Anti-Aging Special: Herzinfarkt und Schlaganfall – sind wir selbst schuld? Was wir vorbeugend tun können und welche neuen Behandlungswege es gibt! Update häufiger Patientenfragen

In diesem Anti-Aging  Special geht es um die Frage, ob Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems, die sich in Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfall äußern können, aber auch deren Risikofaktoren wie Demenz, Depressionen, Hypertonus, Diabetes oder Hyperlipid­ämie, unvermeidbare Schicksalsschläge sind, oder ob wir deren Auftreten tatsächlich selbst beeinflussen können?  Was müssen wir tun, um unser Risiko zu minimieren? Macht das überhaupt Sinn, wenn man jahrelang ,,ungesund“ gelebt hat? Welche neuen Behandlungsoptionen gibt es? Dieser Artikel gibt Antworten!

Prävention ist möglich!

 

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Tatsächlich hat die Wissenschaft herausgefunden, dass gerade oben beschriebene Erkrankungen in hohem Maße von drei äußeren, beeinflussbaren Faktoren abhängen! Dabei ist eine sogenannte ,,Risikominimierung“ in jedem Alter und in fast jeder Phase der Erkrankung (noch) sinnvoll!

,,Über 80 % aller kardiovaskulären Ereignisse lassen sich durch Lebensstiländerungen verhindern!“, so Professor Dr. Roger S. Blumenthal, Johns Hopkins Medicine, Baltimore, in einer Pressemitteilung des ACC . Sogar unter antihypertensiver oder lipidsenkender Medikation solle man, laut aktuellem Stand der Wissenschaft, entsprechende Maßnahmen fördern.

,,Prävention“, also Vorbeugung, heißt  das neue Zauberwort! Denn wenn wir erst gar nicht krank werden, müssen wir auch nicht geheilt werden! Und damit ist nicht nur dem einzelnen Menschen selbst und dessen Familien gedient, sondern auch den Krankenkassen, ja der ganzen Gesellschaft! Denn wenn die Menschen gesund und glücklich sind, verursachen sie weniger Kosten und arbeiten länger und besser!
Angelehnt an den neuen ,,ACC/AHA-Leitlinie (American College of Cardiology /American Heart Association) zur Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen“ habe ich deshalb im Folgenden zuerst einmal die drei Faktoren hervorgehoben, die es zur Vermeidung bzw. Reduktion zu optimieren gilt (Arnett DK et al. Circulation 2019; online first 
2. Pressemitteilung des ACC vom 22.05.2019)

Die drei Faktoren, die dafür sorgen, dass das Herz-Kreislauf-System fit gehalten und ,,richtig gewartet“ wird!

1. Gesundheitsbewußtsein (innere Einstellung)-> Verhalten

Die Medizin weiß mittlerweile ganz gut, welche Abläufe im Körper dafür verantwortlich sind, dass der Körper vorschnell altert.

Wir wissen, dass die  Ernährung eine übergeordnete Rolle bei der Entwicklung der oben genannten Erkrankungen spielt! Schließlich kann ein Auto auch nur richtig fahren, wenn man Benzin mit der optimalen Zusammensetzung tankt, ansonsten geht es kaputt! Auch beim  Kuchen backen ist die richtige Zusammensetzung der Zutaten elementar! Gibt man z.B. einfach mehr Mehl dazu, wenn man mehr Kuchen backen möchte, wird er zwar größer, schmeckt er ziemlich bescheiden! Auch bei der Ernährung kommt es auf ,,die richtigen Zutaten“ an. Folgende Punkte haben sich dabei als  elementar herauskristallisiert!

 * ,,LOW CARB“ die Reduktion der einfachen Kohlenhydrate und die Aufnahmen genügender Ballaststoffe

– möglichst wenig raffinierte Kohlenhydrate, wie Zucker und Süßes, auch nicht gesüßte Getränke (außer nicht zu süßes Obst), dafür Gemüse,

– möglichst wenig Weißmehlprodukte, dafür mehr Vollkorn und andere ballaststoffreiche Nahrungsmittel, wie Gemüse (v.a. Hülsenfrüchte) und Obst sowie Nüsse!

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Dies ist sogar wichtiger als die einfache Kalorienreduktion, weil der Insulinspiegel möglichst wenig Schwankungen unterworfen sein sollte! Ein weiterer Punkt ist das sogenannte

* ,,Intervallfasten“ ,

was sich positiv auf den Körper auswirken kann, weil es den Zellen eine Pause gönnt und die Insulinspeicher sich wieder füllen können! Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze. Im wesentlichen beruht es darauf, dem Körper lange Schonfristen ohne Mahlzeit zu gönnen, z.B. kein Essen zwischen 17 Uhr und 7 Uhr früh …

* ,,Balance food“,

d.h. ausgewogene Ernährung an sich, wobei hier auch  die ,,richigen“ Öle und Fetteausschlaggebend sind. Verwendet werden sollten ungesättigte statt gesättigter Fettsäuren, keine Transfette (als nicht gehärtet), cholesterin- und salzarmes Essen, oben beschriebene, außerdem

* ,,Enough Protein“

Laut der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) beträgt der Eiweißbedarf jeden Tag mindestens 0,8 Gramm Eiweiß (=Protein) pro Kilogramm Körpergewicht Das sind bei 70 Kilogramm etwa 56 Gramm und bei  60 Kilogramm etwa 48 Gramm Eiweiß am Tag. Nur, wer nierenkrank ist, sollte vorsichtig sein! Dieser Wert wird meistens deutlich unterschritten! Viel Eiweiß ist in Nüssen, Rindfleisch, Fisch, Erdnüssen, Seitan, Soja,.. Hingegen enthält 1 Portion Joghurt hat nur etwa 4,8 Gramm!
* Wichtige ist,  dass auch Familie und Freunde von der Änderung des Lebenswandels erfahren, ggf. mit eingebunden werden, dann können sie sich darauf einstellen, vielleicht sogar mitmachen!

 

Was bedeutet das im Klartext?

Wir müssen uns klar machen, dass wir zu großen Teilen selbst für unsere Gesundheit verantwortlich sind und dafür endlich die Verantwortung tragen! Eigentlich wissen wir doch mittlerweile genau, was wichtig ist, sonst findet Ihr auf ,,gesundheitsmagazin-online.com“.

2.  Reduktion psychosozialer Stressoren

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Es gibt Dinge in unserem Leben, oft Ballast aus früheren Zeiten, die uns nicht (mehr) guttun, uns dauernd Streß oder/und mehr Arbeit verursachen, als sie ,,verdienen“, wie eine zu große Wohnung, die man nur ständig heizen und putzen muss, oder den Volkshochschulkurs in Ikebana, zu dem man längst nicht mehr hingeht …
Aber auch Freunde, die eigentlich keine sind oder der ganze überflüssige Tand in unseren sprichwörtlichen und echten Schubladen fallen in diese Kategorie! Also: Zeit-/Platz- und Energiefresser aus dem leben eliminieren, stattdessen klarmachen, welche Bedürfnisse man wirklich hat und sich dies Wünsche nach Möglichkeit erfüllen!

3. Verbesserung räumlicher, mobiler und finanzieller Strukturen

Bei diesem Punkt, der tatsächlich die Entwicklung  von Krankheiten  reduzieren soll,        musste ich auch erste einmal ein wenig nachdenken, bis er mir klar wurde!
Aber er stimmt, denn oft ist das Problem simpel darin begründet, dass es aufgrund ungünstiger logistischer  Gegebenheiten vieles nicht klappt! Möglichkeiten, problemlos Arztbesuche zu bewerkstelligen, hängen oft davon ab, wo man wohnt, genauso, wie der Zugang etwa zu frischen Lebensmittel ist und wer mehr Geld hat, kann sich alles wesentlich leichter beschaffen.
Nun liegt sicher nicht alles in seiner eigenen Macht. Aber vielleicht ließe sich doch einiges optimieren, wenn man sich ein wenig  damit beschäftigt!
Ein wichtiger Faktor dabei ist: Hilfe von anderen Menschen/Organisationen in Anspruch nehmen, wenn man mit dem Lösen seiner Probleme schlichtweg überfordert ist! Dennoch tragen wir selbst die Verantwortung für unser Leben und unser Lebensmanagement! Und natürlich auch die, uns adäquate Hilfe zu suchen 😉 !

Der RISIKOFAKTOREN-CHECK (RC)

Bei dem individuellen RC sollte ein guter Arzt das Gleichgewicht zwischen dem Aufwandeiner präventiven Maßnahme, den individuellen Kapazitäten, diese umzusetzen, und dem Risiko für das Auftreten z.B. kardiovaskuläre Ereignisse, abschätzen.

Heute weiß man, dass neben ,,falscher“ Ernährung auch Entzündungen im Körper, v.a. auch chronischer Art, das Risiko, insbesondere an Herz-Kreislauferkrankungen zu versterben, erhöhen!
Der RC ist bereits ab dem 20. Lebensjahr sinnvoll, bei allen 40- bis 75-Jährigen wird von Leitlinienautoren zusätzlich ein spezifisches (ärztliches)Online-Tool empfohlen. Liegt dabei das kardiale 10-Jahres-Risiko im grenzwertig niedrigen oder mittleren Bereich (5 % bis < 20 %), ist es sinnvoll, weitere Angaben in die Entscheidung miteinzubeziehen.

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Auch Entzündungen sind ein Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen!

Der RC umfasst, je nach Umfang

1. Anamnese (Krankengeschichte)

z.B. Fragen nach
– Erkrankungen, z.B. Bluthochdruck, Schlaganfall / Thrombose  / Embolie, schwere sonstige Erkrankungen, körperliche Probleme oder Unfälle
– Rauchstatus,
– körperlicher Aktivität,
– Gewicht,
– Ernährung,
– Hinweise auf Entzündungen oder entzündungsbedingte Erkrankungen , z.B. Schuppenflechte (Psoriasis) .

– familiäre Belastung, um das Risiko vererbbarer Erkrankungen zu evaluieren, z.B. Bluthochdruck, Schlaganfall/Thrombose/Embolie/Bluthochdruck/schwere Erkrankungen, Tumorerkrankungen, …

2. Körperliche Untersuchung mit Zusatzuntersuchungen nach individueller Risikoabschätzung,

Weiterführende Untersuchungen wäre neben dem Basis-Check bei Verdacht auf kardiologischen (das Herz betreffenden) Erkrankungen wie EKG, Belastungs- und Langszeit-EKG sowie Utraschall vom Herzen mit Gefäß (Doppler-) Untersuchungen   auch Kernspin- oder Herzkatheter-Untersuchungen, …z.B. ein Kalzium-Scoring der Koronarien via CT  ,wenn eine Statintherapie erwogen wird.

3.  Laboruntersuchungen

geben Informationen über die Gesundheit durch ein Blutbild,  Untersuchung der Elektrolyte  und /oder der Gerinnung. Auch eine Urin-Untersuchung ist in manchen Fällen sinnvoll.

Ggf. können je nach Alter und Einschränkungen auch Hormone untersucht werden, z.B. beim Mann ab 45 auch PSA-Wert (Hinweis auf Prostata-CA).

Zur Abschätzung insbesondere des kardiovaskulären Risikos ( = Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen) explizit Nierenfunktionsparameter, Entzündungsparameter und Herzparameter (BNP . proBNP, …), und Diabetesmarker (HBA1c) mit einbezogen werden, auch wenn dies ggf. auf eigene Kosten erfolgen muss. Weitere Zusatzuntersuchungen je nach Anamnese / Befunden (auch je nach Ergebnis des  Online-Tools) .

Patienten-Fragen mit Einzelheiten

ASS

FRAGE: Kann ich nicht einfach jeden Tag Acetylsalicylsäure (ASS) einnehmen, das vielen Herzkranken verschrieben wird? Ich habe gelesen, dass es das Blut dünner macht und Entzündungen entgegenwirkt!
ANTWORT: Jüngste Studien wie ARRIVE oder ASCEND sehen keinen klaren Vorteil einer kardiovaskulären Primärprävention mit ASS, weshalb es bei Gesunden nicht routinemäßig verordnet werden sollte, denn die Gefahr einer Blutung ist erhöht! Ein Einsatz kommt nur für 40- bis 70-Jährige mit erhöhtem Atheroskleroserisiko infrage, sofern kein Blutungsrisiko besteht (Risiko-Klasse IIb). Gibt es Anzeichen für eine Hämorrhagiegefahr, überwiegt in allen Altersklassen der Schaden einer dauerhaften ASS-Einnahme.

Sport

FRAGE: Wieviel Sport ist empfehlenswert?

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ANTWORT: Wichtig ist regelmäßiger Sport! Dies sollte individuell festgelegt werden! Ggf. lohnt sich das Hinzuziehen eines Fitness-Coaches, weil er ein individuelles Programm zusammenstellen kann! Wenig Sport ist besser als gar keiner!

Z.B. Programm für eine 30 jährigeFrau, gesunde, mittlere Sportlichkeit: mindestens 150 Minuten pro Woche mit moderater Intensität (flottes Gehen, Schwimmen, Tanzen, Radfahren) oder intensiveres Training über 75 Minuten pro Woche.

Abnehmen, BMI

FRAGE: Wie nehme ich am besten viel ab? Wieviel sollte man eigentlich abnehmen?ANTWORT: Gewichtsänderungen sollten jährlich dokumentiert und beurteilt werden. Als „Screening“ empfiehlt sich die jährliche Messung des BMI und ggf. des Taillenumfangs. Zur Festlegung des optimalen Gewichtes sollte neben dem BMI aber auch die individuelle Gewichtsentwicklung, der  Fett- und Muskelanteil, der Körperbau und der Gesundheitszustand hinzugezogen werden! Wichtiger als mit einer Diät,,viel“ abzunehmen, ist, sich langfristig eine gesunde Ernährung anzueignen und regelmäßige körperliche Bewegung. Zu Anfang einer Diät kann man allerdings sinnvoller Weise (unter fachlicher Beobachtung) mit einer relativ strikten Low-Carb-Diät die meist vorhandene  verminderte ,,Insulin-Resistenz“ (siehe auf http://www.gesundheitsmagazin-online.com) wieder normalisieren!

Maßnahmen zur Beeinflussung des Blutdrucks 

FRAGE: Wie sind die Auswirkungen nicht-pharmakologischer Maßnahmen auf den Blutdruck
 bei Hypertonikern (H) und bei Normotensiven
 (N)?

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ANWORT: Hypertoniker profitieren immer von nicht-pharmakologischen Maßnahmen (s. Tabelle). Den Zielblutdruck unter antihypertensiver Medikation soll gemäß Leitlinie der aktuellen US-Empfehlungen bei < 130/80 mmHg liegen!

  • Gewichtsreduktion bei Hypertonikern -5 mmHg , bei Normotensiven -2 bis -3 mmHg
  • gesunde Ernährung gemäß DASH* -11 mmHg, -3 mmHg
  • Salzrestriktion (mind. 1 g/d weniger) -5 bis -6 mmHg , -2 bis -3 mmHg
  • kaliumhaltige Ernährung (3,5–5 g/d) -4 bis -5 mmHg, -2 mmHg
  • Sport -4 bis -8 mmHg, -2 bis -4 mmHg
  • Alkoholrestriktion -4 mmHg,  -3 mmHg
* (Dietary Approaches to Stop Hypertension)
  • Statingabe ohne einen begleitenden Diabetes: Statingabe sollte vom 10-Jahres-Risiko und vom LDL-Spiegel abhängen. Z.B. startet die primärpräventive Behandlung ab einem LDL ≥ 190 mg/dl bzw. nach individueller Abwägung bei intermediärem Risiko (≥ 7,5 % bis < 20 %).

 

Mit dem Rauchen aufhören (NIKOTINVERZICHT)

FRAGE: Was kann ich tun, wenn ich schon lange rauche und den Ausstieg nicht schaffe?

ANTWORT: In so einem Fall tut es gut, wenn man sich professionelle Hilfe holt! Wenn die Hauruck-Methode nicht klappt, sollte man langfristig eine Verhaltensänderung anstreben, in dem man peu a peu  seien Gewohnheiten ändert! 
Regelmäßig sollte auch der Zigaretten-Konsum dokumentiert werden (inkl. E-Zigaretten),  mit dem Arzt einfachste Methoden (Nikotinpflaster, -Kaugummi, ,,Ersatznuckeln“, Übergang mit E-Zigaretten wird kontrovers diskutiert,…) besprechen, bei Rückschlägen einfach mit dem Aufhörprogramm weitermachen und sich dadurch nicht entmutigen lassen!  Auch kleine Erfolge sind besser als keine Erfolge!

DIABETES Typ II und Herzkrankheit

FRAGE: Was gibt es Neues, wenn ich trotz einer ,,guten“ Ernährung  und ,,Lifesstyle-Modififikation“ meinen Zucker nicht in den Griff bekomme und immer wieder zu hohe Werte auftreten?Bildschirmfoto 2019-07-31 um 14.52.52

ANTWORT: Mittlerweile gibt es orale Antidia­betika (GLT2-Inhibitor oder GLP1-Agonisten ), die auch für eine bessere Herzfunktion sorgen. Allerdings wird durch sie Glucose ausgeschieden, was Pilzerkrankungen verursachen kann. Deshalb sollten sie (neben Metformin),  nur verabreicht werden, wenn dies nicht ausreicht. Zudem sollen auch sogenannte Statine  im Alter von 40–75 Jahre gegeben werden.

Die Grundlagen über Herz-Kreislauferkrankungen, Insulinresistenz und Diabetes findet Ihr in der Suchfunktion von http://www.gesundheitsmedizin-online.com.

Ich hoffe, ich konnte Euch wieder ein paar neue Erkenntnisse für Eure Gesundheit vermitteln! In diesem Sinne wünsche ich Euch ein gesundes, glückliches Leben! Es liegt, wie Ihr nun wisst, doch zum großen Teil auch in Eurer Hand, was Ihr daraus macht! Also, nutzt Eure Chancen!

 

 

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Einfache Erste-Hilfe Maßnahmen – Worauf es wirklich ankommt! Herzinfarkt – auf dem Fußballplatz …

Notfälle passieren nicht selten vor unseren Augen! Doch was tun? Heute geht es um die Geschichte des Fußballers Karl, der auf dem Spielfeld einen Herzinfarkt erlitt! Anhand seiner Geschichte seht Ihr den möglichen Ablauf eines Herzinfaktes, die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen und Möglichkeiten der Akut-Behandlung … Lasst Euch überraschen!Bildschirmfoto 2018-10-14 um 20.14.13.pngDie Geschichte, die Maßnahmen und Abläufe sind nach meiner langjährigen Erfahrung als Notärztin beschrieben worden. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass ich keine Verantwortung für die Anwendung übernehme und ich bei jeder Erkrankung das Hinzuziehen eines Arztes empfehle. Zudem empfehle ich jedem, einen erste Hilfe Kurs zu absolvieren, in dem die richtigen Handgriffe erlernt werden können, auch wenn es besser ist, überhaupt zu agieren anstatt nur tatenlos zuzusehen, aus der Angst heraus, etwas falsch zu machen!

Notsituation! Infarkte sind meist

plötzliche, potentiell lebensbedrohliche Ereignisse …Herz, Herzschlag, Medizin, Frequenz

,, Wir gingen spazieren, auf einmal hatte er heftigste Schmerzen in der Brust…“,  ,, … ich glaubte, ersticken zu müssen…“, ,, … wurde er plötzlich und unerwartet aus unserer Mitte gerissen …“, ,,die Oma hat einfach morgens tot im Bett gelegen …“

Es ist erschreckend, was Erkrankungen, bei denen ein Pfropf irgendwo in unserem Gefäßsystem plötzlich die weitere Blut – und damit Sauerstoffzufuhr abschnürt, für Folgen haben können. Trifft es das Versorgungssystem des Herzens, der Lunge oder des Gehirnes, kann ein solcher Gefäßverschluss leicht tödlich enden. Deshalb steht dieses Thema auch an zweiter Stelle meiner Anti Aging Serie, ist es doch für ein langes und gesundes Leben eines der wichtigsten Dinge, diese Gefäßerkrankungen zu verstehen und soweit möglich zu vermeiden bzw. richtig zu behandeln!

Thrombose und Embolie …

Dabei ist ein sogenannter Thrombus ein Blutgerinnsel im Gefäß, welches sich ggf. umbaut und das Gefäß verengt oder gar verschließt.

Auch bei einer sogenannten Embolie kommt es zu einem Gefäßverschluss, der dem nachfolgende Organ die Sauerstoffzufuhr abschnürt. Allerdings wird hier das Verstopfungsmaterial von anderswo eingeschwemmt und entsteht nicht an der Verstopfungsstelle. Oft handelt es sich um einen Thrombus, der sich an anderer Stelle gelöst hat oder aber um Luftbläschen, welches zum Beispiel bei einer medizinischen Maßnahme oder auch bei einer Geburt in das Gefäßsystem eingebracht wurden.

Das Problem, dass sich im Lauf unseres Lebens ergibt, ist, dass  sich alles in und an unserem Körper mehr oder weniger abnutzt. Bei manchen Strukturen ist das nicht weiter tragisch – schließlich können wir uns zum gewissen Grad regenerieren. Schlimm ist es jedoch bei den Gefäßen, den  ,,Straßen“ in unserem Körper, auf denen Sauerstoff, Nähr-, Signal-, Abwehr- und Botenstoffe transportiert werden. Verstopfen die ,,Hauptverkehrsstraßen“, die unseren Herzmuskel versorgen, kann es unter Umständen kritisch, ja, lebensbedrohlich werden.

Fallbeispiel

Karl ist ein leidenschaftlicher Fußballspieler. 27 Jahre ist er jung und steht kurz vor dem Aufstieg in die Nationalelf. Mama Grete ist mächtig stolz auf ihn, obwohl sie eigentlich gar nichts von Fußball versteht. Aber der Trainer hat ihr erzählt , wie talentiert ihr Sohn ist. Welche Mutter hört das nicht gerne! Heute jedoch  hat sie ein komisches Gefühl und möchte ihn irgendwie gar nicht aus dem Haus lassen.  ,,Mama, stell dich nicht so an, es ist doch nur ein Freundschaftsspiel!“, lacht Karl noch beim Weggehen… ,,Hätte er mal besser auf mich gehört“ – so wird Grete später schmerzlich an diesen Moment zurückdenken.

Die gegnerische Mannschaft ist eher schwach aufgestellt. Karl trippelt los. Kaum Widerstand von der gegnerischen Mannschaft. Da entdeckt er sein Kumpel Ole der rechts vor dem Tor steht! Nicht einer der gegnerischen Mannschaft steht im Weg … Klar. dass Karl die Situation blitzschnell erfasst und  den Moment nutzt, ihm den Ball zuzuspielen – er visiert Ole an, schießt … und dann passiert es!  In dem Moment, in dem er den Ball trifft, schießt es wie ein Stromschlag durch seinen Körper. Er fällt sofort zu Boden. Der Schmerz ist unmenschlich, so stark, dass ihm buchstäblich die Luft zum Schreien wegbleibt. ,,Das wars dann!“ schießt ihm noch durch den Kopf, dann wird er ohnmächtig…

 

Ein akuter Herzinfakt!

Der Arzt, der zufällig direkt am Spielrand steht, hat seinen Blick in diesem Moment bei Ole, als er den Ball souverän ins Tor schießt. Die  Ole sieht sich nach Karl um, der ihm den Ball so grandios zugespielt hat. Da entdeckt er ihn – am Boden liegend! Ole schreit laut, doch die Jubelschreie sind ohrenbetäubend…Verzweifelt rennt er zu ihm – und findet ihn – schreit ihn an, doch Ole reagiert nicht …

Ole erinnert sich an seinen  Rettungskurs beim Führerschein! Oh Gott! Was soll er tun! Er ruft noch einmal laut nach dem Doc, aber dann verschwimmt alle um ih herum und wie in Trance gibt es nur noch ihn … und Karl

Er beugt sich über Karl und überlegt, wie er das gelernt hat …Wie war das noch einmal, wenn man eine leblose Person vorfindet? Wie ein Film läuft alles, was er in dem Führerschein-Kurs vor kurzem gelernt hat, vor seinem inneren Auge ab … Nie hätte er gedacht, dass es tatsächlich einmal nur von ihm abhängt, ob ein Mensch überlebt…

ERSTE HILFE-MAßNAHMEN

1. Person aus möglicher Gefahrenzone  bringen, sich aber nicht selbst in Gefahr begeben. Dabei so schonend wie möglich bewegen, aber dennoch zügig arbeiten

2. Ansprechbarkeit überprüfen, dabei evtl. sanft schütteln, wenn Verletzungen in dem Bereich unwahrscheinlich.

3. Überprüfung der Atmung. Dabei Bewegungen Brustkorb beobachten, über Gesicht beugen und hören, ob man Atemgeräusche wahrnehmen kann oder den Luftzug an der eigenen Wange spüren kann …

3b. Wenn Person bewußtlos ist und er atmet,   erfolgt die Lagerung in stabiler Seitenlage. Dabei wird der Kopf  leicht überstreckt und der Mund bildet den                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                             tiefsten Punkt des Körpers, damit Erbrochenes nicht die Atemwege verlegt. Außerdem sollte auf den Brustkorb kein Druck lasten, der die Atmung beeinträchtigt.

Die Atemwege freimachen. Der Kopf wird dazu ganz vorsichtig etwas nach  hinten gestreckt und der Kiefer leicht nach oben  geschoben, wenn er nach unten abgeknickt ist, damit die Luft möglichst gut zirkulieren kann.

4. auch, wenn man diesen Schritt laut neueren Richtlinien übergehen sollte, auf alle Fälle dafür aber kaum Zeit aufwenden sollte, so kann man doch kurz schauen, ob man einen Puls findet, etwa, indem man auf einer Seite des Halses unterhalb des Kieferwinkels zwei Finger positioniert …

5. Wenn möglich, Hilfe rufen lasse, detaillierte Angaben machen, wo, wer wie,… dabei dann unverzüglich mit der

6. Beatmung und Herzdruckmassage beginnen, dazu Oberkörper  freimachen, eine Hand auf etwa die Mittes des Brustbeins legen , die andere Hand kreuzförmig darüber. Nun wird etwa 100x in der Minute gedrückt und zwar mit dem ganzen Gewicht und bis die Arme ganz durchgedrückt sind (etwa 5 cm tief). nach jedem Druck muß sich der Brustkorb wieder ganz ausdehnen.

7. Nach etwa 30 Drücken kann man 2x  beatmen. Man muss dies aber nicht unbedingt, wenn man sich das nicht zutraut. Dazu zieht man das Kinn mit einer Hand nach oben hält mit dem Daumen den Mund offen. Mit der anderen Hand hält man mit Daumen und Zeigefinger die Nase zu und beatmet dann mit dem Mund 2x. Während man die Luft einbläst, sollte sich der Brustkorb heben.Krankenschwester, Krankenpflege, Schmerz

Wie  Die Rettung für Karl gerade noch rechtzeitig kommt!

Schon während Ole die Punkte vor seinem geistigen Auge durchgegangen hat, hat er mit der Herzdruckmassage begonnen. Auch, wenn er sich nicht ganz sicher war… Er hatte genau 23 x gedrückt, als der Arzt und die Sanitäter bei ihm waren.

Nun schaut er gebannt zu, wie die Fachleute agieren.  Immer noch nicht kann er fassen, was ihm da gerade passiert ist… Gott sei Dank war der Arzt gleich da … Aber was wäre gewesen, wenn niemand gekommen wäre?

Die Antwort darauf hatte man in seinem Kurs nämlich nicht gegeben… Aber wie lange muß man eigentlich dieses Vorgehen weiter durchführen, wenn eben keine Hilfe naht und sich nichts am Zustand des Patienten ändert …?

Die Frage muss schon deshalb unbeantwortet bleiben, weil es dafür eben keine festen Regeln gibt … Aber : Länger als maximal etwa eine Stunde hält man dieses Vorgehen in der Regel nicht durch und mit jeder Minute schwinden die Chancen, dass der/diejenige wieder zum Leben erweckt werden kann, was natürlich auch von der Ursache des Zustandes abhängt… Nur eine Ausnahme gibt es: Wenn jemand in sehr kalter Umgebung war, steigt die Chance bei Erwärmung, dass er wiederbelebt werden kann. Deshalb lernt jeder Medizinstudent: ,,No one is dead, until he´s warm and dead …“

Wenn der Puls einsetzt, aber die Atmung ausbleibt, muss natürlich auch weiter beatmet werden … Meist setzt aber mit dem Puls auch die Atmung wieder ein. Dies kann unter Umständen anders sein, wenn zum Beispiel Medikamente oder Drogen mit beteiligt sind.

Kommen wir zurück zur Reanimation und lasst mich noch einmal kurz wiederholen, worauf es ankommt …

NOTFALL LEBLOSE PERSON (Kurzfassung)

  1. Ansprechbarkeit überprüfen
  2. Überprüfung Atmung/Atemwege freimachen
  3. heute nicht mehr im offiziellen Algorithmus: Puls da? Auf keinen Fall dadurch viel Zeit verlieren und wenn Puls tastbar, sicher sein, dass es nicht der eigenen ist!
  4. Info Rettungsdienst, ggf. durch Zweitperson
  5. Dann unverzüglich Beginn Herzdruck-Massage 30 x Drücken, dann 2x Mund- zu Mund Beatmung, jedoch ist die Druckmassage am Anfang wichtiger, da der Sauerstoff im Blut noch wenige Minuten für die Versorgung ausreicht!

Die Zeit verrinnt unendlich langsam. Kostbare Zeit. Die restliche Mannschaft bekommt erst nach und nach den Ernst der Lage mit und einer nach dem anderen verstummt. Ole sieht, wie auf dem EKG, das die Sanitäter angeschlossen haben, feine Flimmerwellen zu sehen sind und wie der Notarzt dann den Defibrillator einsetzt… Nach dem ersten Versuch ändert sich nichts. Doch der Notarzt gibt nicht auf und nach dem zweiten Schock sieht man tatsächlich ein regelmäßiges Muster auf dem EKG, worauf die Fachleute erleichtert sind…

Gott sei Dank ist der Notarzt ist ein alter Fuchs. Denn  als er das EKG sieht, ist ihm die Sache klar… Karl hat ein sogenanntes ,,Erstickungs-T“ , das ein Hinweis auf eine  Minderdurchblutung des Herzens ist. Irgend etwas hat die Sauerstoff-Zufuhr der Gefäße, die das Herz mit Blut versorgen, unterbrochen…  Solange das Gefäß nicht wieder durchgängig ist, ist zumindest dieses Spiel noch nicht gewonnen!

Der Patient ist nicht zu stabilisieren!

Da der Spieler immer wieder instabil wird,  ist, muß das Gefäß dringend wieder eröffnet werden, sonst besteht die Gefahr. dass Karl den Transport ins Krankenhaus nicht übersteht. Deshalb überlegt  der Mediziner,  noch vor Ort eine sogenannte Lyse durchzuführen, auch wenn er weiß, dass das er damit bei  manchen seiner Kollegen auf Widerstand stößt. Dabei löst ein Medikament das Blutgerinnsel  wieder auf, dass wahrscheinlich in einem der drei  Herzkranzgefäße die Blutzufuhr zum Herz unterbricht. Dann  könnte das Blut wieder fließen  und das nachfolgende Organ, in diesem Falle das Herz, wieder mit Sauerstoff versorgen. Nur dann kann es seine Arbeit wieder ordentlich verrichten und seinerseits das sauerstoffreiche Blut der Lunge in den Körper pumpen.

Ist eine sogenannte Lyse, die das Herz wieder mit Sauerstoff versorgen kann, zu gefährlich?

Das Problem ist aber, dass das Blut so flüssig wird, dass die Gefahr einer Blutung deutlich erhöht ist, besonders dann, wenn der Blutdruck des Patienten relativ hoch ist,  er unter einem Magengeschwür leidet, ein Gefäßschäden bestehen  oder bestimmte Medikamente eingenommen werden, die die Blutverdünnung dienen …

Aber er weiß auch, dass Karl wahrscheinlich keine andere Chance hat. Zu viele Infarktpatienten hat der Medicus  schon unter seinen Händen sterben sehen. Er spürt genau, wann es kritisch um einen Menschen stehtRettungswagen, Asb, Notruf, Krankenwagen

Die Lyse bessert Karls Zustand tatsächlich. Die EKG-Veränderungen verschwinden noch im Krankenwagen. Ja, es war ein Infarkt.

Er hatte keine akute Herzschwäche durch etwa eine Herzmuskelentzündung oder eine angeborenen Erregungsleitungs-Störung, wie sie für  junge Menschen in so einer Situation eigentlich typischer wären…Aber auch  die Laborveränderungen später im Krankenhaus bestätigen die Diagnose …

Man denkt immer, junge Menschen träfe es nicht, aber auch sie können betroffen sein!

Karl hat großes Glück gehabt. Entscheidend war, das Ole gleich mit der Reanimation begonnen hat und ein erfahrener Notarzt sofort zur Stelle war!

Wieso soll ich mich schon als (relativ) junger Mensch mit diesem ,,Kram“ auseinandersetzen?

Nein, häufig ist es natürlich nicht, in jungen Jahren einen  Herzinfarkt zu bekommen. Aber durchaus möglich.  An der Universität  Laval in Zusammenarbeit mit dem kardiologischen Institut in Québec  wurde eine Studie mit 168 junge Männer und Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren, die keine Risikofaktoren für Herz-Erkrankungen hatten, durchgeführt.  Familiäre Krankengeschichte, Body-Mass-Index (BMI) , Bauchumfang,  Fettablagerungen rund um die Organe im Brust- und Bauchbereich und Zustand der Halsschlagader wurden überprüft. Die Ergebnisse verwunderten den Leiter, Dr. Eric Larose, dann doch:,, Vor allem junge Menschen, die aussehen wie das blühende Leben, zeigten ein bedenkliches Maß an Arteriosklerose!“

Natürlich dauert es in der Regel Jahre, bis die Gefäße ihre Schädigungen nicht mehr kompensieren können, deshalb möchte ich hier keine Horrorszenarien an die Wand malen. Fest steht aber, dass in jungen Jahren die Weichen für viele Erkrankungen, die sich dann im Alter manifestieren, gelegt werden!