Das Verhütungspflaster – Ein altes Verhütungsmittel im Aufschwung … Vielleicht auch für Dich optimal?

Verhütung ist bei der ,,schönsten Nebensache der Welt“ leider für uns Frauen vom Teenager  bis etwa Mitte 50  ein Thema, mit dem nach sich ständig auseinandersetzen muß, vorausgesetzt, man möchte ,,auf ein bißchen“ oder auch auf ,,ein bißchen mehr“ Spaß nicht verzichten!

Dabei ist selten eine Methode das ganze Leben gleich gut geeignet, denn wir und unser Körper verändern sich schließlich ständig. Komischerweise sind gerade in letzter Zeit wieder vermehrt Frauen in der Praxis, die auch auf sogenannte ,,Außenseiter“ -Verhütungsmethoden zurückgreifen, weil sie doch, genau betrachtet, auch viele Vorteile aufweisen können. So sind sie für die ein oder andere Frau tatsächlich optimal! Ein der Verhütungsmethoden, der in letzter Zeit wieder vermehrt ,,angefragt“ wird, ist das Verhütungspflaster!

Zwar ist das Hormonpflaster bei der Behandlung von Wechseljahresbeschwerden durch seine transdermale (,,durch die Haut“) Applikation von manchen Frauen schon seit längerem eine geschätzte Alternative zu Kapseln, Tabletten, Sprays und Gels, allerdings hatte es bei der Verhütung bislang eher wenig Bedeutung. Und das, obwohl die Versagerrate  bei perfekter Anwendung nur  relativ niederige, mit der ,,Pille“ vergleichbare 0,3 bis 1 Prozent, bei typischer Anwendung 2,4 bis 9 Prozent beträgt!

Was sind ,,Wirkstoffpflaster“?

Deshalb vorab eine kurze Erklärung. Schon seit längerer Zeit werden transdermale Systeme in der Medizin angewandt, um den Verdauungskreislauf und den direkten Abbau durch die Leber zu entgehen. Diese Pflaster finden auch in anderen Bereichen, z.B. in der Schmerztherapie eine sinnvolle Anwendung. Die Pflaster sind dabei hautfarben oder durchsichtig, und werden wie ein normales Pflaster einfach auf die Haut geklebt. Durch die spezielle Einarbeitung von Wirkstoffen, in unserem Fall Östrogen und Gestagen, kann eine kontinuierliche, relativ gleichmäßige Abgabe der Medikamente erfolgen, die durch den Kontakt mit der Haut direkt in diese abgegeben werden. Nach einiger Zeit wird das Pflaster entfernt und ein neues aufgeklebt.

Wie wirken sie?

Im Prinzip ist die Wirkung der der Kombinationspille recht ähnlich. Auch das Pflaster wirkt als ,,Ovulationshemmer“, unterdrückt also den Eisprung und wie die Pille verhindert auch das Pflaster die Einnistung des Eis. Zudem kommt es auch zu einer Veränderung des Schleimes, sodaß die Spermien am Eindringen in den Muttermund gehindert werden!

Wann wendet man das Pflaster an?

Dabei ist auch das Einnahmeschema ähnlich dem anderer Verhütungssysteme wie der Pille oder dem Vaginalring. Drei Wochen wird Wirkstoff aufgenommen, wobei alle sieben Tage ein neues Pflaster an einer anderen Hautstelle aufgeklebt wird. Danach wird eine Woche pausiert und dann von vorne begonnen. In dieser Zeit tritt meist die Periode auf.  Auch kann man die Pflaster ,,durchnehmen“, wobei dann meist die Periode für die Dauer der Einnahme ausbleibt (,,Long-Zyklen“).

Der Beginn ist übrigens, wenn man kein anderes Verhütungsmittel eingenommen hatte wie bei der Pille am ersten Tag der Periode. Dann besteht sofort Verhütungsschutz. Klebt man das Pflaster erst am zweiten bis fünften Zyklustag auf, muss man in den folgenden sieben Tagen zusätzlich verhüten, zum Beispiel mit einem Kondom!

Wenn man sich aber sicher ist, nicht schwanger zu sein, kann man auch an jedem anderen Tag mit der Anwendung beginnen. Auch dann ist in den ersten sieben Tagen der Einnahme eine zusätzliche Verhütung notwendig.

Wenn man von einem anderen Verhütungssystem auf das Pflaster umsteigt oder nach einer Geburt,gelten besondere Regeln, die man am besten individuell mit seinem Arzt klärt, da viele Begleitumstände eine Rolle spielen!

Wie funktioniert die Anwendung genau?

fullsizeoutput_1cf7.jpegDas Pflaster kann auf gesunde, trockene, nicht eingecremte Haut an der Außenseite der Oberarme, am Po, am Bauch und am Oberkörper (außer an den Brüsten) aufgeklebt werden. Das Pflaster muss fest angedrückt werden. Besonders in der ersten Zeit ist es wichtig, täglich zu prüfen, ob es noch richtig sitzt. Es hält normalerweise auch im Schwimmbad, in der Sauna oder beim Sport sehr gut.

Was passiert, wenn es sich doch ablöst?

Sollte es sich dennoch teilweise oder ganz lösen, darf es nur dann wieder aufgeklebt werden, wenn es noch sicher haftet. Sonst muss ein neues Pflaster verwendet werden. Der Verhütungsschutz bleibt erhalten, wenn das Pflaster weniger als 24 Stunden abgelöst war. Saß das Pflaster mehr als einen Tag (24 Stunden oder länger) locker oder war vollständig abgelöst, schützt es nicht mehr sicher vor einer Schwangerschaft. In diesem Fall muss ein neues Pflaster aufgeklebt und sieben Tage lang zusätzlich verhütet werden.

Wenn man vergißt, das Pflaster wieder aufzukleben …

besteht der Verhütungsschutz weiter, wenn in der Zwischenzeit weniger als zwei Tage vergangen sind. Bei mehr als zwei Tagen Verspätung muss nach dem Wechsel sieben Tage lang zusätzlich verhütet werden, zum Beispiel mit einem Kondom.

Die Kosten 

sind mit denen einer nicht ganz billigen ,,Pille“ vergleichbar, eher etwas höher. Ein häufig verwendetes Verhütungspflaster kostet besispielsweise als Dreimonatspackung etwa 40 Euro.

Vorteile auf einen Blick

Das Verhütungs-Pflaster ist für Leute gut geeignet, die daran interessiert sind, dass sie ein relativ zuverlässiges Verhütungssystem benutzen, ohne ständig daran denken zu müssen und ohne ihrem Körper so stark wie z.B.  bei der  ,,Pille“ zu belasten und es gibt keine Hormonspitzen, denn der Verdauungstrakt und der Abbau durch die Leber  werden umgangen, es kommt zu einer beinahe kontinuierlichen Abgabe durch die Haut. deshalb können auch Durchfall/Erbrechen der verhütenden Wirkung nichts anhaben …  So ist sie mit anderen nicht-oralen Verhütungsmaßnahmen, wie 3 Monatsspritze, Spirale oder Nova-Ring in eine Reihe zu stellen. Besondere Gründe für die Anwendung des Pflasters können deshalb auch Essstörungen, insbesondere Bulimie, und chronische Darmentzündungen sein.

Nachteile

Auf der anderen Seite hat man irgendwo ein Pflaster kleben, das zwar eigentlich weder beim Duschen, noch beim Baden gehen stört, dennoch von manchen als ,,unangenehm“ empfunden wird. Manche Frauen stört das sichtbare Pflaster. oder es kommt zu leichten Hautreizungen. Vereinzelt hält das Pflaster nicht gut und löst sich immer wieder ab oder es sich außerdem unbemerkt ab, muss man im laufenden Zyklus je nach Dauer zusätzlich verhüten. Auch übergewichtige Menschen sollten unter anderem wegen der verminderten Spiegel auf dieses Verhütungs-System verzichten. Das gleiche gilt für bestimmte Risikogruppen (Raucher,  Menschen mit erhöhtem Thomboserisiko, mit familiärer Disposition zu Brustkrebs…). Wie bei anderen hormonellen Verhütungssystemen auch können bestimmte Arzneimittel – darunter Mittel gegen Epilepsie, gegen Viruserkrankungen  sowie Johanniskraut – die Wirksamkeit des Verhütungspflasters beeinträchtigen.

Sicherheit von Verhütungsmethoden ( Pille, Kupferspirale, Kupferkette, Hormonspirale, alternative Verhütung) aufgrund ärztlicher Erfahrungen

Patientenfrage zur Sicherheit von verschiedenen Verhütungsmethoden :

Mich würde mal aus dem Alltag von Ärzten interessieren, welche Methoden am sichersten und am unsichersten sind? Also bei welchen Methoden kommen wirklich am häufigsten ungewollte Schwangerschaften vor? Die Pille wird ja immer als DAS super sichere Mittel gepriesen, aber letzten Endes hängt die Sicherheit ja von der Einnahme ab und ich habe sogar mal gelesen, dass damit bis zu 6! von 100 Frauen/Jahr schwanger werden. Kannst du as so nachvollziehen? Wie sieht es bei Kupfer/Hormon-Spiralen aus? Und was hältst du von der Kupferkette? Die wird ja im Moment total gehyped!

LG von einer stillen Mitleserin:)

Danke für Deine guten Fragen!

Da dies sicherlich noch mehr Mädels interessiert, habe ich dieser Frage etwas mehr Raum gegeben … Allerdings kann ich natürlich für die Angaben keine statistische Garantien geben – es handelt sich hier um meine persönliche Erinnerungen! Es ist natürlich auch klar, dass Du Dich für die Anwendung an Deinen Frauenarzt wenden musst, der Dich kennt. Hier kann ich leider nur allgemeine Empfehlungen geben, die Dir aber helfen können, Dich zu informieren.

Schwangerschaften unter PilleneinnahmeBildschirmfoto 2019-10-21 um 08.42.52

Ich habe in den mindestens 10  Jahren meiner praktischen Tätigkeit in der Gynäkologie etwa 4 Schwangerschaften unter Pilleneinnahme beobachtet, allesamt bei Mädels unter 17 Jahren, die wahrscheinlich auf Anwendungs-Unzuverlässigkeiten beruht haben. Darunter Mädels, die in jungen Jahren sehr viel Verkehr hatten und /oder gerne auch einmal einen über den Durst getrunken haben und/oder haben oder sich häufig erbrachen! Eine, die ich nicht vergessen habe, kam mit der romantischen Vorstellung, durch ein Kind einen ,,tollen Jungen“ binden zu können… und hat mit der Pille ,,etwas gemogelt“, wie sie augenzwinkernd mitteilte.  Unter zuverlässiger Einnahme habe ich also keine SS unter Pilleneinnahme gesehen. Übrigens auch nicht, wenn die Pille einmal vergessen wurde, was auch öfter vorkam …

Kupfer-Spiralen (IUP)

Kupfer-Spiralen werden häufig bei Frauen mit abgeschlossener Familienplanung benutzt. Für junge Mädels sind sie nicht so gut geeignet, da sie im Extremfall zu Entzündungen führen können, die in noch selteneren Fällen zu Unfruchtbarkeit führen. Dies ist aber nur ein kleiner Teilaspekt. Häufiger kommt es zu relativ starke Blutungen , zum einen durch die lokale Reizung, zum anderen aber auch subjektiv im Vergleich mit der Pille, weil es sich um eine,,normale“ Blutung und nicht um eine ,,Hormonentzugsblutung“, wie unter der Pille handelt. In seltenen Fällen können sie auch verrutschen und dann nicht mehr richtig wirken. Außerdem kann die Kupferspirale  bei nicht ausgewachsenen Uterus eher zu Beschwerden führen, obwohl es mittlerweile auch kleinere Kupferspiralen gibt. Besonders das Einlegen kann bei manchen Frauen schmerzhaft sein und ist wie die Entfernung in Einzelfällen, wenn die Patientin dabei starke Schmerzen verspürt, nur in Vollnarkose möglich. Merken wir das während des Versuches, brechen wir ab und bei manchen planen wir die Einlage/ Entfernung von vorne herein in Narkose, wenn z.B. sowieso eine Ausschabung gemacht werden soll oder die Patientinnen sehr schmerzempfindlich sind und dies wünschen. Die meisten Frauen vertragen sie die Kupferspirale aber sehr gut und haben keinerlei Probleme. Dann ist sie super: Sie greift nicht in den Hormonhaushalt ein und die Frau muß sich keinen Kopf mehr über die Verhütung machen, denn wenn der erste Kontrolltermin nach etwa 4 Wochen, bei dem die Lage überprüft wird, vorbei ist, verrutscht sie nur noch sehr selten.  Komischerweise gibt es tatsächlich Frauen, bei der sie immer wieder rutscht, da sollten andere Intrauterinsysteme herausgesucht werden.

Ich habe etwa 6 Schwangerschaften unter der Kupferspirale gesehen, sowohl bei verrutschten Systemen als auch bei normal liegendem IUP. Dabei kann ich mich an zwei Eileiter-Schwangerschaften erinnern, die in der Frühschwangerschaft operativ beendet werden müssen, da sonst die Gefahr der Eileiterruptur oder Stildrehung besteht!

Hormonspiralen

geben das Hormon Levonorgestrel ab, worunter es nach kurzer Zeit meist zum Sistieren der Regelblutung kommt. Hierunter sahen wir bis heute keine Schwangerschaften! Da es sich um eine Gestagen-Verhütung handelt, ist die hormonelle Belastung weniger hoch wie bei der Pille. Zudem gibt es verschiedene, auch kleine Systeme mit sehr geringen Hormondosen, die auch für jüngere Mädchen geeignet sind. Sie verrutschen nur selten und sind meist problemlos. Für die Einlage/Entfernung gilt das Gleiche wie bei der Kupferspirale.

Erfahrungen mit Kupferketten

Von der Kupferkette waren wir anfangs begeistert. Allerdings stellten wir fest, dass man mit ihr doch häufiger Probleme hat,  trotz erfahrenen Gynäkologen, die Schulungen besucht haben! Das Befestigen klappte zwar meist ganz gut, allerdings wurde sie doch manchmal ausgestoßen und es gab Berichte von Gebärmutterverletzungen, die uns unverhältnismäßig hoch erschienen. Die Gefahr der  Perforationen (Durchstoßen der Gebärmutter) ist erhöht – zum einen beim Legen, zum anderen durch Entzündungen im Bereich des Knotens, die dann durch die Gebärmutterwand wandert, zum dritten durch die Entfernung der Kette. Diese Perforationen müssen zum großen Teil operativ versorgt werden. Deshalb nahmen wir sie aus unserem Empfehlungs-Programm und setzen sie nur noch auf ausdrücklichen Wunsch ein. Schwangerschaften haben wir darunter zwar keine gesehen, aber dafür reichen auch die Zahlen nicht! Dies soll nicht heißen, dass es immer Probleme gibt! Aber Du fragst ja nach Erfahrungen …

Verhütungsball

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Auch wenn er mittlerweile in verschiedenen Größen zu haben ist, hat er sich in unserer Praxis noch nicht wirklich durchgesetzt, sodaß wir damit (noch) zu wenig Erfahrung haben.

Natürliche, mechanische oder alternative Verhütung

Wenn man seinen Körper gut kennt, sich auf das Abenteuer Körper einlassen möchte und auch eine ungewollte Schwangerschaft akzeptieren würde, falls man denn zu den 1-5% gehören würde, bei denen diese (gerechnet auf 100 Anwendungsjahren) statistisch auftritt, ist auch eine natürliche Verhütung nicht von der Hand zu weisen. Viele Frauen sind damit sehr glücklich, obwohl sie etwas Mühe macht! Manche Frauen haben 20 Jahre damit verhütet!

Bei diesen Methoden, unter der ich bei verantwortungsbewußten Frauen übrigens nur eine einzige ungewollte  Schwangerschaft erlebt habe, bei deren Entstehung  das Kondom geplatzt war, ist natürlich die Belastung des Körpers am geringsten!

Einzeln haben diese Methoden allerdings nicht die hohe Sicherheit der Pille  (1-20 Schwangerschaften auf 100 Anwendungsjahre).

Der Trick, sie sicherer zu machen, liegt darin, sie zu kombinieren. Am besten funktionieren sie, wenn man den Körper gut kennt, weiß wie der Zyklus kommt, was ihn beeinflußt und optimalerweise, wann der Eisprung kommt. Dies erkennen manche Frauen am sogenannten ,,Mittelschmerz“ der dabei eintreten kann. Ein anderer Hinweis ist der, dass der Schleim aus der Scheide sich um den Eisprung in Fäden ziehen läßt (sogenannte Spinnbarkeit des Zervixschleimes). Außerdem soll es zu einem Temperaturanstieg kommen, was sich in der Praxis ales relativ unzuverlässig erwiesen hat, denn bei den meisten Temperaturkurven, die ich gesehen habe, war dieser nicht zu erkennen, was nicht zwangsweise auf einen fehlenden Eisprung hinweist, sondern eher auf eine heutzutage oft unregelmäßige Lebensweise. Die Berechnung der fruchtbaren Tage  Sie kombiniert dann die Methoden  und setzt in den fruchtbaren Tagen  ein Diaphragma ein und/ oder benutzt ein Kondom, wahlweise kommt auch eine spermizide Creme/Zäpfchen zum Einsatz.

So, ich hoffe, ich konnte Dir und anderen interessierten Frauen helfen und wünsche Dir alles Gute!