweiter Stelle meiner Anti Aging Serie, ist es doch für ein langes und gesundes Leben eines der wichtigsten Dinge, diese Gefäßerkrankungen zu verstehen und soweit möglich zu vermeiden bzw. richtig zu behandeln!

Thrombose und Embolie …

Dabei ist ein sogenannter Thrombus ein Blutgerinnsel im Gefäß, welches sich ggf. umbaut und das Gefäß verengt oder gar verschließt.

Auch bei einer sogenannten Embolie kommt es zu einem Gefäßverschluss, der dem nachfolgende Organ die Sauerstoffzufuhr abschnürt. Allerdings wird hier das Verstopfungsmaterial von anderswo eingeschwemmt und entsteht nicht an der Verstopfungsstelle. Oft handelt es sich um einen Thrombus, der sich an anderer Stelle gelöst hat oder aber um Luftbläschen, welches zum Beispiel bei einer medizinischen Maßnahme oder auch bei einer Geburt in das Gefäßsystem eingebracht wurden.

Das Problem, dass sich im Lauf unseres Lebens ergibt, ist, dass  sich alles in und an unserem Körper mehr oder weniger abnutzt. Bei manchen Strukturen ist das nicht weiter tragisch – schließlich können wir uns zum gewissen Grad regenerieren. Schlimm ist es jedoch bei den Gefäßen, den  ,,Straßen“ in unserem Körper, auf denen Sauerstoff, Nähr-, Signal-, Abwehr- und Botenstoffe transportiert werden. Verstopfen die ,,Hauptverkehrsstraßen“, die unseren Herzmuskel versorgen, kann es unter Umständen kritisch, ja, lebensbedrohlich werden.

Fallbeispiel

Karl ist ein leidenschaftlicher Fußballspieler. 27 Jahre ist er jung und steht kurz vor dem Aufstieg in die Nationalelf. Mama Grete ist mächtig stolz auf ihn, obwohl sie eigentlich gar nichts von Fußball versteht. Aber der Trainer hat ihr erzählt , wie talentiert ihr Sohn ist. Welche Mutter hört das nicht gerne! Heute jedoch  hat sie ein komisches Gefühl und möchte ihn irgendwie gar nicht aus dem Haus lassen.  ,,Mama, stell dich nicht so an, es ist doch nur ein Freundschaftsspiel!“, lacht Karl noch beim Weggehen… ,,Hätte er mal besser auf mich gehört“ – so wird Grete später schmerzlich an diesen Moment zurückdenken.

Die gegnerische Mannschaft ist eher schwach aufgestellt. Karl trippelt los. Kaum Widerstand von der gegnerischen Mannschaft. Da entdeckt er sein Kumpel Ole der rechts vor dem Tor steht! Nicht einer der gegnerischen Mannschaft steht im Weg … Klar. dass Karl die Situation blitzschnell erfasst und  den Moment nutzt, ihm den Ball zuzuspielen – er visiert Ole an, schießt … und dann passiert es!  In dem Moment, in dem er den Ball trifft, schießt es wie ein Stromschlag durch seinen Körper. Er fällt sofort zu Boden. Der Schmerz ist unmenschlich, so stark, dass ihm buchstäblich die Luft zum Schreien wegbleibt. ,,Das wars dann!“ schießt ihm noch durch den Kopf, dann wird er ohnmächtig…

 

Ein akuter Herzinfakt!
Der Arzt, der zufällig direkt am Spielrand steht, hat seinen Blick in diesem Moment bei Ole, als er den Ball souverän ins Tor schießt. Die  Ole sieht sich nach Karl um, der ihm den Ball so grandios zugespielt hat. Da entdeckt er ihn – am Boden liegend! Ole schreit laut, doch die Jubelschreie sind ohrenbetäubend…Verzweifelt rennt er zu ihm – und findet ihn – schreit ihn an, doch Ole reagiert nicht …

Ole erinnert sich an seinen  Rettungskurs beim Führerschein! Oh Gott! Was soll er tun! Er ruft noch einmal laut nach dem Doc, aber dann verschwimmt alle um ih herum und wie in Trance gibt es nur noch ihn … und Karl

Er beugt sich über Karl und überlegt, wie er das gelernt hat …Wie war das noch einmal, wenn man eine leblose Person vorfindet? Wie ein Film läuft alles, was er in dem Führerschein-Kurs vor kurzem gelernt hat, vor seinem inneren Auge ab … Nie hätte er gedacht, dass es tatsächlich einmal nur von ihm abhängt, ob ein Mensch überlebt…

ERSTE HILFE-MAßNAHMEN

1. Person aus möglicher Gefahrenzone  bringen, sich aber nicht selbst in Gefahr begeben. Dabei so schonend wie möglich bewegen, aber dennoch zügig arbeiten

2. Ansprechbarkeit überprüfen, dabei evtl. sanft schütteln, wenn Verletzungen in dem Bereich unwahrscheinlich.

3. Überprüfung der Atmung. Dabei Bewegungen Brustkorb beobachten, über Gesicht beugen und hören, ob man Atemgeräusche wahrnehmen kann oder den Luftzug an der eigenen Wange spüren kann …

3b. Wenn Person bewußtlos, aber Atmung vorhanden, Lagerung in stabiler Seitenlage. Dabei wird der Kopf  leicht überstreckt und der Mund ist tiefster Punkt des Körpers, damit Erbrochenes nicht die Atemwege verlegt. Außerdem sollte auf den Brustkorb kein Druck lasten, der die Atmung beeinträchtigt.

dabei Atemwege freimachen. Der Kopf wird dazu ganz vorsichtig etwas nach  hinten gestreckt und der Kiefer leicht nach oben  geschoben, wenn er nach unten abgeknickt ist, damit die Luft möglichst gut zirkulieren kann.

4. auch, wenn man diesen Schritt laut neueren Richtlinien übergehen sollte, auf alle Fälle dafür aber kaum Zeit aufwenden sollte, so kann man doch kurz schauen, ob man einen Puls findet, etwa, indem man auf einer Seite des Halses unterhalb des Kieferwinkels zwei Finger positioniert …

5. Wenn möglich, Hilfe rufen lasse, detaillierte Angaben machen, wo, wer wie,… dabei dann unverzüglich mit der

6. Beatmung und Herzdruckmassage beginnen, dazu Oberkörper  freimachen, eine Hand auf etwa die Mittes des Brustbeins legen , die andere Hand kreuzförmig darüber. Nun wird etwa 100x in der Minute gedrückt und zwar mit dem ganzen Gewicht und bis die Arme ganz durchgedrückt sind (etwa 5 cm tief). nach jedem Druck muß sich der Brustkorb wieder ganz ausdehnen.

7. Nach etwa 30 Drücken kann man 2x  beatmen. Man muss dies aber nicht unbedingt, wenn man sich das nicht zutraut. Dazu zieht man das Kinn mit einer Hand nach oben hält mit dem Daumen den Mund offen. Mit der anderen Hand hält man mit Daumen und Zeigefinger die Nase zu und beatmet dann mit dem Mund 2x. Während man die Luft einbläst, sollte sich der Brustkorb heben.Krankenschwester, Krankenpflege, Schmerz

Schon während Ole die Punkte vor seinem geistigen Auge durchgegangen hat, hat er mit der Herzdruckmassage begonnen. Auch, wenn er sich nicht ganz sicher war… Er hatte genau 23 x gedrückt, als der Arzt und die Sanitäter bei ihm waren.

Nun schaut er gebannt zu, wie die Fachleute agieren.  Immer noch nicht kann er fassen, was ihm da gerade passiert ist… Gott sei Dank war der Arzt gleich da … Aber was wäre gewesen, wenn niemand gekommen wäre?

Die Antwort darauf hatte man in seinem Kurs nämlich nicht gegeben… Aber wie lange muß man eigentlich dieses Vorgehen weiter durchführen, wenn eben keine Hilfe naht und sich nichts am Zustand des Patienten ändert …?

Die Frage muss schon deshalb unbeantwortet bleiben, weil es dafür eben keine festen Regeln gibt … Aber : Länger als maximal etwa eine Stunde hält man dieses Vorgehen in der Regel nicht durch und mit jeder Minute schwinden die Chancen, dass der/diejenige wieder zum Leben erweckt werden kann, was natürlich auch von der Ursache des Zustandes abhängt… Nur eine Ausnahme gibt es: Wenn jemand in sehr kalter Umgebung war, steigt die Chance bei Erwärmung, dass er wiederbelebt werden kann. Deshalb lernt jeder Medizinstudent: ,,No one is dead, until he´s warm and dead …“

Wenn der Puls einsetzt, aber die Atmung ausbleibt, muss natürlich auch weiter beatmet werden … Meist setzt aber mit dem Puls auch die Atmung wieder ein. Dies kann unter Umständen anders sein, wenn zum Beispiel Medikamente oder Drogen mit beteiligt sind.

Kommen wir zurück zur Reanimation und lasst mich noch einmal kurz wiederholen, worauf es ankommt …

NOTFALL LEBLOSE PERSON (Kurzfassung)

  1. Ansprechbarkeit überprüfen
  2. Überprüfung Atmung/Atemwege freimachen
  3. heute nicht mehr im offiziellen Algorithmus: Puls da? Auf keinen Fall dadurch viel Zeit verlieren und wenn Puls tastbar, sicher sein, dass es nicht der eigenen ist!
  4. Info Rettungsdienst, ggf. durch Zweitperson
  5. Dann unverzüglich Beginn Herzdruck-Massage 30 x Drücken, dann 2x Mund- zu Mund Beatmung, jedoch ist die Druckmassage am Anfang wichtiger, da der Sauerstoff im Blut noch wenige Minuten für die Versorgung ausreicht!

Die Zeit verrinnt unendlich langsam. Kostbare Zeit. Die restliche Mannschaft bekommt erst nach und nach den Ernst der Lage mit und einer nach dem anderen verstummt. Ole sieht, wie auf dem EKG, das die Sanitäter angeschlossen haben, feine Flimmerwellen zu sehen sind und wie der Notarzt dann den Defibrillator einsetzt… Nach dem ersten Versuch ändert sich nichts. Doch der Notarzt gibt nicht auf und nach dem zweiten Schock sieht man tatsächlich ein regelmäßiges Muster auf dem EKG, worauf die Fachleute erleichtert sind…

Gott sei Dank ist der Notarzt ist ein alter Fuchs. Denn  als er das EKG sieht, ist ihm die Sache klar… Karl hat ein sogenanntes ,,Erstickungs-T“ , das ein Hinweis auf eine  Minderdurchblutung des Herzens ist. Irgend etwas hat die Sauerstoff-Zufuhr der Gefäße, die das Herz mit Blut versorgen, unterbrochen…  Solange das Gefäß nicht wieder durchgängig ist, ist zumindest dieses Spiel noch nicht gewonnen!

Der Patient ist nicht zu stabilisieren!

Da der Spieler immer wieder instabil wird,  ist, muß das Gefäß dringend wieder eröffnet werden, sonst besteht die Gefahr. dass Karl den Transport ins Krankenhaus nicht übersteht. Deshalb überlegt  der Mediziner,  noch vor Ort eine sogenannte Lyse durchzuführen, auch wenn er weiß, dass das er damit bei  manchen seiner Kollegen auf Widerstand stößt. Dabei löst ein Medikament das Blutgerinnsel  wieder auf, dass wahrscheinlich in einem der drei  Herzkranzgefäße die Blutzufuhr zum Herz unterbricht. Dann  könnte das Blut wieder fließen  und das nachfolgende Organ, in diesem Falle das Herz, wieder mit Sauerstoff versorgen. Nur dann kann es seine Arbeit wieder ordentlich verrichten und seinerseits das sauerstoffreiche Blut der Lunge in den Körper pumpen.

Ist eine sogenannte Lyse, die das Herz wieder mit Sauerstoff versorgen kann, zu gefärhlich?

Das Problem ist aber, dass das Blut so flüssig wird, dass die Gefahr einer Blutung deutlich erhöht ist, besonders dann, wenn der Blutdruck des Patienten relativ hoch ist,  er unter einem Magengeschwür leidet, ein Gefäßschäden bestehen  oder bestimmte Medikamente eingenommen werden, die die Blutverdünnung dienen …

Aber er weiß auch, dass Karl wahrscheinlich keine andere Chance hat. Zu viele Infarktpatienten hat der Medicus  schon unter seinen Händen sterben sehen. Er spürt genau, wann es kritisch um einen Menschen stehtRettungswagen, Asb, Notruf, Krankenwagen

Die Lyse bessert Karls Zustand tatsächlich. Die EKG-Veränderungen verschwinden noch im Krankenwagen. Ja, es war ein Infarkt.

Er hatte keine akute Herzschwäche durch etwa eine Herzmuskelentzündung oder eine angeborenen Erregungsleitungs-Störung, wie sie für  junge Menschen in so einer Situation eigentlich typischer wären…Aber auch  die Laborveränderungen später im Krankenhaus bestätigen die Diagnose …

Man denkt immer, junge Menschen träfe es nicht, aber auch sie können betroffen sein!

Karl hat großes Glück gehabt. Entscheidend war, das Ole gleich mit der Reanimation begonnen hat und ein erfahrener Notarzt sofort zur Stelle war!

Wieso soll ich mich schon als (relativ) junger Mensch mit diesem ,,Kram“ auseinandersetzen?

Nein, häufig ist es natürlich nicht, in jungen Jahren einen  Herzinfarkt zu bekommen. Aber durchaus möglich.  An der Universität  Laval in Zusammenarbeit mit dem kardiologischen Institut in Québec  wurde eine Studie mit 168 junge Männer und Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren, die keine Risikofaktoren für Herz-Erkrankungen hatten, durchgeführt.  Familiäre Krankengeschichte, Body-Mass-Index (BMI) , Bauchumfang,  Fettablagerungen rund um die Organe im Brust- und Bauchbereich und Zustand der Halsschlagader wurden überprüft. Die Ergebnisse verwunderten den Leiter, Dr. Eric Larose, dann doch:,, Vor allem junge Menschen, die aussehen wie das blühende Leben, zeigten ein bedenkliches Maß an Arteriosklerose!“

Natürlich dauert es in der Regel Jahre, bis die Gefäße ihre Schädigungen nicht mehr kompensieren können, deshalb möchte ich hier keine Horrorszenarien an die Wand malen. Fest steht aber, dass in jungen Jahren die Weichen für viele Erkrankungen, die sich dann im Alter manifestieren, gelegt werden!

 

 

Forever Young / Anti Aging – Teil 1: Warum altern wir und was kann man dagegen tun?

Je älter man wird, umso intensiver denkt man darüber nach, ob es vielleicht irgendwo doch eine Möglichkeit des ,,ewigen Lebens“ gibt oder wenn das schon nicht ginge, dann wollen wir doch zumindest unser Alter irgendwie verlangsamen können, sei es mit einer Pille, einem Serum oder einer Spritze , von denen in so vielen Filmen und Büchern die Rede ist! Da denke ich an die makabere Komödie ,,Der Tod steht ihr gut“ mit Isabella Rosselini  oder an einen ,,Jungbrunnen“, wie er auf dem berühmten Bild von Lucas Cranach zu sehen ist!

„Forever Young / Anti Aging – Teil 1: Warum altern wir und was kann man dagegen tun?“ weiterlesen

Insulinresistenz, Zuckerkrankheit (Diabetes) Grundlagen, aktuelle Erkenntnisse: Ein Gesellschaftsproblem, dass auch uns betrifft?


Wegen gehäufter Fragen und Mißverständnisse möchte ich vor dem eigentlichen Artikel  aber noch kurz etwas in eigener Sache loswerden ...

Warum sind meine medizinischen Artikel anders als manche anderen ,,Krankheitsartikel“, die im Internet veröffentlicht werden?

Weil ich

  • regelmäßig zu neuen, für Euch wichtigen  Erkentnissen medizinisch fundierte Übersichtsartikel veröffentliche und Euch so nach Möglichkeit,,auf dem Stand der Wissenschaft“ bleibe
  •  meine mittlerweile ,,kleine Medi-Bibliothek“ regelmäßig überarbeite und
  •  Neuerungen integriere! 
  • über Fachwissen verfüge  (Fachärztin für Innere Medizin und für Gynäkologie und Geburtshilfe + Zusatzausbildungen, z.B. Notfallmedizin)
  • über 20 Jahre praktische Erfahrung habe (sowohl in Kliniken, wie auch in Praxen  als auch Notarzttätigkeit auf den nächtlichen Straßen habe ich auf diesen Gebieten gearbeitet) 
  • meine Artikel allgemein informieren und immer zusätzlich einen Arztbesuch empfehlen, weil nun einmal jeder Patient individuell ist und eine Therapie in erster Linie immer direkt auf ihn zugeschnitten sein muß! Artikel, in denen reine Eigenbehandlungen für ernsthafte Erkrankungen empfohlen werden, ohne einen Fachmann hinzuzuziehen, sind unseriös und gefährden den Leser, da dieser in vielen Fällen nicht über das Hintergrundwissen verfügt, eine genaue Diagnose zu stellen!
  • bewußt darauf hinweise, dass ich keine Garantien für den Inhalt oder die uneingeschränkte Wirksamkeit der Therapien übernehmen kann! Denn auch andere können Fehler machen und da ich natürlich nicht alle Studien selbst durchgeführt habe, können sich auch solche Fehler einschleichen, auf die ich keinen Einfluß haben kann! Allerdings orientiere ich mich entweder an Orginalstudien bez. Metaanalysen  oder an gut recherchierter Sekundärliteratur renommierter Wissenschaftler! Da ich selbst auch wissenschaftlich gearbeitet habe, kenne ich die Fallstricke von diesen Studien!
  • Was mich in diesem Zusammenhang z.B. sehr geärgert hat, war die Tatsache, dass Frauen jahrzehntelang eine falsche bzw. keine adäquate Therapie ihrer Wechseljahresbeschwerden  angeboten wurde, obwohl man heute weiß (und schon lange geahnt hat), dass eine gute Therapie sogar präventiv für manche Erkrankungen wirkt! Wen dieses Thema interessiert, findet auf diesem Block umfangreiches Themenmaterial …
  • mich deshalb von anderen Artikeln, die leider zum Teil immer noch ohne Kenntnis der Zusammenhänge geschrieben wurden und oft gravierende Fehler beinhalten, abheben möchte, weil ich Euch Information bereitstelle, die ursprungsnah und z.T. nach tagelangen Literaturrecherchen entstanden ist! Als Ärztin muss ich mich oft wundern, mit welchen Fehlinformationen meine Patienten andererorts immer noch für dumm verkauft werden!
  • wirklich informieren möchte und im (seltenen) Falle einer Produkteinbindung genau informiere, in welchem Zusammenhang ich dazu stehe! 

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Zugegeben: Ein Besuch in der Cheese-Factory ist so ziemlich  das Leckerste, was es gibt … Aber auch das ungesündeste!

Kommen wir nun zum eigentlichen Artikel …

Die Erkrankung, um die es heute geht, ist erst vor kurzem für die breite Öffentlichkeit  interessant geworden! Digentlich altbekannte Erkrankung scheint unsere Gesundheit auf tatsächlich gleich mehreren Ebenen  zu beeinflussen! Die Rede ist von der sogenannten

Insulinresistenz

Längst wissen wir, dass dieses Nicht-Ansprechen der Zellen auf das Hormon Insulinnicht nur als Vorstufe des Diabetes Mellitus  bedeutsam ist, sonder auch bei vielen anderen  komplexen Abläufen unseres Körpers eine Rolle spielt! Heute möchte ich Euch das Thema relativ einfach erklären und Euch vor allem auch über die wichtigsten neuen Erkenntnisse  informieren!

1. Was bedeutet eine Insulinresistenz für den Körper?

Bekannt ist, dass das Hormon Insulin dafür sorgt, dass der aufgenommene Zucker (Glucose)  in die Zellen  (vor allem der Leber- und der Muskelzellen) gelangen kann.

Dort wird er als  Glykogen gespeichert  oder in Energie umgewandelt ( Glykolyse). Bei dieser Energiegewinnung fallen Acetyl-CoA-Moleküle an, die, wenn sie nicht anderweitig verbraucht werden, als Fettreserven angelegt werden.

Sprechen die Zellen nicht genügend auf Insulin an,  beeinflusst dies auch das Abnehmverhalten des Körpers und  kann übrigens  auch den weiblichen Hormonstoffwechsel durcheinanderbringen, wie bei dem sogenannte polycystische  Ovarsyptom (PCO) und so kann eine Insulinresistenz auch für Fertilitätsprobleme verantwortlich sein!

2. Labor

-chemisch ist sie durch den sogenannten

2.1. HOMA -Wert (Homeostasis Model Assessment)

meßbar. Dieser wird nach 12 stündiger Nahrungskarenz morgens nüchtern abgenommen. Ein Wert um 1 ist normal, ein Wert, der größer als 2,5 ist, spricht relativ sicher für eine bestehende Insulinresistenz, während sich bei Typ2 Diabetikern Werte um 5 finden.

Ein zweiter Laborwert, der bei Verdacht gemessen werden kann, ist der

2.2. SHBG- (Sexualhormon-bindendes Globulin) Wert

SHBG ist quasi ein Transportmittel für Hormone im Blut, wobei die Konzentration von verschiedenen stimulierenden und hemmenden Faktoren gesteuert wird. Insulin  scheint senkend zu wirken, ebenso wie hohe Konzentrationen vom ,,männlichen“ Hormon Testosteron, während hohe Östrogen- und Thyroxinkonzentrationen erhöhend wirken. Interessanterweise wird die Produktion von SHBG von einer hohen Fettproduktion gehemmt, was eine Verringerung der Konzentration im Blut zur Folge hat. Deshalb ist dieser Wert bei einer Insulinresistenz, Diabetes Mellitus aber auch beim PCO-Syndrom und bei einer Schilddrüsenunterfunktion erniedrigt.

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3. Ursachen: Wie kommt es zu einer erhöhen Insulin-Resistenz?

Wahrscheinlich ist eine

 3.1. vererbbare Komponente,

gibt es enge Verwandte mit Diabetes mellitus Typ 2, so besteht ein ca. zehnfach höheres Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Dagegen kann man, zugegeben, nicht allzuviel tun  … Aber schon bei der Ursache

3.2. Übergewicht

overweight-3018731_960_720sieht das anders aus!

Warum kann also Übergewicht die Insulinresistenz begünstigen?

Kommt es zu Übergewicht, verändert die Fettzelle ihre Größe und Funktion und setzt verschiedene Stoffe frei, wodurch die Insulinwirkung absgeschwächt werden kann.

Auch

3.3. mangelnde körperliche Bewegung 

kann die Insulinresistenz verstärken, denn zum einen führt sie  zu einer Gewichtszumnahme und zudem hat man herausgefunden, dass auch die verminderte Muskelarbeit zu einer Abschwächung der Insulinwirkung führt.

3.4. Vermehrte Aufnahme von schnell verwertbaren, einfachen Kohlenhydraten

Indem wir den Körper mit  Zucker, aber auch Weißmehlprodukten (Nudeln, Croissants, Kuchen,…)  überladen, sorgen wir dafür, dass er ständig Insulin ausschütten muss! Denn steigt der Zuckerspiegel im Blut hoch an, gibt Insulin der Zelle den Auftrag, möglichst schnell und viel davon in die Zelle aufzunehmen. Also arbeiten die Zellen mit Hochdruck an diesem Problem und putzen die Glucose weg in die Zelle. Nun ist aber der Zucker-Spiegel im Blut wieder zu nieder und dem Gehirn wird der Auftrag gegeben, erneut nach ,,schnellem Zucker“ Ausschau zu halten… Süßigkeiten wirken am besten… Und dann geht der Zirkus von vorne los!

,,Stopp!“ sagen  sich nun die Zellen, ,,Was sollen wir mit dem dauernden Nachschub an Zucker anfangen? Also werden wir einfach ´mal die Türen eine Weile zulassen, wenn das blöde Insulin wieder schreit, dass ich den Zucker reinlassen soll! Ich sitze das ganze einfach nach Kanzlermanier aus! Mein Mensch wird schon sehen, was er davon hat!

Schön, werdet Ihr sagen, dass ist doch genau richtig…

4. Schäden und negative Auswirkungen der Insulinresistenz

Leider nicht! Denn was gut klingt, kann langfristig die Bauchspeicheldrüse schädigen, die dauernd Insulin nach-produzieren muß, bis sie irgendwann ganz schlapp macht und selbst unter großen Anstrengungen nicht mehr genügend Insulin nachbilden kann!

Schließlich beginnt der Blutzuckerspiegel mitunter drastisch anzusteigen. Zwischen der Ausbildung einer Insulinresistenz und einem manifestem Typ 2 Diabetes können allerdings Jahre oder sogar Jahrzehnte liegen…

In dieser Zeit können aber schon

  • dem Körper wichtige Energiereserven fehlen, da die Muskulatur aus Glucose nur noch wenig Glykogen herstellen und einlagern kann.
  • Entzündungsprozesse im Organismus ablaufen, die zu vielerlei Schäden führen können, so können
  • Organe, wie die Bauchspeicheldrüse und die Leber, aber auch das Herz geschädigt werden und
  • andere Krankheiten wie der Bluthochdruck begünstigt werden! Im Detail hauptsächlich zu
  • Schäden an den Gefäßen… Zuerst nur an den ganz kleinen (Mikroangiopathie),dann auch an den größeren (Makroangiopathie). Dabei ,,verkalken“ diese Gefäße (Atherosklerose) meist und das Blut kann nicht mehr ungehindert fließen! Als Folge der Minderdurchblutung werden nachfolgende Gewebeabschnitte nicht mehr richtig mit Nährstoffen versorgt! In der Folge kommt es zu
  • Wundheilungsstörungen  bis zu
  • Nekrosen (Gewebsuntergang) sowie
  • Gefühlsstörungen, die wiederum, gerade bei älteren Menschen,  eine
  • Gangunsicherheit mit sich bringen können!Übergewicht natürlich denn allseits bekannten Altersdiabetes fördern kann, sondern auch multiple Entzündungsprozesse im Körper, die wiederum den Alterungsprozeß ankurbeln…  Auch die Flora des Verdauungssystems ist von einem ständig schwankenden Zuckerspiegel betroffen, aber dazu später… Übrigens sieht man auch Zusammenhänge mit dem sog. PCO bei Frauen, das neben Akne und Blutungsstörungen auch zu Unfruchtbarkeit führen kann.

5. Bedeutung des ,,Glykämischen Index“ (GI)

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Man weiß mittlerweile, dass nicht die Kalorien ,,die Bösen “ sind, sondern der hohe sogenannte glykämische Index!

Dieser gibt an, mit welcher Geschwindigkeit ein Lebensmittel  zu einer Insulinausschüttung führt! Je schneller und je mehr ein Lebensmittel Insulin ausschüttet, umso mehr Zucker wird in die Zellen aufgenommen und umso schneller sinkt der Blutzuckerspiegel wieder pro Zeiteinheit ab, was erneute ,,Zuckerlust“ auslöst.

Also müssen wir nach hochwertigen Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischen Index suchen, damit wir gesund bleiben!

Und in der Tat ging vor etwa zwei Jahren ein Aufschrei die Gesellschaft! Die ,,bösen“ , einfachen Kohlenhydrate waren endlich entlarvt und die lange Zeit gültige Ernährungspyramide musste umgeschrieben werden! Nun waren nicht mehr, wie lange Zeit dogmatisch propagiert, einfache Kohlenhydrate wie Brot, Kartoffeln, Reis und Nudeln, an der Basis der Ernährungspyramide! Nein, nun wurde der größte Anteil der Ernährung, neben Flüssigkeit, durch Gemüse und nicht allzu süßes Obst,mit anderen Worten, mit vitamin- und ballaststoffreichen Lebensmittel mit einem geringerem glykämischen Idex (GI), ersetzt!

Daneben wurde auch die Bedeutung von magerem Eiweiß (Aminosäuren) betont, denn zum Aufbau und Erhalt der glatten (Haut- und Eingeweide) und  gestreiften Muskulatur (Skelettmuskeln / Muskeln des Bewegungsablaufes)  und auch für viele Funktionsabläufe im Organismus sind sie unerlässlich!

6. Wege zur Vermeidung/Behandlung einer Insulinresistenz!

Vielleicht fassen wir uns nun an die eigene Nase, weil wir bei dem Studium dieses Artikels gemerkt haben, dass wir selbst Gefahr laufen, eine Insulinresistenz zu entwickeln…

Deshalb habe ich Euch im folgenden Abschnitt Möglichkeiten zusammengestellt, um die Zellen wieder mehr auf Insulin ansprechen zu lassen, das heißt, für die Aufnahme des Zuckers zu sensibilisieren!

6.1. Zehn Tage relativ strenge kohlenhydratarme Diät

Es hat sich gezeigt, dass, ist die Insulinresistenz noch nicht zu weit fortgeschritten, eine anfänglich recht strikte, etwa 10 Tage dauernde Diät mit Verzicht auf Zucker und einfache Kohlenhydrate dazu führt, dass die Zelle wieder sensitiver auf Insulin reagieren und sich die Werte tatsächlich verbessern können! 

Danach empfiehlt sich ein vorsichtiger Kost-Aufbau mit einer der Hinzunahme von einigen ,,sinnvollen“ Kohlenhydraten!

In diesen Phasen habe ich meist zusammen mit den Patienten einen individuellen Ernährungsplan erstellt. Vielleicht habt Ihr einen guten Doc oder Ernährungsscoach an der Hand, der Euch dabei unterstützen kann! Wichtig ist, sich darüber klar zu werden, dass 10 Tage lang wirklich alle Weismehlprodukte wie Brot, Brezeln, Kuchen, Nudeln, aber auch Diätprodukte (erhalten oft sehr viel Zucker, da dieser als Geschmacksträger Fett ersetzt) und süßes Obst (Bananen), wie auch Pizza und andere Fertiggerichte, sowie Ketchup, süße Softgetränke und Alkohol vom Speiseplan fernbleiben müssen!

Stattdessen gibt es nicht zu süßes Obst und Gemüse (Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe…) , gutes Fleisch (Eiweiß, B-Vitamine) und Fisch oder auch Eier (Eiweiß, -Vitamine, Lecithin) , Yoghurt (ohne Zucker), gut gekochtes Sauerkraut (Milchsäurekulturen, die gut für den Aufbau der Darmflora sind), Mandeln und Nüsse und Gewürze wie Cumin, Zimt (eine blutzuckersenkende Wirkung ist beschrieben), Ingwer …

Kontrovers wird die Verwendung von Soja, Milch und Süßstoffen (Stevia) diskutiert. Letztere werden jedoch insulin-unabhängig verstoffwechselt und sind deshalb zumindest besser als Zucker!

Allerdings empfehle diese Lebensmittel  wenn schon, nur in Maßen zu genießen und bei Soja darauf zu achten, dass es nicht genverändert ist. Auch Fruchtzucker hat viele Nachteile, und kann tatsächlich über eine Erhöhung der Harnsäure und den dadurch bedingten Stickstoffverbrauch eine Insulinresuístenz fördern!

Damit Insulin nämlich an den Insulinrezeptoren der Zellen andocken kann, ist NO (Stickoxid) erforderlich.Die Harnsäure jedoch mindert die Bioverfügbarkeit des Stickoxids und somit auch die Insulinsensitivität der Zelle.

Allerdings ist die Menge, die in natürlichen Lebensmittel wie Obst vorkommt, okay. Lediglich der in der Industrie häufig verwendete Glucose-Fructose-Sirup ist mit Vorsicht zu genießen!

Hierzu ist anzumerken, dass unser Haushaltszucker, Saccharose, übrigens ein Zweifachzucker aus Glukose und Fructose ist!

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Beispiel: Leckeres Mittagessen  während der 10 tägigen Low Carb-Phase mit Gemüse und Eiweiß …

6.2. Einsatz von unterstützenden Nahrungsergänzungsmittel

( nicht nach Leitlinien, sondern aufgrund Literatur und Erfahrungen empfohlen)

  • Chiasamen und
  • Spirulina

sind beides gute Eiweißquellen, die  alle essentiellen Aminosäuren  enthalten. Sie sind deshalb so wichtig, weil bei einer Eiweiß armen Ernährung anstelle von Fett Muskeln abgebaut werden! Spirulina ist vor allem auch deshalb zu empfehlen, weil es etwa 3000 Mikronährstoffe enthält und dies in einer optimalen Zusammensetzung! Diese fehlen uns leider heutzutage oft!

  • Bei Resveratrol,
  • Carnitin und
  • Grüntee-Extrakte gibt es Hinweise, dass sie verbessernd auch die Insulin-Empfindlichkeit wirken!

Zusätzlich wird  Resveratrol einen Nutzen bei der Behandlung von Arteriosklerose, Herzkrankheiten, Alzheimer-Krankheit, Arthritis, manchen Autoimmunkrankheiten und sogar Krebs nachgesagt!

Carnitin binden  Fettsäuren und transportieren sie durch die Mitochondrienmembranen. Hier gibt es kontroverse Meinungen zu den Wirkungen beim Muskelaufbau … Während Bodybuilder auf die Einnahme schwören, halten Wissenschaftler dagegegen, dass der Körper meist keinen Mangel an Carnitin hat und und ein Überangebot keinen Vorteil bringt … aber Ateriosklerose begünstigt, denn im Darm wird aus Carnitin durch die Darmflora zuerst Trimethylamin und in Folge Trimethylaminoxid gebildet, welches Arteriosklerose begünstigt.[4]

Grüntee-Extrakte enthalten als herausragenden Inhaltsstoff  das Antioxidans Epigallocatechingallat (EGCG), dem verschiedene gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt werden. Die Forscher vermuten, dass es unter anderem die Stärkespaltung hemmt, so dass weniger Glukose entsteht und ins Blut gelangt. Die blutzuckersenkende Wirkung tritt aber nur dann auf, wenn die stärkehaltige Nahrung und der grüne Tee gleichzeitig konsumiert werden. Teetrinken nach dem Essen bleibt hingegen offenbar wirkungslos.

Auf anderen Seiten zu diesem Thema habe ich auch Aloe Vera  als ein Mittel entdeckt, die die Empfindlichkeit gegenüber Insulin verbessern könnte.(24) Orginal-Literatur zu Studien habe ich allerdings nicht gefunden.

Zusätzliche Nährstoffprodukte

Je nach Nahrungsaufnahme kann es nötig sein, zusätzlich Nährstoffe zu ersetzen,auch wenn die Deutsch Gesellschaft für Ernährung (DGE) kein Freund von Supplementen ist! Wenn man aber die Nährstoff-Zufuhr berechnet, erkennt man, dass leider oft eine Unterversorgung vorhanden ist. Besonders muss man in unseren Breiten auf  Selen, Jod (vorher Schilddrüsen-Werte untersuchen lassen), Zink, und bei fleischarmer Ernährung B-Vitamine und Eisen achten und diese gegebenenfalls zuführen!

6.3. Regelmäßiger Sport mit kombinierten Muskelaufbautraining  und Krafttraining

Auch ein Sportprogramm wirkt sich (nicht nur)  auf die Insulinsensitivität positiv aus!  Dabei ist es wichtig, mindestens zweimal die Woche für etwa 25 Minuten zu trainieren. Am besten fragt Ihr vorher Eurem Doc und überlegt Euch mit ihm gemeinsam, welche Sportart  für Euch geeignet ist und wirklich Spaß machen könnte! Für den Muskelaufbau sind natürlich gezielte Trainingseinheiten in einem  Studio am effektivsten! Der Vorteil ist, dass Ihr dort Eure Ziele mit Fachleuten besprechen könnt, die die richtigen Traininigsmodalitäten zusammenstellen können, Ich finde ein abwechslungsreiches, alle Muskelgruppen aufbauendes Training, welches möglichst die Gelenke nicht belastet, am besten!

6.4. Gewichtsabnahme

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Das Gewicht kommt bei mir, für manche vielleicht verwunderlich, am Schluss! Denn für mich ist das Übergewicht eine Folge des Zusammenspiels vieler Faktoren und eine Diät birgt immer die Gefahr, den Körper mit wichtigen Nährstoffen und Eiweißen unter zu versorgen!   Gerne spreche ich von der ,,Unterernährung der Dicken“ denn wenn man sich die Mechanismen des Körpers klar macht, dann merkt man, wie die Entwicklung einer Insulinresistenz,  die Verdauung, der Bluthochdruck, hoher Blutfette (Hypertriglyzeridämie) u d der Entstehung von Übergewicht zusammenhängen.  Übrigens hat man für diesen Symptomenkomplex einen Ausdruck geschaffen, der alles unter einen Hut bringt, das sogenannte ,,Metabolische Syndrom“.

Was Not tut, ist eine Veränderung des gesamten Lebensstils, wie ich ihn oben geschildert habe. Hierzu gehört einen anfängliche ,,Diät“, die auf die sinnvolle Reduktion der Kohlenhydrate abziehlt unter Versorgung des Körpers mit allen wichtigen Nährstoffen (Mineralien, Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen, Ballaststoffen und Aminosäuren …) die er benötigt.

Wichtig ist es in dieser Zeit möglichst keine Muskelmasse zu verlieren und dafür zu sorgen, dass nicht einfach der Stoffwechsel seine Aktivität nach unten fährt,was leicht passieren kann und jede Diätbemühung zunichte macht! Verhindern kann man dies, wie vorbeschrieben, durch ein ausgeklügeltes Diät-Programm, geeignete Nahrungsergänzungsmittel und einem Bewegungsprogramm. Auch die Behandlung einer möglichen Schilddrüsen-Unterfunktion ist in diesem Zusammenhang wichtig!

Toll wäre es, wenn man bereits die Insulinresistenz adäquat behandeln könnte! Neben den oben genannten konservativen Methoden des Lifestylemanagement sind bereits Medikamente auf dem Markt, die eine beginnende diabetische Stoffwechsellage verbessern können!

 

7.1. Sensitzer

Die Rede ist von sogenannte Sensitizer wie Pioglitazon. Sie schwächen die Faktoren aus dem Fettgewebe, die eine Resistenz vermitteln, ab.
Daneben bemüht man sich um die Entwicklung von Medikamenten, die zur Behandlung der Insulinresistenz noch vor dem Ausbruch des Typ 2 Diabetes eingesetzt werden können.

Hierzu wurde ein lange bekanntes, bisher bei Gefäßerkrankungen und Bluthochdruck eingesetztes Medikament in der sogenannten HOPE- Studie an 9500 Patienten (19 Länder) untersucht und man gelangte in der Tat zu einem  sensationellen  Ergebnis, dass in einem der renommiertesten Fachzeitschriften, dem  New England Journal of Medicine veröffentlicht  wurde …

7.2. ACE-Hemmer und Sartane

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Ein ausgeklügeltes Fitness-Programm unterstützt die Low-Carb-Diät durch Schutz der Muskeln!

In dieser Studie ging es um den ACE-Hemmer Ramipril.Es wurde untersucht, ob bei Patienten mit einer Gefäßerkrankung oder mit Diabetes das Risiko für das erneute Auftreten von Herz-Gefäß-Krankheiten durch Ramipril gesenkt werden kann.

Und in der Tat konnte dieses Medikament besonders bei den 3577  Diabetikern, die ja ein 2-4fach erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen haben,  glänzen! Die Gefahr, als Diabetiker an einer Herz-Gefäß-Erkrankung zu versterben, konnte durch die Einnahme von Ramipril tatsächlich um 35% gesenkt werden. Auch Diabetesfolgeschäden an Nieren, Augen und Nerven konnten um fast 20% gesenkt werden. Aber auch das Neuauftreten eines Diabetes mellitus Typ 2 konnte verhindert werden!  Hier werden weitere Untersuchungen mit Spannung erwartet!

Bei einer Studie der Charité Berlin, die 2005 im deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, zeigte sich ein positiver Effekt des Sartans Telmisartan auf den Rückgang der Insulinresistenz bei Hypertonikern. Bei hohem Blutdruck und Übergewicht ist also eines dieser Medikamente anzuraten – und keine Betablocker, der das Gewicht eher steigert!

7.3. Gewichtsabnahme und Training

Eine finnische Studie hat zudem gezeigt, dass Insulinresistenz bei Übergewichtigen bereits durch eine Gewichtsabnahme von ca. 3,5 kg und regelmäßiges körperliches Training von ca. 30 Minuten pro Tag zu einer deutlichen Verbesserung der Insulinresistenz führt und zudem den Ausbruch eines Typ 2 Diabetes über einen Beobachtungszeitraum von 4 Jahren  verhindern kann.

 

8. FAZIT

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Das war wieder einmal viel Information und obwohl ich sooo Vieles geschrieben habe, habe ich das Gefühl, dass noch einiges an weiterer Information für Euch notwendig wäre, um das Problem ausreichend zu schildern! So habe ich eine weitere häufige Komplikation bewußt ,,außen vor“ gelassen.

Ich vermute nämlich stark, dass dieses Krankheitsbild durch den gemeinsamen Auslöser beider Erkrankungen oft mit dem sogenannten Leaky-Gut Syndrom  (siehe dazu meinen Artikel) vergesellschaftet ist! Und an dieser Stelle eröffnet sich dann wieder ein neuer ,,Behandlungsschauplatz“…

Die Betrachtung der ,,Komplexität der Zusammenhänge“ macht offensichtlich, dass ein ,,normaler“ Arzt sich eigentlich gar nicht darum kümmern kann, den Körper seiner Patienten optimal  an allen ,,Baustellen“ ,,in Schuss“ zu halten! Denn wenn man weiß, dass er im Schnitt gerade einmal Zehn Minuten Zeit hat, sich um das spezifische Problem nur eines Patienten zu kümmern, bleibt da kaum noch Luft für  das bißchen ,,Mehr“, dass dringend notwendig wäre, um seinen Patienten gar nicht erst krank werden zu lassen!

Eine Entwicklung, die leider der ,,medizinische Fortschritt“ mit sich gebracht hat!   Vor lauter spezialisierten Fachärzten haben wir ,,den Hausarzt“ der eigentlich in der Mitte stehen, koordinieren und ,,kleinere“ Dinge durchaus selbst behandeln kann, oft aus den Augen verloren…    Deshalb auch hier mein Appell an Euch! Sucht Euch einen wirklich guten Hausarzt, der über den Tellerrand sieht und bittet ihn, Eure Gesundheit zu ,,koordinieren“. Wenn ihr einen solchen findet, schätzt euch glücklich und gebt ihn ,,nie wieder her“!

In jedem Fall ist es wichtig, dass Ihr Euch informiert und den Erhalt Eurer Gesundheit als Präventiv-Objekt selbst in die Hand nehmt, solange sich noch keine Malaisen eingeschlichen haben, die dann professioneller Hilfe bedürfen!

Ich hoffe deshalb, dass ich mit dieser Info  einen kleinen Beitrag bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe beigetragen habe…

9. Literatur Studien/Sekundärliteratur

  1.  B. P. Hubbard, A. P. Gomes, H. Dai, J. Li, A. W. Case, T. Considine, T. V. Riera, J. E. Lee, S. Y. E, D. W. Lamming, B. L. Pentelute, E. R. Schuman, L. A. Stevens, A. J. Y. Ling, S. M. Armour, S. Michan, H. Zhao, Y. Jiang, S. M. Sweitzer, C. A. Blum, J. S. Disch, P. Y. Ng, K. T. Howitz, A. P. Rolo, Y. Hamuro, J. Moss, R. B. Perni, J. L. Ellis, G. P. Vlasuk, D. A. Sinclair: Evidence for a Common Mechanism of SIRT1 Regulation by Allosteric Activators. In: Science. 339, 2013, S. 1216–1219, doi:10.1126/science.1231097.
  2. DAZ 1999, Nr. 37, S. 34, 12.09.1999, ARZNEIMITTEL UND THERAPIE, HOPE-Studie: Ramipril senkt Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall

  3. Anja Lütke, nach S.E. Stern, K. Williams, E. Ferrannini et al.: Identification of Individuals With Insulin Resistance Using Routine Clinical Measurements. In: Diabetes, 2005, 54, S. 333–339
  4. diabetes.uni-duesseldorf.de Informationssystem der UNI Düsseldorf zum Diabetes mellitus vom 7. März 2005
  5.  N. Stefan, H.-U. Häring: Circulating fetuin-A and free fatty acids interact to predict insulin resistance in humans. In: Nature Medicine, 19, 2013, S. 394–395, doi:10.1038/nm.3116
  6. Turner et al.: Insulin deficiency and insulin resistance interaction in diabetes: estimation of their relative contribution by feedback analysis from basal plasma insulin and glucose concentrations. In: Metabolism, 1979, 28, S. 1086–1096.
  7. A. S. Rudenski, D. R. Matthews, J. C. Levy, R. C. Turner: Understanding insulin resistance: Both glucose resistance and insulin resistance are required to model human diabetes. In:Metabolism. 40, Nr. 9, September 1991, S. 908–917. ISSN 0026-0495doi:10.1016/0026-0495(91)90065-5.
  8. HOMA-Index – Laborlexikon.de 
  9. S. Kodama et al.: Influence of fat and carbohydrate proportions on the metabolic profile in patients with type 2 diabetes: a meta-analysis. In: Diabetes Care. 2009 May, 32(5), S. 959–965, PMID 19407076.
  10.  G Boden, K Sargrad, C Homko, M Mozzoli, TP Stein: Effect of a low-carbohydrate diet on appetite, blood glucose levels, and insulin resistance in obese patients with type 2 diabetes. In: Annals of internal medicine. 142, Nr. 6, 2005, S. 403–411. PMID 15767618.
  11. Too much sugar turns off gene that controls the effects of sex steroids (englisch),  2007
  12. van der Heijden GJ, et al: Aerobic exercise increases peripheral and hepatic insulin sensitivity in sedentary adolescents . J Clin Endocrinol Metab. 2009
  13. Foster GD, et al. A randomized trial of a low-carbohydrate diet for obesity. New England Journal of Medicine, 2003
  14. Samaha FF, et al. A low-carbohydrate as compared with a low-fat diet in severe obesity. New England Journal of Medicine, 2003
  15. Sondike SB, et al. Effects of a low-carbohydrate diet on weight loss and cardiovascular risk factor in overweight adolescents. The Journal of Pediatrics, 2003
    Black LE, Swan PD, Alvar BA: Effects of intensity and volume on insulin sensitivity during acute bouts of resistance training. J Strength Cond Res, 2010
  16. DGE e.V.: Fett. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/fett/
  17. DGE e.V.: Kohlenhydrate und Ballaststoffe in der Ernährung. https://www.dge.de/presse/pm/kohlenhydrate-und-ballaststoffe-in-der-ernaehrung/
  18. Hu, et al.: Effects of Low-Carbohydrate Diets Versus Low-Fat Diets on Metabolic Risk Factors: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Clinical Trials. Am J Epidemiol. 2012 Oct 1; 176: S44–S54.
  19.  D. A. Sinclair und L. Guarente: Schlüssel zur Langlebigkeit. In: Spektrum der Wissenschaft. Oktober 2006, S. 34–41.
  20. Wissenschaftliche Studie zu Carnitin und Fettstoffwechsel (PDF-Datei; 98 kB)
  21. Wissenschaftliche Studie zur Wirkung von L-Carnitin bei der Regeneration nach dem Sport
  22. Doktorarbeit von Hanne Seline Marie Gustavsen: Bestimmung des L-Carnitingehaltes in rohen und zubereiteten pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln (PDF-Datei; 1,72 MB)
  23. Robert A Koeth, Zeneng Wang, Bruce S Levison, Jennifer A Buffa, Elin Org, Brendan T Sheehy, Earl B Britt, Xiaoming Fu, Yuping Wu, Lin Li, Jonathan D Smith, Joseph A DiDonato, Jun Chen, Hongzhe Li, Gary D Wu, James D Lewis, Manya Warrier, J Mark Brown, Ronald M Krauss, W H Wilson Tang, Frederic D Bushman, Aldons J Lusis, Stanley L Hazen: Intestinal microbiota metabolism of l-carnitine, a nutrient in red meat, promotes atherosclerosis. In: Nature Medicine. 19, 2013, S. 576, doi:10.1038/nm.3145.
  24. https://www.marathonfitness.de/hit-training-massives-muskelwachstum-in-minimalzeit/
  25. Quarks & Co, Univ. Heidelberg: Das große Ernährungs-Experiment mit Tim Mälzer. http://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/experimentmittimmaelzerwdh102.html,
  26. https://krank.de/krankheiten/insulinresistenz/?gclid=EAIaIQobChMIx5qv87uh2gIVE-MbCh10YAh0EAAYASAAEgLBiPD_BwE
  27. https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/bluthochdruck/article/383907/hypertoniker-insulinresistenz-profitieren-telmisartan.html

 

 

Das Mikrobiom – neue Erkenntnisse über eine unterschätzten Armee

1. Zusammenfassung:

So wichtig wie ein zusätzliches Organ ist das Mikrobiom, welches aus unvorstellbaren 100 Billionen Mikroorganismen besteht.

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Zum Mikrobiom gehören Bakterienstämme (v.a Firmicutes und Bacterioides), das Virom (überwiegend Prokaryonten) und das Mykom (überwiegend Sprosspilze), die nicht nur auf der Haut, in den Ohren, im Nasen-Rachenraum und im Mund, sondern auch im Gastrointestinal- und Urogenital-Trakt vorkommen (Authenrieth I., 2000). „Das Mikrobiom – neue Erkenntnisse über eine unterschätzten Armee“ weiterlesen

Frauenarzt – Sprechstunde Wechseljahre Teil 7 : Wie es kam, dass die Hormonersatztherapie so in Verruf geriet, nachdem anfänglich Begeisterung herrschte …

WICHTIG: Vor Anwendung jeder Therapie müssen die Gegenanzeigen geprüft werden und eine (gynäkologische und ggf. weiterführende) Untersuchung durchgeführt werden! Dieser Artikel dient nur zur allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung und Behandlung des Gynäkologen! Auch sind zwar die Inhalte nach bestem Wissen zusammengetragen worden, dennoch übernehme ich keine Haftung für die Richtigkeit oder die Wirksamkeit der Therapien!
Ich zeige im folgenden verschiedene Beispiele von eingesetzten Medikamenten.  Dadurch habe ich allerdings keinerlei pekuniären Nutzen! Ist das Werbung? Wenn ja deklariere ich den Text hiermit!

Inhaltsverzeichnis:

7.1. Auswertung der WHI Studie

7.2. Folge

7.2. Ursachen der Fehlinterpretationen der WHI-Studie

7.3. Zum Schluss war es doch wieder  anders …

Wie es kam, dass die Hormonersatztherapie so in Verruf geriet, nachdem anfänglich Begeisterung herrschte …

7.1. Auswertung der WHI Studie

Mehr als 16.000 Frauen nach den Wechseljahren hatten
sich freiwillig an der Studie beteiligt. Durchschnittlich 5,2 Jahre nahm die eine Hälfte der Frauen eine
Hormonkombination, die in Deutschland wenig gebräuchlich ist (Östrogene aus Stutenharn plus das Gestagen
Medroxyprogesteron MPA). Die Ergebnisse aus der Hormongruppe waren „ernüchternd“, wie der
Bundesverband der Frauenärzte feststellte.

Trotz der  offensichtlichen Vorteile einer Hormonersatztherapie war sie aber in der Vergangenheit  wegen ihrer vermeintlichen riskanter Nebenwirkungen in Verruf gekommen. Und zwar waren im Jahr 2002 die ersten Auswertungen der WHI-Studie für viele erschreckend gewesen, da die erhofften Vorteile  so  nicht eingetreten waren. Im Gegenteil! Manche Risiken hatten sich sogar nach einer HET erhöht!

In einer im März publizierten Artikels des angesehenen New England Journal of Medicine weisen nun Joann E. Manson und Andrew M. Kaunitz, zwei der maßgeblichen StudienautorInnen der WHI-Studie selbst, auf die Folgen der jahrelangen, fehlerhaften Interpretation ihrer Studiendaten hin:

7.2. Folge

IMG_7465Hunderttausende von Frauen hatten in der Folge der Studie, deren Auswertungen seit 2002 publiziert werden, die Hormonpräparate abgesetzt oder wurden nicht angemessen behandelt, weil die Annahme vorherrschte, dass die Hormonersatzbehandlung (HET) durchweg gesundheitliche Risiken berge.

,,Aber“, so schrieben die Autorinnen der Studie selbst, ,,Der Nutzen der Hormon- Ersatzbehandlung übersteigt bei weitem mögliche Risiken“,

Denn seit kurzem wissen wir nun aber , dass es bei der WHI-Studie, auf der diese Aussagen beruhen, doch zu einigen Mängeln sowohl beim Studiendesign als auch bei der Auswertung gekommen war! Da hierüber in der Presse recht viel berichtet wurde, möchte ich kurz erklären, was es mit dieser

7.2. Ursachen der Fehlinterpretationen der WHI-Studie

 WIe kam es zu den, zum Teil hohe Nebenwirkungsraten  bei der HET, die zur restriktiven Anwendungsempfehlungen der Hormone auch in den deutschen Richtlinen führte?

Nun war das durchschnittliche Alter der Frauen bei Beginn der HET 63 Jahre und nicht wie normalerweise üblich um den Zeitpunkt der Menopause (durchschnittlich im Alter von 51 Jahren). Zudem hatten ca. 50% der Teilnehmer Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen, wie starkes Übergewicht,Bluthochdruck, Raucherinnen und es gabVorerkrankungen wie Diabetes oder koronare HerzerkrankungenZudem war das in der Studie verwendete Hormonpräparat etwa doppelt zu hoch dosiert wie bei einer HET normalerweise üblich!

 Nun ist es so, dass, solange die Geschlechtshormone noch aktiv sind (als bis ca.   um 50 Jahre) , sie die Gefäße von Ablagerungen freihalten können! Dadurch kommt es zu einem Schutz vor Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.Wenn Hormone nun schon einige Jahre fehlen (was bei dem durchschnittlichen Alter von 63 Jahren der Fall ist), können sich zwischenzeitlich arterielle Plaques gebildet haben! Gibt man erneut Hormone, können sich Ablagerungen ablösen und durch das Gefäßsystem in Lunge, Herz oder Hirn gelangen und dort Infarkte auslösen, die schlimmstenfalls tödlich enden können. 

Wenn man das weiß. erklären die oben beschriebenen Studienfakten natürlich , warum es bei Beginn der Einnahme zunächst zu einer Erhöhung des Neuauftretens  von kadiovaskulären Ereignissen kam!

7.3. Zum Schluss war es doch wieder  anders …

Auch das folgende  Detail der Studie ist wichtig : In der kleinen Gruppe der 50- bis 59-Jährigen gab es unter den Teilnehmerinnen der WHI-Studie auch  positive Effekte:

Neben der Beseitigung der typischen Mangelsymptome wurde eine geringere Zahl an Knochenbrüchen, Diabetes-Erkrankungen und Todesfällen allgemein beobachtet, und bei der Untergruppe mit einer alleinigen Östrogentherapie sogar eine Senkung der Brustkrebs-Rate im Vergleich zu der mit einem Plazebo behandelten Gruppe.

Im Idealfall sollte also sofort beim Eintreten der Wechseljahre  mit einer Hormonersatztherapie begonnen werden!

Nachdem sich wieder einmal zeigt, wie wichtig doch genaue Recherche ist und dass sich sogar gegenteilige Schlüsse aus derselben Studie ableiten lassen, möchte ich mit dem Zitat von Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte zu den Vorfällen im Zusammenhang mit der WHI-Studie diesen Artikel schließen:

„Es ist sehr erfreulich, dass die Autoren der WHI-Studie selbst soeben im ‚New England Journal of Medicine‘ die Aussagefähigkeit ihrer eigenen Studie zurechtgerückt haben, mindestens ein Drittel aller Frauen in den Wechseljahren ist durch den Verlust der Hormonproduktion so sehr beeinträchtigt, dass sie eine medizinische Unterstützung brauchen, die über allgemeine Tipps zur Lebensführung und pflanzliche Plazebos aus dem Drogeriemarkt hinausgeht.

Viele von ihnen haben jahrelang um ihre Gesundheit gefürchtet, wenn wir ihnen einen Ersatz ihrer Hormone empfohlen und verordnet haben. All diese Frauen können jetzt wirklich erleichtert sein, und wir als ihre behandelnden Frauenärztinnen und -ärzte sind es auch.“