Verhindert Alkohol tatsächlich die Gewichtszunahme im mittleren Alter?

Obwohl Alkohol viele Kalorien hat, gibt es eine große Studie, die gezeigt hat, dass bei Frauen um die Menopause die Gewichtszunahme umso geringer war, je mehr Alkohol sie getrunken hatten. Wie passt das zusammen?

Dieser Artikel wurde mit großer Sorgfalt erstellt. Er dient jedoch nicht als Ersatz einer ärztlichen Beratung und/oder Behandlung. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit übernommen, da u.a. nicht alle Quellen/Studien persönlich überprüft werden können!

Neue Erkenntnisse der Women´s Health Study lassen die Medizinwelt erneut aufhorchen

Diese berühmte  Studie, die in den USA mit immerhin 15920 Teilnehmerinnen durchgeführt wurde, ist in der Medizinerwelt immer wieder für Überraschungen gut. Viele, zum Teil sogar gegensätzliche  Schlagzeilen hat sie schon hervorgebracht, die gezeigt haben, dass man mit ihrer Auswertung und Interpretation teilweise  schlichtweg überfordert war! Wir erinnern uns, dass laut ihrer Auswertung die Hormonersatztherapie bei Wechseljahres-Beschwerden in ein denkbar schlechtes Licht gerückt wurde. Die hatte dazu geführt, dass Frauen eine große Angst davor  hatte und sie dazu verdammt waren, ihre starken Hitzewallungen und Hormon-Mangel-Erscheinungen auszusitzen. Mittlerweile weiß man aber, dass eine adäquate, moderne, an die natürlichen Hormone angelehnte Hormonersatztherapie dazu beiträgt, die Jugendlichkeit ein Stück weit zu bewahren und vor Osteoporose und Herz-Kreislauferkrankungen zu schützen sowie die kognitiven Fähigkeiten  zu erhalten.

Leberultraschall: Alles in Ordnung, keine Fettleber, wie sie häufig bei Alkoholikern zu finden ist!

Nun konnte  gezeigt werden:

Die Gewichtszunahme im Klimakterium hängt auch vom Alkoholkonsum ab!

Wen wundert nach dieser Vorgeschichte allerdings, dass ich der Sache ein wenig skeptisch gegenübertrete? Versuchen wir gemeinsam, der Sache auf den Grund zu gehen, denn trotz allem sind diese Ergebnisse doch wirklich erstaunlich!

Hier die genauen Daten: Frauen, älter als 50 Jahre mit normalem Gewicht wurden 7 Jahre lang beobachtet.

 Vorinformation: Wieviel Alkohol ist eigentlich in welchem Getränk enthalten?

Allgemeine Formel:

Menge in ml x (Vol.-% / 100) x 0,8 = Gramm reiner Alkohol,

wobei 0,8 das spez. Gewicht von Alkohol ist.

  • 1 Flasche Bier (330 ml, 4,8 Vol.-%):
    330 ml x (4,8 / 100) x 0,8 = 12,7 g Alkohol
  • 1 Glas Wein (100 ml, 11 Vol.-%):
    100 ml x (11 / 100) x 0,8 = 8,8 g Alkohol
  • 1 Glas Tequila (20 ml, 38 Vol.-%):
    20 ml x (38 / 100) x 0,8 = 6,1 g Alkohol

Nun die wichtigsten Ergebnisse: Die Gewichtszunahme in Abhängigkeit vom Alkoholkonsum stellte sich wie folgt dar:

Geringe Menge Alkohol : <0,2g/d  bis 1,8 g/d  -> Gewichtszunahme +1,4 kg

Mittlere Menge Alkohol: 1,8 bis 6,5 g/d -> Gewichtszunahme +1,0 kg

                                             6,5g/d  bis 13,6 g/d -> Gewichtszunahme +0,6 kg

Mäßig hohe Menge Alkohol: 11,6 bis 19,7 g/d -> Gewichtszunahme +0,2 kg

Mögliche Erklärungen 

1. Alkohol erhöht den Energieverbrauch

da er 

 –  die Gefäße weit stellt und den Körper erwärmt, was mit Energieverbrauch einhergeht

–  über den mikrosomalen Stoffwechselweg abgebaut wird, was mit einer geringeren ATP-Produktion einhergeht.

–  eine Stimulation der sympathischen Aktivität verursacht.

2. In der Studie hatte die meisten Frauen sehr wenig Alkohol getrunken

.So tranken nur 17% mehr als 14g/d. Andere Studien hatten gezeigt, dass sich bei sehr hohem Alkoholkonsum der Effekt wieder umkehrt und es wieder zu einer Erhöhung der Gewichtszunahme kommt.

Mein FAZIT/mögliche Pathophysiologie

Die Erklärungsmodelle würden darauf hindeuten, dass Alkohol, zumindest in Maßen genossen, generell nicht dick macht, obwohl wir wissen, dass er über relativ viel Kalorien verfügt … So haben 500 ml Bier 210 Kcal, während es Rotwein in dieser Menge bereits auf 340 kcal bringt!

Das wäre aber eine ganz andere Fragestellung, die in viele Studien ganz klar andere Ergebnisse vorweist! Wissen wir doch, dass Alkohol die Magenschleimhaut anregt  und auf diese Weise Hungergefühl verursacht. So steigt z.B. die Lust auf  Erdnüsse und Schokolade Als Zellgift wird Alkohol in der Leber mit höchster Priorität abgebaut, während das Fett nicht verstoffwechselt, sondern in den Fettdepots an Bauch und Hüfte eingelagert wird. Aber etwas ist doch interessant. Tatsächlich haben auch andere Studien ergeben, dass es zwar bei Männern zum typischen Bierbauch unter Gewichtszunahme kommt,   bei Frauen bildet sich allerdings Fett an den Hüften, aber das Gewicht bleibt stabil! Vielleicht hängt es damit zusammen, dass  Alkohol den Testosteronspiegel bei Frauen hebt, während er bei Männern sinkt? Wäre das vielleicht eine adäquate Erklärung?

Die Frage, die man sich angesichts der statistischen Zahlen unwillkürlich stellt, ist die, ob man vielleicht nicht doch ab und zu einGläschen trinken sollte? Was mache aber zum Beispiel ich, die keinen Alkohol mag und höchstens ein Paar Schlucke Sekt bei Veranstaltungen trinkt, damit sie nicht auffällt? Soll ich das , der Linie zuliebe, anfangen? Aber jeden Tag? Wo ich es doch nicht mag?

Komorbiditäten

Natürlich ist das Quatsch. Die Frage, die man sich hier nicht gestellt hat, ist die, ob Frauen, die ,,ein wenig“, sprich, etwa ein Gläschen Wein am Tag trinken oder sich auch ,,mal“ eine Flasche Bier gönnen, nicht noch andere Gemeinsamkeiten haben, die vielleicht in Wirklichkeit für die geringere Gewichtszunahme verantwortlich sind?

Vielleicht genießen sie ihr Leben mehr, gehen öfters weg, treffen Freunde, bewegen sich mehr, haben einen höheren Grundumsatz, kochen bewußt selbst, vielleicht auch gesünder und, last not least, befriedigen ihr Bedürfnis,,sich etwas Gutes zu tun!“ vielleicht anstatt mit einer Tafel Schokolade mit einem fruchtigen Weinschorle …

Das nennt man im Medizinschen ,,Komorbiditäten“, obwohl es sich hier ja nicht um Krankheiten handelt, sondern um Verhaltensweisen, die eventuell miteinander vergesellschaftet sind. Also: An alle, die aktuell keinen oder nur sehr wenig Alkohol trinken – es ist nicht gesagt, dass Ihr nun weniger zunehmt, wenn Ihr Euch angewöhnt, mehr zu trinken, denn dieser Umkehrschluss wurde nicht untersucht, wie auch? Aber ich kann mir vorstellen, dass ein Schuh daraus wird, wenn man die wahrscheinlich vergesellschafteten Attribute, die ich oben beschrieben habe, wie Freude an der Gesellschaft zu haben, mehr weggehen, vielleicht bewußter zu kochen… auch dazu führen, dass der Grundumsatz höher bleibt und die Gewichtszunahme geringer ausfällt!

Literatur: 

C.A. Thompson et al. Alcohol consumption and body weight change in postmenopausal women: results from the Women´s Health Initiative. Int.J.Obes. 2012;36:1158-1164

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