Spermidin – Der neue Anti Aging-Star?

Das Polyamin Spermidin alias C7H19N3 gilt als der neue ,,Rising Star“ am Anti-Aging Himmel. Die Konsumenten erhoffen sich eine Verbesserung der Fähigkeiten des Gehirns, ja vielleicht sogar eine Verjüngung und Verlängerung der Lebensspanne infolge einer protektiven Wirkung auf den gesamten Organismus von dieser ungewöhnlichen Substanz, die vor allem aus dem Kern des Weizenkornes gewonnen wird, aber auch in zahlreichen Nahrungsmitteln vorhanden ist.

Aber diese Hoffnungen beruhen nicht nur auf Hören-Sagen von Sekundär-Medizinern. Denn auch in der medizinischen Fachwelt wurden bereits Hinweise auf die besonderen Eigenschaften dieser Substanz gefunden.

So wurde sie auch im aktuellen Kampf gegen SARS-CoV-2 genauer unter die Lupe genommen und in diesem Zusammenhang tatsächlich eine hemmende Wirkung durch sehr hohe Dosen Spermidin auf mit COVID-19 infizierten Lungenzellen in vitro beobachtet (1).

Auch die Forschungsergebnisse des internationalen Teams des Forschungszentrums VASCage (Research Centre on Vascular Ageing and Stroke) erregten Aufsehen (2,3). Unter Leitung von Stefan Kiechl, wissenschaftlicher Leiter der Medizinischen Universität Innsbruck, wurde die Ernährung von über 800 Probanden über 20 Jahre unter die Lupe genommen und dabei beobachtet, wie sich eine Spermidin-reiche Ernährung positiv auf die Lebensspanne und auf verschiedene Prozesse des menschlichen Organismus, wie beispielsweise Entzündungsprozesse oder auf die kognitiven und kardialen Funktionen, auswirkt.

Auch in einer ersten kleineren Humanstudie (pre Smart Age), bei der Spermidin supplementiert worden war, konnten positive Effekte von Spermidin auf die Gehirnleistung beobachtet werden. Die Folge-Studie ist noch am Laufen.

Zusätzlich war in vielen Studien beobachtet worden, dass Spermidin im Tier-oder Zellversuch positive Effekte auf den Organismus, so auch auf Blutdruck und Gefäße, Entzündungen auch des Darmes und auf die Regeneration hatte.

Da aber heutzutage eine ausreichende Ernährung im Sinne der Versorgung mit Nährstoffen (nicht mit Kalorien) nur schwer realisierbar ist, stellt sich die Frage, ob und wann eine Substitution mit Spermidin sinnvoll sein kann. Deshalb wurden Beispiel-Produkte aus dem Netz verglichen und Qualitätsunterschiede beleuchtet. Außerdem wurde auf die Dosierungen eingegangen, wie sie beispielsweise in Studien und in der Laienanwendung praktiziert werden.

Die wichtigsten Eigenschaften

Das Polyamin Spermidin (3)

  • kommt in jeder menschlichen Zelle vor.
  • befindet sich in hoher Konzentration in der männlichen Samenflüssigkeit.
  • wird auch von bestimmten Darmbakterien produziert.
  • ist normalerweise in einer ,,gesunden“ Ernährung enthalten.
  • unterstützt den Körper dabei, Autophagie zu betreiben (siehe auch Kapitel ,,Autophagie“).
  • hat eine Wirkung beim Aufbau von Zellen (Nukleinsäuren / Proteinen /Membranstabilisierung), die noch nicht genau geklärt ist.
  • ist, wenn es verabreicht wird, mit einem erhöhten Überleben von Hefen, Würmern und menschlichen Immunzellen vergesellschaftet.
  • kann in sehr hohen Konzentrationen das Altern der Zellen verhindern und Keimzelllinien ein langfristiges Überleben verleihen.

Nimmt ab (1)

  • bei einer Verlangsamung des Stoffwechsels.
  • im Lauf des Lebens (bei sehr alten Menschen kann es wieder leicht ansteigen).
  • bei Infektionen wie beispielsweise bei SARS-CoV-2.

Steigt

  • bei einer Beschleunigung des Stoffwechsels.
  • bei der Reparatur von Muskelzellen nach starker sportlicher Anstrengung.
  • bei Regenerierung der Erythrozyten, nach Blutverlust bzw. -armut oder
  • nach längeren Höhenaufenthalten.
  • Bei chronischen Entzündungen (z.B. Gelenkrheumatismus, Hepatitis, Colitis, Ekzeme, Psoriasis). 

… und damit Beeinflussung des Trägers der Erbinformation aller Lebewesen und aller DNA-Viren, welche durch die Abfolge der Nukleotide bestimmt wird. Diese muß bei der Teilung auf mRNA übertagen werden (Transkription), bevor neue Proteine (z.B. Zellorganellen) nach derern Bauanleitung (Abfolge der Nukleinbasen) hergestellt werden können (Translation) (6).

Positive Wirkung auf den Organismus durch Aktivierung der Autophagie

Als ein wesentlicher Faktor, wenn es um die positiven Eigenschaften von Spermidin geht, wird die Induktion/Steigerung der Autophagie bzw. die Aufhebung der Hemmung derselben genannt. Es gehört zu den sogenannten Caloric Restriction Mimetics, die die Effekte der Kalorienrestriktion nachahmen, so auch die Induktion der Autophagie (9).

Abb. 1Spermidin- und Kalorienrestriktion führen beide zu einer Histon-Deacetylierung mit Chromatin-Stummschaltung.
Eine Kalorienrestriktion fördert dabei die Sirtuin-vermittelte Aktivierung von Histondeacetylasen, während Spermidin die Histonacyltransferase hemmt. Dabei fördert Spermidin im Cytosol und auf Zellebene die Autophagie und wirkt dadurch lebensverlängernd. Es stört außerdem den Lipidstoffwechsel und wirkt anti-inflammatorisch, senkt den Blutdruck, wirkt kardioprotektiv und bewirkt eine Thrombozytenaggregationshemmung (3).

Um diese Wirkungen von Spermidin besser zu verstehen, wird im folgenden Text kurz auf den Begriff der Autophagie eingegangen.

Was ist Autophagie?

Sie bezeichnet den Selbstreinigungs-Prozess der Zelle. Dabei werden zell-eigenen Bestandteile, wenn sie nicht (mehr) adäquat funktionieren, abgebaut und die brauchbaren Reste recycelt, wie zum Beispiel nicht mehr benötigte Mitochondrien und falsch gefaltete Eiweißketten. So kommt es durch sie zum Ab- und Umbau von Proteinen und Lipiden und zur Bereitstellung von Aminosäuren.

In den jüngeren Jahren kommt es durch die Autophagie bei vielen Zellarten zu einem ständigen Ab-und Aufbau der Zellorganellen und auch der Zellen selbst, wodurch der Zellpool funktionsfähig bleibt. Allerdings nimmt die Autophagie im Alter mit der Verlangsamung des Stoffwechsels ab, wodurch wiederum der Abbau und Alterungsprozess immer schneller voranschreitet. Da die Abfallstoffe der Zellen nicht mehr adäquat abtransportiert werden, kommt es zu Ablagerungen, die den Prozessen des Alterns weiter triggern. Dadurch würden sich auch die (Alters-) Erkrankungen, die oben beschrieben wurden („Wenn die Autophagie nicht mehr klappt …“) erklären. Allerdings kann die Autophagie durch Fasten aktiviert werden, wobei der ursprüngliche Sinn davon ist, dass sich durch das Recycling in den Zellen die Energieversorgung- optimiert.

Die Erforschung der Autophagie

1974 erhielt Christian de Duve 1974 den Nobelpreis für Medizin, da er in den Lysosomen große Teile des zellulären Inhaltes, manchmal sogar ganze Organellen gefunden hatte. Zudem hatte sich herausgestellt, dass es Transportwege zu diesen Lysosomen gab, um ,,Zellabfall“ dort hinzutransportieren. Autophagie wurde seinerzeit als „self-eating“ definiert. Der japanische Zellbiologe Yoshinori Ōhsumi entwickelte diese Theorien weiter und erklärte den genauen Mechanismus der Autophagie. Dafür erhielt auch er 2016 den Medizin-Nobelpreis (10, 11).

Funktionen der Autophagie

  • Kontrolle wichtiger physiologischer Funktionen,
  • Elimination von Krankheitserregern,
  • Entsorgung unbrauchbar gewordenen Zellbestandteilen,
  • Erneuerung von Zellen und Zellorganellen,
  • Energiegewinnung durch Recycling.

Auslöser der Autophagie

Die Autophagie findet ständig in geringem Ausmaß bei allen Zellen statt. In größerem Rahmen wird sie allerdings bei verringerter oder bei (teilweiser) Enthaltung der Nahrungszufuhr eingeleitet (Fasten) und zwar dann, wenn die Glykogenspeicher in der Leber aufgebraucht sind. Je nach Muskelmasse ist dies nach 11 bis 14 Stunden der Fall, was auch den positiven Effekt des Intervallfastens erklärt. Auch Stress kann diesen Prozess verstärken, wobei die Ursachen metabolischer, toxischer, infektiöser oder hypoxischer Art sein können. So erhöht sich ihr Level auch durch Sport, Schwangerschaft und akute Infektionen. Aber auch die bereits erwähnten ,,Caloric Restriction Mimetics“, wie Spermidin können durch Nachahmung des Effektes der Kalorienrestriktion Autophagie auslösen (12, 13, 14).

Wenn die Autophagie nicht mehr richtig klappt …

… können sich die Zellen nicht mehr adäquat erneuern und es kommt zu vermehrten Ablagerungen in den Zellen, die diese regelrecht krank machen können.

Folgen verminderter Autophagie

In der Literatur werden verschiedene Krankheiten mit einer verminderten Autophagie in Verbindung gebracht. Beispiele hierfür sind:

  • Metastasierung von Tumoren (15),
  • Entstehung von amyotropher Lateralsklerose,
  • Morbus Alzheimer (16),
  • Chorea Huntington, 
  • SENDA (static encephalopathy of childhood with neurodegeneration in adulthood),
  • multipler Sklerose, 
  • Morbus Crohn und
  • Systemischem Lupus Erythematodes (SLE) (17).
  • Voranschreiten des Alterungsprozesses (siehe unten)

Wenn man bedenkt, dass Spermidin den Prozess der Autophagie induzieren, verstärken oder wiederherstellen kann ,wird auch klar, welche Chancen in dieser Substanz bei der Behandlung dieser Erkrankungen schlummern könnten …

Studienlage

Folgende Einflüsse von Spermidin wurden beobachtet:

  • Gefäßerkrankungen – Recycling von geschädigtem und potenziell schädlichem Zellmaterial durch Sequestrierung innerhalb der Autophagosomen und lysosomale Verdauung (18) 
  • Erhöhung der Resistenz von Zellen gegen Stressbedingungen,
  • Beseitigung dysfunktionelle Mitochondrien,
  • Verringerung von Entzündungen,
  • Wiederherstellung der Bioverfügbarkeit von Stickoxid (19),
  • Verringert arterielle Ablagerung fortgeschrittener Glykations-Endprodukte bei Mäusen,
  • Die Thrombozyten-Aggregation hemmende Wirkungen von Spermidin bei Kaninchen (20),
  • mögliche Rollen bei der antioxidativen Abwehr in menschlichen Endothelzellen (21) und beim
  • Lipidstoffwechsel (22)
  • Blutdrucksenkung und kardioprotektive Wirkung bei Mäusen und Ratten (möglicherweise durch eine verbesserte globale Bioverfügbarkeit von Arginin und eine verbesserte Herzautophagie und Mitophagie) (23, 24),
  • Hemmung des Abbaus von Nervenzellen (24)
  • Schutz vor Übergewicht (bei fetter,hochkalorischer Ernährung  führte die Spermidin-Gabe zu einer verringerten Gewichtszunahme )(25)
  • Verzögerte Entwicklung einer hypertensiven Herzerkrankung,
  • Schutz vor Bluthochdruck-assoziierten Nierenschäden.
  • Bei malignen Erkrankungen kann es durch die tumorsuppressiven Wirkungen der Autophagie zu einer
    • genomischen Stabilisierung,
    • Begrenzung der Entzündung,
    • Erleichterung einer angemessener Immunantworten gegen Krebszellen (18);
    • CAVE:  Im Tiermodell ergaben sich Hinweise, dass die Amplifikation der Polyaminsynthese die Karzinogenese fördern kann (18)
    • Aber: Aktuelle Forschungen an gealterten Mäusen zeigten jedoch kein erhöhtes Krebsrisiko bei Spermidinfütterung,
    • Es zeigten sich sogar niedrigere Raten bei einigen Tumoren (26, 27,28),so
    • Ein Besseres Ansprechen einer Chemotherapie bei Mäusen mit Lungenkrebs, wenn sie gleichzeitig Spermidin erhielten (28)
    • Eine Verbesserung des Risikos von postmenopausalen Frauen, an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken (29)
  • Schutz vor einer niedrig-gradigen Entzündung im Dickdarm durch Polyaminproduktion von Mikrobiota (30),
  • Schutz vor altersabhängiger Gedächtnisstörung bei Mäusen (31,32) und die
  • Linderung der experimentellen Autoimmunenzephalitis für Multiple Sklerose (33).

Lebensverlängerung durch Spermidin-reiche Ernährung?

Prof. Frank Madeo, einem Biochemiker von der Universität Graz, fand mit seinem Team heraus, dass Spermidin der einzige natürliche Stoff ist, der die Autophagie aktivieren kann. Weitere Studien belegen, dass die durch Spermidin intensivierte Autophagie bei vielen Lebewesen lebensverlängert wirkt und eine demenz-protektive Wirkung hat. Für diese Forschungsarbeiten erhielt Prof. Madeo 2019 die SENECA-Medaille für Altersforschung (35).

Multicenter-Projekt VASCage (37; 9) – Bruneck-Studie

Epidemiologische Hinweise für lebensverlängernden Effekt im Menschen

In diesem Forschungszentrum der Universität Innsbruck wurde eine epidemiologische Ernährungs-Langzeitstudie (Bruneck-Studie) über 20 Jahre überwacht, bei der der Einfluss der Ernährung auf unterschiedliche Parameter, so auch der Einfluss einer Spermidin-reichen Ernährung auf die Lebensspanne unter der Leitung von Herbert Tilg, untersucht wurde (36, 37, 38).

Studienaufbau

Die Nahrungsaufnahme von 829 (45-84 Jahre, 49,9% männlich) ProbandInnen wurde mit Hilfe von spezifischen, vom Ernährungsberatern validierten Diätfragebögen, über einen 20-jährigen Beobachtungszeitraum berechnet.

Die Ernährung wurde 1995, 2000, 2005 und 2010 durch wiederholte Befragungen über die Häufigkeit der Aufnahme von bestimmten Nahrungsmitteln (2540 Bewertungen) untersucht.

Ergebnisse

Todesfälle

Während 13.019 gefährdeten Personenjahren wurden 341 Todesfälle registriert (mittlere Zeit bis zum Tod: 9,8 Jahre). Davon starben

  • 137 aufgrund von Gefäßerkrankungen,
  • 94 aufgrund von Krebs und
  • 110 aufgrund anderer Ursachen.

 Die Gesamtmortalität (Todesfälle pro 1000 Personenjahre) verringerte sich mit steigenden Spermidinaufnahme im Durchschnitt von 40,5 (36,1, 44,7), 23,7 (20,0, 27,0) auf 15,1 (12,6, 17,8) im Beobachtungszeitraum, entsprechend einem alters-, geschlechts- und kalorienaufnahmebereinigte 20-jährige kumulative Todesinzidenz von 0,48 (0,5, 0,51), 0,41 (0,38, 0,45) und 0,38 (0,34, 0,41).       

 Der Unterschied im Mortalitätsrisiko zwischen dem oberen und unteren Drittel der Spermidinaufnahme war ähnlich wie bei einem 5,7-jährigen (95% CI: 3,6, 8,1 Jahre) jüngeren Alter.

 Wenn über die Ernährung mindestens 80 µmol Spermidin pro Tag zugeführt wurde, sank das Risiko deutlich, im 20-jährigen Beobachtungszeitraum zu versterben. Der Überlebensvorteil gegenüber Spermidin-armer Ernährung (<60 µmol pro Tag) betrug dabei rund fünf Jahre.

,,Wenn man also beispielsweise täglich zwei Portionen Vollkornbrot, zweimal Salat und einem Apfel isst, wird man sich laut dieser Ergebnisse im oberen Drittel der Spermidin-Einnahme wiederfinden (21, 23, 36).“

Die Wirkung einer Spermidin-reicher Ernährung auf altersbedingte Prozesse konnte in dieser Studie bestätigt und Spermidin als unabhängige Einflussgröße auf die Lebensspanne auch beim Menschen untermauert werden.

Fazit

Ohne Zweifel ist Spermidin eine für den menschlichen Organismus sehr wichtige Substanz, die als kalorienrestriktives Mimetikum die Stoffwechsellage der Autophagie nachahmt, die sich normalerweise nur dann einstellt, wenn der Organismus fastet. Dabei findet sich Spermidin in allen lebenden Organismen und in vielen Lebensmitteln.

Nun konnte gezeigt werden, dass sich das Leben durch eine gesunde, spermidinreiche Ernährung im Durchschnitt deutlich verlängert. In Tier- und Zellversuchen zeigten sich, dass Spermidin mit vielen positive Effekten auf den Organismus, wie Hemmung von Entzündungsprozessen und Alterserkrankungen, Kardioprotektion, positive Wirkung auf die Darmgesundheit, Thrombozytenaggregationshemmung, Blutdrucksenkung und sogar mit einer Bedeutung bei der Entstehung und Behandlung von Tumoren aufwarten kann.

Ein Problem bei der Anwendung von Spermidin scheint allerdings seine Bioverfügbarkeit im menschlichen Organismus zu sein. In einer Studie, die sich mit der Aufnahme von Polyaminen allgemein beschäftigt hatte, war entdeckt worden, dass der Hauptteil des zugeführten Spermidins nicht durch die Darmschranke gelangen kann. (60). In der Studie von Soda und Mitarbeitern konnte gezeigt werden, dass der tägliche Verzehr von Spermidin-reichen Lebensmitteln über zwei Monate keinen Einfluss auf die Spermidin-Konzentration im Blut hatte. (26)

Das könnte natürlich damit zusammenhängen (35), dass der Körper dieses Polyamin auch selbst herstellen kann und damit zumindest teilweise, unabhängig von einer Zufuhr von außen ist, solange es über genug Ausgangssubstanzen (Arginin und Methionin) verfügt.

Im November 2019 haben führende Autophagie-Experten und Mediziner eine Sitzung zum therapeutischen Potential von Spermidin abgehalten, in der sie über mögliche Einsatzgebiete diskutierten (61).

Es wurde überlegt, für welche Indikationen Spermidin sinnvoll sein könnte, wobei auch von einer Spermidin-Supplementation im mittleren Alter gesprochen wurde, damit der präventive Effekt auf Alterserkrankungen über einen gewissen Zeitraum zum Tragen kommen könnte.

Tatsächlich hatte die Gabe des spermidinreichen Weizenkeimextraktes zu einer Verbesserung der kognitiven Leistungen geführt. Hier sind die Ergebnisse der noch laufenden Smart Studie abzuwarten, bei der die Auswirkungen von einer Spermidingabe auf ein größeres Kollektiv mit differenzierteren Untersuchungen, auch auf zugrunde liegende biologische Mechanismen im Focus stehen.

 Bevor diese weiteren konkrete Ergebnisse vorliegen, sollte noch nicht über einen Einsatz in der Medizin nachgedacht werden.  

Dennoch scheint Spermidin alle Fälle eine für den Körper sehr wichtige Substanz bei der Regulation der Autophagie zu sein. Bei der Wirkung auf SARS CoV-2 war Spermidin mit einer Reduktion der Viruslast bis zu 85% erfolgreich. Jedoch bleibt das Dosierungsproblem, das vor einem Einsatz gelöst werden müsste.

Oben beschriebene Untersuchungen zeigen viel Potential. Denkbar wären, wie angedeutet, Einsätze in der Prävention von Alterserkrankungen, beispielsweise bei der Verbesserung der Herz- und Gehirnfunktion, oder auch die bislang allerdings weniger gut erforschte, Unterstützung des Immunsystems und der Muskelfunktion.

Wie hoch die Tagesdosis sein sollte, wenn man sich für eine zusätzliche Einnahme entscheiden sollte, ist auch noch nicht abschließend geklärt. Die Dosierung, wie sie bei ausgewogener Ernährung aufgenommen wird, beträgt bis 25mg (23), eine Dosierung von 1,2 mg wurde als unbedenklich eingestuft (41, 42). Bei den erhältlichen Weizenkeim-Supplemente werden Tagesdosierungen zwischen 0,5 und 5 mg empfohlen. Die erlaubte Höchstmenge an Spermidin liegt bei 6 mg pro Tag.

Wünschenswert wäre, dass hierzu genauere Tagesbedarfsmengen erarbeitet würden. Auffällig ist, dass die aktuell empfohlenen Dosen in Verkaufsprodukten nicht nur unter denen der normalerweise mit dem Essen aufgenommenen Spermidin liegen, sondern auch weit unter denen, die benötigt würden, um eine Wirkung beispielsweise auf Viren zu erzielen. Deshalb könnte man überlegen, ob vielleicht zu medizinischen Zwecken auch höhere Dosen verabreicht werden könnten, wobei dann auch negative Aspekte wie das Triggern von Tumoren durch Spermidin die Überlegungen mit einbezogen werden müssten. Allerdings ist zu diesem Thema insgesamt eine doch etwas widersprüchliche Datenlage zu finden (26-29, 63).

Unter Einbeziehung der aktuellen Studien, die viele positive Effekte von Spermidin auf die Gesundheit gezeigt haben, allen voran, dass eine spermidinreiche Ernährung lebensverlängernd wirken kann, ist es auf alle Fälle sinnvoll, mit einer gesunden, ausgewogenen Ernährung, eventuell auch mitbesonders spermidinreicher Nahrungsmitteln, auf eine ausreichende Spermidinzufuhr zu achten.

Wenn diese Teil eines umfassenden Lebenskonzeptes ist, dass neben einer optimalen, gesunden Ernährung auch eine fröhliche, von nicht allzuvielen Sorgen geplagte Lebensführung mit ausreichend Bewegung und eine allgemeine Achtung des Körpers und der Seele beinhaltet, ist es sicher nicht ganz falsch, wenn auch etwas provokant, von Spermidin als ,,Jungbrunnen“ zu sprechen Allerdings ist noch nicht ganz klar, welche Rolle eine Zufuhr von außen dabei spielt,…

Um dieses Thema geht es im nächsten Beitrag, der nächste Woche hier erscheint!

Literatur zu Spermidin

(1) Gassen NC, Drosten C et. al.: Analysis of SARS-CoV-2-controlled autophagy reveals spermidine, MK-2206, and niclosamide as putative antiviral therapeutics. In: BioRxiv. 15. April 2020, bioRxiv: 10.1101/2020.04.15.997254v1 (Preprint-Volltext).

(2) Heidegger D; Neue Studie: Spermidinreiche Ernährung hält den Menschen länger jung https://www.i-med.ac.at/mypoint/news/719834.html

(3) Kiechl ,S R, Pechlaner, P. Willeit et al.: Higher spermidine intake is linked to lower mortality: a prospective population-based study. In: The American Journal of Clinical Nutrition. Band 108, Nr. 2, 1. August 2018, S. 371–380

(4) Schreiner, Philipp : Ueber eine neue organische Basis in thierischen Organismen. 1878, Auf: chemistry-europe.onlinelibrary.wiley.com.

(5) Beligni MV, Lamattina L: Nitric oxide in plants: the history is just beginning. In: Plant, Cell and Environment. 24, 2001, S. 267–278, doi:10.1046/j.1365-3040.2001.00672.x.
(6) AncestryDNA®–Wissensdatenbank; https://www.ancestry.de/lp/dna-discovery
(7) Datenblatt Spermidine bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 23. April 2011 (PDF).
(8) Hettinger T, Hollmann W: Sportmedizin, Grundlagen für Arbeit, Training und Präventivmedizin. 4. Auflage. Stuttgart 2000, ISBN 3-7945-1672-9, S. 62.
(9) Dingermann T; Gesund altern – Kalorienreduktion ohne Kalorienreduzierung; Pharmazeutische Zeitung, 10/2019 DOI: 10.1111/acel.13038 DOI: 10.15252/emmm.201910469.

(10) The Nobel Prize in Physiology or medicine in 2016. Press Release.

(11) Mortens S, Medizin-Nobelpreis 2016: Warum sich Zellen selbst fressen. Medienportal der Universität Wien, 4. 10. 2016

(12) Wilhelmi de Toledo F, s Michalsen A et al., Safety, health improvement and well-being during a 4 to 21-day fasting period in an observational study including 1422 subjects. In: PLOS ONE. Band 14, Nr. 1, 2. Januar 2019, ISSN1932-6203, S. e0209353, doi:10.1371/journal.pone.0209353, PMID 30601864, PMC 6314618 (freier Volltext) – (plos.org [abgerufen am 30. Januar 2019]).

(13) N. Dupont, P. Codogno: Autophagy transduces physical constraints into biological responses. In: The international journal of biochemistry & cell biology. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] August 2016, doi:10.1016/j.biocel.2016.08.021, PMID 27566364.

(14) O. Shatz, P. Holland u. a.: Complex Relations Between Phospholipids, Autophagy, and Neutral Lipids. In: Trends in biochemical sciences. Band 41, Nummer 11, 11 2016, S. 907–923, doi:10.1016/j.tibs.2016.08.001, PMID 27595473 (Review).

(15) E. E. Mowers EE, M. N. Sharifi MN et al. Autophagy in cancer metastasis. In: Oncogene. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] September 2016, doi:10.1038/onc.2016.333, PMID 27593926.

(16) Y. Kiriyama, H. Nochi: The Function of Autophagy in Neurodegenerative Diseases. In: International journal of molecular sciences. Band 16, Nummer 11, 2015, S. 26797–26812, doi:10.3390/ijms161125990, PMID 26569220, PMC 4661849.

(17) X. Liu, H. Qin, J. Xu: The role of autophagy in the pathogenesis of systemic lupus erythematosus. In: International immunopharmacolog. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] September 2016, doi:10.1016/j.intimp.2016.09.017, PMID 27673477.

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(36) NDRPodcast Prof. Drosten https://www.ndr.de/nachrichten/info/36-Die-Rolle-von-Kindern-ist-nicht-geklaert, audio674236.html(Episode 36, ab Minute 32).

(37) K-Projekt VASCage https://www.i-med.ac.at/vascage/index.html.de S. Kiechl, R. Pechlaner, P. Willeit et al.: Higher spermidine intake is linked to lower mortality: a prospective population-based study. In: The American Journal of Clinical Nutrition. Band 108, Nr. 2, 1. August 2018, S. 371–380 http://www.clinicaltrials.gov NCT03378843.

(38) Medizinische Universität Innsbruck, Neue Studie: Spermidinreiche Ernährung hält den Menschen länger jung

(39) Univ.-Klinik für Neurologie https://www.i-med.ac.at/neurologie/.

(40) Guilhermina M. Carriche, Luís Almeida, Regulating T-cell differentiation through the polyamine spermidine; „Journal of Allergy and Clinical Immunology; Open Access Published:May 11, 2020; https://doi.org/10.1016/j.jaci.2020.04.037

(41) Wirth M,Benson G; Behavioural NeurologyThe effect of spermidine on memory performance in older adults at risk for dementia: A randomized controlled trial; Cortex; Volume 109, December 2018, Pages 181-188DOI:

(42) Jessen, F., Wolfsgruber, S., Wiese et al. German Study on Aging, C., Dementia in Primary Care, P. 2014. AD dementia risk in late MCI, in early MCI, and in subjective memory impairment. Alzheimers Dement 10(1), 76–83. doi:10.1016/j.jalz.2012.09.017.

(43) Hohmann-Jeddi, Spermidin als Autophagie-Induktor, Pharmazeutische Zeitung, 04.03.2020, https://www.pharmazeutische-zeitung.de/spermidin-als-autophagie-induktor-115977/

(44) C. Schwarz, S. Stekovic u. a.: Safety and tolerability of spermidine supplementation in mice and older adults with subjective cognitive decline. In: Aging. Band 10, Nr. 1, Januar 2018, S. 19–33, doi:10.18632/aging.101354, PMID 29315079, PMC 5807086 (freier Volltext).

(45) E. Morselli, G. Mariño u. a.: Spermidine and resveratrol induce autophagy by distinct pathways converging on the acetylproteome. In: Journal of Cell Biology. Band 192, Nr. 4, Februar 2011, S. 615–629, doi:10.1083/jcb.201008167, PMID 21339330, PMC 3044119 (freier Volltext).

(46) Eisenberg et al., Induction of autophagy by spermidine promotes longevity. Nat. Cell Biol. 11, 1305–1314 (2009). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19801973/

(47) Durchführungsverordnung (EU) 2020/443 der Kommission vom 25.03.2020 zur Genehmigung der Änderung der Spezifikationen des neuartigen Lebensmittels Weizenkeimextrakt (Triticum aestivum) mit hohem Spermidingehalt

(48) C. Schwarz, S. Stekovic u. a.: Safety and tolerability of spermidine supplementation in mice and older adults with subjective cognitive decline. In: Aging. Band 10, Nr. 1, Januar 2018, S. 19–33, doi:10.18632/aging.101354, PMID 29315079, PMC 5807086 (freier Volltext).

(49) Muñoz-Esparza et al., Polyamines in Food, Nutr. (2019)

(50) Kiechl et al., Higher spermidine intake is linked to lower mortality: a prospective population-based study, Am J Clin Nutr. (2018)

(51) Esatbeyoglu et al., Quantitative Determination of Spermidine in 50 German Cheese Samples on a Core–Shell Column by High-Performance Liquid Chromatography with a Photodiode Array Detector Using a Fully Validated Method, Agric. Food Chem. (2016)

(52) https://schaetzeausoesterreich.at/magazin/mensch–natur/gesund-alt-werden/spermidin-lebensmittel.html
(53) spermidin.health

(54) https://www.netdoktor.at/magazin/spermidin-7597351

(55) Jungbleiben mit Spermidin? 21. September 2020, abgerufen am 7. November 2020. Abgerufen am 11. Mai 2020

(56) Lenzen-Schulte, M.; Zylka-Menhorn, V. (2016): Autophagie: „Selbstverstümmelung als Überlebensstrategie. Dtsch Arztebl 113(40): A-1740 / B-1469 / C-146.

(57) Arznei-Telegramm (2020): ANTI-AGING MIT SPERMIDIN? a-t 2020; 51: 38-9

(58) Charité-Studie: Mit Spermidin gegen COVID-19. Ernährungsmedizin-Blog

(59) Neuwirth, N Blogeintrag: Spermidin: Fasten ohne Verzicht?

(60) Milovic, V; Polyamines in the gut lumen: bioavailability and biodistribution Eur J Gastroenterol Hepatol; 2001 Sep;13(9):1021-5. PMID: 11564949; DOI
(61) Expertenboard Autophagie-Induzierer „Spermidin und Fasten“. In: spermidin.health.

(62) Atiya Ali M, Poortvliet E, Strömberg R, Yngve A. Polyamines in foods: development of a food database. Food Nutr Res. 2011 Jan 14;55. doi: 10.3402/fnr.v55i0.5572.PMID: 21249159

(63) Vargas AJ, Wertheim BC,Dietary polyamine intake and risk of colorectal adenomatous polyps. .Am J Clin Nutr. 2012 Jul;96(1):133-41. doi: 10.3945/ajcn.111.030353. Epub 2012 May 30.PMID: 22648715

(64) Zufällig im Internet ausgewählte Spermidin-Produkte (eine Verbindung zwischen der Autorin und diesen Anbietern besteht nicht, die Präparate wurden zufällig ausgewählt). Die Preise sind von Februar 2021. In der Tabelle (Abb.5) vorgestellte Präparate: Präparat A: Spermidine life Kapseln (Infectopharm); Präparat B: Spermidin 1 mg Kapseln (Sino Pla San AG), Präparat C: Spermidin Spirucell Kapseln (Unimedica), Präparat D RAAB Spermidin Kapseln und Pulver (RAAB Vitalfood GmbH).

Anti Aging-Medizin: Ewiges Leben ist bereits möglich!

Der Wunsch nach ewigem Leben ist so alt wie die Menschheit selbst. Dabei sind andere Lebewesen unserer Spezies schon weit voraus. Denn tatsächlich gibt es auf der Erde bereits sehr langes und sogar ewiges Leben … Wenn es uns gelänge, die Grundlagen dieser Lebensformen zu verstehen, könnten wir vielleicht auch für unser eigenes Leben wertvolle Schlüsse ziehen … „Anti Aging-Medizin: Ewiges Leben ist bereits möglich!“ weiterlesen

Einfache Erste-Hilfe Maßnahmen – Worauf es wirklich ankommt! Herzinfarkt – auf dem Fußballplatz …

Notfälle passieren nicht selten vor unseren Augen! Doch was tun? Heute geht es um die Geschichte des Fußballers Karl, der auf dem Spielfeld einen Herzinfarkt erlitt! Anhand seiner Geschichte seht Ihr den möglichen Ablauf eines Herzinfaktes, die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen und Möglichkeiten der Akut-Behandlung … Lasst Euch überraschen!Bildschirmfoto 2018-10-14 um 20.14.13.pngDie Geschichte, die Maßnahmen und Abläufe sind nach meiner langjährigen Erfahrung als Notärztin beschrieben worden. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass ich keine Verantwortung für die Anwendung übernehme und ich bei jeder Erkrankung das Hinzuziehen eines Arztes empfehle. Zudem empfehle ich jedem, einen erste Hilfe Kurs zu absolvieren, in dem die richtigen Handgriffe erlernt werden können, auch wenn es besser ist, überhaupt zu agieren anstatt nur tatenlos zuzusehen, aus der Angst heraus, etwas falsch zu machen!

Notsituation! Infarkte sind meist

plötzliche, potentiell lebensbedrohliche Ereignisse …Herz, Herzschlag, Medizin, Frequenz

,, Wir gingen spazieren, auf einmal hatte er heftigste Schmerzen in der Brust…“,  ,, … ich glaubte, ersticken zu müssen…“, ,, … wurde er plötzlich und unerwartet aus unserer Mitte gerissen …“, ,,die Oma hat einfach morgens tot im Bett gelegen …“

Es ist erschreckend, was Erkrankungen, bei denen ein Pfropf irgendwo in unserem Gefäßsystem plötzlich die weitere Blut – und damit Sauerstoffzufuhr abschnürt, für Folgen haben können. Trifft es das Versorgungssystem des Herzens, der Lunge oder des Gehirnes, kann ein solcher Gefäßverschluss leicht tödlich enden. Deshalb steht dieses Thema auch an zweiter Stelle meiner Anti Aging Serie, ist es doch für ein langes und gesundes Leben eines der wichtigsten Dinge, diese Gefäßerkrankungen zu verstehen und soweit möglich zu vermeiden bzw. richtig zu behandeln!

Thrombose und Embolie …

Dabei ist ein sogenannter Thrombus ein Blutgerinnsel im Gefäß, welches sich ggf. umbaut und das Gefäß verengt oder gar verschließt.

Auch bei einer sogenannten Embolie kommt es zu einem Gefäßverschluss, der dem nachfolgende Organ die Sauerstoffzufuhr abschnürt. Allerdings wird hier das Verstopfungsmaterial von anderswo eingeschwemmt und entsteht nicht an der Verstopfungsstelle. Oft handelt es sich um einen Thrombus, der sich an anderer Stelle gelöst hat oder aber um Luftbläschen, welches zum Beispiel bei einer medizinischen Maßnahme oder auch bei einer Geburt in das Gefäßsystem eingebracht wurden.

Das Problem, dass sich im Lauf unseres Lebens ergibt, ist, dass  sich alles in und an unserem Körper mehr oder weniger abnutzt. Bei manchen Strukturen ist das nicht weiter tragisch – schließlich können wir uns zum gewissen Grad regenerieren. Schlimm ist es jedoch bei den Gefäßen, den  ,,Straßen“ in unserem Körper, auf denen Sauerstoff, Nähr-, Signal-, Abwehr- und Botenstoffe transportiert werden. Verstopfen die ,,Hauptverkehrsstraßen“, die unseren Herzmuskel versorgen, kann es unter Umständen kritisch, ja, lebensbedrohlich werden.

Fallbeispiel

Karl ist ein leidenschaftlicher Fußballspieler. 27 Jahre ist er jung und steht kurz vor dem Aufstieg in die Nationalelf. Mama Grete ist mächtig stolz auf ihn, obwohl sie eigentlich gar nichts von Fußball versteht. Aber der Trainer hat ihr erzählt , wie talentiert ihr Sohn ist. Welche Mutter hört das nicht gerne! Heute jedoch  hat sie ein komisches Gefühl und möchte ihn irgendwie gar nicht aus dem Haus lassen.  ,,Mama, stell dich nicht so an, es ist doch nur ein Freundschaftsspiel!“, lacht Karl noch beim Weggehen… ,,Hätte er mal besser auf mich gehört“ – so wird Grete später schmerzlich an diesen Moment zurückdenken.

Die gegnerische Mannschaft ist eher schwach aufgestellt. Karl trippelt los. Kaum Widerstand von der gegnerischen Mannschaft. Da entdeckt er sein Kumpel Ole der rechts vor dem Tor steht! Nicht einer der gegnerischen Mannschaft steht im Weg … Klar. dass Karl die Situation blitzschnell erfasst und  den Moment nutzt, ihm den Ball zuzuspielen – er visiert Ole an, schießt … und dann passiert es!  In dem Moment, in dem er den Ball trifft, schießt es wie ein Stromschlag durch seinen Körper. Er fällt sofort zu Boden. Der Schmerz ist unmenschlich, so stark, dass ihm buchstäblich die Luft zum Schreien wegbleibt. ,,Das wars dann!“ schießt ihm noch durch den Kopf, dann wird er ohnmächtig…

 

Ein akuter Herzinfakt!

Der Arzt, der zufällig direkt am Spielrand steht, hat seinen Blick in diesem Moment bei Ole, als er den Ball souverän ins Tor schießt. Die  Ole sieht sich nach Karl um, der ihm den Ball so grandios zugespielt hat. Da entdeckt er ihn – am Boden liegend! Ole schreit laut, doch die Jubelschreie sind ohrenbetäubend…Verzweifelt rennt er zu ihm – und findet ihn – schreit ihn an, doch Ole reagiert nicht …

Ole erinnert sich an seinen  Rettungskurs beim Führerschein! Oh Gott! Was soll er tun! Er ruft noch einmal laut nach dem Doc, aber dann verschwimmt alle um ih herum und wie in Trance gibt es nur noch ihn … und Karl

Er beugt sich über Karl und überlegt, wie er das gelernt hat …Wie war das noch einmal, wenn man eine leblose Person vorfindet? Wie ein Film läuft alles, was er in dem Führerschein-Kurs vor kurzem gelernt hat, vor seinem inneren Auge ab … Nie hätte er gedacht, dass es tatsächlich einmal nur von ihm abhängt, ob ein Mensch überlebt…

ERSTE HILFE-MAßNAHMEN

1. Person aus möglicher Gefahrenzone  bringen, sich aber nicht selbst in Gefahr begeben. Dabei so schonend wie möglich bewegen, aber dennoch zügig arbeiten

2. Ansprechbarkeit überprüfen, dabei evtl. sanft schütteln, wenn Verletzungen in dem Bereich unwahrscheinlich.

3. Überprüfung der Atmung. Dabei Bewegungen Brustkorb beobachten, über Gesicht beugen und hören, ob man Atemgeräusche wahrnehmen kann oder den Luftzug an der eigenen Wange spüren kann …

3b. Wenn Person bewußtlos ist und er atmet,   erfolgt die Lagerung in stabiler Seitenlage. Dabei wird der Kopf  leicht überstreckt und der Mund bildet den                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             tiefsten Punkt des Körpers, damit Erbrochenes nicht die Atemwege verlegt. Außerdem sollte auf den Brustkorb kein Druck lasten, der die Atmung beeinträchtigt.

Die Atemwege freimachen. Der Kopf wird dazu ganz vorsichtig etwas nach  hinten gestreckt und der Kiefer leicht nach oben  geschoben, wenn er nach unten abgeknickt ist, damit die Luft möglichst gut zirkulieren kann.

4. auch, wenn man diesen Schritt laut neueren Richtlinien übergehen sollte, auf alle Fälle dafür aber kaum Zeit aufwenden sollte, so kann man doch kurz schauen, ob man einen Puls findet, etwa, indem man auf einer Seite des Halses unterhalb des Kieferwinkels zwei Finger positioniert …

5. Wenn möglich, Hilfe rufen lasse, detaillierte Angaben machen, wo, wer wie,… dabei dann unverzüglich mit der

6. Beatmung und Herzdruckmassage beginnen, dazu Oberkörper  freimachen, eine Hand auf etwa die Mittes des Brustbeins legen , die andere Hand kreuzförmig darüber. Nun wird etwa 100x in der Minute gedrückt und zwar mit dem ganzen Gewicht und bis die Arme ganz durchgedrückt sind (etwa 5 cm tief). nach jedem Druck muß sich der Brustkorb wieder ganz ausdehnen.

7. Nach etwa 30 Drücken kann man 2x  beatmen. Man muss dies aber nicht unbedingt, wenn man sich das nicht zutraut. Dazu zieht man das Kinn mit einer Hand nach oben hält mit dem Daumen den Mund offen. Mit der anderen Hand hält man mit Daumen und Zeigefinger die Nase zu und beatmet dann mit dem Mund 2x. Während man die Luft einbläst, sollte sich der Brustkorb heben.Krankenschwester, Krankenpflege, Schmerz

Wie  Die Rettung für Karl gerade noch rechtzeitig kommt!

Schon während Ole die Punkte vor seinem geistigen Auge durchgegangen hat, hat er mit der Herzdruckmassage begonnen. Auch, wenn er sich nicht ganz sicher war… Er hatte genau 23 x gedrückt, als der Arzt und die Sanitäter bei ihm waren.

Nun schaut er gebannt zu, wie die Fachleute agieren.  Immer noch nicht kann er fassen, was ihm da gerade passiert ist… Gott sei Dank war der Arzt gleich da … Aber was wäre gewesen, wenn niemand gekommen wäre?

Die Antwort darauf hatte man in seinem Kurs nämlich nicht gegeben… Aber wie lange muß man eigentlich dieses Vorgehen weiter durchführen, wenn eben keine Hilfe naht und sich nichts am Zustand des Patienten ändert …?

Die Frage muss schon deshalb unbeantwortet bleiben, weil es dafür eben keine festen Regeln gibt … Aber : Länger als maximal etwa eine Stunde hält man dieses Vorgehen in der Regel nicht durch und mit jeder Minute schwinden die Chancen, dass der/diejenige wieder zum Leben erweckt werden kann, was natürlich auch von der Ursache des Zustandes abhängt… Nur eine Ausnahme gibt es: Wenn jemand in sehr kalter Umgebung war, steigt die Chance bei Erwärmung, dass er wiederbelebt werden kann. Deshalb lernt jeder Medizinstudent: ,,No one is dead, until he´s warm and dead …“

Wenn der Puls einsetzt, aber die Atmung ausbleibt, muss natürlich auch weiter beatmet werden … Meist setzt aber mit dem Puls auch die Atmung wieder ein. Dies kann unter Umständen anders sein, wenn zum Beispiel Medikamente oder Drogen mit beteiligt sind.

Kommen wir zurück zur Reanimation und lasst mich noch einmal kurz wiederholen, worauf es ankommt …

NOTFALL LEBLOSE PERSON (Kurzfassung)

  1. Ansprechbarkeit überprüfen
  2. Überprüfung Atmung/Atemwege freimachen
  3. heute nicht mehr im offiziellen Algorithmus: Puls da? Auf keinen Fall dadurch viel Zeit verlieren und wenn Puls tastbar, sicher sein, dass es nicht der eigenen ist!
  4. Info Rettungsdienst, ggf. durch Zweitperson
  5. Dann unverzüglich Beginn Herzdruck-Massage 30 x Drücken, dann 2x Mund- zu Mund Beatmung, jedoch ist die Druckmassage am Anfang wichtiger, da der Sauerstoff im Blut noch wenige Minuten für die Versorgung ausreicht!

Die Zeit verrinnt unendlich langsam. Kostbare Zeit. Die restliche Mannschaft bekommt erst nach und nach den Ernst der Lage mit und einer nach dem anderen verstummt. Ole sieht, wie auf dem EKG, das die Sanitäter angeschlossen haben, feine Flimmerwellen zu sehen sind und wie der Notarzt dann den Defibrillator einsetzt… Nach dem ersten Versuch ändert sich nichts. Doch der Notarzt gibt nicht auf und nach dem zweiten Schock sieht man tatsächlich ein regelmäßiges Muster auf dem EKG, worauf die Fachleute erleichtert sind…

Gott sei Dank ist der Notarzt ist ein alter Fuchs. Denn  als er das EKG sieht, ist ihm die Sache klar… Karl hat ein sogenanntes ,,Erstickungs-T“ , das ein Hinweis auf eine  Minderdurchblutung des Herzens ist. Irgend etwas hat die Sauerstoff-Zufuhr der Gefäße, die das Herz mit Blut versorgen, unterbrochen…  Solange das Gefäß nicht wieder durchgängig ist, ist zumindest dieses Spiel noch nicht gewonnen!

Der Patient ist nicht zu stabilisieren!

Da der Spieler immer wieder instabil wird,  ist, muß das Gefäß dringend wieder eröffnet werden, sonst besteht die Gefahr. dass Karl den Transport ins Krankenhaus nicht übersteht. Deshalb überlegt  der Mediziner,  noch vor Ort eine sogenannte Lyse durchzuführen, auch wenn er weiß, dass das er damit bei  manchen seiner Kollegen auf Widerstand stößt. Dabei löst ein Medikament das Blutgerinnsel  wieder auf, dass wahrscheinlich in einem der drei  Herzkranzgefäße die Blutzufuhr zum Herz unterbricht. Dann  könnte das Blut wieder fließen  und das nachfolgende Organ, in diesem Falle das Herz, wieder mit Sauerstoff versorgen. Nur dann kann es seine Arbeit wieder ordentlich verrichten und seinerseits das sauerstoffreiche Blut der Lunge in den Körper pumpen.

Ist eine sogenannte Lyse, die das Herz wieder mit Sauerstoff versorgen kann, zu gefährlich?

Das Problem ist aber, dass das Blut so flüssig wird, dass die Gefahr einer Blutung deutlich erhöht ist, besonders dann, wenn der Blutdruck des Patienten relativ hoch ist,  er unter einem Magengeschwür leidet, ein Gefäßschäden bestehen  oder bestimmte Medikamente eingenommen werden, die die Blutverdünnung dienen …

Aber er weiß auch, dass Karl wahrscheinlich keine andere Chance hat. Zu viele Infarktpatienten hat der Medicus  schon unter seinen Händen sterben sehen. Er spürt genau, wann es kritisch um einen Menschen stehtRettungswagen, Asb, Notruf, Krankenwagen

Die Lyse bessert Karls Zustand tatsächlich. Die EKG-Veränderungen verschwinden noch im Krankenwagen. Ja, es war ein Infarkt.

Er hatte keine akute Herzschwäche durch etwa eine Herzmuskelentzündung oder eine angeborenen Erregungsleitungs-Störung, wie sie für  junge Menschen in so einer Situation eigentlich typischer wären…Aber auch  die Laborveränderungen später im Krankenhaus bestätigen die Diagnose …

Man denkt immer, junge Menschen träfe es nicht, aber auch sie können betroffen sein!

Karl hat großes Glück gehabt. Entscheidend war, das Ole gleich mit der Reanimation begonnen hat und ein erfahrener Notarzt sofort zur Stelle war!

Wieso soll ich mich schon als (relativ) junger Mensch mit diesem ,,Kram“ auseinandersetzen?

Nein, häufig ist es natürlich nicht, in jungen Jahren einen  Herzinfarkt zu bekommen. Aber durchaus möglich.  An der Universität  Laval in Zusammenarbeit mit dem kardiologischen Institut in Québec  wurde eine Studie mit 168 junge Männer und Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren, die keine Risikofaktoren für Herz-Erkrankungen hatten, durchgeführt.  Familiäre Krankengeschichte, Body-Mass-Index (BMI) , Bauchumfang,  Fettablagerungen rund um die Organe im Brust- und Bauchbereich und Zustand der Halsschlagader wurden überprüft. Die Ergebnisse verwunderten den Leiter, Dr. Eric Larose, dann doch:,, Vor allem junge Menschen, die aussehen wie das blühende Leben, zeigten ein bedenkliches Maß an Arteriosklerose!“

Natürlich dauert es in der Regel Jahre, bis die Gefäße ihre Schädigungen nicht mehr kompensieren können, deshalb möchte ich hier keine Horrorszenarien an die Wand malen. Fest steht aber, dass in jungen Jahren die Weichen für viele Erkrankungen, die sich dann im Alter manifestieren, gelegt werden!

 

 

Forever Young / Anti Aging – Teil 1: Warum altern wir und was kann man dagegen tun?

Je älter man wird, umso intensiver denkt man darüber nach, ob es vielleicht irgendwo doch eine Möglichkeit des ,,ewigen Lebens“ gibt oder wenn das schon nicht ginge, dann wollen wir doch zumindest unser Alter irgendwie verlangsamen können, sei es mit einer Pille, einem Serum oder einer Spritze , von denen in so vielen Filmen und Büchern die Rede ist! Da denke ich an die makabere Komödie ,,Der Tod steht ihr gut“ mit Isabella Rosselini  oder an einen ,,Jungbrunnen“, wie er auf dem berühmten Bild von Lucas Cranach zu sehen ist!

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