Eiweißmangel – Schlapp trotz ,,gesunder Ernährung“! Was kann ich tun? Mit Patientenstory

Eiweiß ist einer der wichtigsten Stoffe unseres Lebens und viele von uns haben tatsächlich einen Mangel, ohne es zu merken … Damit sinkt allerdings nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Lebenserwartung, denn unser Immunsystem, unser Muskelaufbau und sogar der Denkprozess ist auf eine genügend hohe Eiweißzufuhr mit der Nahrung angewiesen, denn nur ein Teil der sogenannten Aminosäuren (Eiweißbausteine) kann der Körper selbst herstellen …

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keinen Arztbesuch. Für eine individuelle Therapie  ist eine genaue Kenntnis der Krankengeschichte des Patienten notwendig, die hier natürlich nicht zur Verfügung steht. Trotz sorgfältiger Recherche werden auch für die Inhalte des Artikels/Behandlungsvorschläge keine Garantien übernommen.

Vor kurzen kamVeronika Weber (Name geändert), Hausfrau und Mutter, 34 Jahre alt, in die Praxis: ,,Ach Frau Doktor, ich esse ja nur noch Obst und Gemüse, Fleisch, Wurst und Käse kommen kaum noch auf den Tisch. Die  sind ja nur fett und ungesund …Trotzdem fühle ich mich so schlapp…!“

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Ein typisches Missverständnis der heutigen Zeit! Während sich ,,Low Carb“ bereits in den Köpfen eingebrannt hat und jedes Kind weiß, dass Zucker und Weißmehlprodukte dem Körper neben schneller Energie kaum weitere Nährstoffe bietet, wird einerseits das Image von Fleisch im Rahmen des Tierschutzes und Umweltschutzes immer schlechter, auf der anderen Seite ist vielen aber (noch) nicht klar, dass genügend Eiweiß elementar für die Versorgung des menschlichen Körpers ist, während sich die Industrie mit immer besseren Fleischersatzprodukten und ,,high Protein“ Puddings und Joghurts bereits auf diese ,,neue Erkenntnis“ darauf eingestellt hat.

Bedeutung von Eiweiß im Körper

1. Regeneration, Zellteilung

Die Zellteilung ist ein fortwährender Prozeß im menschlichen Körper. Fast alle Zellen erneuern sich ständig im Laufe unseres Lebens. Die einen mehr (z.B. die Haut), die anderen weniger (Gehirnzellen). Nur so kann auch eine Regeneration stattfindenDabei ist in jeder unserer Zellen die gesamte Erbinformation aus Eiweißbausteinen (Aminosäuren) enthalten, die sogenannte DNA.

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Aminosäuren, Basenpaare
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DNA: Zwei Stränge aus Paaren korrespondierender Aminosäuren, die miteinander verbunden sind und sich in einer Doppelhelix umeinander winden. 

2. Immunsystem

Daran wird auch die Bedeutung der Eiweißbausteine für das Immunsystem klar, das auf Zellteilung angewiesen ist! deshalb kann es bei Störungen des Immunsystems auch zu Eiweißmangel kommen (z.B. AIDS oder Tuberkulose).

3. Muskelaufbau, Kraft

Auch beim Muskelaufbau spielt Eiweiß eine bedeutende Rolle. Der Körper kann nur einen Teil der Aminosäuren (= Eiweißbausteine)000(nicht essentielle Aminosäuren =AS) selbst bilden, die anderen müssen ihm mit der Nahrung zugeführt werden (essentielle AS).

4. Kolloid-osmotischer Druck, Flüssigkeitsabtransport

Eine weitere wichtige Aufgabe spielt das ebenso aus Aminosäuren aufgebaute Albumin (35-53 g/l ), das den sogenannten onkotischen Druck in den Zellen aufrecht erhält, mit dem die Flüssigkeit aufgenommen/abgegeben wird. Ein Absinken des sogenannten kolloidosmotischen Drucks führt dazu, dass Flüssigkeit nicht mehr in die venösen Kapillaren aufgenommen werden kann, was sogar zum Tod führen kann.

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Zellwand mit Andockstellen und Transportkanälen. Viele Proteine sind beteiligt ….

5. Hoher thermischer Effekt (Fettverbrennung) Gewicht

Übrigens sorgt eine eiweißreiche Ernährung  auch für eine schlanke Linie. Wieso? Weil der thermische Effekt von Proteinen um einiges höher als der von Kohlenhydraten oder Fett ist. Wir benötigen also teilweise sogar mehr Kalorien, um Proteine zu verwerten, als wir durch sie aufgenommen haben. Der Stoffwechsel wird dadurch um 15 bis 30 Prozent angekurbelt.

Fehlt uns Eiweiß, sind die Abläufe im Körper gestört, was sich in verschiedenen

Eiweiß-Mangel-Symptomen wie

  • Allgemeine Schwäche,
  • Muskelschwäche
  • schlechte Immunabwehr und
  • Wundheilungsstörungen zeigen kann. Langfristig kann ein Eiweißmangel nicht nur zu einer
  • verminderten Lebensqualität, sondern auch zu einer
  • Verkürzung der Lebenserwartung führen.

Wie kommt es zu Eiweißmangel?Bildschirmfoto 2019-08-12 um 23.47.20

An erster Stelle steht, wie oben schon angedeutet,  die

  • mangelnde Aufnahme durch die Ernährung! Bei älteren Menschen spielen auch
  • Kauprobleme und/oder
  • Appetitlosigkeit eine Rolle. Zudem kann auch ein
  • Enzymmangel bei bestimmten Erkrankungen wie Sprue oder Zöliakie, ebenso wie
  • Tumorerkrankungen, eine
  • Störung des Magen-Darm-Traktes, das
  • Nachlassen der Magensaftproduktion oder
  • Schilddrüsenprobleme zu einem Eiweißdefizit führen. Vorübergehend kann es auch durch einen
  • erhöhter Verbrauch (zum Beispiel bei Fieber) ausgelöst werden. Eine weitere Ursache ist die
  • mangelnde Produktion, z.B. bei Schäden der Leber.

Wieviel Protein braucht denn der Mensch?

Laut der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) beträgt der Eiweißbedarf jeden Tag mindestens 0,8 Gramm Eiweiß (=Protein) pro Kilogramm Körpergewicht, bei gewünschtem Muskelaufbau, im Wachstum und in der Rekonvaleszenz etwas mehr (bis 1,5Gramm). Das sind bei 70 Kilogramm etwa 56 Gramm und bei  60 Kilogramm etwa 48 Gramm Eiweiß am Tag. Nur, wer nierenkrank ist, sollte vorsichtig sein! In der Realität werden jedoch selbst 0,8 g/Kg häufig unterschritten!

Es lohnt sich deshalb, einmal aufzuschreiben, was man an Ernährung zu sich nimmt und dann tatsächlich zu berechnen, wie hoch in etwa der Eiweißgehalt ist. Schauen wir also, was mir Laura Weber aufgeschrieben hat.

Beispiel Tagesration von Veronika Weber, 165 cm, 72 kg

  • Morgens: 1 Marmeladen- Croissant (7,6 g), 1 Tasse Kaffee, 1 Ei (5,5g)
  • Mittags: 1 griechischer Salat 240g, (4,6 g) , 1 Cola-Light
  • Nachmittags: Stück Sachertorte (6,6 g), 1 Kaffee
  • Abends:  1 Risotto (9,1 g) m. Salat
  • Nachtisch:  1 Creme Brulée 120 g (4,6g)

FAZIT: Veronika hat also an diesem (für sie typischen Tag, wie sie sagt), 38g Eiweiß zu sich genommen, der Bedarf wäre etwa 58 g, also liegt die Zufuhr ein Drittel unter ihrem Bedarf!

Eiweißreiche Lebensmittel  (Gramm Eiweiß in 100 Gramm Lebensmittel):Bildschirmfoto 2019-08-12 um 23.47.34

  • Mandeln 19
  • Fisch 23,4
  • Hartkäse 36
  • Rindfleisch 21,4
  • Erdnüsse 25
  • Soja 24
  • Weizenkeime 34
  • Kürbiskerne 25
  • Linsen, getrocknet 27
  • Lachs, geräuchert 23,2
  • Geflügelfleisch, roh 21,9
  • Chiasamen 17
  • Hühnerei, roh 11,9
  • Magerquark, 0,2 % Fett 10,8
  • Vollmilch, 3,5 % Fett 3,3
  • Ei, 16 (ein Ei ca 8-10)

Besonderheiten zur Eiweißaufnahme

  • Bei gewünschtem Muskelaufbau hält das sogenannte ,,anabole Fenster“ , in dem Muskeln aufgebaut werden, bis etwa 60 min nach dem Training an! Also hat der Eiweißshake- oder Riegel nach dem Training ggf. eine positive Wirkung auf den Muskelaufbau!
  • Die Kombination aus tierischen und pflanzlichen Proteinen gewährleistet maximale biologische Wertigkeit, da sie jeweils unterschiedliche Aminosäurenprofile besitzen (z.B. Kartoffeln mit Ei oder Quark, …)

Was wurde aus Veronika Weber?Bildschirmfoto 2019-08-12 um 23.51.41

Nach einer ausführlichen Anamnese, körperlichen Untersuchung und erweiterter Laborkontrolle konnte wir glücklicherweise ernsthafte Krankheiten ausschließen, allerdings fand man bei der körperlichen Untersuchung eine auffallende Blässe der Schleimhäute (z.B. Zahnfleisch) und Risse in den Mundwinkeln als Zeichen einer Blutarmut (Anämie) und eine vergrößerte Schilddrüse, die sich als gutartige Wucherung infolge einer Schilddrüsen-Unterfunktion herausstellte. Diese Befunde wurden durch die Routine-Kontrolle der Labor-Werte neben diversen Ernährungs-Mängeln bestätigt….

Für ihren Eiweißmangel überlegten wir, was Veronika aus der ,,Liste“ gerne essen würde. Sie erzählte mir, dass Mandeln dazu gehören würden, besonders in geröstetem Zustand, sowohl mit einer Prise Salz als  auch als Besonderheit einmal mit etwas Zucker (quasi gebrannte Mandeln light). Natürlich sollte man die Aufnahme von so behandelten Mandeln nicht übertreiben, roh sind sie natürlich gesünder. Aber gelegentlich konsumiert, wenn zum Beispiel Gäste kommen, das ein guter, leckerer Kompromiss.

Auch Fisch stand nun wieder regelmäßig auf dem Speiseplan. Da sie sich aber nicht zum Fleischkonsum überreden ließ, was ich ihr nicht verdenken konnte (ich selbst esse kein Fleisch), stellte ich ihr ein auf sie abgestimmtes Kit mit Nahrungsergänzungsmittel zusammen.

Sonderform vegetarische Ernährung

Zum Vegetariertum ist zu sagen, dass man es mit einer ausgeklügelten Nahrungszusammenstellung schaffen kann, alle benötigten Aminosäuren und Vitamine, Mineralstoffe, Fette und sekundäre Pflanzenstoffe aufzunehmen, die man benötigt. Allerdings ist das nicht ganz einfach, da manche notwendigen Stoffe (z.B. die essentiellen Aminosäuren oder Omega 3 Fettsäuren) in tierischer Form in höherer Konzentration vorhanden sind bzw. besser aufgenommen werden. Susanne als Vegetarierin fehlte übrigens nicht nur Eiweiß, sondern auch die B-Vitamine, Calcium und Eisen, was leicht passieren kann, wenn man sich nicht sehr bewußt ernährt!

Zurück zu Veronika …

Nach meinem Konzept optimierte wir ihre Lebensführung zusätzlich zu einer optimierten Ernährung mit vielen kleinen zusätzlichen Tipps und Tricks nach ihren Vorlieben und Bedürfnissen, mit Stabilisierung des Mikrobioms, einem auf ihrem Alltag abgestimmten Bewegungsprogramm und eine Verbesserung der Schlafbedingungen . Zusätzlich machte ich ihr Termine für die größtenteils versäumten Vorsorgeuntersuchungen.Und wie´s der Teufel will fand man dort übrigens eine Vorstufe von Hautkrebs, die (noch) problemlos entfernt werden konnte …

Nach acht Wochen hatte sie tatsächlich sechs Kilo abgenommen, obwohl dies gar nicht unser vordergründiges Ziel gewesen war und strahlte nur so vor Energie und Lebensfreude …

Fazit

Dieses ausführliche Vorgehen aufgrund der Verdachtsdiagnose Eiweißmangel offenbarte im Fall von Susanne Weber doch einige behandlungsbedürftige Befunde (Ernährungsdefizite, Schilddrüse, Haut, Übergewicht), auch wenn sich keine schwere Erkrankung zeigte. Die sorgfältige Untersuchung der Patientin zeigte in vielerlei Hinsicht, unter anderem auch in Sachen Eiweißmangelernährung, , wie wichtig es ist, dass man einen verantwortungsvollen Arzt hat, der jederzeit den Überblick über die Krankengeschichte hat, findet, mit dem man sich aktiv um seine Gesundheit kümmern muss!

Ihr seht, wie wichtig es ist, ab und zu den Doc aufzusuchen und dass man sich einen genauen Überblick über seine möglichen Befunde verschafft!

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11 Kommentare zu „Eiweißmangel – Schlapp trotz ,,gesunder Ernährung“! Was kann ich tun? Mit Patientenstory

  1. Sehr sachlich geschrieben! Mein Mann trainiert und unterstützt sein Training eben mit Eiweiß Nahrung. Somit weiß ich es wie wichtig das für Muskeln und allgemein Ernährung ist. Ich versuche mich auch gesund zu ernähren. Ich esse abwechslungsreich, Gemüse, Obst und Fleisch kommen bei mir auf dem Tisch. Ich unterstütze das ganze noch mit Vitamin- Präparaten. Einige wurden mir auch von meine Ärztin empfohlen. Denn… du bist, was du isst. Danke für den Beitrag und liebe Grüße!

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    1. Liebe Rena! Herzlich willkommen und vielen Dank für Deinen guten Kommentar! Ich finde es supi, dass bei Deiner Ernährung alles stimmt, weil tatsächlich viele ,,ungesundes“ Fleisch ersatzlos gestrichen haben, weshalb in unserem ,,reichen“ Land tatsächlich zu Fehlernährungen diesbezüglich gekommen ist! Dir eine schöne Woche, Nessy

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