Colostrum: Anwendungsgebiete, Galenik, antivirale Potenz

Dr. med.Nessy Wagner

Colostrum, auch Erst- oder Biestmilch genannt, erfreut sich seit Jahren, besonders unter Laien, an zunehmender Beliebtheit. So wird das gerne auch als „Geheimtipp“ geltende Colostrum mit seinen mannigfaltigen Inhaltsstoffen, die dem Neugeborenen wie auch dem Kälbchen in den ersten Stunden und Tagen ihres Lebens mit allem versorgt, was der junge Organismus benötigt, häufig für folgende Indikationen angewendet: zur allgemeinen Stärkung und Roborierung des Körpers, zur Vorbeugung von Erkrankungen, von Sportler für den Muskelaufbau, zur Steigerung der Trainingsleistung, für die rasche Muskelregeneration und als allgemeines Anti-Aging-Mittel.

Über den medizinischen Einsatz wird aber nach wie vor diskutiert. Einerseits wurde in Studien, aber teilweise auch schon seit Jahren der praktischen Anwendung bereits eine gute Wirkung von Colostrum auf das Immunsystem [1], bei der Behandlung von lokalen (z. B. vaginalen) und systemischen Infektionen, bei gastrointestinalen Störungen, aber auch bei Morbus Alzheimer und bei der Wundheilung festgestellt [2]. Gerade in letzter Zeit sind die Verkaufszahlen deutlich angestiegen, wobei die Verbreitung der Pandemie „Corona“ mit dem Erreger SARS Covid-19, die bei den Menschen den Wunsch nach Immunabwehr deutlich gesteigert hat, daran nicht unbeteiligt sein dürfte [3]. Denn die vielfältige Substanz könnte, durch ihre antiinflammatorischen, immun-modulatorischen und eventuell sogar anti-viralen Eigenschaften, auch bei der Vorbeugung oder Behandlung von Infektionen mit tükischen Krankheitserregern, wie beispielsweise bei Formen des SARS-Virus, von Nutzen sein.

Abb. 1 Links: frisches Colostrum 12 Stunden post partum: gelblich, subjektiv visköser. Rechts: Milch, 5. Tag post partum. Im Verlauf geht Colostrum in Milch über. In den ersten 36 Stunden sind die meisten Wirkstoffe erhalten. Seine gelbliche Farbe erhält es durch den hohen Carotingehalt, der zehnmal so hoch ist wie in der normalen Milch.

Aber um es vorweg zu nehmen: Studien oder gar Beweise für eine solch umfassende Wirkung von Colostrum gibt es, zumindest bis jetzt, noch nicht. Denn auch, wenn multiple Inhaltsstoffe und Studienergebnisse eine Beeinflussung des Immunsystem möglich scheinen lassen, weiß man noch sehr wenig darüber, wie und wann diese genau wirken [4]. Deshalb warnte auch die amerikanische FDA (Food and Drug Administration) in jüngster Zeit davor, einen ausreichenden Schutz gegen eine Covid-19-Infektion von einer Colostrum-Einnahme zu erhoffen und womöglich auf weitere Schutzmaßnahmen zu verzichten [5].

Aber nicht nur bei der Covid-19-Vorbeugung oder gar -Behandlung ist die Anwendung von Colostrum noch nicht ausreichend erforscht. Auch die mögliche Anwendung bei Tumorerkrankungen muss genau überlegt werden, da man nicht weiß, inwiefern die Tumorzellen selbst durch die Inhaltsstoffe von Colostrum zum Wachstum angeregt werden.

Deshalb ist es wichtig, nicht nur den Inhaltsstoffen von Colostrum, sondern auch deren Verstoffwechselung und damit Wirkung im Organismus genauer auf den Grund zu gehen. Allerdings darf man, trotz aller Skepsis, nicht vergessen, dass es tatsächlich schon einige Theorien und Studien gibt, die Wirkweise und Wirkort von Colostrum beleuchten und so langfristig bei der Entscheidungsfindung, ob und bei welchen Indikationen Colostrum nutzbringend als Therapeutikum einsetzbar ist, helfen können. Im folgenden Artikel sollen die aktuellen Kenntnisse dargelegt werden und mögliche Konsequenzen für die Praxis und insbesondere für der Einsatz bei onkologischen Patienten beleuchtet werden [6].

Was ist Colostrum?

Colostrum wird in den ersten drei bis fünf Tagen nach der Geburt von der mütterlichen menschlichen Brust bzw. dem Euter oder den Zitzen von Wirbeltieren sezerniert. Es ist eine ganz besondere Flüssigkeit, die das Neugeborene in den ersten Tagen seines Daseins mit allen nötigen Nähr- und Abwehrstoffen, aber auch mit Enzymen, Wachstumsfaktoren, Hormonen & Co versorgt, die es zum Start ins Leben braucht. Denn zu diesem Zeitpunkt sind die Anforderungen an das junge Lebewesen immens: Sobald es geboren wurde, ist es nicht nur einer riesigen Keimflut, Temperaturschwankungen und verschiedenen Noxen ausgesetzt, sondern muss sich auch physisch und mental möglichst rasch entwickeln.

Die wichtigsten Eigenschaften

Durch Colostrum (Abb. 1 und 2–7)

  • verbessert sich der Schutz vor Krankheitserregern,
  • wird die Entwicklung des Immunsystems vorangetrieben und
  • Wachstum, Reifung und Reparatur verschiedener Gewebe gefördert. Bei nicht wenigen Säugetieren ist dieser
  • ,,Nestschutz“ deshalb lebensnotwendig und entscheidend für das Überleben und die Gesundheit der Nachkommen.
  • Die Muttermilch ist nicht nur in idealer Weise auf die jeweiligen Bedürfnisse des Neugeborenen eingestellt, sondern
  • Mutter und Kind können sogar in gewisser Weise kommunizieren. So
  • ändert sich dessen Zusammensetzung je nach individuellen Anforderungen, beispielsweise bei Infektionen [7–9].

In Deutschland gilt das flüssige Colostrum als Nahrung und die Kapseln als Nahrungsergänzungsmittel, während in den USA hyperimmunes bovines Colostrum   (für AIDS-assoziierte Diarrhoe) Orphan Drug-Status erhalten hat [10, 11].

Die wichtigsten Inhaltsstoffe

In den folgenden Auflistungen (Abb. 2-7) sind die wichtigsten Inhaltsstoffe von Colostrum und ihre Konzentrationen, soweit dazu Quellen gefunden wurden, dargestellt. Die Funktionen der wichtigsten immunaktiven Substanzen wurden zudem kurz beschrieben [12, 13].

Abb. 2 [14, 15]

Abb. 3 [16, 17]

Abb. 4 [18–23]

Abb. 5 [24–36]

Abb. 6 [37–42]

Abb. 7 [43]

Faktoren, die die Qualität von Colostrum beeinflussen

Wenn diskutiert wird, welchen medizinischen Nutzen Colostrum haben könnte, wird oft vergessen, dass „Colostrum“ nicht gleich „Colostrum“ bedeutet. Es gibt, da es sich um eine natürliche Ressource handelt, eine ganze Reihe von Einflussfaktoren, die die Qualität maßgeblich mitbestimmen. Um eine hohe Qualität zu erhalten, gilt es, diese zu optimieren und soweit möglich, zu standardisieren, damit man vergleichbare und gute Ergebnisse erzielt.

Individuelle Zusammensetzung je nach Anforderungen des Neugeborenen

BC besteht aus einem umfangreichen Cocktail an wertvollen, immun-unterstützenden Inhaltsstoffen, der zum Teil individuell an die jeweiligen Anforderungen des Neugeborenen angepasst ist. Diese Adaptation der Zusammensetzung kann durch die enge Interaktion zwischen Mutter/Muttertier und Ungeborenen/ Neugeborenen bereits im Mutterleib und später durch den Speicheltransfer und eventuell auch über Duft bzw. Signalstoffe erfolgen.

Diese individuelle Anpassung ist natürlich nicht direkt zu beeinflussen. Allerdings kann man dafür Sorge tragen, dass die Bedingungen für die Muttertier gleichbleibend optimal sind. Auch für die Qualität des Colostrums ist      eine möglichst tiergerechte, standardisierte Haltung des Muttertieres schon während der Trächtigkeit ausschlaggebend, die sich durch hochwertiges Futter, tierärztliche Kontrollen und genügend Auslauf des Muttertieres unter Vermeidung von Stressfaktoren auszeichnet.

Umgebungsbedingungen

Damit eng im Zusammenhang stehen auch die Umgebungsbedingungen, die von den klimatischen Bedingungen, Herdengröße und Herkunft und Zusammensetzung des Futters abhängt. Ob die Haltung in großen Herden mit über 1.000 Tieren, wie beispielsweise in Neuseeland, oder aber in kleineren Einheiten wie im Allgäu oder in der Schweiz mit etwa 15-30 Tieren, für die Qualität des Colostrums geeigneter sind, ist sicherlich nicht einfach zu beantworten. Hier spielen Faktoren der Überwachung des Herdenverbandes, der Logistik der Milch und des individuell zur Verfügung stehenden Futters eine Rolle. So würden die Rinder in den großen Herden ohne Zufütterung von Futtermitteln gehalten und auch keine fremden Tiere importiert werden. Kritiker der großen Herden führen dem gegenüber an, dass die enthaltenen Antikörper in Colostrum auch ortsspezifisch sind, wobei sich das Keimspektrum in Neuseeland, Argentinien und Australien vom europäischen sicherlich etwas unterscheiden dürfte. Zudem ließen sich die Massentierhaltungen nur mit industriellen Maßnahmen bewältigen; die individuelle Pflege der Kuh wurde längst der Ökonomisierung der Milchgewinnung geopfert. Aber auch die Ausbreitungen von Erkrankungen, wie beispielsweise BSE und last not least das persönliche Engagement und die Möglichkeiten des Tierhalters, spielen in diese Kategorie mit hinein [44].

Entnahmezeitpunkt post partum

Die Zusammensetzung ist aber auch vom Zeitfaktor abhängig. So nehmen die Wirkstoffkonzentrationen der einzelnen Inhaltsstoffe nach der Geburt ab und die Menge zu. Das beste und wichtigste Colostrum wird innerhalb der ersten Stunden post partum produziert, weshalb das Neugeborene diese „Biestmilch“, wenn irgend möglich, unbedingt erhalten sollte. Auch die Gewinnung sollte zwar möglichst früh (innerhalb der ersten zwei bis drei Tage post partum), aber auch erst dann stattfinden, nachdem sich das Kälbchen oder Schäfchen sattgetrunken hat, obwohl Colostrum bis zum fünften Tag als solches vertrieben werden darf.

Keimbelastung von Colostrum

Weitere Untersuchungen haben gezeigt, dass auch die Belastung des Colostrums mit schädlich wirkenden Keimen maßgeblichen Einfluss auf dessen positive Wirkung haben. So behindert eine hohe Keimbelastung den rezeptorvermittelten Transfer und bindet Antikörper in direkte Abwehrfunktionen im Darm, sodass sie nicht mehr weiter zur Verfügung stehen [45].

Verarbeitung von Colostrum

Wenn man sich für ein Präparat entscheiden muss, stellt sich auch die Frage nach der optimalen Verarbeitung. Während bei der Herstellung der meisten Präparate auf eine Erhitzung verzichtet wird (Kalt-Sterilisation), gibt es noch das Verfahren der Flash-Pasteurisierung, bei der das Colostrum über 15 Sekunden auf 72 °C erhitzt wird. Allerdings wird bei letzterem die Tertiärstruktur von Proteinen zerstört, wobei es sein kann, dass die Aminosäuren-Ketten (Primärstruktur) noch nachzuweisen sind. Die Tertiärstruktur ist aber für die Wirksamkeit der Proteine unabdingbar. So ist sie beispielsweise bei Immunglobulinen für die Antigen-Antikörper-Bindung verantwortlich (FAB-Struktur). Bei hoch erhitztem Colostrum muss man deshalb davon ausgehen, dass die bioaktiven Proteine nicht mehr ihre volle Wirkung entfalten können, wie das bei kalt sterilisiertem Colostrum der Fall sein dürfte, die (Abb. 8 und 9) [46].

Abb. 8 Struktur von Proteinen

In diesem Zusammenhang ist aber auch noch eine andere Frage interessant:

Was passiert mit den Immunglobulinen von Colostrum während der gastrointestinalen Passage?

Bei der 2020 veröffentlichte Studie aus England von Glenn Davison (University of Kent at Medway, Chatham, UK) war untersucht worden, ob die Einnahme von Kolostrum auch zu einem erhöhten Plasma-Insulin-like Growth Factor-1 (IGF-1) -Spiegel führen würde, wie die Welt-Anti-Doping-Agentur, aufgrund des in Colostrum vorhandenen IGF-1, eigentlich angenommen hatte [47]. Denn diesen hätte man dann bei Doping-Kontrollen nachweisen können. Zum anderen gab es auch Bedenken, dass Kolostrum eventuell die Malignität in Organen stimulieren könnte, die IGF-1-Rezeptoren exprimieren. Um darüber Klarheit zu gewinnen, wurden Veränderungen der Plasma-IGF-1-Spiegel bei 16 Sportlern unter mäßigem Training untersucht, die einen Tag, 4 Wochen und 12 Wochen lang 40 g Rinder-Kolostrum oder Placebo einnahmen.

Erstaunlicherweise zeigte sich jedoch keinerlei Wirkung von der Einnahme Kolostrum auf den Plasma-IGF-1-Spiegel. Daraus wurde gefolgert, dass die Einnahme der empfohlenen Standarddosen von Kolostrum den IGF-1-Spiegel bei gesunden Erwachsenen nicht beeinflusst.

Durch diese Erkenntnis muss man zwar nach dem Konsum von Colostrum weniger Angst bei einer Dopingkontrolle haben, auf der anderen Seite führt sie allerdings auch zu der Frage, inwieweit die bioaktiven Substanzen, wie hier die Wachstumsfaktoren oder auch der Immunglobuline von Colostrum im Organismus, überhaupt wirken können. Im folgenden Abschnitt wird diese Fragestellung für das Immunglobulin (Ig)G untersucht, welches das am häufigsten vorkommende Ig ist.

Ig´s sind Antikörper, die gegen Viren und Bakterien wirken. Sie werden im mütterlichen Blut von B-Lymphozyten oder Plasmazellen nach Kontakt mit einem Antigen produziert und gelangen auch in den kindlichen Organismus, der dann auch über diesen Schutz verfügt. Denn dieser kannzunächst keine eigenen IgG´s bilden und ist vorübergehend auf die Antikörper der Mutter angewiesen. Schon im fötalen Blut, aber auch später im Colostrum, lässt sich mütterliches IgG nachweisen.

Bleibt die aktive (Tertiär-) Struktur von colostralem IgG bei der Magen-Darm-Passage erhalten?

Normalerweise werden größere Proteine und Polypeptide, wie Immunglobuline, bereits im Magen durch Enzyme und Säuren angedaut und danach im Dünndarm zu kurzkettigen Tri- und Di-Peptide umgebaut (siehe Abb. 10). Diese kleineren Peptide können dann auf einfache Weise durch andere Enzyme weiter abgebaut, dann durch die Darmwand aufgenommen und schließlich als einzelne Aminosäuren im Körper weiterverarbeitet werden. Bei diesem Abbau spielt die Endopeptidase Trypsin eine wichtige Rolle.

Abb.9

Man vermutet, dass die in Colostrum enthaltenen Trypsininhibitoren diesen Abbau eventuell hemmen können [48]. Um herauszufinden, ob die Immunglobuline des Colostrums überhaupt auf den Organismus einwirken können, wurde deshalb in verschiedenen Studien untersuch, wieviel Prozent der Immunglobuline intakt wieder ausgeschieden wurden. Denn nur, wenn bei den Immunglobuline die Tertiär-Struktur erhalten bleibt, sie also die Angriffe durch den sauren pH-Wert und die proteolytischen Enzyme bei der Passage des Magens und des Dünndarmes überstehen, können sie dort ihre Wirkung auf das Immunsystem entfalten. Dies ist unter anderem auch von der Dauer des Transits abhängig, die wiederum auch vom Alter des Konsumenten abhängt, weshalb diese Frage für verschiedene Altersgruppen untersucht wurde.

Bei Neugeborenen

Individuell verschieden fanden sich geringe Spuren bis zu 25 % intaktem IgG mit einer entsprechenden antimikrobiellen Aktivität [49, 50].

Bei Kindern

Das Immunglobulin-Konzentrat benötigte etwa 36 Stunden, um den Darm zu passieren [51].

■  4 – 12 % der oralen Dosis von IgG kamen noch unverdaut im Stuhl der Kinder an [52].

■  Bei 47 % der Kinder, die bovines Colostrum eingenommen hatten, waren im Stuhl Immunglobuline mit einer Neutralisierungsaktivität von 43 % nachzuweisen [53].

■  Nach Einnahme von hyperimmunem Colostrum wurde noch bei 86 % von 602 Stuhlproben eine Antikörperaktivität nachgewiesen. Sie konnte bereits 8 Stunden nach Einnahme von Colostrum und bis zu 72 Stunden nach Beendigung des Verzehrs bestimmt werden [54].

Bei Erwachsenen

Oral eingenommenes IgG aus bovinem Colostrum (BC) wurde bei 25 Cholerapatienten noch bei 76 % im Stuhl vorgefunden [55, 56].

Bei gesunden Probanden fanden sich noch 49 % des eingenommenen BC/IgG-Dosis im Ileum wieder. Betrug dabei die Transitzeiten vom Mund zum Ileum weniger als zwei Stunden, lag auch die noch vorhandene IgG-Aktivität mit 68 % höher im Vergleich zu 36 % bei längeren ., Passage-Zeiten [57].

Erkenntnisse zum Abbau von colostralem IgG während der Magen-Darm-Passage

Da die Transit-Dauer der gastro-intestinalen Passage bei Kindern um einiges kürzer als bei gesunden Erwachsenen ist, findet bei ihnen eine geringere Denaturierung der Immunglobuline statt. Zudem gibt es auch eine starke Beziehung zwischen der Höhe des Immunglobulin-Titers des Colostrums, dass dem Probanden verabreicht wurde und dem Grad der im Kot nachgewiesenen Antikörperaktivität.

Abfüllung des Colostrum-Präparates in Kapseln zum Erhalt der Bioaktivität

Außerdem fand man heraus, dass man durch die Verkapselung des Colostrum-Präparates die Immunglobuline vor einer Denaturierung schützen konnte. So ließ sich im Stuhl gesunder Probanden, die ein verkapseltes Präparat eingenommen hatten, noch bei 32,7% eine Immunglobulin-Aktivität nachweisen [58]. In einer anderen Studie, in der das BC unverkapselt gegeben wurde, konnten zwar noch kleine Mengen der Colostrum-Immunglobuline bei drei der insgesamt acht Probanden (ein bis vier Tage nach oraler Verabreichung) nachgewiesen werden, jedoch zeigte das IgG keine Antikörperreaktivität gegen Yersinien-Antigene mehr [59].

Warum die bioaktiven Inhaltsstoffe von Colostrum normalerweise hauptsächlich im Darmlumen wirken

Dank dieses Schutzes können die wirksamen Peptide aus Colostrum, oder zumindest die aktiven Teile von ihnen, den Dünndarm ohne Inaktivierung erreichen. Dort üben sie, so die Annahme, ihre Schutzfunktion aus und bilden mit den eindringenden Erregern Komplexe, die diese unschädlich machen können.

Allerdings liegt es nahe, dass es ihnen normalerweise nicht gelingt, die intestinale Schranke, die vom Darmlumen durch die Darmwand ins Gefäßsystem und damit zu den verschiedenen Organen führt, zu überwinden (Abb. 10).


Abb. 10

Bei Kälbern hingegen weiß man, dass kurz nach der Geburt die Darmschranke noch offen ist. Damit ist auch die Fähigkeit, die für sie lebensnotwendigen Bestandteile des Colostrums durch die Darmwand zu resorbieren, noch eine kurze Zeit erhalten (Abb. 10). Zudem nimmt die Konzentration von Immunglobulinen im Colostrum auch rasch ab. So weiß man, dass beispielsweise bei IgG nach 24 h nur noch die Hälfte und nach 48 h nur noch 1/3 der Ausgangskonzentration vorhanden ist. Deshalb sollte das Kalb auch unbedingt mindestens zwei Liter in den ersten vier Lebens-Stunden trinken [60]. Auch bei Leaky-Gut-Patienten, die mit den modernen Ernährungsformen immer häufiger werden, ist die Darmschranke teilweise für größere Proteine durchlässig. Theoretisch könnten auch bei ihnen bioaktive Substanzen die Darmschranke überwinden (Abb. 10).

Eine weitere Theorie besagt, dass eventuell sogenannte M-Zellen in den Payerschen Plaques, die durch das Epithel des Ileums Makromoleküle aufnehmen können, bei der Verstoffwechselung von Colostrum eine Rolle spielen könnten. Diese Makromoleküle interagieren nach Aufnahme mit den zu den Peyerschen Plaques gehörenden B- und T-Lymphozyten und ihre übertragene Information wird über die Lymphbahnen an den ganzen Körper weitergegeben

Ansonsten ist die Darmschranke in der Regel beim gesunden Menschen intakt. Insofern muss man davon ausgehen, dass die colostralen Substanzen ihre Wirkung hauptsächlich intraluminal vom Gastrointestinaltrakt aus entfalten können. So vermutet man neben Abwehrvorgängen, die direkt im Lumen stattfinden, auch rezeptorvermittelte Vorgänge an der Darmwand sowie eine positive Wirkung durch die Stabilisierung des körpereigenen Mikrobioms. Gerade in den letzten Jahren hat man viel über das sogenannten „Darm-assoziierte Immunsystem“ (engl.: gut associated lymphoid tissue = GALT) herausgefunden. Dies ist Teil des lymphatischen Immun-Systems, das bereits im Darm gezielt Fremdstoffe markieren und vernichten kann [62, 63].

Auch das körpereigene Mikrobiom spielt bei der Wirkung von Colostrum eine wichtige Rolle. So weiß man, dass spätestens kurz nach der Geburt wichtige Mikroben mit dem Colostrum aufgenommen werden und es somit zu einem gesunden, individuellen Keimspektrum im Neugeborenen-Körper beiträgt, dessen essentielle Bedeutung für die gesunde Darmtätigkeit und den gesamten menschlichen Organismus erst in den letzten Jahren richtig erforscht wurde [64]. So ist es vorstellbar, dass bei der Signalübertragung und bei der Abwehr das Mikrobiom mit den Inhaltsstoffen von Colostrum im intestinalen Lumen synergistisch wirken [65, 66, 67].

Colostrumpräparate in medizinischen Studien bei benignen Erkrankungen

Colostrum hat bereits in vielen, auch medizinischen Studien seine Potenz unter Beweis gestellt. So kann es auf endokriner, neurologischer, anabolischer und regenerativer Ebene auf den Organismus einwirken [68].

1. Studie: Colostrum-Einnahme zur Grippe-Bekämpfung

Am meisten Aufsehen hat sicherlich die Studie von Maria Rosaria Cesarone von der italienischen Universität in Pescara erregt (siehe Abb. 11). In dieser Studie konnte gezeigt werden, dass bei 144 Probanden eine Colostrum-Einnahme (zwei Monate, 400 mg/d) dreimal effektiver als die Impfung bei der Vorbeugung von Grippe gewesen war [69].

Abb. 11

Dies klingt natürlich recht spektakulär. In so einem Fall ist es immer sinnvoll, sich die Studienergebnisse etwas näher anzusehen.

Untersucht wurde die Wirksamkeit einer zweimonatigen Behandlung mit oralem Kolostrum bei der Vorbeugung von Grippeepisoden im Vergleich zur Impfung gegen Influenza. Zu den Gruppen gehörten gesunde Probanden ohne Prophylaxe und solche, die sowohl Impfungen als auch Kolostrum erhielten (Abb. 11). Nach 3 Monaten Nachuntersuchung war die Anzahl der Tage mit Grippe bei Nicht-Kolostrum-Probanden dreimal höher. Die Colostrumgruppe hatte 13 Episoden gegenüber 14 in der Colostrum + -Impfstoffgruppe, 41 in der Gruppe ohne Prophylaxe und 57 bei unbehandelten Probanden [70, 71].

Teil 2 der Studie hatte ein ähnliches Protokoll mit 65 Herz-Kreislauf-Patienten mit sehr hohem Risiko, die alle eine Impf-Prophylaxe bekommen hatten. Die Inzidenz von Komplikationen und Krankenhauseinweisungen war in der Gruppe, die nur geimpft wurde, höher als in den Kolostrumgruppen.

Als Fazit wurde angegeben, dass Colostrum sowohl bei gesunden Probanden als auch bei Hochrisiko-Herz-Kreislauf-Patienten mindestens dreimal wirksamer als eine Impfung zur Vorbeugung von Grippe und dazu sehr kostengünstig sei. Allerdings hat die Studie diverse Auffälligkeiten, die die Ergebnisse doch etwas relativieren. Denn betrachtet man sich die Wirkung der Grippe-Impfung, ist diese tatsächlich unwirksam. So sind die Ergebnisse nicht besser als bei Patienten, die keinerlei Prophylaxe bekommen hatten. Dies widerspricht allerdings aktuellen Untersuchungen.

So hat eine Wissenschaftlergruppe des internationalen Forschungsnetzwerks Cochrane Collaboration Studien zur Wirksamkeit der Grippeimpfung ausgewertet. Die Schätzung der Forschergruppe ergab, dass eine Impfung das Ansteckungsrisiko gesunder Erwachsener um etwa 60 % senken kann, wenn der Impfstoff an die aktuellen Grippe-Viren angepasst ist [70, 71].

Dieses Ergebnis ist natürlich, zumindest für aktuelle Impfstoffe, glaubhafter. Der zweite Haken obiger Studie sind die absoluten Fallzahlen in der Tabelle, die nur zum Teil prozentual geglättet sind. Unabhängig davon fällt aber noch eine weitere Ungereimtheit auf. Und zwar ergab sich eine höhere Anzahl der Erkrankten (0,65 vs. 0,54) in der Gruppe der Probanden mit Impfung und Colostrum-Einnahme gegenüber der niedrigeren Anzahl der Probanden in der Gruppe, die nur Colostrum erhielten, auf. Das würde entweder bedeuten, dass die Impfung sogar nachteilig wäre, oder, dass die Studie nicht repräsentativ ist. Allerdings ist wenigstens eine Aussage bei dieser Studie relativ sicher, wenn man von korrekten Messungen ausgeht: Der Impfstoff bedarf einer dringenden Überprüfung und es bleibt zu hoffen, dass er mittlerweile aus dem Handel genommen wurde!

2. Studie: Zunahme von Immun-Zellen durch Colostrum

Eine Zunahme der Immun-Zellen im Blut bei regelmäßiger Colostrum-Einnahme als Hinweis für die Wirksamkeit von Colostrum ergab sich auch in folgenden Studien.

So kam es beispielsweise bei Sportlern nach Belastung zu einem Anstieg der zytotoxischen/Suppressor T-Zellen und des IgGs, in einer anderen Publikation wurde der Anstieg von IgA bei Entzündungen hervorgehoben [72–76].

3. Studie: Colostrum bei inflammatorischen  gastrointestinalen Erkrankungen

Auch bei gastrointestinalen entzündlichen Erkrankungen kann Colostrum unterstützend wirken [77, 78]. So konnte beispielsweise eine E-Coli vermittelte Diarrhoe durch Colostrum verhindert werden. Dabei wurde die pro-inflammatorisch wirkenden Zytokin- Expression in Intestinalzellen unterdrückt, die ihrerseits durch den nukleären Kappa B-Faktor (NF-Kappa B) hervorgerufen wurde [79, 80].

4. Studie: Hinauszögern der Alzheimer-Erkrankung durch Colostrum

Interessant ist auch die Studie von Leszek über Colostrinin, in der ein prolinreicher Polypeptid-Komplex (PRP) aus Colostrum, die Erkrankung an Morbus Alzheimer (AD) hinauszögern konnte [81].

33 Patienten erhielten drei Wochen lang jeden zweiten Tag 100 mg PRP-Komplex, gefolgt von einer zweiwöchigen Pause, um die Entwicklung einer Hyporeaktivität zu vermeiden. Diese Art der Anwendung (3 + 2 Wochen) wurde während des gesamten Versuchs konsistent angewendet. Die Patienten wurden 16 Monate lang behandelt. 13 Patientenwaren jedoch bereits 12 Monate lang in Placebo-kontrollierten Studien mit Colostrinin behandelt worden und nahmen somit insgesamt 28 Monate an der Studie teil. Die erhaltenen Ergebnisse zeigten, dass Colostrinin eine leichte, aber statistisch signifikante Verbesserung oder Stabilisierung des Gesundheitszustands der Patienten induzierte.

Die beobachteten Nebenwirkungen waren bemerkenswert mild, einschließlich Angstzuständen, Logorrhoe und Schlaflosigkeit, und ließen innerhalb kurzer Zeit (3-4 Tage) spontan nach. Es wurde gefolgert, dass Colostrinin ist ein vielversprechendes Präparat ist, mit dem die Entwicklung von AD verzögert werden kann.

5. Studie: Lokale Behandlung von degenerativen vulvo-vaginalen Erkrankungen

Auch in der Gynäkologie hat Colostrum schon seit längerem einen Stellenwert zur lokalen Behandlung bei postmenopausalen vulvo-vaginalen Erkrankungen wie therapieresistente Vulvitis, Lichen und Craurosis Vulvae. So kam es in einer entsprechenden Studie mit n=172 postmenopausalen Frauen, die 12 Wochen Colostrum-Gel lokal angewandt hatten, zu einer signifikanten Befundverbesserung der Beschwerden. Die vulvo-vaginaler Atrophie konnte wirksam behandelt werden und das Sexualleben, die Harnsymptome und die Lebensqualität durch die Gel-Anwendung wirksam verbessert werden (Abb. 12).

Abb.12

Zudem wurden bereits einige positive Erfahrungen von Anwenderinnen (und deren behandelnden Ärzten) gemacht, weshalb die lokale Anwendung einer Colostrum-Intim-Aufbaumilch oder -Gels von vielen Gynäkologen mittlerweile als sinnvoll erachtet wird [82, 83].

6. Studie: Verbesserung der Wundheilung

Auch bezüglich der Wundbehandlung konnte Colostrum seine Wirkung nicht nur in Studien, sondern bereits bei der klinischen Anwendung unter Beweis stellen[84]. In Abbildung 13 ist die gute Wundheilung unter Colostrumanwendung bei einem vorher lange frustranc behandeltem diabetischen Fuß dargestellt.

 Allerdings erfüllten nicht alle der bereits durchgeführten Studien die in sie gesetzten Hoffnungen. Gerade auch in der Laienanwendung sind viele Indikationen noch nicht hinreichend belegt. So zeigte sich beispielsweise in einer Studie, dass die Einnahme bei Sportlern zwar die anaerobe Spitzenleistung erhöhte, jedoch keinen Einfluss auf die anaerobe alaktische Arbeitskapazität oder die Maximalwerte für eine Wiederholungsübung hat [85, 86].

Abb. 13 Fallbeschreibung einer erfolgreichen Wundbehandlung mit Colostrum. Der 72-jährige Patient (Adipositas, D. m. II, pAVK IIb, offenes Bein) stellte sich mit einem seit zwei Jahren nicht abheilendem Fersenulcus in der Praxis des Allgemeinmediziners und plastischen Chirurgen Matthias Biemer vor, der diese Bilder freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Nach gut einem halben Jahr war das Ulcus fast vollständig abgeheilt

Anwendungen von Colostrum in der Onkologie

Eine der vielen Hoffnungen, die an Colostrum geknüpft werden, ist auch eine Unterstützung im Kampf gegen maligne Erkrankungen.

Krebs ist die zweithäufigste Todesursache auf der Erde, wobei Lungen-, Prostata-, Darm-, Magen- und Leberkrebs die häufigsten Krebsarten bei Männern und Brust-, Darm-, Lungen-, Gebärmutterhals- und Schilddrüsenkrebs die häufigsten Arten bei Frauen sind [87].

Dabei nimmt die Prävalenz von Krebs immer schneller zu, was mit dem steigenden Alter der Bevölkerung aufgrund der erhöhten Lebenserwartung zusammenhängt, was wiederum auf die großen globalen Veränderungen der Gesundheitssituation der Menschen durch beschleunigte Verstädterung, neue Lebensstile und neue Konsummuster zurückzuführen ist [88]. Da die Menschheit verschiedenen krebserregenden Wirkstoffen ausgesetzt ist, die auch in der Ernährung enthalten sind, umfassen mögliche Strategien auch Lebensstil und Ernährung.

So hat sich ein Forschungszweig aufgetan, der sich mit nutrazeutische Lebensmittel befasst, die sich positiv auf die Gesundheit der Menschen auswirken können. Hier geht es insbesondere um solche, die im Zusammenhang mit der Krebsprävention und -behandlung stehen. Im folgenden Abschnitt wird aufgezeigt, welchen Stellenwert Colostrum dabei einnimmt. Dabei werden oft auch die Wirkungen von Inhaltsstoffen, die aus Colostrum gewonnen wurden, untersucht. Beispiele hierfür sind Lactoferrin oder Colostrinin, wobei letzteres eine natürlich vorkommende Mischung von prolinreichen Polypeptiden ist, welche aus Colostrum stammt [89].

A)     Wirkung von Colostrum zur Reduktion von Nebenwirkungen bei Tumor-Therapien

Bei malignen Erkrankungen wirken oft nicht nur der Tumor an sich, sondern auch die Nebenwirkungen der begleitenden Chemotherapien, Strahlentherapien oder Hyperthermiebehandlungen, stark einschränkend auf den Organismus und die Lebensqualität. Es zeichnet sich ab, dass auch bei dieser Indikation der Einsatz von Colostrum sinnvoll sein kann. Denn mittlerweile gibt es Studien, Falldarstellungen und Erfahrungsberichte von onkologisch tätigen Ärzten, die den begleitenden Einsatz von Colostrum in der Tumortherapie bereits durchgeführt haben [90, 91].

Studien über Colostrum zur Reduktion der Nebenwirkungen bei onkologischen Patienten

1.Studie: Reduktion der Nebenwirkungen bei der chemotherapeutischen Behandlung von Mamma-Karzinomen durch begleitende Colostrumgabe [92]

Studiendesign

Behandelt wurden n=46 Mamma-Karzinom-Patientinnen mit meist adjuvanter Chemo-Therapie (z. B. Schema CMF, AC, EC). Es wurde eine zweijährige Beobachtung durchgeführt, die den nebenwirkungshemmenden Effekt der Colostrumgabe bei Chemo- und Strahlentherapien untermauert hat. Die Dosis der Colostrumgabe betrug bei Akuttherapie 2 x 2 Eßlöffel Flüssigextrakt oder 2 x 4 Extrakt-Kapseln, zur Prophylaxe 2 x 1 Eßlöffel Flüssigextrakt oder 2 x 2 Kapseln.

Die n=26 Patientinnen der Gruppe A erhielten während der Chemotherapie und der folgenden 4 Monate Colostrum.

Die  n=20 Patientinnen der Gruppe B, erhielten während und nach der Chemotherapie keine begleitenden Maßnahmen.

Ergebnisse

Wirkung auf die Lymphozytensubpopulationen bei Mammakarzinomen

Verglichen wurden die Lymphozytensubpopulationen (B-, T-, Helper-Inducer-, Suppressor-Inducer-Zellen und gesamte NK-Zellen, reife T-Zellen, aktive T-Zellen). Sie wurden jeweils 4 Wochen und 4 Monate nach der Chemotherapie untersucht.

In der Gruppe A (Colostrumgabe) kam innerhalb von 4 Monaten nach Abschluss der Chemotherapie zu einem durchschnittlichen Anstieg der Zellpopulationen um den Faktor 2,3.

In der Gruppe B (keine Colostrumgabe) erhöhte sich die Zellpopulation durchschnittlich um den Faktor 1,2. Daraus schloss man, dass es zu einer signifikanten Verbesserung der Lymphozytensubpopulation unter einer Ernährungsoptimierung mit Colostrum gekommen war.

Psychische Effekte

Bei allen Patienten kam es zu einer signifikanten Verbesserung der empfundenen psychische Belastung bzw. Befindlichkeit unter Colostrum-Gabe.

Physische Effekte

Die physische Belastbarkeit unter Colostrum-Begleitung war be allen Patienten signifikant höher. So konnten auch die Therapiemaßnahmen konsequenter, mit weniger Unterbrechungen durchgeführt werden und die Rekonvaleszenz war verkürzt. Zudem reduzierten sich die Arbeitsunfähigkeitszeiten um ca. 70% gegenüber Behandlungen ohne Colostrum-Gabe.

Darüber hinaus war für die Patienten sportliche Betätigung während und nach der Chemotherapie mit nur geringen Einschränkungen möglich.

2.Studie: Verbesserung einer schweren Graft-versus-Host-Reaktion (GvHR) nach Gabe von humanem Colostrum

Die GVHD ist eine immunologisch ausgelöste, systemische, entzündliche Erkrankung, die Darm, Haut und Leber schädigen kann. Es handelt sich um eine Komplikation nach allogenen Blutstammzell- oder Knochenmarks-Transplantationen, welche zur Behandlung von Leukämien eingesetzt werden [93].

Studiendesign

Bei einer Fallserie erhielten n=9 Patienten über fünf Tage nach einer akuten GvH-Erkrankung jeweils 20 ml menschliches Kolostrum.

Ergebnisse

Es kam zu einer Verbesserung des klinischen Stadiums der GvHR bei sechs Patienten.

3. Studie: Reduktion einer Candida-Infektion bei Knochenmark transplantierten Patienten durch ein IgG-Produkt aus Colostrum von Kühen, die vorher mit abgetöteten Candida-albicans- Sporen geimpft worden waren [94].

Studiendesign

Von n=59 knochenmarktransplantierten Patienten erhielten 19 je 10 g Colostrumkonzentrat, welches 4,2 g IgG enthielt, als aufgelöstes Pulver peroral. Die Kühe waren vorher mit abgetöteten Candida-albicans Sporen geimpft worden.  Das Produkt wurde ab Tag 4 vor der Knochenmarktransplantation bis zum Tag 28 nach Transplantation verabreicht.

Ergebnisse

Zehn der mit IgG behandelten Patienten zeigten vor der Gabe von Colostrum ein hohes Maß an Candida-Kolonisation in der Mundspülung. Bei sieben dieser zehn Patienten konnte unter der Gabe von Kolostrum eine Reduktion der Kolonisation beobachtet werden.

4. Studie: Signifikante Befund-Verbesserung von teilweise präkanzerösen Vulva-Erkrankungen (therapieresistente Vulvitis, Lichen und Craurosis) durch die Behandlung mit Colostrum-Intim-Aufbaumilch [95].

Studiendesign

47 postmenopausale Patientinnen (Mehrfachnennung möglich) mit

therapieresistente Vulvitis atrophicans n=24,   

unspezifische Vulvitis n=11,

  Lichen n=13 und

Craurosis vulvae n=14, 

bei denen die bisherigen schulmedizinischen Behandlungen nicht zum Erfolg geführt hatten, trugen die Intim-Aufbaumilch an 15 aufeinanderfolgenden Tagen auf der zuvor gereinigten Vulva auf. Beurteilt wurden in dieser einarmigen Pilotstudie die Wirkung einer Colostrum-Vaginalcreme auf der vaginalen Gesundheit, Ausfluss, Orgasmus, allgemeine Zufriedenheit und Schmerz, der Lokalbefund von einem Frauenarzt beziehungsweise durch die Patientinnen selbst (Ausfüllen eines Fragebogens) vor und vier Wochen nach der lokalen Anwendung.

Ergebnisse

Bei allen Parametern kam es zu einer signifikanten Verbesserung der Parameter. Keine der Patientinnen berichtete über lokale oder systemische Nebenwirkungen während der Behandlung.

B)     Colostrum zur Bekämpfung der Tumorzellen

Nicht nur in der Gynäkologie wurde immer wieder versucht, eine anti-karzinogene Wirkung von Colostrum beziehungsweise seiner Bestandteile, nachzuweisen. Auch, wenn großen Studien noch auf sich warten lassen, gibt es doch einige interessante Daten zu diesem Thema, die im Folgenden genauer unter die Lupe genommen wurden. Allerdings gibt es kaum Studien mit Tumor-Patienten, die eine solch hemmende Wirkung auf maligne Zellen gezeigt hätten.

1. Studie: Zellwachstum-hemmende Wirkung von TGF-b auf Osteosarkomzellen

Diese, bereits 30 Jahre alte in vitro-Studie von Tokuyama wird, besonders in der Laien-und Heilpraktiker-Presse, gerne als „Nachweis“ der Wirksamkeit von Colostrum gegen Tumorzellen verwendet.

 Sekundärliterarisch sowie im Abstract wird berichtet, dass eine 75 %ige zellwachstums-hemmende Wirkung des aus Colostrum gewonnenem Wachstumsfaktor TGF-b (Transforming growth factor beta-like activy) auf Osteosarkomzellen beobachtet worden sei. In der Übersicht fehlen jedoch nähere Angaben und die Original-Studie ist aktuell nicht (mehr?) abrufbar [96].

2.Studie: Hemmung von Ratten-Blasenkrebszellen durch Lactoferrin

Eine andere Studie, die an Ratten durchgeführt worden war, zeigte, dass die Verabreichung von 2%igem bovinen Lactoferrin (bLF), wie es in Colostrum reichlich vorhanden ist, Blasenkrebs, der vorher durch N-Butyl-N- (4-hydroxybutyl) nitrosamin (BBN) induziert worden war, bei Ratten hemmen kann [97].

3. Studie: Versuch der Immunisierung gegen Mamma-Karzinom

In dieser frühen Studie zu Colostrum wurde ein Homogenisat aus Mamma-Karzinom-Gewebe in das bovine Euter gespritzt und danach Colostrum entnommen, welches dann der (palliativen) Karzinom-Patientin verabreicht wurde. Zwar war der Immunisierungs-Versuch nicht erfolgreich, jedoch kam es zu Phasen subjektiver Besserung bei palliativem Mamma-Karzinom durch diese Injektion [98].

Studiendesign

An der Studie nahmen n=17 Frauen mit fortgeschrittenem Mammakarzinom, die sich in einem palliativen oder präterminalen Stadium befanden, teil. Deshalb variierte auch der Behandlungszeitraum je nach Patient von  5 bis 595 Tagen. Die Tagesdosis betrug 1,1 Liter Kuhkolostrum von Kühen, in deren Euter ein Homogenisat aus menschlichem Brustkrebsgewebe injiziert worden war.

Ergebnisse

Am Ende der Beobachtungsphase waren nur noch zwei Patientinnen am Leben. Bei 15 kam es zu keiner Remission der Krebserkrankung, bei 10 Patientinnen traten Phasen der subjektiven Besserung auf. Die Autoren werteten Versuch der passiven Immunisationstherapie mit bovinem Kolostrum als „nicht erfolgreich“.

Mögliche antikanzerogene Wirkung des HAMLET-Komplexes

Auch der schwedische Wissenschaftler Anders Håkansson konnte eine erstaunliche Entdeckung vorweisen. Er hatte herausgefunden, dass multimeres Alpha-Lactalbumin (MAL), eine Verbindung, die aus dem Casein der Muttermilch isoliert worden war, die Apoptose von Lungen-Karzinomzellen, Pneumokokken-Bakterien und andere Krankheitserreger induziert hatte, während gesunde, differenzierte Zellen unberührt geblieben waren. Diese selektive Wirkung auf Tumorzellen wäre die „perfekten“ Heilung, könnte man sie bei erkrankten Menschen anwenden [99, 100].

Bei der Untersuchung dieser antikanzerogenen Wirkung (Abb. 14), fiel auf, dass es in einer bestimmten Formation teilweise entfaltet sein muss, damit MAL zytotoxisch wirken kann. Dabei ist Ölsäure notwendig, um diesen Zustand zu stabilisieren. Den Komplex nannte man HAMLET (Human Alpha-lactalbumin Made LEthal to Tumour cells) [101, 102, 103].

2010 wurde aus Göteborg berichtet, dass „HAMLET“ die Zellen von bis zu 40 verschiedenen Krebsarten abtöten könne. Er enthalte ein Protein und eine Fettsäure, die in den Milchdrüsen der menschlichen Mutterbrust natürlich vorkommen.

Abb.14

Als Patienten mit Blasenkrebs den Wirkstoff injiziert bekommen hatten, schieden sie kurz darauf abgestorbene Krebszellen im Harn aus. Interessant war, dass nur Tumorzellen angriffen wurden, gesunde Zellen.

blieben jedoch unberührt. Die Forscher postulierten, dass spezielle Lipide dafür sorgen würden, dass der HAMLET-Komplex nur mit den erkrankten Zellen interagiert (Abb. 14). Dieser wiederum mache die Zellmembran durchlässig und dringt in deren Zellkern vor. Dort würde er sich an Histone binden und die DNA so umgestalten, dass ihr weitere Ausfaltung verhindert wird, was, so Karlsson, dem Zelltod gleichkommt. Allerdings wurde der Komplex nur in künstlicher, saurer Umgebung nachgewiesen, wie sie auch im Magen des Neugeborenen herrscht. Da das Gewebe des Neugeborenen durch rasches Wachstum und damit auch durch ein erhöhtes Mutationsrisiko geprägt ist, könnte dieser Komplex Krebsbildungen im Frühstadium entgegenwirken. Dieser Theorie würde auch dadurch gestützt, dass bei gestillten Babys das Krebsrisiko niedriger ist [104, 105].

Allgemeine Fragen zu Colostrum

Was muss man bezüglich des Hormongehaltes in Colostrum beachten?

Besonders für (ehemalige) Tumorpatienten hormonabhängiger Tumoren, wie auch für Männer, die aus verständlichen Gründen hohe Östrogeneinnahmen scheuen, ist interessant, ob der Hormongehalt bei der Colostrum-Einnahme relevant ist. Bei dieser Problematik ist auch die Verarbeitung zu berücksichtigen. So gibt beispielsweise Unterschiede zwischen entfetteten und nicht entfetteten sowie bei pulverisierten und flüssigen Darreichungsformen. In der Studie von Farke 2011 wurden endogene Steroidhormone in getrenntem Kolostrum (Fett und entfettete Fraktion) und Colostrum Pulver bestimmt. Die höchsten Konzentrationen wurden in der Fettfraktion gefunden, mit Östron 25,56 und Androstendion 7,59 μg/l. In entfetteter Milch und Colostrumpulver dominierten konjugierte Östrogene, während das gesamte (freie und konjugierte) Östron (5,51 μg/l; 15,0 μg/kg) Östradiol-17α (2,66 μg/l; 7,5 μg/kg) und Östradiol-17β (2,28 μg/l; 3,3 μg/kg) unterhalb der Werte, die in der Fettfraktion erreicht worden waren, lag. Weder 19-Nor-Steroide noch Östriol wurden in Colostrumfraktionen oder verarbeitetem Kolostrum nachgewiesen [106].

Das Problem der Beurteilung dieser absoluten Werte ergibt sich in der Dosierung der Produkte. Vergleicht man beispielsweise die Östrogenwerte mit der niedrigsten wirksamen Dosis von Östrogenen bei Hitzewallungen, die bei 0,5 mg oralem Estradiol, 0,3 mg konjugierten Östrogenen und 14 μg transdermalem Estradiol liegt, scheinen die Werte im Colostrum sehr gering zu sein [107].

Allerdings ist es schwierig, hiervon Empfehlungen abzuleiten. Bei solch niedrigen Werten scheint es fraglich, ob Colostrum beispielsweise in den Wechseljahren oder bei Zyklusinstabilität als „natürliche Alternative“ einer Hormone Replacement Therapy (HRT) eingesetzt werden kann, zumal der Homongehalt auch von Präparat zu Präparat variieren kann. Auf der anderen Seite ist es trotz des niedrigen Hormongehaltes sicherer, bei Patient(inn)en, die im Zusammenhang mit hormonabhängigen Tumoren stehen, von einer Einnahme abraten.

Dies ist insbesondere bei einem hormonabhängigen Mamma- oder Prostata-Ca zu beachten

.

Wie sieht die rechtliche Lage der Colostrum-Gabe aus?

Trotz einiger entdeckter positiver Zusammenhänge darf man nicht vergessen, dass es sich bei Colostrum (zumindest zum Zeitpunkt der Recherche) um ein Nahrungsmittel, im Falle der Kapseln um Nahrungsergänzungsmittel (NEM) handelt und nicht um ein nach geltenden Kriterien geprüftes pharmakologisch wirkendes Arzneimittel, denn die genannten, möglichen Eigenschaften haben zum aktuellen Zeitpunkt (noch) keine „offizielle“ Anerkennung durch die Schulmedizin erfahren. Vielen der gemachten Aussagen beruhen entweder auf Erfahrungswerten, Falldarstellungen oder auf kleinere Studien (s.o.), die allerdings kaum den großen, randomisierten Placebo-kontrollierten Doppelblindstudien entsprechen, die die Schulmedizin für den Nachweis der Wirksamkeit von Präparaten fordert. Dennoch kann der Arzt natürlich aufgrund seiner Therapiefreiheit Colostrum-Präparate zur unterstützenden Begleitung seiner Therapie einzusetzen, wenn er es für sinnvoll erachtet.

Denn aufgrund der vielen Untersuchungen, die mit Colostrum-Präparaten bereits durchgeführt wurden, ist es natürlich verlockend anzunehmen, dass der Einsatz dieser Zubereitungen bei einigen Indikationen hilfreich, vielleicht sogar besser oder kostengünstiger als manche bisherigen Therapien sein könnte. Und da zudem das Interesse an ganzheitsmedizinischen Behandlungen im Praxisalltag wächst, werden zunehmend vor allem bovine Colostrum-Medikamente als Kapseln, Pulver, Flüssigkeit, Lutsch-Tabs, Creme- oder Gel-Zubereitungen eingesetzt. Dennoch sollte man, obwohl die Nebenwirkungsrate nur gering zu sein scheint, gerade im Praxis-Alltag Vorsicht walten lassen und Colostrum nur da einsetzen, wo man sich für die Patienten wirklich einen Benefit erhoffen kann und das mögliche Risiko der Einnahme minimiert ist.

Nebenwirkungen und Kontraindikationen von Colostrum

Nebenwirkungen sind bei der Einnahme Colostrum selten. Berichtet wurde über

  • Übelkeit,
  • Erbrechen,
  • Anämie und
  • abnormale Leberfunktion.

Natürlich sollten die Inhaltsstoffe beachtet werden und bei entsprechenden bekanntenAllergien auf eine Einnahme verzichtet werden.Ebenso kritisch sind Hormonabhängige Tumoren zu sehen. Auch ein Einsatz zur Prophylaxe oder Therapie ohne gesicherte Erkenntnisse und dadurch Verzicht oder Behinderung schulmedizinisch etablierter Therapien ist zu vermeiden..

Überlegungen gibt es auch bezüglich der möglichen Induktion eines Tumors von Wachstumsfaktoren und Hormone, die in Colostrum enthalten sind. Hier bedarf es unbedingt noch weiterer Studien, da zwar kein IGF im Blut nach Einnahme von Colostrum nachgewiesen werden konnte, man aber trotz den durchgeführten Untersuchungen und Überlegungen bezüglich der Galenik von den bioaktiven Proteinen aus Colostrum noch nicht wirklich weiß, wie sie genau funktioniert.

Vorsicht ist auch bei Diabetikern geboten, da Colostrum IGF-1 enthält, der eine ähnliche Wirkung hat wie Insulin. Wenn auf einer Einnahme bestanden wird, sollten Diabetiker deshalb vorsichtshalber das Colostrum langsam und vorsichtig einschleichen, damit der Blutzuckerspiegel stabil bleibt. Allerdings war es, wie bereits angesprochen, in einer aktuellen Studie nach oral verabreichtem Colostrum (30 g/d) nicht zu einer Erhöhung des zirkulierenden IGF1 im Blut gekommen [108], sodaß es wahrscheinlich nicht oder kaum aufgenommen wird.

Auf die weiter oben im Text beschriebenen Qualitätseigenschaften, die für gutes Colostrum gelten, sollte geachtet werden und Colostrum aus verlässlichen Quellen und keinesfalls aus Billigproduktionen bezogen werden. Ohne Zweifel ist Colostrum eine sehr interessante Substanz, für die man nach Sichtung der Studienlage sowohl in der Allgemeinmedizin (gastrointestinale Beschwerden, Roborierung, Entzündungen), in der Neurologie (z. B. M. Alzheimer) und in der Chirurgie (Wundheilung), aber auch in der Gynäkologie (lokal zur Pflege und bei Infektionen) mögliche Indikationen finden könnte, zumal eine Anwendung zumindest unter Beachtung der Kontraindikationen relativ nebenwirkungsarm zu sein scheint. Ob eine Colostrum-Gabe, wie aktuell von manchen Herstellern angenommen, vorbeugend gegen Corona wirken kann, ist leider derzeit noch völlig unklar. Auch wenn es, laut Studienlage einer Studie aus Pescara, relativ gut bei der Vorbeugung von Grippe wirken soll, reichen diese Daten, die auch ein paar Auffälligkeiten aufweisen, nicht aus, um aus diesen Ergebnissen Empfehlungen abzuleiten.

Bei den oben aufgeführten Studien kam es tatsächlich zu einer deutlich verbesserten Verträglichkeit der Nebenwirkungen bei Karzinom-Therapien. Allerdings handelt es sich nur um kleine Fallzahlen. Deshalb ist in Zukunft zu überlegen, ob man, allerdings nur in ausgewählten Fällen ohne Kontraindikationen, Colostrum gezielt zur Nebenwirkungstherapie bei Tumorpatienten einsetzen kann.

Die Empfehlung, vor der Tumortherapie mit der Colostrum-Gabe zu beginnen bzw. die Therapie 4 Monate darüber hinaus fortzuführen, ist zu überprüfen.

Aufgrund der oben beschriebenen Galenik von Colostrum ist es als eher unwahrscheinlich anzusehen, dass Wachstumsfaktoren oder Hormone, die eventuell den Tumorwachstum begünstigen könnten, in ihrer aktiven Form die Blutbahn erreichen. Denn komplexe Proteine werden physiologischerweise bereits im Magen und spätestens im Darmlumen bei Übertritt, in ihre niederen Strukturen zu Aminosäuren zerlegt und können nur so die Darmschranke passieren. Wenn dies durch schützende Stoffe im Colostrum wie Trypsininhibitoren verhindert wird, wie wahrscheinlich im Falle der Immunglobuline, bestünde „nur“ die Möglichkeit, im Darmlumen selbst und über Abgabe von Signalen an Rezeptoren an der Darmwand und gegebenenfalls über Botenstoffe aktiv werden können. Anders sieht das im Falle von Pathologien wie bei dem Leaky Gut Syndrom aus, dass sich unter Tumortherapien und einem dadurch abgeschwächten Immunsystem, sowie einer unter diesen Therapien auch oft veränderten Nahrungsaufnahme, sicherlich leicht bilden kann. Dann wäre ein Übertritt auch größerer Proteine in ihrer bioaktiven Form denkbar und damit auch eine Aufnahme der tumorbeeinflussenden Stoffe, die in Colostrum enthalten sind. Eine andere Möglichkeit wäre, diese Stoffe aus Colostrum zu eliminieren bzw. die protektiven Substanzen aus Colostrum zu extrahieren. Bei der Frage, ob Colostrum anti-kanzerogen wirken kann, scheinen Untersuchungen mit Lactoferrin und Ölsäure (HAMLET-Faktor) Anlass für vorsichtige Hoffnung zu geben. Hier darf man auf weitere Ergebnisse gespannt sein. Bei der 30jährige Studie mit den hervorragenden in vitro Osteosarkom-Ergebnissen von Tokuyama konnten die Einzelheiten zu der Studie nicht im Original abgerufen werden, sodass fraglich ist, ob sich diese Ergebnisse tatsächlich in vivo reproduzieren lassen würden. Auch bei dieser Problematik gibt es aktuell noch Forschungs- und Klärungsbedarf, der sich allerdings lohnen könnte. Denn obige Ergebnisse sind vielversprechend und es wäre schade, die „Chance Colostrum“ ungenutzt zu lassen!

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Leserfrage: Verhütung möglichst hormonfrei – verschiedene Methoden mit Erfahrungswerten aus der Gyn-Praxis

Liebe Madeleine!
Natürlich kenne ich Dich und Deine Krankengeschichte nicht und kann Dir deshalb nur relativ allgemein antworten. Ich möchte Dich und die anderen Leser/innen aber mit ein wenig Hintergrundwissen versorgen, dass Dir und Ihnen vielleicht bei der Entscheidungsfindung des ,,richtigen“ Verhütungsmittels, welches nach Deinen Angaben möglichst hormonfrei sein sollte, helfen kann.

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Sicherheit von Verhütungsmethoden ( Pille, Kupferspirale, Kupferkette, Hormonspirale, alternative Verhütung) aufgrund ärztlicher Erfahrungen

Patientenfrage zur Sicherheit von verschiedenen Verhütungsmethoden :

Mich würde mal aus dem Alltag von Ärzten interessieren, welche Methoden am sichersten und am unsichersten sind? Also bei welchen Methoden kommen wirklich am häufigsten ungewollte Schwangerschaften vor? Die Pille wird ja immer als DAS super sichere Mittel gepriesen, aber letzten Endes hängt die Sicherheit ja von der Einnahme ab und ich habe sogar mal gelesen, dass damit bis zu 6! von 100 Frauen/Jahr schwanger werden. Kannst du as so nachvollziehen? Wie sieht es bei Kupfer/Hormon-Spiralen aus? Und was hältst du von der Kupferkette? Die wird ja im Moment total gehyped! 

LG von einer stillen Mitleserin:)

Antwort auf diese spannenden Frage findest Du im folgenden Artikel!

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Was passiert bei der hormonellen Behandlung von Transsexuellen?

Meist möchten sie einfach nur „normale“ Menschen sein: Transgender. Die Tatsache, dass sich ihr angeborenes Geschlecht nicht oder nicht ganz oder auch nur nicht alleinig  „richtig“ anfühlt, empfinden sie oft als belastend und erwarten Hilfe, die man ihnen nicht verwehren darf. Im folgenden Artikel habe ich deshalb alles Wissenswerte zum Thema hormonelle Trangendertherapie zusammengetragen! „Was passiert bei der hormonellen Behandlung von Transsexuellen?“ weiterlesen

Sterben die meisten von uns an zuviel Zucker? Neues zur Insulinresistenz bzw. Diabetes mellitus

Leserfrage: ,,Ist der Körper mit einer normalen Ernährung optimal versorgt oder brauche ich Nahrungsergänzungsmittel?“

Natürlich ist es am besten, man ernährt sich so, dass man nichts ergänzen muss. Aber wem gelingt das schon?Auf der anderen Seite werden viele Stoffe nur in gewissen Kombinationen optimal aufgenommen … Hier findet man die wichtigsten Nahrungsergänzungsmittel zusammengefasst!

„Leserfrage: ,,Ist der Körper mit einer normalen Ernährung optimal versorgt oder brauche ich Nahrungsergänzungsmittel?““ weiterlesen

Frauenarzt – Sprechstunde Wechseljahre Teil 7 : Wie es kam, dass die Hormonersatztherapie so in Verruf geriet, nachdem anfänglich Begeisterung herrschte …

WICHTIG: Vor Anwendung jeder Therapie müssen die Gegenanzeigen geprüft werden und eine (gynäkologische und ggf. weiterführende) Untersuchung durchgeführt werden! Dieser Artikel dient nur zur allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung und Behandlung des Gynäkologen! Auch sind zwar die Inhalte nach bestem Wissen zusammengetragen worden, dennoch übernehme ich keine Haftung für die Richtigkeit oder die Wirksamkeit der Therapien!
Ich zeige im folgenden verschiedene Beispiele von eingesetzten Medikamenten.  Dadurch habe ich allerdings keinerlei pekuniären Nutzen! Ist das Werbung? Wenn ja deklariere ich den Text hiermit!

Inhaltsverzeichnis:

7.1. Auswertung der WHI Studie

7.2. Folge

7.2. Ursachen der Fehlinterpretationen der WHI-Studie

7.3. Zum Schluss war es doch wieder  anders …

Wie es kam, dass die Hormonersatztherapie so in Verruf geriet, nachdem anfänglich Begeisterung herrschte …

7.1. Auswertung der WHI Studie

Mehr als 16.000 Frauen nach den Wechseljahren hatten
sich freiwillig an der Studie beteiligt. Durchschnittlich 5,2 Jahre nahm die eine Hälfte der Frauen eine
Hormonkombination, die in Deutschland wenig gebräuchlich ist (Östrogene aus Stutenharn plus das Gestagen
Medroxyprogesteron MPA). Die Ergebnisse aus der Hormongruppe waren „ernüchternd“, wie der
Bundesverband der Frauenärzte feststellte.

Trotz der  offensichtlichen Vorteile einer Hormonersatztherapie war sie aber in der Vergangenheit  wegen ihrer vermeintlichen riskanter Nebenwirkungen in Verruf gekommen. Und zwar waren im Jahr 2002 die ersten Auswertungen der WHI-Studie für viele erschreckend gewesen, da die erhofften Vorteile  so  nicht eingetreten waren. Im Gegenteil! Manche Risiken hatten sich sogar nach einer HET erhöht!

In einer im März publizierten Artikels des angesehenen New England Journal of Medicine weisen nun Joann E. Manson und Andrew M. Kaunitz, zwei der maßgeblichen StudienautorInnen der WHI-Studie selbst, auf die Folgen der jahrelangen, fehlerhaften Interpretation ihrer Studiendaten hin:

7.2. Folge

IMG_7465Hunderttausende von Frauen hatten in der Folge der Studie, deren Auswertungen seit 2002 publiziert werden, die Hormonpräparate abgesetzt oder wurden nicht angemessen behandelt, weil die Annahme vorherrschte, dass die Hormonersatzbehandlung (HET) durchweg gesundheitliche Risiken berge.

,,Aber“, so schrieben die Autorinnen der Studie selbst, ,,Der Nutzen der Hormon- Ersatzbehandlung übersteigt bei weitem mögliche Risiken“,

Denn seit kurzem wissen wir nun aber , dass es bei der WHI-Studie, auf der diese Aussagen beruhen, doch zu einigen Mängeln sowohl beim Studiendesign als auch bei der Auswertung gekommen war! Da hierüber in der Presse recht viel berichtet wurde, möchte ich kurz erklären, was es mit dieser

7.2. Ursachen der Fehlinterpretationen der WHI-Studie

 WIe kam es zu den, zum Teil hohe Nebenwirkungsraten  bei der HET, die zur restriktiven Anwendungsempfehlungen der Hormone auch in den deutschen Richtlinen führte?

Nun war das durchschnittliche Alter der Frauen bei Beginn der HET 63 Jahre und nicht wie normalerweise üblich um den Zeitpunkt der Menopause (durchschnittlich im Alter von 51 Jahren). Zudem hatten ca. 50% der Teilnehmer Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen, wie starkes Übergewicht,Bluthochdruck, Raucherinnen und es gabVorerkrankungen wie Diabetes oder koronare HerzerkrankungenZudem war das in der Studie verwendete Hormonpräparat etwa doppelt zu hoch dosiert wie bei einer HET normalerweise üblich!

 Nun ist es so, dass, solange die Geschlechtshormone noch aktiv sind (als bis ca.   um 50 Jahre) , sie die Gefäße von Ablagerungen freihalten können! Dadurch kommt es zu einem Schutz vor Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.Wenn Hormone nun schon einige Jahre fehlen (was bei dem durchschnittlichen Alter von 63 Jahren der Fall ist), können sich zwischenzeitlich arterielle Plaques gebildet haben! Gibt man erneut Hormone, können sich Ablagerungen ablösen und durch das Gefäßsystem in Lunge, Herz oder Hirn gelangen und dort Infarkte auslösen, die schlimmstenfalls tödlich enden können. 

Wenn man das weiß. erklären die oben beschriebenen Studienfakten natürlich , warum es bei Beginn der Einnahme zunächst zu einer Erhöhung des Neuauftretens  von kadiovaskulären Ereignissen kam!

7.3. Zum Schluss war es doch wieder  anders …

Auch das folgende  Detail der Studie ist wichtig : In der kleinen Gruppe der 50- bis 59-Jährigen gab es unter den Teilnehmerinnen der WHI-Studie auch  positive Effekte:

Neben der Beseitigung der typischen Mangelsymptome wurde eine geringere Zahl an Knochenbrüchen, Diabetes-Erkrankungen und Todesfällen allgemein beobachtet, und bei der Untergruppe mit einer alleinigen Östrogentherapie sogar eine Senkung der Brustkrebs-Rate im Vergleich zu der mit einem Plazebo behandelten Gruppe.

Im Idealfall sollte also sofort beim Eintreten der Wechseljahre  mit einer Hormonersatztherapie begonnen werden!

Nachdem sich wieder einmal zeigt, wie wichtig doch genaue Recherche ist und dass sich sogar gegenteilige Schlüsse aus derselben Studie ableiten lassen, möchte ich mit dem Zitat von Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte zu den Vorfällen im Zusammenhang mit der WHI-Studie diesen Artikel schließen:

„Es ist sehr erfreulich, dass die Autoren der WHI-Studie selbst soeben im ‚New England Journal of Medicine‘ die Aussagefähigkeit ihrer eigenen Studie zurechtgerückt haben, mindestens ein Drittel aller Frauen in den Wechseljahren ist durch den Verlust der Hormonproduktion so sehr beeinträchtigt, dass sie eine medizinische Unterstützung brauchen, die über allgemeine Tipps zur Lebensführung und pflanzliche Plazebos aus dem Drogeriemarkt hinausgeht.

Viele von ihnen haben jahrelang um ihre Gesundheit gefürchtet, wenn wir ihnen einen Ersatz ihrer Hormone empfohlen und verordnet haben. All diese Frauen können jetzt wirklich erleichtert sein, und wir als ihre behandelnden Frauenärztinnen und -ärzte sind es auch.“

Frauenarzt – Sprechstunde Wechseljahre Teil 5 : Was passiert mit dem Körper und wie kann ich ihn unterstützen

WICHTIG: Vor Anwendung jeder Therapie müssen die Gegenanzeigen geprüft werden und eine (gynäkologische und ggf. weiterführende) Untersuchung durchgeführt werden! Dieser Artikel dient nur zur allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung und Behandlung des Gynäkologen! Auch sind zwar die Inhalte nach bestem Wissen zusammengetragen worden, dennoch übernehme ich keine Haftung für die Richtigkeit oder die Wirksamkeit der Therapien!
Ich zeige im folgenden verschiedene Beispiele von eingesetzten Medikamenten.  Dadurch habe ich allerdings keinerlei pekuniären Nutzen! Ist das Werbung? Wenn ja deklariere ich den Text hiermit!

Inhaltsverzeichnis

5.1.Haut 

5.2. Haare 

5.3. Gewicht

5.4. Ernährung

5.5. leichter Sport

 

Was passiert mit dem Körper während der Wechseljahre und wie kann ich ihn unterstützen?

5.1. Haut 

Die Haut am ganzen Körper wird zunehmend trockener und dünner. Während der Wechseljahre kann es aber auch gelegentlich durch Hormonschwankungen  zu Unreinheiten kommen. Der Körper ist für ein Mehr an individueller Pflege dankbar. Fett und Feuchtigkeit sind dabei bei trockener, spannender Haut wichtig. Zusätzlich sollte auf ausreichend Sonnenschutz verwendet werden, damit sich keine Pigmentflecken bilden. Auch die Vaginal-Schleimhaut kann sich trocken anfühlen. Hier gibt es auch eine Reihe spezieller Cremes und Gele. Die Frauen empfinden oft unterschiedliche Produkte als angenehm. Die eine verträgt am besten einfaches Fett wie Vaseline, die andere bevorzugt ein feuchtigkeitshaltiges Gel. Zu beachten ist in dem Zusammenhang, dass Fettcreme ggf. die Zuverlässigkeit eines Kondomes herabsetzen kann.

Aggressive Waschcremes sollten vermieden werden. Bei Verwendung eines Makeups nicht übertreiben – zu dunkles Makeup setzt sich in den Fältchen ab und betont sie noch. Zu reichliche Verwendung von Puder trocknet die Haut oft aus und läßt sie maskenhaft wirken. Wenn man gepflegt mit einem leichten Makeup eine fröhliche Ausstrahlung bewahren kann, wirkt man viel jünger, als die überschminkte, auf „jung“ getrimmte Haut. Nie habe ich das Bild Gustav von Aschenbachs in dezzxr wunderschönen Visconti-Verfilmung des Thomas-Mann Klassikers „Tod in Venedig“ vergessen – Clownähnlich geschminkt um jünger zu erscheinen, will er der pathologischen Liebe zu einem Jungen nachhelfen… nicht nachmachen!

5.2. Haare 

Sie werden oft dünner und sollten so wenig wie möglich strapaziert werden. Zusätzlich vertragen sie auch eine sanfte Pflege in Form vom Kuren und Ölen. Hierzu gibt es auf meinem Blog auch einen Beitrag

MEDIZIN: HAARAUSFALL – THERAPIEN UND NEUE ERKENNTNISSE IM ÜBERBLICK

in dem einiges Tipps zum Thema: Haare und Wechseljahre gegeben werden…

5.3. Gewicht:

Oft kommt es in den Wechseljahren zu einer Gewichtszunahme, obwohl davor lange das Gewicht konstant war und man nichts an seinen Essgewohnheiten geändert hat… Aber mit dem verlangsamten Stoffwechsel sinkt auch der Energiebedarf…

Hier ist eine

5.4. ErnährungS1250006 (2)

, die eine ausreichende Nährstoffzufuhr bei möglichst wenig „leeren“ Kohlehydraten gewährleistet, sinnvoll. Neben Obst und Gemüse ist auch etwas hochwertiges  Eiweiß und Eisen gut (z.B. aus magerem Fleisch, Soja und Getreideprodukten wie  Quinoa und Kichererbsen), damit die Muskeln nicht abbauen und ausreichend roter Blutfarbstoff, der für den Sauerstofftransport notwendig ist. Auch Calcium ist wichtig (Milchprodukte), zusammen mit Vitamin D, das nur an der Luft gebildet werden kann sind sie wichtig für feste Knochen. Ggf. sollte man eine Knochendichtemessung erwägen und diese Stoffe in Tablettenform zu sich nehmen.Allerdings bin ich bei der oralen Calciumzufuhr etwas skeptisch. Denn als ich einmal für einige Monate an der Dialyse arbeitete, war das jahrelange Einnehmen solcher Calciumprodukte in zu hoher Dosierung ein nicht ganz seltenenr Dialysegrund! Überdosierungen in Tablettenform können der Niere also den Garaus machen!

Wer Fisch mag, hat hier einen tollen Eiweißliferant, Seefisch enthält u.a. Jod und wertvolle Fettsäuren. Auch bei Jod, das wichtig für die Schilddrüse ist,gilt, dass die Testung der Werte sinnvoll (s.o) ist. Toll ist auch die leichte mediterrane Küche oder Wokpfannen, in denen das Gemüse nur kurz mit wenig Fett knackig angebraten wird….Ab und zu ein wenig unbehandelte Nüsse knabbern – tut auch dem Gehirn gut…

Es gibt übrigens auch eine Anti-Aging Ernährung, die besagt, dass man sich unterkalorisch ernähren soll, weil das bei Ratten zu einer signifikanten Verlängerung des Lebens geführt hat… Nun ja, wem´s Spaß macht… Allerdings sehe ich dabei auch die Gefahr mt Unterversorgung an relevanten Nährstoffen. Zudem sind meines Wissens bis jetzt noch keine Studien dazu an Menschen veröffentlicht worden – wenn doch, gebt mir Bescheid!

zzbbAuch

5.5. leichter Sport

ist empfehlenswert. Sucht Euch etwas, das Euch Spaß macht, vielleicht mit anderen zusammen. Sonntags ziehen in unserer Gegend immer Die Walking-Frauen durch die Wälder – fröhlich schwatzend ohne dass man den Eindruck haben, dass sie sich überanstrengen. Ein Hund tut auch wahre Wunder. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, erfüllt er es mit fröhlichem Gebell und zwingt einen an die frische Luft….Wenn wir beim Sport sind , möchte ich auch die Beckenbodengymnastik, die ich auf alle Fälle auch vorbeugend durchführen würde, ansprechen. zzeinkaufDie Muskeln, die trainiert werden sollen, sind die, mit denen man den Harnstrahl anhalten würde.  Sie kann man unmerklich, z.B. wenn man in einer Warteschlange steht, anspannen.. 20x hintereinander, immer wenn man „Zeit “ hat, helfen schon viel um die Durchblutung in dieser Region zu fördern und die Blasenfunktion und eine andere, lustvollere… zu unterstützen. Es gibt natürlich noch viele anderen Übungen , z.B. auf den Rücken legen, die Beine anstellen, das Becken nach oben anheben, dabei die Wirbelsäule und Podex anspannen und abwechselnd die Beine nach vorne strecken. Oder sich auf die Seite legen und das obere Bein nur ein wenig nach hinten oben anheben und 20 sec. halten, dann die andere Seite… Dabei wird gleichzeitig die Bauch-Beine-Po-Region trainiert, der das auch nicht schadet…

Wenn man sich unsicher ist, kann man auch eine zeit lang unter professioneller Anleitung trainieren. Das macht Spaß und der innerer Schweinehund läßt sich besser überwinden…

 

Frauenarzt-Sprechstunde Wechseljahre Teil 4: ENTSCHEIDUNGSHILFE – Welche Therapie ist die richtige für mich?

WICHTIG: Vor Anwendung jeder Therapie müssen die Gegenanzeigen geprüft werden und eine (gynäkologische und ggf. weiterführende) Untersuchung durchgeführt werden! Dieser Artikel dient nur zur allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung und Behandlung des Gynäkologen! Auch sind zwar die Inhalte nach bestem Wissen zusammengetragen worden, dennoch übernehme ich keine Haftung für die Richtigkeit oder die Wirksamkeit der Therapien!
Ich zeige im folgenden verschiedene Beispiele von eingesetzten Medikamenten.  Dadurch habe ich allerdings keinerlei pekuniären Nutzen! Ist das Werbung? Wenn ja deklariere ich den Text hiermit!

Inhaltsverzeichnis

4.1. Was sagen die Leitlinien?

4.2. Auch ohne  Hormontherapie kann man relativ lange eine gute Lebensqualität bewahren!

 

4.1. Was sagen die Leitlinien?

Die ,,alten“Leitlinien (siehe oben) sprechen klare Worte – eine HRT ist nur dann empfehlenswert, wenn man unter Wechseljahresbeschwerden leidet, die man anders nicht in den Griff bekommt. Im Klartext heißt das: Wenn als Beschwerden da sind, ist es okay und sonst nicht?  ,,Aber“, werdet Ihr zu recht fragen, ,,was ist, wenn ich keine Beschwerden habe, mir aber die Vorteile durch eine HRT nicht entgehen lassen möchte?

S1390259 (2)

Das Bild drückt es aus: Nicht immer ist der Himmel nur Grau oder Blau … Es gibt -wie auch bei vielen Entscheidungen – viele ,,Zwischentöne“…

Ehrliche Meinung? Wer gerne Hormone nehmen möchte und wenn tatsächlich nichts dagegen spricht, man sich außerdem bewußt ist, dass ein Restrisiko immer vorhanden sein kann (siehe Kapitel Nebenwirkungen) , der sollte mit seinem Frauenarzt darüber sprechen, ob eine Hormontherapie nicht trotzdem sinnvoll sein könnte. Denn nur er kennt seine Patienten individuell und kann sie dementsprechend beraten!

Zwar hat die Natur solche langen Lebensspannen, wie wir sie momentan schon erreichen, eigentlich auch nicht vorgesehen. Das sollte aber kein Kriterium für eine HRT sein …  Denn das Ganze soll keinesfalls ins Gegenteil umschlagen! 

Auch, wenn man sich einfach nur unwohl bei dem Gedanken fühlt, der Natur ,,ins Handwerk zu pfuschen“, sollte man von einer HRT absehen, denn häufig merkt der Körper selbst ganz gut, was ihm gut tut, und was nicht. Denn viel zu oft unterdrücken wir dieses ,,natürliche Regulat“, den man auch ,,Instinkt“ nennt!  Zwar nicht immer, aber doch oft ist es nämlich gar nicht so verkehrt, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen!  Dabei sollten wir uns auch Folgendes vor Augen halten:

4.2. Auch ohne  Hormontherapie kann man relativ lange eine gute Lebensqualität bewahren!

Das oben geschriebene heißt nicht, dass es nicht möglich ist, auch ohne Hormontherapie nur langsam zu altern. Es gibt nämlich tatsächlich eine ganze Reihe Frauen, die Wechseljahresbeschwerden im typischen Sinn (s.o.) mit Schwitzen etc. überhaupt nicht durchmachen müssen und deren Körper sich gut an die wechselnden Umstände anpassen kann! Ob der Alterungsprozeß  schneller abläuft, wenn man keine Hormone nimmt, könnte zwar sein, allerdings sind die Geschlechts-Hormone nur einer von vielen Faktoren, die das Altern vorantreibt! Es ist auf der anderen Seite auch wichtig, dem Körper mit einer gewissen Disziplin all´ das zukommen zu lassen, was er benötigt (siehe unten). Dabei kann auch der Hausarzt immer wieder durch Blut- und Urinuntersuchungen feststellen, ob alles in Ordnung ist. Manchmal sind auch Zusatzuntersuchungen, die Auskunft über Vitaminmängel, Schilddrüsenzustand oder Knochenbeschaffenheit geben, sinnvoll. Leider zahlt diese Untersuchungen die Krankenkasse nicht immer ….

Setzt Euch also mit einem Frauenarzt, dem Ihr vertraut, zusammen und überlegt gemeinsam, was für Euch ganz allein das Richtige ist! Kommt Ihr gut klar? Habt Ihr Euer Leben auch ohne Hormone gut im Griff?

Oder habt Ihr selbst deutliche Risikofaktoren für vorzeitiges Altern wie Rauchen, gehäuften Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, Psychostress, Fehlernährung etc. , … die vorderdringlich angegegangen werden müssten,?

Auch wer gehäuft Erbkrankheiten, die in hormonellen Zusammenhang stehen,  wie gehäuft Brustkrebs, in der Familie hat, sollte genau mit dem Arzt seines Vertrauens besprechen, ob eine HRT wirklich von Nutzen ist oder sich vielleicht sogar eher ungünstig auswirkt!?

Seid Ihr unsicher? Schaut Euch die Vor- und Nachteile an, die ich Euch hier (mit zugegeben einiger Mühe, denn alleine die Überarbeitung und Literaturrecherche hat mich Tage  gekostet!) zusammengesucht habe und stellt Eurem Frauenarzt noch einmal die Fragen, die Euch wichtig sind und überlegt dann gemeinsam mit ihm, was für Euch am besten ist. Auch ich empfehle vielen Patienten keine Hormone. Denn nicht immer überwiegen die Vorteile! Auf der anderen Seite lasst Euch auch nicht in eine Ecke drängen! Wenn Ihr unter den Folgen des Älterwerdens leidet, habt Ihr mit einer ordentlichen, natürlichen Hormonersatztherapie eine Option, die man durchaus, ohne schlechtes Gewissen nutzen kann! Ob Ich 100% sagen kann, dass Ihr keine Schäden davon erleidet? Nein! Denn nichts in der Medizin, auch nicht im Leben, ist 100% sicher!  Aber ich kann aus Erfahrung sagen, dass die meisten Frauen, die deutliche Beschwerden hatten, nach etwa 2-12 Wochen beschwerdefrei waren und nicht mehr auf ihre HRT verzichten wollten!

Frauenarzt-Sprechstunde Wechseljahre Teil 3 : Behandlung ohne Hormone – Pflanzliche Mittel, Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel

WICHTIG: Vor Anwendung jeder Therapie müssen die Gegenanzeigen geprüft werden und eine (gynäkologische und ggf. weiterführende) Untersuchung durchgeführt werden! Dieser Artikel dient nur zur allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung und Behandlung des Gynäkologen! Auch sind zwar die Inhalte nach bestem Wissen zusammengetragen worden, dennoch übernehme ich keine Haftung für die Richtigkeit oder die Wirksamkeit der Therapien!
Ich zeige im folgenden verschiedene Beispiele von eingesetzten Medikamenten.  Dadurch habe ich allerdings keinerlei pekuniären Nutzen! Ist das Werbung? Wenn ja deklariere ich den Text hiermit!

Inhaltsverzeichnis 

3.1.  Pflanzliche Stoffe  zur Unterstützung der hormonellen Funktion  und Behandlung der Symptome

3.1.1. Mönchspfeffer (agnus castus) 

3.1.2. Sibirische Rhabarberwurzel

3.1.3. Cimifuga (Traubensilberkerze)

3.1.4. Salbei-Tee

3.1.5. Frauenmantel-Tee

3.2. Sonstige Medikamente, die bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt werden

3.2.1. selektiven Serotonin- Wiederaufnahmehemmer

3.3. Spezielle Nahrungsergänzungsmittel für die Zeit der Hormonumstellung siehe auch 2.1.1.

Auch da gibt es verschiedene Präparate mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Sie erhöhen auch nicht in dem Maße die Krebs – und Thromboserisiken, da sie selber keine „echten“ Hormone sind. Allerdings muß man auch hier auf mögliche Interaktionen und Nebenwirkungen achten.

 

3.1.  Pflanzliche Stoffe  zur Unterstützung der hormonellen Funktion  und Behandlung der Symptome

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Isoflavone, Soja, Rotklee, Cimifuga, Nachtkerze und Ginseng, Dong Quai, Yamswurzel, Hopfen, Mönchspfeffer oder Frauenmantel, Salbei, Bockshornklee,…die man in Form von  Tabletten, Kapseln und Tees zu sich nimmt, können Wechseljahresbeschwerden auch zumindest lindern.

Im Folgenden möchte ich häufig eingesetzte Wirkstoffe kurz in ihrer Wirkungsweise vorstellen:

3.1.1.Mönchspfeffer (Agnus Castus) 

stimuliert die Progesteronfreisetzung, denn zu Beginn der Wechseljahre sinkt als erstes der Progesteronspiegel und ein anderes Hormon, das Prolaktin, gebremst (inhibiert). Es wird jeden Tag genommen und wirkt stabilisierend auf den Zyklus und auf das prämenstruelle Syndrom (Brustspannen/Unwohlsein zu Ende des Zyklus vor der Periode). Präparate werden auch schon bei prämenopausalen Beschwerden eingesetzt.

3.1.2. Sibirische Rhabarberwurzel (Raponticin)

Die östrogenartige Wirkung von Raponticin wurde in Studien nachgewiesen. Allerdings wird nur ein Teil der Östrogenrezeptoren, die Östrogen-Beta-Rezeptoren*, aktiviert.

(*Die Alpha-Rezeptoren werden für die Entstehung von Brustkrebs und Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut verantwortlich gemacht, während die Beta-Rezeptoren Einflüsse haben auf:

  • ZNS (z. B. die Wärmeregulation)
  • Knochenstoffwechsel
  • Vaginalepithel
  • Herz-Kreislaufsystem
  • Urogenitalsystem
  • Beschwerden der Wechseljahren)

Ein anderer Teil, die Östrogen-Alpha-Rezeptoren, werden dagegen nicht angesprochen. Raponticin wird deshalb auch als „selektiver Östrogenrezeptormodulator“ bezeichnet abgekürzt SERM. Dieser Mechanismus wurde von Forschern der Universität Dresden nachgewiesen, deren Studie 2007 im „Journal of steroid biochemistry and molecular biology“ veröffentlicht wurde. Wird dann eingestzt, wenn auch der Östrogenspiegel erniedrigt ist, ebenso

3.1.3. Traubensilberkerze (Cimifuga)

, es ist das einzige Phytoöstrogen, das zur Behandlung nach Brustkrebs zugelassen ist, Zu den Inhaltstoffen gehören Triterpenglykoside, Phenolsäuren, Flavonoide, Tannine und flüchtige Öle. Die Wirkungsweise kommt durch östrogenähnliche Eigenschaften , Wirkungsweise auch als SERM (siehe oben). Die letzte Übersichtsarbeit der Cochrane Gesellschaft aus dem Jahre 2012 steht den bisherigen Erkenntnissen und der Wirkung von Cimcifugapräparaten bei menopausalen Beschwerden eher verhalten gegenüber, andere Studien zeigten aber eine gute Wirksamkeit.

zztee 3.1.4. Salbei-Tee

Studien sind mir zwar nicht bekannt, jedoch wird es seit Jahrhunderten mit Erfolg angewandt, den Frauen tut er gut – er wirkt  gut bei Schweißausbrüchen, stärkend auf das Nervensystem, löst Verkrampfungen, verhilft zu Ausgeglichenheit und Entspannung und behebt chronische Ermüdungserscheinungen. Je nach Bedarf am Abend trinken oder auch über den Tag verteilt.

3.1.5. Frauenmantel-Tee

Er enthält auch Phytoöstrogene , soll hormonell ausgleichend in den Wechseljahren wirken, zur Lockerung des Beckenbereichs beitragen und bei Menstruationsbeschwerden getrunken werden.

3.2. Sonstige Medikamente, die bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt werden

Auch Synthetische Medikamente können bei Wechseljahrsbeschwerden hilfreich sein.Hier wären unter anderen, insbesondere bei mittleren bis schweren Depressionen, die

3.2.1. selektiven Serotonin- Wiederaufnahmehemmer

Fluoxetin, Paroxetin und Venlafaxin  zu nennen. Allerdings ist ihr Einsatz in der Praxis eher selten. Wenn man aber trotz intensiver Bemühungen mit Gesprächen und pflanzlichen Mitteln (z..B. Johanniskraut…) nicht weiterkommt oder das Krankheitsbild zu schwer ist, können sie der Patientin eine echte Hilfe sein und wieder neuen Lebensmut verschaffen.

Die Arzneistoffe Raloxifen und Tibolon gehören auch in die Gruppe der SERM´s (selektiver Östrogenrezeptormodulator) und werden bei Osteoporose eingesetzt,

Je nach Symptomen werden bei besonders schmerzhaften Blutungen auch die Schmerzmittel Ibuprofen, Paracetamol, Butylscopalamin (wirkt besonders gutkrampflösend) und Metamizol eingesetzt.

3.3. Spezielle Nahrungsergänzungsmittel für die Zeit der Hormonumstellung siehe auch 2.1.1.

mit abgestimmten Vitaminen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen,… ( siehe oben) unterstützen den Körper in seinen Funktionen, gerade auch, wenn die Ernährung nicht ganz ausgewogen ist.