Fakten und Theorien zur Menopause! Ist der Mensch selbst für ihre Entstehung verantwortlich?

Die Lebenserwartung eines in Westeuropa geborenes Mädchen beträgt mittlerweile 84 Jahre, (1) d.h. die Lebenszeit nach der Menopause gewinnt immer mehr an Bedeutung. Also müssen wir die Weichen für eine hohe Lebensqualität im Alter so früh wie möglich stellen, wobei Einblicke in die geschichtlichen und soziologischen Hintergründe dazu beitragen können, die Eigenheiten dieses Lebensabschnittes besser zu verstehen und sie in unsere Vorbereitungen mit einzubeziehen. Aber wieso hören wir Frauen irgendwann auf, unsere Periode zu bekommen und werden unfruchtbar? Ist unser stark veränderter Lebenswandel der letzten 200 Jahre etwa schuld daran? Im Artikel werden diese Fragen beantwortet …

Definitionen um die Menopause

Der Begriff ,,Menopause“ bezeichnet in Deutschland  den Zeitpunkt der letzten Menstruation, der von einer mindestens 12-monatigen Blutungsfreiheit  (Amenorrhoe) gefolgt wird. In anderen Ländern bezeichnet er auch die Postmenopause.

Die genauen Definitionen von Prä-/Peri-/und Postmenopause sind in der Literatur etwas unterschiedlich und z.T. widersprüchlich, weshalb ich hier auf Zeitangaben verzichte. Jedenfalls kann der Zeitpunkt der Menopause logischerweise (s.o.)  erst rückblickend festgelegt werden. Die Zeit vor der letzten Blutung wird als Prämenopause, die danach als Postmenopause und die Zeit um die letzte Blutung Perimenopause genannt. Nach der Postmenopause beginnt das Senium.  Das Klimakterium beschreibt den Zeitraum, indem sich ,,der Wandel“ bemerkbar macht. Es kann ab etwa 40 Jahren beginnen und kann bis zu 10 Jahren nach Sistieren der Periode anhalten.Bildschirmfoto 2019-10-12 um 03.11.01.png

Symptome der Menopause

Die Peri- und Postmenopause wird neben Änderungen des Menstruationszyklus u.a. von folgenden Symptomen begleitet:

  • Hitzewallungen und Schweißausbrüche, sogenannte vasomotorische Symptome
  • Beeinträchtigung der Stimmung, z.B. Stimmungsschwankungen,innere Unruhe, Reizbarkeit, Niedergeschlagenheit (Depression)
  • Konzentrationsstörungen
  • Urogenitale Symptome (z.B. vaginale Trockenheit, Harninkontinenz)
  • Sexuelle Probleme (z.B. verminderte Libido)
  • Schlafstörungen Ein- und Durchschlafstörungen

Im Laufe der Zeit kommt es zu Veränderungen des gesamten Organismus durch Wegfall der Hormone, die dem Körper auch einen gewissen Schutz bieten

  • Erschlaffung der Haut und des Bindegewebes
  • Schwächung der Knochensubstanz mit erhöhter Frakturneigung Osteoporose
  • erhöhtes Risiko, Herz-Kreislauferkrankungen zu bekommen, da der Schutz der Östrogene wegfällt
  • Rückgang der Vigilanz/Intelligenz

Therapieoptionen menopausaler Symptome

  • Hormonelle Behandlungen (Östrogen, vorzugsweise natürlich und transdermal, Progesteron, z.B. Kapsel lokal vaginal oder oral)
  • nicht-hormonelle Behandlungen (z.B. Phytotherapeutika)
  • nicht-pharmakologische Interventionen (z.B. kognitive Verhaltenstherapie)

Verhütung in der Menopause

Sie ist bei Frauen im Alter von über 50 Jahren für die Dauer von 1 Jahr nach
der Menopause, bei Frauen unter 50 für die Dauer von 2 Jahren nach der Menopause
notwendig (FSRH-Guideline 2017).

Die Bezeichnung ,,Stufenjahre“ bzw. ,,klimakterische Jahre“ von griechisch klimaktér, „Stufenleiter, als kritische Zeitpunkte im Leben“, findet man schon im 16. und 17. Jahrhundert. Damals verstand man darunter den Zyklus von allen 7 Jahren (das 7., 14., 21. Jahr,…) im Leben der Menschen. Sie waren nach Meinung der Gelehrten mit einer „kritischen“ Veränderung des gesamten Körpers vergesellschaftet, die zu einem weiteren Stadium neuer Vitalität und Gesundheit, aber auch zum Tod führen konnte (2). Später wurde eine ,,Zeit des Klimakteriums“, allerdings bei Männern, zwischen dem 50 und 75. Lebensjahr, beschrieben. Im 19. Jahrhundert wuchsen die Begriffe langsam zusammen und daraus entwickelte sich der heutige Begriff des Klimakteriums.

Warum gibt es eine Menopause?

Abgesehen vom manchen Grind- und Schwertwalen (3) gibt es keine Tiere, bei denen eine Menopause vorkommt. Hierzu gibt es deshalb verschiedene Hypothesen, wieso sie beim Mensch auftritt.

Die Großmutter-Hypothese

Bildschirmfoto 2019-10-12 um 03.18.34

Befürworter der sog. ,,Großmutter-Hypothese“ (4) sehen es als einen Selektionsvorteil an, wenn die Frau ab einer gewissen Zeit keine Kinder mehr bekommt, sondern der Tochter bei der Aufzucht hilft.

Dafür spricht, dass bei einer späten Schwangerschaft  häufig zu Aborten, Frühgeburten und Fehlbildungen kommt und die Frau die Kinder ab einem gewissen Zeitpunkt eventuell nicht mehr adäquat versorgen könnte. Hilft sie jedoch ihrer Tochter bei der Versorgung ihrer Kinder, können diese eher überleben, auch wenn der Tochter etwas zustoßen sollte.

Nun  gibt es  Studien die nahelegen (5), dass das höhere Alter später Mütter nicht der einzige Grund für das erhöhte Risiko einer Frühgeburt oder eines niedrigen Geburtsgewichtes sei. Die Ursachen könnten auch in den persönlichen Lebensumständen und Verhaltensweisen liegen. Als  die Wissenschaftler allerdings Kinder verglichen, die verschiedene Frauen zur Welt gebracht hatten, wuchsen die Risiken doch spürbar mit dem Alter der Mutter an, was mehrere, groß angelegte Studien (6) untermauern.

Die ,,Männer-Hypothese“ (7)

Bildschirmfoto 2019-10-12 um 03.20.41

Diese geht von der Vorliebe der Männer für die Paarung mit jüngeren Frauen aus. Die älteren Frauen zögen deshalb keinen Nutzen mehr aus ihrer langen Fruchtbarkeit, weshalb diese versiegen würde. Diese Theorie ist natürlich relativ provokant und bei ihr stellt sich, wie auch beider Großmutterhypothese, auch die Frage, ob bei der geringen Lebenserwartung  (siehe unten) in früheren Zeiten die Anzahl der älteren Frauen ausreichte, um diesen Selektionsvorteil zu generieren.

Insgesamt scheinen jedoch einige Aspekte aus beiden Theorien schlüssig, Wahrscheinlich ist aber, dass mehrere Aspekte für die heutzutage relativ lange infertile Lebensspanne verantwortlich sind.

Ist die Menopause ein modernes Phänomen und künstlich erzeugt?

Bis 1800 lag die Lebenserwartung weltweit bei höchstens 30 Jahren, um 1900 bei Frauen zwar bereits bei 52,5 Jahren, aber immer noch nicht wesentlich über dem Zeitpunkt der Menopause (8). Über die restlichen etwa 300 000 Jahren, in denen die ,,moderne“ Menschheit existiert, gab es also die Menopause nur bei wenigen Frauen, die zufällig weit länger lebten, als es der natürlichen Lebenserwartung entsprach. Der Wegfall der Menstruation dürfte die Frauen aber auch in diesen eher seltenen Fällen nicht wesentlich beunruhigt haben, da sie zum einen noch nicht um die genauen Zusammenhänge wussten, zum anderen die Periode aufgrund vieler Schwangerschaften, (teilweise unbemerkter) Fehlgeburten und langen Stillperioden eher selten auftrat. Normale Menstruationsblutungen wie in der heutigen Zeit, die alle vier Wochen auftraten, gab es höchstens bei Nonnen, die nicht schwanger werden durften und die, bedingt durch ihr relativ ruhiges Leben in Klöstern, auch relativ alt wurden.

Diese evolutionstechnisch äußerst geringe Zeitspanne von 200 Jahren seit dem Beginn der ,,Geschichte der Menopause“, dürfte bis heute also allenfalls eine epigenetische Anpassung des Menschen an das Phänomen ,,Klimakterium“ zugelassen haben. Zudem gibt es Hinweise auf eine zukünftige Verjüngung des biologischen Alters (2,9), das bei weiterem Fortschreiten dazu führen könnte, dass sich das Alter bei Eintritt der Menopause in Zukunft weiter nach hinten verschiebt.

Bildschirmfoto 2019-10-12 um 03.19.22

Der geschichtliche Hintergrund wirft die Frage auf, ob die Menopause mit ihren Einschränkungen für die Frau tatsächlich als ,,physiologisch“ anzusehen ist und von der Natur so vorgesehen wurde, oder ob sie etwa ,,künstlich“ durch das aktive Eingreifen des Menschen in unserer modernen, technischen Welt mit einer relativ plötzlich verlängerten Lebenserwartung hervorgerufen wurde.

Hätte sich das Phänomen der Menopause über einen längeren Zeitraum aufgrund eines langsam immer länger werdenden Lebens entwickeln können, hätte sich der Körper der Frau wahrscheinlich besser an die Gegebenheiten der Menopause anpassen können, etwa durch geeignete Gegenregulations-Mechanismen wie eine veränderte Schmerzwahrnehmung oder Downregulation der vegetativen Symptome.

Da die Menopause aber durch das künstliche Eingreifen des Menschen relativ rasch entstanden ist, scheint es nur logisch, dass dieser nun auch eingreifen muss, um die negativen Folgen  der Menopause wieder zu verbessern. Dieser Erklärungsansatz könnte helfen, dass die Akzeptanz  zum Beispiel einer Hormonersatztherapie auf natürlicher Hormonbasis, wie sie aktuell empfohlen wird, zu akzeptieren,  um das ,,vom Menschen erschaffene Ungleichgewicht“ wieder herzustellen zu können.

Schlussfolgerung

Patientinnen, die sich im körperlichen Wandel der Perimenopause befinden, fällt es in der heutigen Zeit der medizinschen Standards oft nicht leicht, einen für sie gangbaren Weg im Dschungel der Therapien und Meinungen zu finden, der ihren Geist mit ihrem Körper in Einklang durch die Zeit des Klimakteriums bringt. Im Wissen um der Tatsache, dass diese Problematik, wie wir sie heute kennen, erst in den letzten 200 Jahren durch  die rasche Steigerung der Lebenserwartung durch den Fortschritt der Medizin und die Industrialisierung entstanden ist, macht ihr bewußt, dass der Zeitraum der Anpassung des Körpers (und auch der Psyche) an diese Gegebenheiten noch längst nicht vorbei ist und dass die Natur vielleicht noch nicht den optimalen Weg der Anpassung gefunden hat, was gerechtfertigt, ihn, falls Beschwerden in den verschiedenen Phasen des Klimakteriums auftreten sollten, gegebenenfalls  mit Medikamenten ,,aus Menschenhand“ zu unterstützen. Dies kann bei stärkeren Beschwerden mit möglichst sanften, körpereigenen oder -ähnlichen Hormonen geschehen, während bei nur leichten Beschwerden auch pflanzliche, hormonähnliche Stoffe ausreichen können.

Der Arzt sollte dabei mit einer holistischen Betrachtungsweise die besonderen Gegebenheiten und Sichtweisen berücksichtigten, um die Frau individuell zu unterstützen und die für sie optimale Behandlungsweise zu finden.

 

Literatur

Heinrich Schmidt-Matthiesen, Dietrich von Fournier (Hrsg.): Gynäkologie und Geburtshilfe. Schattauer Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-7945-2260-5, S. 81 ff. (Leseprobe bei Google Books).

1. Statista 2019, Details zur Statistik, Quelle: DSW.
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/199596/umfrage/lebenserwartung-in-europa-nach-geschlecht-und-region/.

2. Michael Stolberg: Von den „Stufenjahren“ zur „Menopause“. Das Klimakterium im Wandel der Zeit. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 24, 2005, ISSN 0177-5227, S. 41–50, hier: S. 46–48 (Von der cessatio mensium zur Menopause), PMID 17153291.

3. GEO WISSEN. Nr. 50, S. 44, Gruner + Jahr, Hamburg 2012.

4. G. C. Williams: Pleiotropy, natural selection, and the evolution of senescence. In: Evolution. Band 11, 1957, S. 398–411 (englisch).

5. American Journal of Epidemiology (2017; doi: 10.1093/aje/kwx177).
https://academic.oup.com/aje/article/186/11/1219/3858068.

6. Ärzte Zeitung online, 01.06.2017, Auswertung von Gesundheitsdaten, Späte Schwangerschaft birgt Risiken für Mütter.

7. Richard A. Morton, Jonathan R. Stone, Rama S. Singh: Mate Choice and the Origin of Menopause. In: PLoS Computational Biolology. Band 9, Nr. 6, 2013, doi:10.1371/journal.pcbi.1003092, PMID 23785268 (englisch).

8. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung Ausgabe 25, September 2006.

9. Forscher wollen das Altern besiegt haben, Wissenschaftler Gregory Fahy im Juli 2019 auf der Konferenz der Life Extension Advocacy Foundation in New York, Artikel hier, Studie noch nicht publiziert.

 

 

3 Kommentare zu „Fakten und Theorien zur Menopause! Ist der Mensch selbst für ihre Entstehung verantwortlich?

  1. Hmmmmm.
    Du als Gynäkologin wirst sicher öfter mti Frauen zu tun haben, die mit dieser Phase Probleme haben. Ich kann aus meinem persönlichen Umfeld, egal obOma, Mutter, Schwiegermutter, Schwägerin, Tanten, ältere Cousinen und deren Töchter oder Freundinnen, nichts problematisches berichten.Oder sagen wir so. Es werden natürlich Veränderungen besprochen, manche klingen auch nicht so nett, aber alles hört sich eben immer machbar an. Ich kenne niemand der „den Wechsel“ als unüberwindbare Hürde empfunden hat. Klar, von Scheidentrockenhat (mit 60 ca) habe ich gehört. Von Schweißausbrüchen auch. Meine Oma musste ein paarmal zur Ausschabung, weil sie immer wieder Blutungen hatte. Ich sehe dieser Zeit jetzt einfach mal gelassen entgegen. Mit 50 bin ich keine 25 mehr. Schon klar. Obwohl mein Kopf sagt, mit derm Körper ist alles „beim alten“. Ich habe da eigentlich gar keine Angst und will den Teufel jetzt da auch gar nicht an die Wand malen. Gibt es denn auch Frauen, die das durchleben und doch die alten bleiben?
    BG Sunny

    Liken

    1. Liebe Sunny! Vorneweg folgendes: Meine Ausführungen sind nur allgemeiner Natur und ersetzen nicht die Ausführungen . eines Arztes …Natürlich sind die Wechseljahre für viele Frauen erträglich und ich überrede keine zufriedene Frau dazu, Hormone zu nehmen! Nach den Richtlinien versuche ich bei Problemen auch erst pflanzliche bzw. lokale Therapien, mit denen ich oft die Probleme schon reduzieren kann. Zur Verjüngung verschreibe ich keine Hormone, das wäre auch nicht leitliniengerecht! Fakt ist allerdings , dass mit der Verringerung der Hormone sich der Körper umstellt, quasi einen Gang herunterschaltet und der Alterungsprozess (Knochen, Gefäße, Gehirn, Haut, Bindegewebe,..) vorangetrieben wird. Es muss aber ohne Behandlung nicht zu ,,unüberwindbaren Hürden“ kommen und Frauen können noch viele Jahre mit reduzierten Hormonen weiterleben, zumal immer noch nicht ganz klar ist, in wie weit manche Krebsarten vielleicht durch sie getriggert würden, Studien mit natürlichem Östrogen, das wir seit ein paar Jahren bevorzugt zur Ersatztherapie verwenden (früher war es ein Derivat, welches aus Stutenurin gewonnen wurde) liegen (zumindest nach meiner Recherche) noch nicht vor, weil die Zeit der Anwendung noch zu kurz ist. Ich hoffe allerdings, dass sich das bald ändert! Ich kenne allerdings Herrn Rimkus, Vorreiter und langjähriger Anwender der naturidentischen Hormonersatztherapie persönlich und er versicherte mir, dass er keine Tumorentwicklung in seinem Patientenklientel nach Einnahme gesehen hätte. Er hat die Östrogene sogar oral verabreicht, während wir aktuell lieber transdermal verschreiben, dann haben wir nicht den Verdauungsweg weil die Östrogene über die Hautgefäße direkt zu den Organen gelangen Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.   Alles Liebe, Nessy                 

      Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.