Anti Aging: Altern durch Zombie-Zellen – können Knoblauch & Co helfen?

Wenn unsere Zellen plötzlich keine Lust mehr haben, zu arbeiten …

Es gibt in unserem Körper Zellen, die bis zu einem gewissen Zeitpunkt ein ganz normales Leben geführt und brav ihre Arbeit getan haben. Aber ganz plötzlich – durch Krankheiten, Noxen oder auch ,,Störung“ durch die Nachbarzellen –  legen sie eine Null-Bock Mentalität an den Tag, wie ein beleidigter Teenager. Ihre normalen Aufgaben erfüllen sie nicht mehr und der eigene ,,Müll“ (Zytokine, Wachstumsfaktoren, Proteasen,..) wird einfach auf die anderen Zellen abgeladen, wodurch nun auch diese nicht selten dazu gebracht werden, sich zu entzünden und auch nicht mehr richtig zu arbeiten. Allerdings kommt es bei ihnen, im Gegensatz zu unseren Rowdy-Zellen, häufig vor, dass sie dabei kränkeln und eingehen. Unsere Aussteiger-Zellen jedoch frönen einem fidelen Leben und auch mit Nachwuchs, sprich, der Zellteilung, haben die Freunde des Müßigganges nichts mehr am Hut. Also teilen sie sich selbst nicht mehr, wobei dies die Definition von ,,Leben“ ist! Deshalb werden sie auch ,,Zombiezellen“ genannt …

Seneszente Zellen lassen uns altern …bacteria-156868__340

Wissenschaftlich werden sie allerdings als ,,seneszente“ Zellen bezeichnet. (Seneszenz: Alterung auf Zellebene). Man hat sie vor ein paar Jahren an der Mayo-Klinik in Rochester, Minnesota, entdeckt und bereits an Mäusen erforscht.

Sie sind ein weiterer Faktor für Alterungsprozesse allgemein, aber insbesondere auch durch Blockierung der Nachbarzellen und Bildung von Ablagerungen in verschiedenen Geweben so auch im Gehirn. (James Kirkland, von Deursen, Dean Warren).

Bei Mäusen mit Alzheimer-ähnlichen Symptomen fand man diese Zellen in vermehrter Anzahl, zudem kam es zu körperlichen Einschränkungen durch Applikation dieser Zellen in jungen Jahren, während sie im Alter eine Verkürzung der Lebenszeit bewirkten, wie in der Zeitschrift »Nature Medicine« berichtet wurde (DOI: 10.1038/s41591-018-0092-9) 

Man vermutet, dass diese Zellen im Rahmen der Regenation entstehen, so Manuel Serrano, quasi ein Hilferuf an Nachbarzellen: ,,Hey, mir geht´s heute gar nicht gut!“ Aber wenn das Immunsystem zu viele solcher Hilferufe hört, dann stumpft es mit der Zeit ab! Und dann kommt es zu krankhaften Veränderungen wie einer chronischen Entzündung der Gelenke (Arthrose(, oder auch Veränderungen in den Gefäßen, die zum Beispiel zu Engstellen führen können.

,,Wenn man diese kleinen Killer aus dem Orgamismus entfernen würde, könnte man die Bildung von neuem Gewebe stimulieren und die Reperaturmechanismen greifen wieder“, postulierte auch Jennifer Elisseeff von der Johns Hopkins University in Baltimore.

Herausgefunden hat man aber auch noch etwas anderes: Auch Krebszellen können sich in seneszente Zellen verwandeln! Problematisch ist das deshalb weil sie so viele Stoffe aussenden, die die anderen Zellen schädigen. Dies könnte eventuell dazu führen , dass bei anderen Tumorzellen die Teilung angeregt würde! (Literatur: 2018, 96 | NATURE | VOL 553 | 4 JANUARY 2018, doi:10.1038/nature25167Senescence-associated reprogramming promotes cancer stemnessMaja Milanovic et al.)

Tatsächlich gibt es aber auch seneszente Zellen, die sich nach einer gewissen Zeit wieder teilen. Hayley McDaid, Pharmakologin am Albert Einstein College of Medicine in New York City, brachte mit dieser Aussage einen weiteren Aspekt ins Spiel . So dauert es nach einer Chemotherapie bis zu zwei Wochen, bis die Zellen über das Seneszenzstadium hinwegkommen, um dann eventuell wieder zu Krebszellen zu werden. Würde man also, zum Beispiel bei Haut- und Brustkrebs, die Zombiezellen entfernen, könnte vielleicht die Krebserkrabkung besser gestoppt werden! 

Drei Stoffe zur Bekämpfung der seneszenten Zellen entdeckt

Vor kurzem kamen dann erste Pressemeldungen, dass man nun zwei Stoffe entdeckt habe, dessen Kombination zu einer Verminderung dieser Zombizellen führen würde. Sie hätten sich bei Mäusen als sehr gut wirksam gegen Gehirn-Erkrankungen, die im Alter auftreten (Alzheimer und Parkinson) erwiesen.
Beide Stoffe sind in der Medizin keine Unbekannte. So verfügt man bereits über Erfahrungen mit ihnen, die für den Einsatz gegen seneszente Zellen hilfreich sind!

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Dasatinib und Quercetin

Zum einen handelt es sich um das Leukämie-Medikament Dasatinib. Das ist ein Tyrosinkinaseinhibitor mit vielen Nebenwirkungen wie Kopfschmerz, Durchfall und Übelkeit … also eher wenig geeignet, um auf Dauer sein Leben langfristig zu verlängern!
Der andere Stoff ist interessanterweise reichlich in Knoblauch enthalten … ist doch etwa ein wahrer Kern in den alten Vampir-Sagen?
Es handelt sich um den Pflanzenwirkstoff Quercetin aus der Gruppe der Flavonoide – der bereits früher mit vielen positiven Eigenschaften aufgefallen ist!
So ist er für seine wachstumshemmenden Eigenschaften von entarteten Zellen (Tumorzellen), wahrscheinlich durch seine starke antioxidative Wirkung, bekannt. Zudem vermutet man, dass er auch einen positiven Einfluss auf verschiedene Prozesse innerhalb der Zellen ausübt! (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24377461).
Die gute Nachricht – Quercetin ist in einer Reihe von Lebensmitteln vorhanden … Natürlich wurden die Erfolge bei der Bekämpfung des senezenten Zellen bei Studien in der Kombination mit Dasatinib erzielt. Dennoch ist es ja nicht falsch, wenn wir bei unserer Ernährung die neuesten Erkenntnisse einfließen lassen, zumal man dies relativ einfach umsetzen kann!

Lieferanten und Tipps für die Zufuhr von Quercetin

Hervorragende Lieferanten für Quercetin sind, neben dem Knoblauch, die Zwiebeln (284–486 mg/kg), wobei besonders die äußeren Hüllen viel Quercetin enthalten. Also sollte man beim Zwiebelschälen versuchen, diese nicht der Einfachheit halber einfach wegzulassen, wie das eilige Köchinnen und Köche gerne tun, sondern nutzt auch die Ringe direkt unter der ausgetrockneten Schicht. Noch ein Tipp: Zwiebelkuchen läßt sich lecker mit Kümmel aufwerten. Positiver Nebeneffekt: Das Bäuchlein verdaut leiser …
Auch Heidelbeeren (kultiviert 74 mg/kg, wild 146–158 mg/kg) haben viel davon. Dennoch bringt es nicht soviel, sich zu viert ein 100 Gramm Schälchen zu teilen, jeder sollte mindestens 250 Gramm davon essen, zumal wir auch meistens auf kultivierte zurückgreifen müssen!
Ein weiterer Lieferant ist Grünkohl (60–110 mg/kg). Zwar ist er ein wenig aufwändig zu händeln, kann er aber sehr lecker zubereitet werden. Tipp: Auf tiefgekühltes Gemüse zurückgreifen, dieses ist bereits geputzt!
An Apple a day keeps the doctor away … Mit 21–440 mg/kg ist auch der Apfel ein guter Lieferant! Tipp: Wer viele Äpfel isst, sollte, obwohl unter der Schale das meiste Quercetin sitzt, den Apfel so dünn wie möglich abschälen, damit sich die Fruchtwachse nicht in der Leber anhäufen und zudem die faulen Stellen akribisch entfernen, denn sie sind krebserregend.
Schnittlauch (245 mg/kg) hat sehr viele positiven Eigenschaften. Drei Krümel auf der Kartoffel bewirken allerdings nicht soo viel. Besser ist, es ruhig ein wenig spendabler einzusetzen, z.B. in Quark.
Zitrusfrüchte, grüne Gemüse wie Blattgemüse und Brokkoli, alle Arten von Beeren, aber auch Kapern sind gute Lieferanten. Auffällig ist, dass wild gewachsene Früchte wie Wild-Beeren, oft ein Vielfaches an Quercetin aufweisen!
Es zeigt sich immer wieder, wie unsere ,,kultivierte“ Ernährung durch intensive Bodennutzung und einseitige Düngung, das Fehlen von unterstützenden, verschiedenen Beipflanzen (die die Bodenqualität verbessern) tatsächlich an notwendigen Stoffen verarmt und im Gegenteil, zusätzlich Schadstoffe enthält!
So zeigte eine 2007 durchgeführte Studie, dass Tomaten aus biologischem Anbau 79 % mehr Quercetin enthielten als bei konventionellem Anbau (A. E. Mitchell u. a.: Ten-year comparison of the influence of organic and conventional crop management practices on the content of flavonoids in tomatoes (Journal of agricultural and food chemistry. 55, Nr. 15, 2007, S. 6154–6159, PMID 17590007).

Die Forschung geht weiter – auch andere Substanzen sind  erfolgreiche ,,Zombiejäger“ …

Mittlerweile wird erfolgreich an allen Fronten an er Entdeckung weiterer Substanzen gearbeitet, die bei der Bekämpfung seneszenter Zellen in Frage kommen könnten:

Der eigentlich zur Bekämpfung von Krebs entwickelte Hemmstoff des Immunmodulators Transforming Growth Factor-β1 (TGF-β1). Eine Gruppe um Dr. Thomas Bird von der Universität Edinburgh hat dieses Medikament jetzt im Tierversuch bei akuter Leberintoxikation mit Paracetamol, welche auch zu einer Seneszenz der Zellen führt, erfolgreich getestet (DOI: 10.1126/scitranslmed.aan1230).

2016 entdeckte Daohong Zhou von der University of Arkansas for Medical Sciences in Little Rock das sogenannte  ,,Navitoclax“ , das zwei Proteine der Bcl‑2-Familie hemmt. Letztere fördern eigentlich die eigentlich das Überleben Zellen, aber eben anscheinend auch von Zombiezellen …

Zum jetzigen Zeitpunkt (Januar 2020, sind wohl mindestens 14 senolytische Substanzen beschrieben worden,  die seneszente Zellen den Gar ausmachen können! Und wenn Mäuse wieder ein glänzendes fell und wache Äuglein bekommen -wieso auch nicht wir Mesnchen?

Sind wir der ewigen Jugend wieder ein Stückchen näher?

Ob sich aus diesen Erkenntnissen tatsächlich in echte Altersmedikamente entwickeln lassen, ist heute noch nicht hinreichend geklärt. Die angekündigten Studien an Menschen sind nach meinen Kenntnissen noch nicht veröffentlicht worden. Von ihnen wird es letztendlich abhängig sein, ob die im Tiermodell gezeigten Erfolge auch für uns Menschen gelten. Und da wären noch so viele Kleinigkeiten, die noch geklärt werden müssen wie Dosisfindung, Cofaktoren, Kontraindikationen und auch die Frage, ob eine Vorbeugung und ein langes Leben -eine ,,echte Alterspille“ sozusagen, überhaupt für die Gesellschaft gewollt sind?
Sind wir ehrlich, für den einzelnen ist das fast egal, denn jeder möchte so lange so gut wie möglich leben! Fangen wir also einfach einmal mit dem gelegentlichem Essen von Zwiebeln und Knoblauch mit ihrem hohen Gehalt an Quercetin an. Ob sie natürlich auch ohne die Gabe von Dasatinid ihre Wirkung auf die seneszenten Zellen entfalten, wissen wir nicht. Allerdings wissen wir ehrlich gestanden, vieles nicht, was immer wieder großmundig versprochen wird – und Quercetin soll viele positive Wirkungen auf den menschlichen Organismus haben …

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Haben wir irgendwann den Kampf gegen das Altern gewonnen?

 

 

 

 

Phagentherapie statt Antibiotika – neue Hoffnung bei Resistenzen!

Im Jahre 2015 hatte sich der amerikanische Unternehmer Tom Patterson nach Monaten harter Arbeit einen Traum erfüllt und war mit seiner Frau Steffanie nach Ägypten gereist. Doch die Reise nahm eine dramatische Wendung.

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Kaum hatten sich die beiden ein wenig unter der Sonne erholt, erkrankte Tom schon an einem tückischen Keim namens  Acinetobacter baumannii.  Der Keim war bereits berühmt-berüchtigt,  hatte er doch schon während des Irak-Krieges den Soldaten das Leben schwer gemacht, weil er für ihre teilweise sehr schlechte Wundheilung verantwortlich war. So gestaltete sich auch in Toms Fall die Behandlung mehr als schwierig. Da seine Frau Steffanie selbst Leiterin des Global Health Institute der Uni in San Diego war, brachte sie ihren Mann in das dortige Universitätskrankenhaus, wo er sofort mit allen nur möglichen Antibiotika behandelt wurde. Doch welches Antibiotikum auch versucht wurde, nichts brachte Tom eine Besserung. Schließlich fiel er ins Koma. Steffanie Strathdee war verzweifelt.Bildschirmfoto 2019-12-12 um 17.47.10

Tag und Nacht suchte sie mit all ihren Kräften nach einer Therapiemöglichkeit, die ihren Mann doch noch würde retten können. Und das Wunder geschah! Als sie die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, fiel ihr wie aus heiterem Himmel plötzlich ein, dass sie einmal etwas über eine bestimmte Behandlung gelesen hatte, die in einem ähnlich aussichtslosem Fall gewirkt hatte. Die sogenannte Phagentherapie!

Es handelte sich um eine Therapie mit einer Art Viren, Bakteriophagen genannt, die aber keine menschlichen Zellen, sondern nur  Bakterien befällt und diese bekämpfen kann. Dabei bestehen sie nur aus einer Proteinhülle, die im Inneren Nukleinsäure (z. B. DNA), mit kodierten Informationen enthält. Die Phage dockt an die kranke Zelle an und impft ihr bestimmte Befehle ein. Dadurch ändert die befallenen Zelle ihre Eigenschaften  und kann so durch Antibiotika angreifbar oder direkt getötet werden. Bildschirmfoto 2019-12-12 um 18.02.49

 

Obwohl dies vielversprechend klang, war dies allerdings nur ein kleiner Hoffnungsschimmer, denn mit dieser Therapie hatten weder die amerikanischen noch die europäischen Wissenschaftler aktuell Erfahrungen, obwohl es bereits 1917 Félix d’Herelle gelang, damit Cholera und Pest zu behandeln.

1936 gründete er dann gemeinsam mit seinem Freund Georgi Eliava, das bis heute weltweit bekannte Eliava-Institut im georgischen Tiflis. Dies führte dazu, dass sich die Phagentherapie von dort aus verbreitete und noch heute in Georgien und Polen genutzt wird.

Da man jedoch schwere Infektionen seit den 40ern zunehmend auch mit Antibiotika behandelte, verlor die Therapie mit Phagen immer mehr an Bedeutung. Allerdings entwickelten sich unter der immer häufiger eingesetzten Antibiose zunehmend sogenannte ,,multirestistente Keime“, unter denen jetzt auch Tom litt.

Sofort setzte Steffanie alle Hebel in Bewegung und tatsächlich gelang es ihr, eine Sonderzulassung der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA zu erwirken, während sich  landesweit die Wissenschaftler schon an die Entwicklung der passenden Phagenmedikamente machte. Obwohl das Risiko eines sogenannten ,,septischen Schocks“ groß war, wurde die erste Ration über Schläuche in Toms Bauchraum gegeben, die zweite dann in eine Vene. Und das Unglaubliche geschah! Die Therapie begann zu wirken. Steffanie konnte es kaum glauben, als ihr Mann am dritten Behandlungstag die Augen aufschlug!

Die beiden waren so überglücklich über die erfolgreiche Behandlung, dass sie ein Buch, schrieben und das Institut IPAHCo gründeten, wo die Phagentherapie weiter erfoscht wird. Dadurch sorgten so dafür, dass sich diese ,,neue, alte Therapie“ weiter verbreitet und verbessert wird. damit sie eines Tages allen Patienten, die sie benötigen zur Verfügung gestellt werden kannBildschirmfoto 2019-12-12 um 17.45.18

Nach diesem Fall interessieren sich nun auch die Ärzte in Deutschland wieder zunehmend für die Phagentherapie. Erste Behandlungserfolge stellte  Professor Christian Willy, Chefarzt der Chirurgie des Bundeswehrkrankenhauses in Berlin vor kurzem vor. Allerdings ist die Durchführung nicht ganz einfach und stellt besondere Anforderungen an die Krankenhäuser. So muß diese Behandlung innerhalb zwei Wochen durchgeführt werden. In diesem Zeitraum müssen die Krankheitserreger identifiziert und spezielle, aufbereitete, bereits hergestellte Bakteriophagen ausgesucht werden.

Dafür muss man aus einem großen Pool auswählen können, denn das Wirkspektrum dieser Therapie ist sehr eng.  So kann es sein, dass verschiedene Unterarten einer Bakterie verschiedene Phagen benötigen, die sie bekämpfen können. Dabei gibt es zwei Arten von Therapien:  So kann es sein, dass Phagen multiresistente Bakterien dazu bringen, Antibiotika gegenüber wieder sensibler zu werden oder aber  dass sie selbst den Keim direkt bekämpfen.

Aber egal wie und auch wenn es noch einige Hürden zu überwinden gibt, diese und ähnliche Therapien sind Hoffnungsträger für eine Zukunft, in der auch schwere Infektionen individuell behandelt werden können!

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