Anti Aging Aktuell: Hormon-Ersatztherapie für den Mann! Die 10 wichtigsten Fragen

Der Wunsch nach ewigem Leben ist so alt wie die Menschheit selbst. Die Möglichkeit, durch Hormonersatztherapie dem Traum ein wenig näher zu kommen, scheint verlockend! Bei vielen Frauen in den Wechseljahren ist die Einnahme von Hormonen, seit man um der Vorteile von natürlichem Östrogen weiß,  selbstverständlich geworden und die meisten sind begeistert ob der wiedergewonnenen Lebensqualität und der oft spürbaren Verjüngung in vielen körperlichen und psychischen Bereichen.

Doch wie sieht das beim Mann aus? Gibt es auch bei ihm eine positive Wirkung durch Hormone? Gibt es gravierende Nebenwirkungen? Gibt es Alternativen? Diese Fragen und noch ein paar Fakten mehr wird in diesem Artikel kurz und knackig erklärt …

I. Inhaltsverzeichnis

1. Gibt es überhaupt Wechseljahre beim Mann?

2. Wie ändern sich die Hormone?

3. Was ist Testosteron genau?

4. Wie ist die Wirkung von Testosteron?

5. Welche Beschwerden können durch Hormonmangel ausgelöst werden?

6. Was passiert beim Arztbesuch bei Verdacht auf ersteAnzeichen eines Hormonmangels?

7.  Welche allgemeine Präventionsmaßnahmen gegen typische ,,Altersbeschwerden“ gibt es?

8. Welche Nebenwirkungen hat Testosteron?

9. Was sind die Kontraindikationen für eine Testosterontherapie?

10. Wann ist eine Testosterongabe sinnvoll und wann nicht?

II. Patientenstimmen pro und kontra

III. Schlusswort – Ausblick

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1. Gibt es überhaupt Wechseljahre beim Mann?

Jein! Man muss ganz klar sagen: Einen relativ abrupten Abfall der Hormone wie bei der Frau gibt es bei Männern nicht.  Hier findet ein langsamer, teilweiser Abfall der Androgene statt, der bereits ab 35. Lebensjahr beginnt und erst mit etwa 75 Jahren weitgehend abgeschlossen ist.

Allerdings treten meist zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr bei manchen Männern auch spürbare, einschränkende Symptome auf ( Probleme bei der Sexualität, z.B. erektile Dysfunktion, Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit,…siehe unten), die sich mit einem Abfall der Hormone in Verbindung bringen lassen. Dabei handelt es sich um die Sexualhormone Pregnenolon, Dehydroepiandrosteron (DHEA), Androstendion und insbesondere Testosteron. Auf der anderen Seite ist diese Zeit auch häufig mit einer Änderung der Lebensstruktur verbunden, sodass die Symptome oft auch davon mitbeeinflusst werden und nicht als ,,wechseljahresspezifisch“ wahrgenommen werden.

Weitere Namen für die männlichen Wechseljahre:

  • Klimakterium virile
  • Climacterium virile
  • Andropause
  • ADAM
  • Ageing male
  • Aging male
  • Androgen-Defizit,, partiell – Mann
  • Decline in the aging male
  • PADAM-Syndrom (Partielles Androgen-Defizit des alternden Mannes)

 

Die International Society for Sexual Medicine (ISSM) verwendet den Begriff „Testosterondefizit“ .(Dean JD et al.: The international society for sexual medicine’s process of care for the assessment and management of testosterone deficiency in adult men. J Sex Med. 2015 Aug;12(8):1660-86. doi: 10.1111/jsm.12952.)

Dieser wird wie folgt definiert:

,, Klinisches und biochemisches Syndrom, welches durch ein Defizit an Testosteron oder Testosteronwirkung mit relevanten Symptomen und Anzeichen gekennzeichnet ist.“

2. Wie ändern sich die Hormone?

Die körpereigene Testosteron-Produktion sinkt ab Mitte 30 pro Jahr um durchschnittlich eins bis 1,2 Prozent ab. Auch die Spiegel von Dehydroepiandrosteron (DHEA), ein Steroidhormon und Vorstufe für die männlichen Sexualhormone, sowie Dehydroepiandrosteronsulfat (DHEAS), ein Sexualhormon  sinken ab. Zudem ändert sich das Verhältnis zwischen den Hormonen .

3. Was ist Testosteron genau?

  • Testosteron ist ein wichtiges  Geschlechtshormon, das als Prohormon im Blutkreislauf zirkuliert und das erst im Zielorgan zu seinen wirksamen Metaboliten umgewandelt wird. So wird es zum einen mittels des Enzyms 5α-Reduktase  zu Dihydrotestosteron transformiert, welches an Androgenrezeptoren bindet. Zum anderen wird es durch Aromatase zu Östradiol verstoffwechselt, das an die entsprechenden endogene  Östrogenrezeptoren andockt.
  • Die Konzentration ist bei Männern etwa zehn­mal höher
  • Bildung beim Mann zum größten Teil in den Hoden (Leydig-Zellen),
  • Bei der Frau wird Testosteron vor allem in den Eierstöcken, aber auch in der Plazenta und den Nebennierenrinden gebildet.
  • Cholesterol ist die Vorstufe, bzw. das Progesteron ein Zwischenprodukt für die Testosteronsynthese.
  • Testosteron kann leicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden, was die psychischen Veränderungen in Abhängigkeit des Spiegels mit erklärt.

4. Wie ist die Wirkung von Testosteron?

Männer mit höheren Testosteronspiegeln machen größere Gewinne an der Börse ... wie Wissenschaftler tatsächlich herausgefunden haben! Tatsächlich ist die Wirkung von diesem Hormon nicht zu unterschätzen, was sich auch an den folgenden, zum Teil nicht minder spektakulären Wirkungen zeigt …

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  • Steigerung der Körperbehaarung und Barthaare
  • Rückgang der Kopfhautbehaarung/Haarausfall am Kopf
  • muskelaufbauende (anabole) Wirkung
  • Steigerung sexuellen Verlangens (Libido)
  • wirkt verstärkend auf Antrieb, Ausdauer und „Lebenslust“
  • fördert dominante und aggressive Verhaltensweisen
  • Steigerung der Kreativität bei der Frau ( ggf. auch beim Mann)
  • Vermehrung der roten Blutkörperchen durch die Stimulation der Freisetzung von Erythropoetin in der Niere und die Aktivierung des Knochenmarks

5. Welche Beschwerden können durch Hormonmangel Hypogonadismus (Keimdrüsenunterfunktion)  ausgelöst werden?

  • sexuelle Un-Lust (Libido),
  • Muskelschwund,
  • Zunahme des Körperfettgehaltes,
  • Depressivität,
  • Blutarmut (Anämie)
  • Knochenschwund (Osteoporose).
  • Infertilität, wenn die Spermienbildung  gestört ist
  • Konzentrationsprobleme, schlechtere Gedächtnisleistung
  • Nervosität
  • zunehmende Müdigkeit
  • Traurigkeit,
  • Hitzewallungen
  • weniger Lust auf  Sex (Libidoverlust)
  • Erektionsprobleme
  • Hitzewallungen
  • Abnahme der Knochendichte
  • Prostatavergrößerung
  • Knochen- und Gelenkbeschwerden (geringere Knochendichte)

Begleiterkrankungen, die mit Hormonmangel einhergehen

  • Diabetes mellitus Typ 2
  • metabolisches Syndrom
  • Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)
  • Lebererkrankungen
  • kardiovaskuläre Erkrankungen
  • Fehl- oder Unterernährung

6. Was passiert beim Arztbesuch bei Verdacht auf erste Anzeichen eines Hormonmangels?

  • gründliche Anamnese, Besprechung von Beschwerden, Erkrankungen, Vorsorgeuntersuchungen
  • allgemeine körperliche Untersuchung
  • allgemeine Blutuntersuchung mit Blutbild, Entzündungswerten und insbesondere Homonanalysen sowie PSA-Wert (Prostata Spezifisches Antigen- zeigt  krankhafte Veränderungen der Prostata an, die oft durch Hormonmangel ausgelöst werden)
  • manuelle Untersuchung und transrektale Ultraschallkontrollen der Prostata (Größe, -oberfläche und -konsistenz). Bei Veränderungen sollte man diese ggf. behandeln unss eine geplante Testosteronsupstitution überdenken!

7.  Welche allgemeine Präventionsmaßnahmen gegen typische ,,Altersbeschwerden“ gibt es?

  • Verbesserung der Ernährung (low Carb)
  • Nikotin einschränken/weglassen
  • weniger Alkohol
  • Sport
  • Lifestylemanagement /Stressabbau
  • Sex
  • Naturheilmittel  für die ,,Wechseljahresbeschwerden“ des Mannes, z.B.
    • Brennnessel (Safarinejad MR „Urtica dioica for treatment of benign prostatic hyperplasia: a prospective, randomized, double-blind, placebo-controlled, crossover study.“ J Herb Pharmacother. 2005;5(4):1-11.) und Kürbiskerne gegen Prostatavergrößerung 
    • Johanniskraut (Verbesserung der Stimmung)
    • Melisse Hopfen oder Baldrian zur Beruhigung, bei Schlafstörungen
    • Astaxanthin (Kraft, Ausdauer), Spirulina (Nährstoffversorgung, Abwehr), Maca (Libido), Glucosaminoglykane, MSM (Gelenke),…

8. Welche Nebenwirkungen hat Testosteron?Bildschirmfoto 2018-11-15 um 09.59.31

Über die Einahme mit dem Ziel der Verzögerung des Altersprozesses habe lagen nicht genügend Daten vor, deshalb sind hier die allgemeinen Nebenwirkungen beschrieben.

ACHTUNG: Zu Nebenwirkungen kommt es vor allem auch bei Fehldosierungen!

  • psychische Veränderung
    • Gefühlsschwankungen
    • ,,alpha-Männchen-Gehabe“
    • Steigerung der Aggression
    • Steigerung des sexuellen Verlangens
    • Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit (positive und negative Beeinflussung wird diskutiert)
    • Psychische Erkrankungen (z. B. Depression)
  • evtl. Steigerung der Gefahr von Herz-Kreislauferkrankungen – möglicherweise aber auch Schutz
    • Stoffwechselstörungen (Fette – Cholesterin)
    • Gerinnung/Gefäße – Ablagerungen an den Gefäßwänden (Atherosklerose) Thrombosegefahr?
  • Gefahr des Auftretens hormonabhängiger Tumoren wie Prostatakrebs bzw. Steigerung des Krebswachstums
  • bei sehr hohen Gaben können Fruchtbarkeit und Spermienqualität beeinträchtigt werden
  • die  eigene Testosteronproduktion  wird gehemmt
  • Hautveränderungen
  • Leber- und Nierentumorbildung
  • Schädigung des Herzens
  • Vergröberung der Gesichtszüge
  • Veränderung der Schilddrüsenfunktion
  • Gewichts-Zunahme (Wassereinlagerung im Gewebe)
  • Vergrößerung der Talgdrüsen der Haut
  • Ausbildung von normaler Akne und „Steroid-Akne“
  • Abnahme des Hodenvolumens und der Spermienzahl (nicht immer ganz reversibel)
  • Schwächung des Immunsystems

9. Was sind die Kontraindikationen für eine Testosterontherapie?

  • relativ: benigne Prostatahyperplasie (BPH)
  •  männliche Form des Brustkrebses
  •  manifestem Prostatakarzinom
  • Schlafapnoe-Syndrom
  • vorbestehender Polyglobulie (= zu dickes Blut bzw. zu viele rote Blutkörperchen)

10. Wann ist eine Testosterongabe sinnvoll und wann nicht?

Es gibt heutzutage noch keine eindeutige Empfehlung für die Präventionsindikation  von Testosteron. Insofern kann die Gabe nur nach einem genauen Abwägen des Für und Widers nach einer genauen Anamnese und Untersuchung  erfolgen.

Zu wenig ist diese Substanz erforscht und man ist sich noch nicht ganz über die Gefährlichkeit in Bezug zum Benefit im Klaren, sodaß die Einnahme ein gewisses Risiko bedeutet. Zudem muss die Wirkung genau angepasst sein, damit möglichst keine unerwünschten Wirkungen auftreten, aber eventuell bestehende Hormonmangelerscheinungen ausgeglichen werden !

Der Normwert muß deutlich unterschritten sein: Normal sind Werte zwischen 10 und 40 Nanomol pro Liter  (nMol/l) laut Bundesärztekammer. Bei einem Testosteronwert kleiner 10-12 nMol/l kann der Arzt eine Hormontherapie, zum Beispiel in Form von Gel oder Spritzen, einleiten.

Da die Werte und der Patient regelmäßig ärztlich überwacht werden und die Dosierung ggf. angepasst werden muss, sollte man sich vorher gut überlegen, ob man sich wirklich darauf einlassen möchte.

II. Patientenstimmen pro und kontra

In diesem Zusammenhang tritt häufig die Frage auf, ob eine Hormongabe auch sinnvoll ist, wenn die Werte in der Blutuntersuchung signifikant nieder sind, man aber nicht unter Beschwerden leidet bzw. diese nicht gravierend  sind.

Zwar wird man aus medizinischer Sicht diese Frage aktuell (noch) mit NEIN beantworten, denn die Behandlung eines gesunden Menschen birgt immer die Gefahr einer Verschlechterung. Hören wir jedoch abschließend noch einmal kurz die wichtigsten Argumente von zwei Betroffenen, Heiner und Lars zu diesem Thema:

Begründung von Heiner, der sich für eine Substitution entschieden hat:

,,Ich habe zwar keine Probleme mit Mangelerscheinungen oder so, fühle mich aber mit Testosteron wesentlich besser. Ich möchte die Alterserscheinungen nicht in Kauf nehmen, die durch eine Testosterongabe erst später eintreten und möchte meine Muskelmasse  und  mentalen Fähigkeiten erhalten und  – vielleicht sogar – dadurch länger leben.“

Begründung von Lars, warum er nicht substituiert:

,,Ich möchte mir keine Hormone zuführen, die den natürlichen Verlauf der Natur und vielleicht auch das psychische Empfinden verändern.  Außerdem ist mir das Risiko von unerwünschten, vielleicht noch nicht bekannten Nebenwirkungen zu hoch, da noch zu wenig Erfahrungen mit einer Hormoneinnahme für diese Indikation bestehen. Auch  ist der Beweis, dass man mit Testosteroneinnahme länger lebt, (noch) nicht erbracht! Wenn sich, was durchaus eine gewisse Gefahr darstellt, hormonabhängige Tumoren entwickeln, ist die Lebenserwartung sogar kürzer …“

III. Schlusswort – Ausblick

So, das war es für heute. Ihr seht, auf dem Gebiet der Hormontherapien zur Verhinderung des Altersprozesses gibt es noch großen Forschungsbedarf, der bis heute nur teilweise und meist an Tierversuchen gedeckt wurde. Zudem greifen die Wirkungen  vieler  Hormone ineinander, sodaß ich persönlich der isolierten Betrachtung von Testosteron als Supplement mit gemischten Gefühlen gegenüberstehe.

Ein anderes großes Gebiet zur Alterungs-Prävention sind neben dem  Fachbereich der optimalen Ernährung, die Nahrungsergänzungsmittel, die zumindest teilweise sicherlich helfen können, die Funktionen des Körpers und damit auch die Hormonwirkungen optimal zu unterstützen.

Aber gezielte Sportarten, Gymnastik, Yoga und andere Bewegungs-Übungen, mit anderen Worten, die ,,optimale, harmonisierte Bewegung“ unterstützt den Körper dabei, seine Funktionen aufrecht zu erhalten und positiv beeinflussen. Hinzu kommen seit neuestem ausgeklügelte computerunterstützte physiotherapeutische  Behandlungen, die sich zum Beispiel mittels Ultraschall oder galvanischen Strömen positiv auf die Zellerneuerung  auswirken können

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Last not least hängt der Alterungsprozeß auch von unserem Verhalten, unserer Psyche und Umwelt ab! So haben Rauchen, Alkohol, schlechter Schlaf, aber auch unsere Laune (Fröhlichkeit und Fürsorge für andere wirkt sich zum Beispiel positiv aus) einen großen Anteil am Altern, den man nicht vernachlässigen darf!

Auf der anderen Seite ist es Fakt, dass wir bereits viele Möglichkeiten haben, den Alterungsprozess wirklich signifikant hinauszuzögern. Es liegt an uns Ärzten, die Methoden weiter  so zu verfeinern, nachprüfbar zu machen und individuell zu koordinieren, dass jeder, der sich darauf einlassen möchte, den maximalen Benefit davonträgt!

Ein Kommentar zu „Anti Aging Aktuell: Hormon-Ersatztherapie für den Mann! Die 10 wichtigsten Fragen

  1. Guten Morgen geehrte Dr. Nessy! Ich bin jetzt verwirrt. Zwar sagte vor wenigen Wochen mein Urologe, dass meine Prostata … ähm, noch schön flauschig wäre, aber es muss wohl auch die Möglichkeit geben keine Haare am Körper zu haben, dafür besonders viele auf dem Kopf und keine großen Alterserscheinungen, ohne viel Testosteron im Körper zu haben. Oder ich bin eine neue Spezies. Natürlich gefällt mir der Punkt, wo man Sex haben soll, um vorbeugend tätig zu werden. Ich werde das beim nächsten Gespräch mal anschneiden und hoffe auf Gegenliebe 🙂 Danke für den klasse Beitrag und hab eine schöne Restwoche!

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