Die 10 interessantesten Fragen zum Thema Trinkmenge, wie ,,Was passiert beim Dursten?“ oder ,,Gibt es eine Wasservergiftung?“

Version 8Im Folgenden drucke ich zu diesem Thema 10 Fragen aus einer  Fragerunde zum Thema ,,richtige Trinkmenge“ ab, zu der  ich vor kurzem als Expertin eingeladen worden war …

​… Heute können wir in dieser Runde 10 Fragen an unsere Expertin Dr. med. Agnes Wagner richten, die sich bereit erklärt hat, für uns Rede und Antwort zu stehen. Sie ist Fachärztin für Innere Medizin sowie Gynäkologie und Geburtshilfe mit langjähriger klinischer Erfahrung. Außerdem arbeitet sie im Vorstand der komplementär medizinschen Vereinigung, der NATUM, als Medizinjouralistin für renommierte Zeitschriften  und ist Bloggerin von ,,Salutary Style“. Und nun wünsche ich Ihnen interessante neue Erkenntnisse und viel Spaß mit Dr. Nessy, wie sie oft genannt wird! Die erste Frage bitte!

1. Frau Dr. Wagner, herzlichen Dank für ihr Kommen. Lange galt es als Jungbrunnen, viel zu trinken. Ich erinnere mich an Kolleginnen, die es sich zur Aufgabe machten, jeden Tag im Büro zwei Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Was hat sich für uns geändert und welche Getränke sind ratsam?

Heute weiß man, dass unser Körper, wenn wir erwachsen und gesund sind, in der Regel die richtigen Durst-Signale abgibt, wenn er Flüssigkeit benötigt. Trinken wir dann soviel wir möchten, erhalten wir in in etwa die richtige Trinkmenge. Dadurch wird der Körper dann  vor einem Anstieg der Plasma-Osmolarität geschützt, die zu negativen Auswirkungen führen würde.

Der tägliche Flüssigkeitsbedarf

Unser täglicher Flüssigkeitsbedarf beträgt dabei normalerweise etwa zwei bis zweieinhalb Liter, allerdings empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bei Menschen ohne Vorerkrankungen und mit nicht übermäßig körperlicher Belastung nur Flüssigkeitsmengen zwischen 400 ml (Säuglinge ab dem vierten Monat) und 1.710 ml (Stillende) durch Getränke aufzunehmen. Ein Erwachsener benötigt etwa 1500 ml Trinkmenge am Tag. Wer Zweifel bezüglich der richtigen Trinkmenge hat, sollte sich darüber mit seinem Hausarzt absprechen, denn er kennt die individuellen Besonderheiten am besten.

Ideale Durstlöscher

Als Durstlöscher ideal sind Wasser (sauberes Trinkwasser, Mineralwasser), ungesüßter Kräuter- oder Früchte-Tee, Saft-Schorle und – in geringeren Mengen – auch Kaffee und schwarzen Tee, die man übrigens trotz des wassertreibenden Koffeins zur Trinkmenge hinzuzählen kann, da der Effekt relativ gering ist. Übrigens wirkt Alkohol wassertreibend und ist nicht als Durstlöscher geeignet.

Auch Wasser kann schlecht werden!

Man muss wissen, dass Wasser durchaus schlecht werden kann, wenn es länger als  ein bis zwei Tage an der frischen Luft offen steht. Zu einem besonders schnellem Verderb kommt es bei Wärme und/oder dann, wenn man aus der Flasche trinkt. Bei letzterem gelangen Mundkeime in die Flasche, die  dort zusammen mit Mikrokrümel und was aus dem Mund sonst noch als Nährsubstrat für die Keime dienen kann, einen guten Brutplatz, besonders bei Zimmertemperatur, vorfinden.

Die Sache mit der Darmtätigkeit …

Auch bei einer großen Trinkmenge kann man übrigens unter Verstopfung leiden! Die Verdauung wird z.B. durch Ballaststoffe und spezielle kolloidale Lösungen angeregt. Allerdings kann ein Flüssigkeitsmangel zu Verstopfung führen!

 

2. Wieso wird eine Trinkmenge unterhalb des eigentlichen Bedarfes empfohlen?

Durch eine gute Ernährung mit viel Obst und Gemüse nehmen wir dadurch auch etwa einen Liter Flüssigkeit am Tag auf. Eine weitere Flüssigkeitszufuhr von etwa 335 ml erhalten wir durch das sogenannte Oxydationswasser, welches bei physiologischen Verbrennungsvorgängen im Körper entsteht.

3. Aber es gibt doch Menschen, die kaum etwas trinken, wie zum Beispiel meine Oma. Gibt es nicht Fälle, in denen wir doch regulierend in die Flüssigkeitszufuhr eingreifen sollten und was kann  passieren?

Es gibt Situationen, in denen die Durstwahrnehmung auch bei ,,ganz normalen“ Menschen eingeschränkt ist, etwa, wenn man sich sehr auf andere Dinge konzentriert oder müde ist. Auf der anderen Seite kann auch zu wenig Flüssigkeit Müdigkeit auslösen … So kann zum Beispiel ein Teufelskreis entstehen, der in solchen Fällen doch ein wenig Kontrolle über das Trinkverhalten erfordert.

Vorsicht ist allerdings generell bei Menschen geboten, die nicht mehr in der Lage sind, ihr Trinkverhalten zu steuern, wie z.B. bei einer dementiellen Erkrankung oder einer eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit des Durstgefühls. Bei ihnen gilt es, das  Trinkverhaltens genau beobachten um eventuell gegensteuern zu können.

Wer Zweifel bezüglich der richtigen Trinkmenge hat, sollte sich darüber mit seinem Hausarzt absprechen, denn er kennt die individuellen Besonderheiten am besten.

Fälle, bei denen wir uns nicht nur auf unser Durstgefühl verlassen sollten:

  • Bei speziellen Erkrankungen, z.B. der Nieren oder Teilen der Hormonachse, die für die Flüssigkeitsregulierung zuständig sind, aber auch der Psyche.
  • Nach Unfällen oder Operationen.
  • Bei Einnahme bestimmter Medikamente, z.B. Wassertabletten, aber auch Schmerzmittel, Schlafmittel oder Psychopharmaka.
  • Mit zunehmendem Alter bleibt bei manchen Leuten das Durstgefühl aus. Deshalb sollten wir, wenn wir älter sind oder sich andere ältere Leute in unserer Obhut befinden, diese oder uns mehrmals am Tag zur Flüssigkeitsaufnahme anhalten. Das gilt vor allem im Sommer an heißen Tagen.
  • Bei starker Hitze, wenn wir zur Kühlung des Körpers vermehrt Flüssigkeit verdunsten, also schwitzen. Pro Stunde können wir dann bis zu einem Liter Flüssigkeit mehr verdunsten. Meist zeigt uns der Körper dies aber mit einem vermehrtem Durstgefühl an.
  • Bei starker Überhitzung. Dann kann der Körper einem lebensbedrohlichen Hitzschlag erleiden und die betroffene Person schläfrig werden. Somit wird auch das Durstgefühl unterdrückt. Dieser Zustand ist insbesondere bei Säuglingen rasch erreicht, die z.B. warm eingepackt in einem Auto zurückgelassen werden!
  • Bei dem Konsum von Alkohol. Hierbei kommt es zu einem wassertreibenden Effekt, der das Durstgefühl erhöht. Die Gefahr einer Überwässerung steigt.

Auswirkungen einer zu geringe Trinkmenge auf den Organismus

Ist der Körper  mit Flüssigkeit unterversorgt, wird die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit herabgesetzt und bereits ab 3% des Flüssigkeitsverlustes kommt zu Symptomen wie Kopfschmerzen und Mundtrockenheit. Im weiteren wird das Herz belastet, weil es immer schneller pumpen muss, um den Flüssigkeitsmangel auszugleichen. Ab 14 % Wasserverlust macht der Kreislauf schlapp und bei einem noch höheren Mangel tritt ein für den Körper lebensbedrohliche Zustand ein…

Besteht ein chronischer Flüssigkeitsunterversorgung, kann es zu einer verminderten Hirnleistung oder zur Bildung von Nierensteinen kommen und das ,,dickere Blut“ kann die Bildung von Ablagerungen in den Gefäßen begünstigen. Dadurch ist die Gefahr erhöht, dass sich ein so

Um diesen Gefahren vorzubeugen, sollte man einmal überprüfen, wieviel man trinkt. In der Regel wird ein gut funktionierendes Durstgefühl dafür sorgen, dass wir rechtzeitig Trinken wollen.

Manchmal vergessen wir allerdings leicht, dass ein Zuviel an Flüssigkeit langfristig genauso schädlich ist, wie zu wenig Flüssigkeit!

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4. Wie funktioniert die Flüssigkeitsregulation im Körper genau?

Im Körper gibt es Mess-Stellen (Rezeptoren) zum Beispiel in der Niere und im Magen, die messen können, wieviel Flüssigkeit im Körper vorhanden ist und wieviel aufgenommen wird. Sie geben die Mess-Ergebnisse an die Schaltstelle im Gehirn (Hypophyse) weiter.

Wenn dort ein  Flüssigkeitsmangel registriert wird, schüttet die Hypophyse  das sogenannte antidiuretische Hormon ADH in die Blutbahn aus. Dieses sorgt dafür, dass Flüssigkeit im Körper zurückgehalten wird.

ADH hat folgende Wirkungen:

Es sorgt in der Niere unter Einbeziehung weiterer Hormone dafür, dass Wasser und Elektolyte wie Natriumionen im Körper zurückgehalten, bzw. aus dem Urin wieder aufgenommen werden (Rückresorption).
Die arteriellen Blutgefäße ziehen sich zusammen, wodurch es zu einer Blutdruckerhöhung kommt, damit mehr Flüssigkeit pro Zeiteinheit durch den Körper fließt.
Es steuert das Trinkverhalten im Gehirn (Hypothalamus).

5. Immer wieder liest man ja auch, dass junge gesunde Menschen, die zu viel getrunken haben, wie Sportler oder Teilnehmer an Trinkwettbewerben, zu Tode kommen. Was passiert im Körper bei so einer ,,Wasservergiftung“?

Solche Fälle gibt es in der Tat. So gesehen kann man tatsächlich an Mineral-Wasser ,,ertrinken“. So starb zum Beispiel Jennifer S. (28) aus Kalifornien wenige Stunden, nachdem sie an einem Trinkwettbewerb teilgenommen hatte. Auch Todesfälle von Sportlern sind bekannt, die es mit dem Wassertrinken übertrieben haben.

Wasservergiftung durch Verschiebung der Elektrolyte

Eine sogenannte ,,Wasservergiftung“ (hypotone Hyperhydratation) kommt dadurch zustande, dass die normale Verteilung der Elektrolyte im Blut gestört wird. Insbesondere Natrium spielt bei der Aufrechterhaltung des sogenannten ,,osmotischen Gleichgewichtes“ eine zentrale Rolle. Dabei herrscht normalerweise eine dynamische, ausgeglichene Elektrolyt-Verteilung innerhalb und außerhalb der Zelle.

Wenn man zwar Wasser aufnimmt, aber zu wenig oder kein Salz (Kochsalz = Natriumchlorid), ist die Niere nicht in der Lage, ausreichend Wasser auszuscheiden, bzw. scheidet mit dem Wasser zuviel Natrium aus, sodaß das Gleichgewicht an geladenen Teilchen gestört wird.

Durch den sogenannten osmotischen Druck werden nun die Flüssigkeiten, die weniger geladenen Teilchen enthalten, also zum Beispiel salzarmes Wasser, durch die Zellmembranen ins innere der Zellen geschleust, wo noch eine höhere Salzkonzentration vorliegt, um diese auszugleichen. Es kommt zu Verschiebungen der Elektrolyte, insbesondere zu einer Unterversorgung an dem positiv geladenem Natrium.

Diesen Zustand nennt man ,,hypotone Hyperhydratation“, also eine Überwässerung mit zu wenig geladenen Teilchen in der Flüssigkeit.

Erst, wenn es die Niere mit ihren Regulationsmechanismen geschafft hat, durch vermehrte Wasser-Ausscheidung das Gleichgewicht wieder herzustellen, das Blutplasma also wieder ,,isoton“ geworden ist, ist dieser Zustand behoben.

Kann die Niere den Zustand nicht kompensieren, schwellen schließlich die Zellen an und können nicht mehr richtig funktionieren. Es bilden sich sogenannte Ödeme, die bei flach gelagertem Oberkörper (z.B. im Schlaf) auch die Lungen betreffen, die dann den Gasaustausch  mit Sauerstoff nicht mehr optimal durchführen können. Das führt dazu, dass die Organe, insbesondere das Gehirn, mit Sauerstoff unterversorgt werden.

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6. An welchen Symptomen kann ich eine solche Überwässerung erkennen, und was sind die Folgen?

SYMPTOME

  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Krankheitsgefühl …

FOLGEN

  • Hirnödem (Anschwellen des Gehirnes bei einer starken hypotonen Hyperhydratation). Da es sich durch den Schädel nicht weiter ausbreiten kann, kommt es zu einem
  • erhöhtem Hirndruck.
  • Lungenödem
  • Krampfanfälle
  • Koma und letzt endlich zum
  • Tod …

7. Was kann ich tun, wenn ich den Verdacht habe, dass jemand zuviel Wasser aufgenommen hat?

Im Zweifelsfall sollte man natürlich immer ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, insbesondere, wenn es der betroffenen Person oder einem selbst schlecht geht! Dann wird der Arzt versuchen, den Flüssigkeitshaushalt durch geeignete Maßnahmen wieder in Ordnung zu bringen, wozu er den Patienten und seine Blutwerte überwachen muss. So kann er zum einen die Symptome behandeln, wie die Sauerstoffzufuhr unterstützen, zum anderen aber auch für eine vorsichtige Wasserausschwemmung sorgen und geeignete Medikamente geben, wenn zum Beispiel die Lunge überwässert ist, aber auch, um  ein mögliches Hirnödem behandeln.

Hat man nur den vagen Eindruck, etwas viel Wasser getrunken zu haben, aber es geht einem relativ gut dabei, sollte man natürlich sofort mit dem Wasserkonsum, aber auch mit sportlicher Betätigung aufhören. Solche Elektolyt – Verschiebungen können nämlich auch für den Körper und insbesondere auch für das Herz  sehr anstrengend sein, welches man sich deshalb in so einer Situation nicht übermäßig belasten sollte. Ratschläge wie die, ein Salzbrot oder salzige Chips zu essen, werden kontrovers diskutiert. Im Zweifelsfall oder bei Unwohlsein sollte sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, insbesondere, wenn Begleiterkrankungen vorliegen oder man einen unregelmäßigen Herzschlag oder Verwirrtheitssymptome an sich bemerkt!

8. Ich habe von speziellen ,,isotonen“ Getränken gehört. Soll ich, wenn ich Sport betreibe, diese dann zur Vorbeugung anstatt Wasser zu mir nehmen?

In der Tat gibt es Getränke, bei denen der Salzgehalt dem im menschlichen Körper entspricht. Dies ist übrigens auch bei den meisten Infusionen so. Paradebeispiel ist die ,,physiologischen Kochsalzlösung“, die neun Gramm Salz pro Liter Wasser enthält.

Allerdings kann unser Körper bei normalem Freizeitsport in der Regel das Flüssigkeitsdefizit mit Wasser noch ausgleichen. Bei starkem Wasserverlust ,beispielsweise durch Schwitzen bei Hitze oder schweißtreibendem Sport, kann es jedoch sinnvoll sein, isotonische Getränke zu trinken, um ausreichend Wasser und Salze aufzunehmen. Dies klärt man am besten mit seinem Arzt ab.

Auch das übliche Mineralwasser enthält übrigens Salze, deshalb kann z.B. Apfelschorle bei leichtem Sport den Flüssigkeitsbedarf gut decken, ohne dass es zu Problemen kommt.

9. Wieso hat man lange Zeit empfohlen, in jedem Fall möglichst viel Wasser zu trinken?

Dahinter steckt die einfache Tatsache, dass viele Untersuchungen zur Wasseraufnahme von der Getränkeindustrie, vor allem in den USA, in Auftrag gegeben wurden, die natürlich ein starkes Interesse an reichlichem Flüssigkeitskonsum haben. Dabei sind manche Empfehlungen, zum Beispiel zu Trinken, bevor man überhaupt Durst verspürt und die Aufnahme der Empfehlung von durchschnittlich zwei bis drei Liter Trinkmenge  am Tag, nicht nach zu vollziehen, während andere Empfehlungen durchaus Sinn machen.

So stehe ich einigen diese Trink-Kampagnen, z.B. auch an Schulen, durchaus auch positiv gegenüber. Immerhin war es lange Zeit so, dass die Kinder während der Schulzeit tatsächlich ihren Durst nicht stillen durften. So halte ich zum Beispiel die ,,Trinken im Unterricht“ Kampagne, obwohl sie auch von der Getränkeindustrie initiiert wurde, durchaus für sinnvoll, was auch Untersuchungen zeigen.

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10. Das waren wirklich viele Infos auf einmal… Könnten Sie noch einmal kurz zusammenfassen, was wir beim Trinken beachten müssen?

Dann trinken, wenn wir Durst haben, dabei kann die Menge auch einmal etwas von den Normwerten abweichen.
Über den Tag verteilt trinken und nicht zu große Flüssigkeitsmengen auf einmal aufnehmen, die dann ,,ungenutzt“ ausgeschieden werden.
Als ,,Durstgetränk“ eignet sich am beste Wasser (sauberes Trinkwasser, Mineralwasser), ungesüsster Tee, Saft-Schorle und – in geringeren Mengen – auch Kaffee und schwarzer Tee.
Normalerweise beträgt der Flüssigkeitsbedarf bei einem Erwachsenen mit nicht zu starker sportlicher Betätigung etwa 1,5 Liter am Tag.
Bei Säuglingen, kranken und älteren Menschen sowie Leistungssportler gelten andere Richtwerte.
Bei starker sportlicher Tätigkeit (z.B. bei Leistungssport) eventuell auf isotone Durstlöscher umschwenken.
Hohe Flüssigkeitsaufnahmen, gesteigertes Durstgefühl und Unsicherheiten sollten mit einem Arzt besprochen werden, denn sie bedürfen individuelle Empfehlungen und vielleicht auch weiterführende Untersuchungen.

Frau Dr. Wagner, wir danken für dieses Gespräch!

Leserfrage: ,,Ist der Körper mit einer normalen Ernährung optimal versorgt oder muss ich zusätzlich etwas beachten?“

In der Rubrik ,,Leserfragen“ beantworte ich häufig gestellte Fragen, die von allgemeinen Interesse sind und gebe Tipps, die aus meinem persönlichen medizinischen Erfahrungsschatz, aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und aus allgemeinen Empfehlungen hergeleitet sind.

cropped-fullsizeoutput_3ca31.jpegDa ich öffentlich antworte, kann ich persönliche  Angaben nicht mit einbeziehen und iübernehme auch keine Garantien für die Inhalte oder Therapien. Außerdem empfehle ich ausdrücklich, sich bei gesundheitlichen Problemen an einen Arzt Eures Vertrauens zu wenden! Nun aber genug der rechtlichen Abhandlungen … kommen wir zum Wesentlichen …

Viel Spaß und gute Erkenntnisse beim Lesen und  natürlich gute Besserung, falls Ihr gerade krank seid!

Die heutige Frage:

Ich denke, ich ernähren mich ,,normal“: Ich esse morgens Müsli und Joghurt, in der Frühstückspause meist ein Stück Obst und mittags Gemüse, wenig Fleisch, Nudeln oder Kartoffeln, Soße, grüner Salat. Etwa 2x in der Woche gehe ich 20 Minuten joggen  und freitags esse ich meist Fisch. Ich rauche nicht und trinke ab und zu ein Glas Wein oder Bier. Betrunken bin ich nie! Ich gehe einmal im Jahr zum Doc und lasse mich ,,checken“ mit Blutwerten und EKG.

Dennoch bin ich jetzt, da ich die 40 überschritten habe, manchmal müde und merke, dass meine Leistungsfähigkeit nachlässt.

Reicht mein bisheriges ,,Konzept“ aus, oder soll ich noch etwas zusätzlich machen?

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Innere Ausgeglichenheit ist eine der Säulen eines schönen und gesunden Lebens

Antwort Dr. Nessy

Grundsätzlich hast Du sicherlich eine ordentliche Basis für ein gesundes, langes Leben!

Denn du hast einen guten Weg für Dich gefunden, um den Unbillen, die nun einmal in jeder Phase unseres Lebens auf uns einprasseln, entgegen zu treten. Wobei ich das leise Gefühl nicht los werde, dass ja vielleicht  bei Dir noch ein wenig Luft nach oben ist…

Ein Problem bei der nachlassenden Leistungsfähigkeit …

ist sicherlich, dass wir es ohne Nahrungsergänzungsmittel eben meist doch nicht schaffen, unseren Körper mit allem zu versorgen, was er braucht, wie ich auch in den Bluttests der Patienten oft genug gesehen habe! Deshalb muß man herausfinden, ob Unterversorgungen an bestimmten Stoffen vorhanden sind. Dazu kann man natürlich Labortests durchführen, wobei man beachten muss, dass diese Tests oft nur Momentaufnahmen sind! Dennoch ist mein Vorschlag der, einen Arzt Deines Vertrauens aufzusuchen und diese Fragestellungen mit ihm abzuklären. Denn oft kann er Mängel auch an bestimmten klinischen Zeichen oder aus der Kenntnis der Ernährungsweise herausfinden.

Ich habe Dir nun, gemäß dem Ansatz: ,,Häufiges ist häufig und Seltenes ist selten“ im Folgenden die häufigsten Mängel aufgelistet!

Folgende Stoffe kommen häufig als Nahrungsergänzung zum Einsatz:

Als ,,Notnagel“ kann man , wenn man sich müde und schlapp fühlt und denkt, man können eventuell einen Nährstoffmangel haben

  •  die Mikroalge Spirulina

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einnehmen, mit der ich sehr gerne arbeite, weil sie über etwa 3000 verschiedenen Nährstoffe verfügt. Meist kommen diese in relativ niedrigen, ungefährlichen Dosierungen vor. Allerdings ist sie reich an  B-Vitaminen, an denen besonders Vegetarier häufig einen Mangel aufweisen, wenn sie kein Fleisch und wenig Milch oder Eier zu sich nehmen. Dies kann  zu  Konzentrationsschwäche, neurologische Störungen, Herzmuskelschwäche und allgemeiner Muskelschwund führen. Außerdem enthält Spirulina kein Jod. Dies ist wichtig, weil dauerhaft zu viel davon die Schilddrüse hemmen oder bei einer Autonomie zu einer bedrohlichen sogenannten thyreotoxischen Krise führen kann.

Der Vorteil von der Süßwasser-Blaualge ist, dass die Stoffe ergänzend zusammenwirken. Denn für die Aufnahme und Wirkungsweise ist das Zusammenspiel vieler Stoffe notwendig und die Natur hat es bei dieser Zusammensetzung meist optimal eingerichtet,  während Einzelvitamine oft nicht den gewünschten Effekt haben.

Notwendig ist bei relativ vielen Leuten auch die Einnahme des bereits genannten

  • Jod

. Vorher sollte man allerdings unbedingt beim Doc eine Autonomie/Knoten der Schilddrüse ausschließen lassen.

Die liegt daran, dass unsere Nahrung bis auf Fisch oder anderes Meerwassergetier kaum Jod enthält. Als Folge wird die Schilddrüse zuerst größer, schließlich bildet sich eine Unterfunktion aus, die z.B. auch den Antrieb und die Müdigkeit fördert! Die Schilddrüse entzündet sich auch öfter (,,Hashimoto-Thyreoditis „) und bildet Antikörper gegen sich selbst.

Des weiteren hat man auch festgestellt, dass in Deutschland, beispielsweise im Gegensatz zur USA  tatsächlich häufig ein

  • Selen

-Mangel vorliegt. Dies liegt zum einen daran, dass  hierzulande die Böden tatsächlich häufiger selen-arm sind, zum anderen daran, dass die Menschen auch weniger Fleisch essen. Ein Mangel kann sich übrigens in Muskelschwäche, Müdigkeit, leichtes Frieren, Haarausfall und Nagelveränderungen (z.B. weiße Flecken) zeigen.

  •  Zink

ist ein weiter Mineralstoff, an dem häufig ein Mangel besteht, wenn man wenig von Zinkreichen Lebensmitteln wie  Hartkäse, Vollkorn, Nüssen, Austern und  Leber zu sich nimmt. Er ist wichtig für das Immunsystem, aber auch für Haut, Haare und Nägel.

  •  Vitamin D

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ist ein weiterer Anwärter, zu dessen Mangel wir neigen. Wir haben in unserer Praxis bei etwa 30 % der Patienten, die wir getestet haben, einen substitutionswürdigen Vitamin D Mangel festgestellt. Das ,,Sonnenvitamin“, das zu 80% mit Hilfe der Sonne vom Körper selbst hergestellt wird, wird vom Körper unter anderem für die Immunfunktion, für die Knochenherstellung und  für das Zusammenwirken der Nervenzellen benötigt und hat eine Kontrollfunktion bei der Entwicklung von Gewebe. Während bis vor kurzem die einmal wöchentliche Gabe empfohlen wurde, ist man nun dazu übergegangen, eine tägliche Gabe zu favourisiern, damit sehr hohe Spiegel vermieden werden können.

  • Eisen

-Mangel  haben Frauen häufiger als Männer. Zum Einen durch die Periodenblutung oder eine Schwangerschaft, aber auch durch den Östrogenhaushalt an sich. Des weiteren kann bei beiden Geschlechtern  eine konsumierende Erkrankung (Tumor) dahinterstecken, okkulte (versteckte) Blutungen, zum Beispiel im Magen-Darmtrakt bei Divertikelblutungen oder bei einem Magengeschwür.

Natürlich gibt es

  • eine Reihe weiterer Stoffe,

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deren Versorgung mangelhaft sein kann und die dann und wann substituiert werden sollten! Hierzu gehören je nach Lebensabschnitt

Vitamin K, Fluor, (Substitution beim Säugling teilweise empfohlen), Vitamin C,  Calcium, Proteine (Mangel relativ häufig in der zweiten Lebenshälfte) ….

Eine Sonderstellung nimmt die Substitution von

  • Hormonen

ein über deren Notwendigkeit gerade beim Mann, allerdings deutliche Zweifel bestehen! Wenn man sich hierüber Gedanken macht, sollte man sich an einen Endokrinologen wenden, der genau untersuchen kann, ob Veränderungen des Hormonhaushaltes, die nicht altersentsprechend oder für Beschwerden verantwortlich sind, vorliegen!

Natürlich gibt es darüber hinaus noch

  •  weitere ,,Super“-Supplementierungen,

die den Organismus unterstützen sollen, die aber klinisch (noch) nicht eindeutig empfohlen werden, wie zum Beispiel

  • Colostrum-Kapseln (die ,,erste Milch“ nach der Geburt ist besonders reich an Stamm- und Immunzellen),
  • Collagen zum Trinken,(lagert sich im Bindegewebe an und soll es erhalten und so z.B. gegen Falten wirken)
  • das nährstoffreiche Gelee-Royale (der Futtersaft für die Bienekönigin enthält eine exzellente Nährstoffzusammensetzung für eine  hohe Leistungsfähigkeit),
  • Chia-Samen (enthält ideale Fettsäuren),
  • Traubenkern-Extrakt (ideale Fettsäuren und vielleicht Stoffe, die konservieren),
  • Ginseng-Wurzeln (v.a. in der Traditionell chinesischen Medizin als Kräftigungsmittel bekannt, soll u.a. die Denkfähigkeit erhalten),
  • MSM-Komplex (lagert sich im Gelenkknorpel an),
  • Astaxanthin (der rote Kraftstoff lässt die Lachse für das Laichen Fluss aufwärts schwimmen)
  • uvm.

Diese können in bestimmte Situationen vielleicht sinnvoll sein, ein Mangel daran besteht umgekehrt nicht, wenn man darauf verzichtet!

Allerdings wird diesen Stoffen, gerade von den vertreibenden Firmen, ein großer Nutzen für die Gesundheit zugeschrieben. In der Tat gibt es auch z.T. Studien, die darauf hinweisen! Ich werde sporadisch immer wieder auf solche ,, Super-Foods“ eingehen, aber schulmedizinisch wird ihr Einsatz aktuell nicht für nötig befunden.

Kommen wir zu der Frage, wieviel

Bewegungs-, Kraft- und Ausdauertraining

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Der Flexi-Bar

sinnvoll sind. Denn eine umfassende Ernährung und evtl. Supplementierung reicht nicht aus. Der Körper muss zudem fit gehalten werden! Hier gibt es viele unterschiedlichen Studien, wobei zweimal 20 Minuten Jogging in der Woche schon ganz gut ist.

Natürlich kann man auch seinen Alltag aktiv gestalten, so sind  flottes Spazieren gehen, häufiges Treppensteigen, Hobbys wie   Tanzen, Seilspringen, Reiten und Ballspielen, oder was einem sonst Spaß macht und mit Bewegung verbunden ist, toll geeignet, den Kreislauf auf Trab zu bringen und die Belastungsfähigkeit zu erhalten, wenn man das Ganze vernünftig angeht und regelmäßig trainiert.

Allerdings wird in der modernen Medizin aktuell empfohlen, gezielt nicht nur die

Ausdauer (Alltag, Audauersportart),

zu trainieren, sondern auch die

Beweglichkeit (Dehnung, gezielte Gymnastik),

was am besten durch gezielte Gymnastik und Dehnungsübungen geht und die

Muskelkraft (Krafttraining, Tens)

zu stärken, insbesondere auch der Rücken- und Bauchmuskulatur.

 

Möglichkeiten des Trainings:

Hier habe ich Dir einmal ein paar Möglichkeiten des gezielten Trainings aufgeschrieben.

  • Kieser-Training,

, welches ein nach medizinischen Gesichtspunkten ausgewählte Gerätetraining vor allem auch der Rückenmuskulatur beinhaltet und in speziellen Kieser-Zentren angeboten wird und auch bei Rückenbewchwerden sinnvoll ist!

  • Thai-Chi,

das durch statische Dehnungsübungen nicht nur für die Dehnungsfähigkeit der Muskeln, sondern auch für das äußere und innere Gleichgewicht sehr gut geeignet ist. Auch hilfreich, um die  sogenannte auctochtone (tiefe, innere Halte-) Muskulatur zu stärken, die aktiv nur schwer trainierbar ist, sind 5 MInuten tägliches Training mit dem sogenannten

  • Flexi-Bar.

Das ist ein Stab, den man selbst in Schwingung versetzt. Dadurch muss die tiefe Rückenmuskulatur und Baumuskulatur Haltearbeit verrichten und aktiv ist es kaum ,,Arbeit“ ! Allerdings empfehle ich, vorher und nachher ein paar Lockerungs. und Dehnungsübungen durchzuführen. Dies kann z.B. durch ausschütteln, hin- und herschwingen und strecken des Körpers geschehen…

Außerdem würde ich Dir ein

  •  leichtes Muskel -Aufbautraining

an speziellen Geräten, beispielsweise  in einem Fitness-Club, empfehlen, denn die Muckis fangen schon ab dem 25. Lebensjahr langsam an, sich mit Fett zu durchsetzen und weniger zu werden, wenn sie nicht gefordert werden. Wenn Du keinen Bock auf Geräte hast, gibt es übrigens  auch den ,,Weg für ,,solche, die gerne ihre eigene Energie sparen “ oder ,,Bewegungseingeschränkte“, die sogenannte

  • TENS (trankutane nervale Muskel-Stimulation)

Dabei handelt es sich um eine Form der Elektrotherapie bzw. Reizstromtherapie, die  für die Behandlung von  Muskelerkrankungen, aber auch Schmerzen  und Wunden eingesetzt wird, mit der man gezielt Muskeln durch Elektro-Stimulation trainieren und aufbauen  kann.

Natürlich gibt es noch eine ganze reihe weiterer Möglichkeiten, wie Schwimmen und Wassergymnastik, bei denen Kraft und Ausdauer, z.T. auch Dehnungsfähigkeit  trainiert wird,  oder auch Herzsportgruppen, die man besuchen kann, wenn zusätzlich eine Herzerkrankung vorliegt.

Ebenso können spezielle Gymnastik- oder auch Tanz-Kurse,  vielleicht das Richtige für Dich sein.

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Schau´ Dich einfach einmal um, was in Deiner Stadt angeboten wird und sprich´ vorher mit dem Arzt ab, was er von der Idee hält. Vielleicht möchte er aber auch noch, bevor Du startest, ein Belastungs-EKG vornehmen, um einen Überblick über Deine Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Denn je nach Interessen, Alter und körperlichen Möglichkeiten können unterschiedliche Ansätze für den Erhalt Deiner körperlichen Fitness die richtigen sein!

Du siehst, das Vorhaben, möglichst lange jung und vital zu bleiben, ist eine Lebenseinstellung,  der man auch immer einen Platz im Alltag zubilligen muß, damit man auch mit 80 noch fröhlich in den Spiegel schauen kann und einem dabei immer noch das gewisse, unternehmungslustige, jugendliche Blitzen in den Augen zurückblickt!

In diesem Sinne wünsche ich Dir noch ein wunderschönes, interessantes und natürlich gesundes Leben,

Deine Dr. Nessy

Medizinische Woche Baden-Baden, Teil 1: Vorträge und Preisverleihung Wissenschaftspreis der NATUM

Hallo Ihr Lieben!

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Als Moderatorin sollte man 1-2 gute Fragen stellen oder eine ,,spontane“ auflockernde Bemerkung auf den Lippen haben. Also lausche ich konzentriert den Vorträgen …

Am Wochenende habe ich mich, wie alle Jahre wieder, aufgemacht, um den größten und spannendsten komplementär-medizinschen und naturheilkundlichen Kongress in Europa, die ,,Medizinische Woche“ in Baden-Baden zu besuchen. Klar, dass ich Euch meine neuen Erkenntnisse nicht vorenthalten möchte! Insgesamt wurde etwa 200 Vorträge gehalten. Exemplarisch berichte ich Euch heute über eine interessante Vortragsreihe, an der ich mitgewirkt habe. Nächste Woche veröffentliche ich dann den zweiten Teil mit einigen neuen ,,Highlights“ der Ausstellung!

Aber nun spanne ich Euch nicht weiter auf die Folter! Viel Spaß und auch Euch viele neue Erkenntnisse …

Auf der ,,Medizinischen Woche Baden-Baden“ eröffnete Dr. Bernhard Ost vor gut gefüllten Reihen den NATUM-Tag Baden-Baden 2018 mit einer hochkarätigen Vortragsreihe und der Verleihung des Forschungspreises Komplementärmedizin 2018 an Professor Dr. Andreas Michalsen und seinem Team für die Arbeit über ,,Effekte von Kurzfasten auf die Lebensqualität und Verträglichkeit einer Chemotherapie bei Patientinnen mit Brust- und Ovarialkarzinom“. „Medizinische Woche Baden-Baden, Teil 1: Vorträge und Preisverleihung Wissenschaftspreis der NATUM“ weiterlesen

HERZINFARKT – THROMBOSE – EMBOLIE – Wie entstehen sie und wie kann ich mich schützen? Besondere Risiken Frauen/Männer

 

Nachdem letzte Woche die Geschichte des Fußballers Karl, der einen Herzinfarkt erlitt, gezeigt hat, dass man auch in jungen Jahren an Gefäßerkrankungen erkranken kann, gehen wir heute der Sache auf den Grund! Ich erkläre Euch, was einem Infarkt voraus geht, welche die Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen sind, wie sie genau entstehen und  welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt.

Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf die Geschlechtsunterschiede gelegt.

„HERZINFARKT – THROMBOSE – EMBOLIE – Wie entstehen sie und wie kann ich mich schützen? Besondere Risiken Frauen/Männer“ weiterlesen

Wie Fußballspieler Karl nur knapp einen Herz-Infarkt überlebte, wichtigste Erste-Hilfe Maßnahmen

Heute geht es um die Geschichte des Fußballers Karl, der auf dem Spielfeld einen Herzinfarkt erlitt! Anhand seiner Geschichte seht Ihr den möglichen Ablauf eines Herzinfaktes, die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen und Möglichkeiten der Akut-Behandlung … Lasst Euch überraschen!Bildschirmfoto 2018-10-14 um 20.14.13.pngDie Geschichte, die Maßnahmen und Abläufe sind nach meiner langjährigen Erfahrung als Notärztin beschrieben worden. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass ich keine Verantwortung für die Anwendung übernehme und ich bei jeder Erkrankung das Hinzuziehen eines Arztes empfehle. Zudem empfehle ich jedem, einen erste Hilfe Kurs zu absolvieren, in dem die richtigen Handgriffe erlernt werden können, auch wenn es besser ist, überhaupt zu agieren anstatt nur tatenlos zuzusehen, aus der Angst heraus, etwas falsch zu machen!

Notsituation! Infarkte sind meist

plötzliche, potentiell lebensbedrohliche Ereignisse …Herz, Herzschlag, Medizin, Frequenz

,, Wir gingen spazieren, auf einmal hatte er heftigste Schmerzen in der Brust…“,  ,, … ich glaubte, ersticken zu müssen…“, ,, … wurde er plötzlich und unerwartet aus unserer Mitte gerissen …“, ,,die Oma hat einfach morgens tot im Bett gelegen …“

Es ist erschreckend, was Erkrankungen, bei denen ein Pfropf irgendwo in unserem Gefäßsystem plötzlich die weitere Blut – und damit Sauerstoffzufuhr abschnürt, für Folgen haben können. Trifft es das Versorgungssystem des Herzens, der Lunge oder des Gehirnes, kann ein solcher Gefäßverschluss leicht tödlich enden. Deshalb steht dieses Thema auch an zweiter Stelle meiner Anti Aging Serie, ist es doch für ein langes und gesundes Leben eines der wichtigsten Dinge, diese Gefäßerkrankungen zu verstehen und soweit möglich zu vermeiden bzw. richtig zu behandeln!

Thrombose und Embolie …

Dabei ist ein sogenannter Thrombus ein Blutgerinnsel im Gefäß, welches sich ggf. umbaut und das Gefäß verengt oder gar verschließt.

Auch bei einer sogenannten Embolie kommt es zu einem Gefäßverschluss, der dem nachfolgende Organ die Sauerstoffzufuhr abschnürt. Allerdings wird hier das Verstopfungsmaterial von anderswo eingeschwemmt und entsteht nicht an der Verstopfungsstelle. Oft handelt es sich um einen Thrombus, der sich an anderer Stelle gelöst hat oder aber um Luftbläschen, welches zum Beispiel bei einer medizinischen Maßnahme oder auch bei einer Geburt in das Gefäßsystem eingebracht wurden.

Das Problem, dass sich im Lauf unseres Lebens ergibt, ist, dass  sich alles in und an unserem Körper mehr oder weniger abnutzt. Bei manchen Strukturen ist das nicht weiter tragisch – schließlich können wir uns zum gewissen Grad regenerieren. Schlimm ist es jedoch bei den Gefäßen, den  ,,Straßen“ in unserem Körper, auf denen Sauerstoff, Nähr-, Signal-, Abwehr- und Botenstoffe transportiert werden. Verstopfen die ,,Hauptverkehrsstraßen“, die unseren Herzmuskel versorgen, kann es unter Umständen kritisch, ja, lebensbedrohlich werden.

Fallbeispiel

Karl ist ein leidenschaftlicher Fußballspieler. 27 Jahre ist er jung und steht kurz vor dem Aufstieg in die Nationalelf. Mama Grete ist mächtig stolz auf ihn, obwohl sie eigentlich gar nichts von Fußball versteht. Aber der Trainer hat ihr erzählt , wie talentiert ihr Sohn ist. Welche Mutter hört das nicht gerne! Heute jedoch  hat sie ein komisches Gefühl und möchte ihn irgendwie gar nicht aus dem Haus lassen.  ,,Mama, stell dich nicht so an, es ist doch nur ein Freundschaftsspiel!“, lacht Karl noch beim Weggehen… ,,Hätte er mal besser auf mich gehört“ – so wird Grete später schmerzlich an diesen Moment zurückdenken.

Die gegnerische Mannschaft ist eher schwach aufgestellt. Karl trippelt los. Kaum Widerstand von der gegnerischen Mannschaft. Da entdeckt er sein Kumpel Ole der rechts vor dem Tor steht! Nicht einer der gegnerischen Mannschaft steht im Weg … Klar. dass Karl die Situation blitzschnell erfasst und  den Moment nutzt, ihm den Ball zuzuspielen – er visiert Ole an, schießt … und dann passiert es!  In dem Moment, in dem er den Ball trifft, schießt es wie ein Stromschlag durch seinen Körper. Er fällt sofort zu Boden. Der Schmerz ist unmenschlich, so stark, dass ihm buchstäblich die Luft zum Schreien wegbleibt. ,,Das wars dann!“ schießt ihm noch durch den Kopf, dann wird er ohnmächtig…

 

Ein akuter Herzinfakt!
Der Arzt, der zufällig direkt am Spielrand steht, hat seinen Blick in diesem Moment bei Ole, als er den Ball souverän ins Tor schießt. Die  Ole sieht sich nach Karl um, der ihm den Ball so grandios zugespielt hat. Da entdeckt er ihn – am Boden liegend! Ole schreit laut, doch die Jubelschreie sind ohrenbetäubend…Verzweifelt rennt er zu ihm – und findet ihn – schreit ihn an, doch Ole reagiert nicht …

Ole erinnert sich an seinen  Rettungskurs beim Führerschein! Oh Gott! Was soll er tun! Er ruft noch einmal laut nach dem Doc, aber dann verschwimmt alle um ih herum und wie in Trance gibt es nur noch ihn … und Karl

Er beugt sich über Karl und überlegt, wie er das gelernt hat …Wie war das noch einmal, wenn man eine leblose Person vorfindet? Wie ein Film läuft alles, was er in dem Führerschein-Kurs vor kurzem gelernt hat, vor seinem inneren Auge ab … Nie hätte er gedacht, dass es tatsächlich einmal nur von ihm abhängt, ob ein Mensch überlebt…

ERSTE HILFE-MAßNAHMEN

1. Person aus möglicher Gefahrenzone  bringen, sich aber nicht selbst in Gefahr begeben. Dabei so schonend wie möglich bewegen, aber dennoch zügig arbeiten

2. Ansprechbarkeit überprüfen, dabei evtl. sanft schütteln, wenn Verletzungen in dem Bereich unwahrscheinlich.

3. Überprüfung der Atmung. Dabei Bewegungen Brustkorb beobachten, über Gesicht beugen und hören, ob man Atemgeräusche wahrnehmen kann oder den Luftzug an der eigenen Wange spüren kann …

3b. Wenn Person bewußtlos, aber Atmung vorhanden, Lagerung in stabiler Seitenlage. Dabei wird der Kopf  leicht überstreckt und der Mund ist tiefster Punkt des Körpers, damit Erbrochenes nicht die Atemwege verlegt. Außerdem sollte auf den Brustkorb kein Druck lasten, der die Atmung beeinträchtigt.

dabei Atemwege freimachen. Der Kopf wird dazu ganz vorsichtig etwas nach  hinten gestreckt und der Kiefer leicht nach oben  geschoben, wenn er nach unten abgeknickt ist, damit die Luft möglichst gut zirkulieren kann.

4. auch, wenn man diesen Schritt laut neueren Richtlinien übergehen sollte, auf alle Fälle dafür aber kaum Zeit aufwenden sollte, so kann man doch kurz schauen, ob man einen Puls findet, etwa, indem man auf einer Seite des Halses unterhalb des Kieferwinkels zwei Finger positioniert …

5. Wenn möglich, Hilfe rufen lasse, detaillierte Angaben machen, wo, wer wie,… dabei dann unverzüglich mit der

6. Beatmung und Herzdruckmassage beginnen, dazu Oberkörper  freimachen, eine Hand auf etwa die Mittes des Brustbeins legen , die andere Hand kreuzförmig darüber. Nun wird etwa 100x in der Minute gedrückt und zwar mit dem ganzen Gewicht und bis die Arme ganz durchgedrückt sind (etwa 5 cm tief). nach jedem Druck muß sich der Brustkorb wieder ganz ausdehnen.

7. Nach etwa 30 Drücken kann man 2x  beatmen. Man muss dies aber nicht unbedingt, wenn man sich das nicht zutraut. Dazu zieht man das Kinn mit einer Hand nach oben hält mit dem Daumen den Mund offen. Mit der anderen Hand hält man mit Daumen und Zeigefinger die Nase zu und beatmet dann mit dem Mund 2x. Während man die Luft einbläst, sollte sich der Brustkorb heben.Krankenschwester, Krankenpflege, Schmerz

Schon während Ole die Punkte vor seinem geistigen Auge durchgegangen hat, hat er mit der Herzdruckmassage begonnen. Auch, wenn er sich nicht ganz sicher war… Er hatte genau 23 x gedrückt, als der Arzt und die Sanitäter bei ihm waren.

Nun schaut er gebannt zu, wie die Fachleute agieren.  Immer noch nicht kann er fassen, was ihm da gerade passiert ist… Gott sei Dank war der Arzt gleich da … Aber was wäre gewesen, wenn niemand gekommen wäre?

Die Antwort darauf hatte man in seinem Kurs nämlich nicht gegeben… Aber wie lange muß man eigentlich dieses Vorgehen weiter durchführen, wenn eben keine Hilfe naht und sich nichts am Zustand des Patienten ändert …?

Die Frage muss schon deshalb unbeantwortet bleiben, weil es dafür eben keine festen Regeln gibt … Aber : Länger als maximal etwa eine Stunde hält man dieses Vorgehen in der Regel nicht durch und mit jeder Minute schwinden die Chancen, dass der/diejenige wieder zum Leben erweckt werden kann, was natürlich auch von der Ursache des Zustandes abhängt… Nur eine Ausnahme gibt es: Wenn jemand in sehr kalter Umgebung war, steigt die Chance bei Erwärmung, dass er wiederbelebt werden kann. Deshalb lernt jeder Medizinstudent: ,,No one is dead, until he´s warm and dead …“

Wenn der Puls einsetzt, aber die Atmung ausbleibt, muss natürlich auch weiter beatmet werden … Meist setzt aber mit dem Puls auch die Atmung wieder ein. Dies kann unter Umständen anders sein, wenn zum Beispiel Medikamente oder Drogen mit beteiligt sind.

Kommen wir zurück zur Reanimation und lasst mich noch einmal kurz wiederholen, worauf es ankommt …

NOTFALL LEBLOSE PERSON (Kurzfassung)

  1. Ansprechbarkeit überprüfen
  2. Überprüfung Atmung/Atemwege freimachen
  3. heute nicht mehr im offiziellen Algorithmus: Puls da? Auf keinen Fall dadurch viel Zeit verlieren und wenn Puls tastbar, sicher sein, dass es nicht der eigenen ist!
  4. Info Rettungsdienst, ggf. durch Zweitperson
  5. Dann unverzüglich Beginn Herzdruck-Massage 30 x Drücken, dann 2x Mund- zu Mund Beatmung, jedoch ist die Druckmassage am Anfang wichtiger, da der Sauerstoff im Blut noch wenige Minuten für die Versorgung ausreicht!

Die Zeit verrinnt unendlich langsam. Kostbare Zeit. Die restliche Mannschaft bekommt erst nach und nach den Ernst der Lage mit und einer nach dem anderen verstummt. Ole sieht, wie auf dem EKG, das die Sanitäter angeschlossen haben, feine Flimmerwellen zu sehen sind und wie der Notarzt dann den Defibrillator einsetzt… Nach dem ersten Versuch ändert sich nichts. Doch der Notarzt gibt nicht auf und nach dem zweiten Schock sieht man tatsächlich ein regelmäßiges Muster auf dem EKG, worauf die Fachleute erleichtert sind…

Gott sei Dank ist der Notarzt ist ein alter Fuchs. Denn  als er das EKG sieht, ist ihm die Sache klar… Karl hat ein sogenanntes ,,Erstickungs-T“ , das ein Hinweis auf eine  Minderdurchblutung des Herzens ist. Irgend etwas hat die Sauerstoff-Zufuhr der Gefäße, die das Herz mit Blut versorgen, unterbrochen…  Solange das Gefäß nicht wieder durchgängig ist, ist zumindest dieses Spiel noch nicht gewonnen!

Der Patient ist nicht zu stabilisieren!

Da der Spieler immer wieder instabil wird,  ist, muß das Gefäß dringend wieder eröffnet werden, sonst besteht die Gefahr. dass Karl den Transport ins Krankenhaus nicht übersteht. Deshalb überlegt  der Mediziner,  noch vor Ort eine sogenannte Lyse durchzuführen, auch wenn er weiß, dass das er damit bei  manchen seiner Kollegen auf Widerstand stößt. Dabei löst ein Medikament das Blutgerinnsel  wieder auf, dass wahrscheinlich in einem der drei  Herzkranzgefäße die Blutzufuhr zum Herz unterbricht. Dann  könnte das Blut wieder fließen  und das nachfolgende Organ, in diesem Falle das Herz, wieder mit Sauerstoff versorgen. Nur dann kann es seine Arbeit wieder ordentlich verrichten und seinerseits das sauerstoffreiche Blut der Lunge in den Körper pumpen.

Ist eine sogenannte Lyse, die das Herz wieder mit Sauerstoff versorgen kann, zu gefärhlich?

Das Problem ist aber, dass das Blut so flüssig wird, dass die Gefahr einer Blutung deutlich erhöht ist, besonders dann, wenn der Blutdruck des Patienten relativ hoch ist,  er unter einem Magengeschwür leidet, ein Gefäßschäden bestehen  oder bestimmte Medikamente eingenommen werden, die die Blutverdünnung dienen …

Aber er weiß auch, dass Karl wahrscheinlich keine andere Chance hat. Zu viele Infarktpatienten hat der Medicus  schon unter seinen Händen sterben sehen. Er spürt genau, wann es kritisch um einen Menschen stehtRettungswagen, Asb, Notruf, Krankenwagen

Die Lyse bessert Karls Zustand tatsächlich. Die EKG-Veränderungen verschwinden noch im Krankenwagen. Ja, es war ein Infarkt.

Er hatte keine akute Herzschwäche durch etwa eine Herzmuskelentzündung oder eine angeborenen Erregungsleitungs-Störung, wie sie für  junge Menschen in so einer Situation eigentlich typischer wären…Aber auch  die Laborveränderungen später im Krankenhaus bestätigen die Diagnose …

Man denkt immer, junge Menschen träfe es nicht, aber auch sie können betroffen sein!

Karl hat großes Glück gehabt. Entscheidend war, das Ole gleich mit der Reanimation begonnen hat und ein erfahrener Notarzt sofort zur Stelle war!

Wieso soll ich mich schon als (relativ) junger Mensch mit diesem ,,Kram“ auseinandersetzen?

Nein, häufig ist es natürlich nicht, in jungen Jahren einen  Herzinfarkt zu bekommen. Aber durchaus möglich.  An der Universität  Laval in Zusammenarbeit mit dem kardiologischen Institut in Québec  wurde eine Studie mit 168 junge Männer und Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren, die keine Risikofaktoren für Herz-Erkrankungen hatten, durchgeführt.  Familiäre Krankengeschichte, Body-Mass-Index (BMI) , Bauchumfang,  Fettablagerungen rund um die Organe im Brust- und Bauchbereich und Zustand der Halsschlagader wurden überprüft. Die Ergebnisse verwunderten den Leiter, Dr. Eric Larose, dann doch:,, Vor allem junge Menschen, die aussehen wie das blühende Leben, zeigten ein bedenkliches Maß an Arteriosklerose!“

Natürlich dauert es in der Regel Jahre, bis die Gefäße ihre Schädigungen nicht mehr kompensieren können, deshalb möchte ich hier keine Horrorszenarien an die Wand malen. Fest steht aber, dass in jungen Jahren die Weichen für viele Erkrankungen, die sich dann im Alter manifestieren, gelegt werden!

 

 

Forever Young / Anti Aging – Teil 1: Warum altern wir und was kann man dagegen tun?

Je älter man wird, umso intensiver denkt man darüber nach, ob es vielleicht irgendwo doch eine Möglichkeit des ,,ewigen Lebens“ gibt oder wenn das schon nicht ginge, dann wollen wir doch zumindest unser Alter irgendwie verlangsamen können, sei es mit einer Pille, einem Serum oder einer Spritze , von denen in so vielen Filmen und Büchern die Rede ist! Da denke ich an die makabere Komödie ,,Der Tod steht ihr gut“ mit Isabella Rosselini  oder an einen ,,Jungbrunnen“, wie er auf dem berühmten Bild von Lucas Cranach zu sehen ist!

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Das Mikrobiom – neue Erkenntnisse über eine unterschätzten Armee

1. Zusammenfassung:

So wichtig wie ein zusätzliches Organ ist das Mikrobiom, welches aus unvorstellbaren 100 Billionen Mikroorganismen besteht.

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Zum Mikrobiom gehören Bakterienstämme (v.a Firmicutes und Bacterioides), das Virom (überwiegend Prokaryonten) und das Mykom (überwiegend Sprosspilze), die nicht nur auf der Haut, in den Ohren, im Nasen-Rachenraum und im Mund, sondern auch im Gastrointestinal- und Urogenital-Trakt vorkommen (Authenrieth I., 2000). „Das Mikrobiom – neue Erkenntnisse über eine unterschätzten Armee“ weiterlesen