Leserfrage: ,,Ist der Körper mit einer normalen Ernährung optimal versorgt oder muss ich zusätzlich etwas beachten?“

In der Rubrik ,,Leserfragen“ beantworte ich häufig gestellte Fragen, die von allgemeinen Interesse sind und gebe Tipps, die aus meinem persönlichen medizinischen Erfahrungsschatz, aus wissenschaftlichen Erkenntnissen und aus allgemeinen Empfehlungen hergeleitet sind.

cropped-fullsizeoutput_3ca31.jpegDa ich öffentlich antworte, kann ich persönliche  Angaben nicht mit einbeziehen und iübernehme auch keine Garantien für die Inhalte oder Therapien. Außerdem empfehle ich ausdrücklich, sich bei gesundheitlichen Problemen an einen Arzt Eures Vertrauens zu wenden! Nun aber genug der rechtlichen Abhandlungen … kommen wir zum Wesentlichen …

Viel Spaß und gute Erkenntnisse beim Lesen und  natürlich gute Besserung, falls Ihr gerade krank seid!

Die heutige Frage:

Ich denke, ich ernähren mich ,,normal“: Ich esse morgens Müsli und Joghurt, in der Frühstückspause meist ein Stück Obst und mittags Gemüse, wenig Fleisch, Nudeln oder Kartoffeln, Soße, grüner Salat. Etwa 2x in der Woche gehe ich 20 Minuten joggen  und freitags esse ich meist Fisch. Ich rauche nicht und trinke ab und zu ein Glas Wein oder Bier. Betrunken bin ich nie! Ich gehe einmal im Jahr zum Doc und lasse mich ,,checken“ mit Blutwerten und EKG.

Dennoch bin ich jetzt, da ich die 40 überschritten habe, manchmal müde und merke, dass meine Leistungsfähigkeit nachlässt.

Reicht mein bisheriges ,,Konzept“ aus, oder soll ich noch etwas zusätzlich machen?

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Innere Ausgeglichenheit ist eine der Säulen eines schönen und gesunden Lebens

Antwort Dr. Nessy

Grundsätzlich hast Du sicherlich eine ordentliche Basis für ein gesundes, langes Leben!

Denn du hast einen guten Weg für Dich gefunden, um den Unbillen, die nun einmal in jeder Phase unseres Lebens auf uns einprasseln, entgegen zu treten. Wobei ich das leise Gefühl nicht los werde, dass ja vielleicht  bei Dir noch ein wenig Luft nach oben ist…

Ein Problem bei der nachlassenden Leistungsfähigkeit …

ist sicherlich, dass wir es ohne Nahrungsergänzungsmittel eben meist doch nicht schaffen, unseren Körper mit allem zu versorgen, was er braucht, wie ich auch in den Bluttests der Patienten oft genug gesehen habe! Deshalb muß man herausfinden, ob Unterversorgungen an bestimmten Stoffen vorhanden sind. Dazu kann man natürlich Labortests durchführen, wobei man beachten muss, dass diese Tests oft nur Momentaufnahmen sind! Dennoch ist mein Vorschlag der, einen Arzt Deines Vertrauens aufzusuchen und diese Fragestellungen mit ihm abzuklären. Denn oft kann er Mängel auch an bestimmten klinischen Zeichen oder aus der Kenntnis der Ernährungsweise herausfinden.

Ich habe Dir nun, gemäß dem Ansatz: ,,Häufiges ist häufig und Seltenes ist selten“ im Folgenden die häufigsten Mängel aufgelistet!

Folgende Stoffe kommen häufig als Nahrungsergänzung zum Einsatz:

Als ,,Notnagel“ kann man , wenn man sich müde und schlapp fühlt und denkt, man können eventuell einen Nährstoffmangel haben

  •  die Mikroalge Spirulina

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einnehmen, mit der ich sehr gerne arbeite, weil sie über etwa 3000 verschiedenen Nährstoffe verfügt. Meist kommen diese in relativ niedrigen, ungefährlichen Dosierungen vor. Allerdings ist sie reich an  B-Vitaminen, an denen besonders Vegetarier häufig einen Mangel aufweisen, wenn sie kein Fleisch und wenig Milch oder Eier zu sich nehmen. Dies kann  zu  Konzentrationsschwäche, neurologische Störungen, Herzmuskelschwäche und allgemeiner Muskelschwund führen. Außerdem enthält Spirulina kein Jod. Dies ist wichtig, weil dauerhaft zu viel davon die Schilddrüse hemmen oder bei einer Autonomie zu einer bedrohlichen sogenannten thyreotoxischen Krise führen kann.

Der Vorteil von der Süßwasser-Blaualge ist, dass die Stoffe ergänzend zusammenwirken. Denn für die Aufnahme und Wirkungsweise ist das Zusammenspiel vieler Stoffe notwendig und die Natur hat es bei dieser Zusammensetzung meist optimal eingerichtet,  während Einzelvitamine oft nicht den gewünschten Effekt haben.

Notwendig ist bei relativ vielen Leuten auch die Einnahme des bereits genannten

  • Jod

. Vorher sollte man allerdings unbedingt beim Doc eine Autonomie/Knoten der Schilddrüse ausschließen lassen.

Die liegt daran, dass unsere Nahrung bis auf Fisch oder anderes Meerwassergetier kaum Jod enthält. Als Folge wird die Schilddrüse zuerst größer, schließlich bildet sich eine Unterfunktion aus, die z.B. auch den Antrieb und die Müdigkeit fördert! Die Schilddrüse entzündet sich auch öfter (,,Hashimoto-Thyreoditis „) und bildet Antikörper gegen sich selbst.

Des weiteren hat man auch festgestellt, dass in Deutschland, beispielsweise im Gegensatz zur USA  tatsächlich häufig ein

  • Selen

-Mangel vorliegt. Dies liegt zum einen daran, dass  hierzulande die Böden tatsächlich häufiger selen-arm sind, zum anderen daran, dass die Menschen auch weniger Fleisch essen. Ein Mangel kann sich übrigens in Muskelschwäche, Müdigkeit, leichtes Frieren, Haarausfall und Nagelveränderungen (z.B. weiße Flecken) zeigen.

  •  Zink

ist ein weiter Mineralstoff, an dem häufig ein Mangel besteht, wenn man wenig von Zinkreichen Lebensmitteln wie  Hartkäse, Vollkorn, Nüssen, Austern und  Leber zu sich nimmt. Er ist wichtig für das Immunsystem, aber auch für Haut, Haare und Nägel.

  •  Vitamin D

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ist ein weiterer Anwärter, zu dessen Mangel wir neigen. Wir haben in unserer Praxis bei etwa 30 % der Patienten, die wir getestet haben, einen substitutionswürdigen Vitamin D Mangel festgestellt. Das ,,Sonnenvitamin“, das zu 80% mit Hilfe der Sonne vom Körper selbst hergestellt wird, wird vom Körper unter anderem für die Immunfunktion, für die Knochenherstellung und  für das Zusammenwirken der Nervenzellen benötigt und hat eine Kontrollfunktion bei der Entwicklung von Gewebe. Während bis vor kurzem die einmal wöchentliche Gabe empfohlen wurde, ist man nun dazu übergegangen, eine tägliche Gabe zu favourisiern, damit sehr hohe Spiegel vermieden werden können.

  • Eisen

-Mangel  haben Frauen häufiger als Männer. Zum Einen durch die Periodenblutung oder eine Schwangerschaft, aber auch durch den Östrogenhaushalt an sich. Des weiteren kann bei beiden Geschlechtern  eine konsumierende Erkrankung (Tumor) dahinterstecken, okkulte (versteckte) Blutungen, zum Beispiel im Magen-Darmtrakt bei Divertikelblutungen oder bei einem Magengeschwür.

Natürlich gibt es

  • eine Reihe weiterer Stoffe,

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deren Versorgung mangelhaft sein kann und die dann und wann substituiert werden sollten! Hierzu gehören je nach Lebensabschnitt

Vitamin K, Fluor, (Substitution beim Säugling teilweise empfohlen), Vitamin C,  Calcium, Proteine (Mangel relativ häufig in der zweiten Lebenshälfte) ….

Eine Sonderstellung nimmt die Substitution von

  • Hormonen

ein über deren Notwendigkeit gerade beim Mann, allerdings deutliche Zweifel bestehen! Wenn man sich hierüber Gedanken macht, sollte man sich an einen Endokrinologen wenden, der genau untersuchen kann, ob Veränderungen des Hormonhaushaltes, die nicht altersentsprechend oder für Beschwerden verantwortlich sind, vorliegen!

Natürlich gibt es darüber hinaus noch

  •  weitere ,,Super“-Supplementierungen,

die den Organismus unterstützen sollen, die aber klinisch (noch) nicht eindeutig empfohlen werden, wie zum Beispiel

  • Colostrum-Kapseln (die ,,erste Milch“ nach der Geburt ist besonders reich an Stamm- und Immunzellen),
  • Collagen zum Trinken,(lagert sich im Bindegewebe an und soll es erhalten und so z.B. gegen Falten wirken)
  • das nährstoffreiche Gelee-Royale (der Futtersaft für die Bienekönigin enthält eine exzellente Nährstoffzusammensetzung für eine  hohe Leistungsfähigkeit),
  • Chia-Samen (enthält ideale Fettsäuren),
  • Traubenkern-Extrakt (ideale Fettsäuren und vielleicht Stoffe, die konservieren),
  • Ginseng-Wurzeln (v.a. in der Traditionell chinesischen Medizin als Kräftigungsmittel bekannt, soll u.a. die Denkfähigkeit erhalten),
  • MSM-Komplex (lagert sich im Gelenkknorpel an),
  • Astaxanthin (der rote Kraftstoff lässt die Lachse für das Laichen Fluss aufwärts schwimmen)
  • uvm.

Diese können in bestimmte Situationen vielleicht sinnvoll sein, ein Mangel daran besteht umgekehrt nicht, wenn man darauf verzichtet!

Allerdings wird diesen Stoffen, gerade von den vertreibenden Firmen, ein großer Nutzen für die Gesundheit zugeschrieben. In der Tat gibt es auch z.T. Studien, die darauf hinweisen! Ich werde sporadisch immer wieder auf solche ,, Super-Foods“ eingehen, aber schulmedizinisch wird ihr Einsatz aktuell nicht für nötig befunden.

Kommen wir zu der Frage, wieviel

Bewegungs-, Kraft- und Ausdauertraining

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Der Flexi-Bar

sinnvoll sind. Denn eine umfassende Ernährung und evtl. Supplementierung reicht nicht aus. Der Körper muss zudem fit gehalten werden! Hier gibt es viele unterschiedlichen Studien, wobei zweimal 20 Minuten Jogging in der Woche schon ganz gut ist.

Natürlich kann man auch seinen Alltag aktiv gestalten, so sind  flottes Spazieren gehen, häufiges Treppensteigen, Hobbys wie   Tanzen, Seilspringen, Reiten und Ballspielen, oder was einem sonst Spaß macht und mit Bewegung verbunden ist, toll geeignet, den Kreislauf auf Trab zu bringen und die Belastungsfähigkeit zu erhalten, wenn man das Ganze vernünftig angeht und regelmäßig trainiert.

Allerdings wird in der modernen Medizin aktuell empfohlen, gezielt nicht nur die

Ausdauer (Alltag, Audauersportart),

zu trainieren, sondern auch die

Beweglichkeit (Dehnung, gezielte Gymnastik),

was am besten durch gezielte Gymnastik und Dehnungsübungen geht und die

Muskelkraft (Krafttraining, Tens)

zu stärken, insbesondere auch der Rücken- und Bauchmuskulatur.

 

Möglichkeiten des Trainings:

Hier habe ich Dir einmal ein paar Möglichkeiten des gezielten Trainings aufgeschrieben.

  • Kieser-Training,

, welches ein nach medizinischen Gesichtspunkten ausgewählte Gerätetraining vor allem auch der Rückenmuskulatur beinhaltet und in speziellen Kieser-Zentren angeboten wird und auch bei Rückenbewchwerden sinnvoll ist!

  • Thai-Chi,

das durch statische Dehnungsübungen nicht nur für die Dehnungsfähigkeit der Muskeln, sondern auch für das äußere und innere Gleichgewicht sehr gut geeignet ist. Auch hilfreich, um die  sogenannte auctochtone (tiefe, innere Halte-) Muskulatur zu stärken, die aktiv nur schwer trainierbar ist, sind 5 MInuten tägliches Training mit dem sogenannten

  • Flexi-Bar.

Das ist ein Stab, den man selbst in Schwingung versetzt. Dadurch muss die tiefe Rückenmuskulatur und Baumuskulatur Haltearbeit verrichten und aktiv ist es kaum ,,Arbeit“ ! Allerdings empfehle ich, vorher und nachher ein paar Lockerungs. und Dehnungsübungen durchzuführen. Dies kann z.B. durch ausschütteln, hin- und herschwingen und strecken des Körpers geschehen…

Außerdem würde ich Dir ein

  •  leichtes Muskel -Aufbautraining

an speziellen Geräten, beispielsweise  in einem Fitness-Club, empfehlen, denn die Muckis fangen schon ab dem 25. Lebensjahr langsam an, sich mit Fett zu durchsetzen und weniger zu werden, wenn sie nicht gefordert werden. Wenn Du keinen Bock auf Geräte hast, gibt es übrigens  auch den ,,Weg für ,,solche, die gerne ihre eigene Energie sparen “ oder ,,Bewegungseingeschränkte“, die sogenannte

  • TENS (trankutane nervale Muskel-Stimulation)

Dabei handelt es sich um eine Form der Elektrotherapie bzw. Reizstromtherapie, die  für die Behandlung von  Muskelerkrankungen, aber auch Schmerzen  und Wunden eingesetzt wird, mit der man gezielt Muskeln durch Elektro-Stimulation trainieren und aufbauen  kann.

Natürlich gibt es noch eine ganze reihe weiterer Möglichkeiten, wie Schwimmen und Wassergymnastik, bei denen Kraft und Ausdauer, z.T. auch Dehnungsfähigkeit  trainiert wird,  oder auch Herzsportgruppen, die man besuchen kann, wenn zusätzlich eine Herzerkrankung vorliegt.

Ebenso können spezielle Gymnastik- oder auch Tanz-Kurse,  vielleicht das Richtige für Dich sein.

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Schau´ Dich einfach einmal um, was in Deiner Stadt angeboten wird und sprich´ vorher mit dem Arzt ab, was er von der Idee hält. Vielleicht möchte er aber auch noch, bevor Du startest, ein Belastungs-EKG vornehmen, um einen Überblick über Deine Leistungsfähigkeit zu erhalten.

Denn je nach Interessen, Alter und körperlichen Möglichkeiten können unterschiedliche Ansätze für den Erhalt Deiner körperlichen Fitness die richtigen sein!

Du siehst, das Vorhaben, möglichst lange jung und vital zu bleiben, ist eine Lebenseinstellung,  der man auch immer einen Platz im Alltag zubilligen muß, damit man auch mit 80 noch fröhlich in den Spiegel schauen kann und einem dabei immer noch das gewisse, unternehmungslustige, jugendliche Blitzen in den Augen zurückblickt!

In diesem Sinne wünsche ich Dir noch ein wunderschönes, interessantes und natürlich gesundes Leben,

Deine Dr. Nessy

2 Kommentare zu „Leserfrage: ,,Ist der Körper mit einer normalen Ernährung optimal versorgt oder muss ich zusätzlich etwas beachten?“

    1. Liebe Tina!
      Oft liegt es auch an der Definition. Wenn man bei ,,leidet unter“ die untere Norm einschließt, haut das auch bei uns hin! Aber in dem Zusammenhang habe ich noch etwas anderes bemerkt: Oft sind es gar nicht die, die nie draußen sind! Ich denke, ein weiterer Punkt ist auch die mangelnde körperliche Produktion aus eventuell anderer Ursache. das ist aber eine Beobachtung meinerseits, die vielleicht auch nicht signifikant ist … SChreib mir doch, wenn es okay für Dich ist, ob Du diese Erfahrung auch gemacht hast! Danke Dir und alles Liebe, Nessy

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