Forever Young / Anti Aging – Teil 1: Warum altern wir und was kann man dagegen tun?

Je älter man wird, umso intensiver denkt man darüber nach, ob es vielleicht irgendwo doch eine Möglichkeit des ,,ewigen Lebens“ gibt oder wenn das schon nicht ginge, dann wollen wir doch zumindest unser Alter irgendwie verlangsamen können, sei es mit einer Pille, einem Serum oder einer Spritze , von denen in so vielen Filmen und Büchern die Rede ist! Da denke ich an die makabere Komödie ,,Der Tod steht ihr gut“ mit Isabella Rosselini  oder an einen ,,Jungbrunnen“, wie er auf dem berühmten Bild von Lucas Cranach zu sehen ist!

„Forever Young / Anti Aging – Teil 1: Warum altern wir und was kann man dagegen tun?“ weiterlesen

Insulinresistenz, Zuckerkrankheit (Diabetes) Grundlagen, aktuelle Erkenntnisse: Ein Gesellschaftsproblem, dass auch uns betrifft?


Wegen gehäufter Fragen und Mißverständnisse möchte ich vor dem eigentlichen Artikel  aber noch kurz etwas in eigener Sache loswerden ...

Warum sind meine medizinischen Artikel anders als manche anderen ,,Krankheitsartikel“, die im Internet veröffentlicht werden?

Weil ich

  • regelmäßig zu neuen, für Euch wichtigen  Erkentnissen medizinisch fundierte Übersichtsartikel veröffentliche und Euch so nach Möglichkeit,,auf dem Stand der Wissenschaft“ bleibe
  •  meine mittlerweile ,,kleine Medi-Bibliothek“ regelmäßig überarbeite und
  •  Neuerungen integriere! 
  • über Fachwissen verfüge  (Fachärztin für Innere Medizin und für Gynäkologie und Geburtshilfe + Zusatzausbildungen, z.B. Notfallmedizin)
  • über 20 Jahre praktische Erfahrung habe (sowohl in Kliniken, wie auch in Praxen  als auch Notarzttätigkeit auf den nächtlichen Straßen habe ich auf diesen Gebieten gearbeitet) 
  • meine Artikel allgemein informieren und immer zusätzlich einen Arztbesuch empfehlen, weil nun einmal jeder Patient individuell ist und eine Therapie in erster Linie immer direkt auf ihn zugeschnitten sein muß! Artikel, in denen reine Eigenbehandlungen für ernsthafte Erkrankungen empfohlen werden, ohne einen Fachmann hinzuzuziehen, sind unseriös und gefährden den Leser, da dieser in vielen Fällen nicht über das Hintergrundwissen verfügt, eine genaue Diagnose zu stellen!
  • bewußt darauf hinweise, dass ich keine Garantien für den Inhalt oder die uneingeschränkte Wirksamkeit der Therapien übernehmen kann! Denn auch andere können Fehler machen und da ich natürlich nicht alle Studien selbst durchgeführt habe, können sich auch solche Fehler einschleichen, auf die ich keinen Einfluß haben kann! Allerdings orientiere ich mich entweder an Orginalstudien bez. Metaanalysen  oder an gut recherchierter Sekundärliteratur renommierter Wissenschaftler! Da ich selbst auch wissenschaftlich gearbeitet habe, kenne ich die Fallstricke von diesen Studien!
  • Was mich in diesem Zusammenhang z.B. sehr geärgert hat, war die Tatsache, dass Frauen jahrzehntelang eine falsche bzw. keine adäquate Therapie ihrer Wechseljahresbeschwerden  angeboten wurde, obwohl man heute weiß (und schon lange geahnt hat), dass eine gute Therapie sogar präventiv für manche Erkrankungen wirkt! Wen dieses Thema interessiert, findet auf diesem Block umfangreiches Themenmaterial …
  • mich deshalb von anderen Artikeln, die leider zum Teil immer noch ohne Kenntnis der Zusammenhänge geschrieben wurden und oft gravierende Fehler beinhalten, abheben möchte, weil ich Euch Information bereitstelle, die ursprungsnah und z.T. nach tagelangen Literaturrecherchen entstanden ist! Als Ärztin muss ich mich oft wundern, mit welchen Fehlinformationen meine Patienten andererorts immer noch für dumm verkauft werden!
  • wirklich informieren möchte und im (seltenen) Falle einer Produkteinbindung genau informiere, in welchem Zusammenhang ich dazu stehe! 

IMG_6956.JPG
Zugegeben: Ein Besuch in der Cheese-Factory ist so ziemlich  das Leckerste, was es gibt … Aber auch das ungesündeste!

Kommen wir nun zum eigentlichen Artikel …

Die Erkrankung, um die es heute geht, ist erst vor kurzem für die breite Öffentlichkeit  interessant geworden! Digentlich altbekannte Erkrankung scheint unsere Gesundheit auf tatsächlich gleich mehreren Ebenen  zu beeinflussen! Die Rede ist von der sogenannten

Insulinresistenz

Längst wissen wir, dass dieses Nicht-Ansprechen der Zellen auf das Hormon Insulinnicht nur als Vorstufe des Diabetes Mellitus  bedeutsam ist, sonder auch bei vielen anderen  komplexen Abläufen unseres Körpers eine Rolle spielt! Heute möchte ich Euch das Thema relativ einfach erklären und Euch vor allem auch über die wichtigsten neuen Erkenntnisse  informieren!

1. Was bedeutet eine Insulinresistenz für den Körper?

Bekannt ist, dass das Hormon Insulin dafür sorgt, dass der aufgenommene Zucker (Glucose)  in die Zellen  (vor allem der Leber- und der Muskelzellen) gelangen kann.

Dort wird er als  Glykogen gespeichert  oder in Energie umgewandelt ( Glykolyse). Bei dieser Energiegewinnung fallen Acetyl-CoA-Moleküle an, die, wenn sie nicht anderweitig verbraucht werden, als Fettreserven angelegt werden.

Sprechen die Zellen nicht genügend auf Insulin an,  beeinflusst dies auch das Abnehmverhalten des Körpers und  kann übrigens  auch den weiblichen Hormonstoffwechsel durcheinanderbringen, wie bei dem sogenannte polycystische  Ovarsyptom (PCO) und so kann eine Insulinresistenz auch für Fertilitätsprobleme verantwortlich sein!

2. Labor

-chemisch ist sie durch den sogenannten

2.1. HOMA -Wert (Homeostasis Model Assessment)

meßbar. Dieser wird nach 12 stündiger Nahrungskarenz morgens nüchtern abgenommen. Ein Wert um 1 ist normal, ein Wert, der größer als 2,5 ist, spricht relativ sicher für eine bestehende Insulinresistenz, während sich bei Typ2 Diabetikern Werte um 5 finden.

Ein zweiter Laborwert, der bei Verdacht gemessen werden kann, ist der

2.2. SHBG- (Sexualhormon-bindendes Globulin) Wert

SHBG ist quasi ein Transportmittel für Hormone im Blut, wobei die Konzentration von verschiedenen stimulierenden und hemmenden Faktoren gesteuert wird. Insulin  scheint senkend zu wirken, ebenso wie hohe Konzentrationen vom ,,männlichen“ Hormon Testosteron, während hohe Östrogen- und Thyroxinkonzentrationen erhöhend wirken. Interessanterweise wird die Produktion von SHBG von einer hohen Fettproduktion gehemmt, was eine Verringerung der Konzentration im Blut zur Folge hat. Deshalb ist dieser Wert bei einer Insulinresistenz, Diabetes Mellitus aber auch beim PCO-Syndrom und bei einer Schilddrüsenunterfunktion erniedrigt.

medic-563423__340

3. Ursachen: Wie kommt es zu einer erhöhen Insulin-Resistenz?

Wahrscheinlich ist eine

 3.1. vererbbare Komponente,

gibt es enge Verwandte mit Diabetes mellitus Typ 2, so besteht ein ca. zehnfach höheres Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken. Dagegen kann man, zugegeben, nicht allzuviel tun  … Aber schon bei der Ursache

3.2. Übergewicht

overweight-3018731_960_720sieht das anders aus!

Warum kann also Übergewicht die Insulinresistenz begünstigen?

Kommt es zu Übergewicht, verändert die Fettzelle ihre Größe und Funktion und setzt verschiedene Stoffe frei, wodurch die Insulinwirkung absgeschwächt werden kann.

Auch

3.3. mangelnde körperliche Bewegung 

kann die Insulinresistenz verstärken, denn zum einen führt sie  zu einer Gewichtszumnahme und zudem hat man herausgefunden, dass auch die verminderte Muskelarbeit zu einer Abschwächung der Insulinwirkung führt.

3.4. Vermehrte Aufnahme von schnell verwertbaren, einfachen Kohlenhydraten

Indem wir den Körper mit  Zucker, aber auch Weißmehlprodukten (Nudeln, Croissants, Kuchen,…)  überladen, sorgen wir dafür, dass er ständig Insulin ausschütten muss! Denn steigt der Zuckerspiegel im Blut hoch an, gibt Insulin der Zelle den Auftrag, möglichst schnell und viel davon in die Zelle aufzunehmen. Also arbeiten die Zellen mit Hochdruck an diesem Problem und putzen die Glucose weg in die Zelle. Nun ist aber der Zucker-Spiegel im Blut wieder zu nieder und dem Gehirn wird der Auftrag gegeben, erneut nach ,,schnellem Zucker“ Ausschau zu halten… Süßigkeiten wirken am besten… Und dann geht der Zirkus von vorne los!

,,Stopp!“ sagen  sich nun die Zellen, ,,Was sollen wir mit dem dauernden Nachschub an Zucker anfangen? Also werden wir einfach ´mal die Türen eine Weile zulassen, wenn das blöde Insulin wieder schreit, dass ich den Zucker reinlassen soll! Ich sitze das ganze einfach nach Kanzlermanier aus! Mein Mensch wird schon sehen, was er davon hat!

Schön, werdet Ihr sagen, dass ist doch genau richtig…

4. Schäden und negative Auswirkungen der Insulinresistenz

Leider nicht! Denn was gut klingt, kann langfristig die Bauchspeicheldrüse schädigen, die dauernd Insulin nach-produzieren muß, bis sie irgendwann ganz schlapp macht und selbst unter großen Anstrengungen nicht mehr genügend Insulin nachbilden kann!

Schließlich beginnt der Blutzuckerspiegel mitunter drastisch anzusteigen. Zwischen der Ausbildung einer Insulinresistenz und einem manifestem Typ 2 Diabetes können allerdings Jahre oder sogar Jahrzehnte liegen…

In dieser Zeit können aber schon

  • dem Körper wichtige Energiereserven fehlen, da die Muskulatur aus Glucose nur noch wenig Glykogen herstellen und einlagern kann.
  • Entzündungsprozesse im Organismus ablaufen, die zu vielerlei Schäden führen können, so können
  • Organe, wie die Bauchspeicheldrüse und die Leber, aber auch das Herz geschädigt werden und
  • andere Krankheiten wie der Bluthochdruck begünstigt werden! Im Detail hauptsächlich zu
  • Schäden an den Gefäßen… Zuerst nur an den ganz kleinen (Mikroangiopathie),dann auch an den größeren (Makroangiopathie). Dabei ,,verkalken“ diese Gefäße (Atherosklerose) meist und das Blut kann nicht mehr ungehindert fließen! Als Folge der Minderdurchblutung werden nachfolgende Gewebeabschnitte nicht mehr richtig mit Nährstoffen versorgt! In der Folge kommt es zu
  • Wundheilungsstörungen  bis zu
  • Nekrosen (Gewebsuntergang) sowie
  • Gefühlsstörungen, die wiederum, gerade bei älteren Menschen,  eine
  • Gangunsicherheit mit sich bringen können!Übergewicht natürlich denn allseits bekannten Altersdiabetes fördern kann, sondern auch multiple Entzündungsprozesse im Körper, die wiederum den Alterungsprozeß ankurbeln…  Auch die Flora des Verdauungssystems ist von einem ständig schwankenden Zuckerspiegel betroffen, aber dazu später… Übrigens sieht man auch Zusammenhänge mit dem sog. PCO bei Frauen, das neben Akne und Blutungsstörungen auch zu Unfruchtbarkeit führen kann.

5. Bedeutung des ,,Glykämischen Index“ (GI)

IMG_7164

Man weiß mittlerweile, dass nicht die Kalorien ,,die Bösen “ sind, sondern der hohe sogenannte glykämische Index!

Dieser gibt an, mit welcher Geschwindigkeit ein Lebensmittel  zu einer Insulinausschüttung führt! Je schneller und je mehr ein Lebensmittel Insulin ausschüttet, umso mehr Zucker wird in die Zellen aufgenommen und umso schneller sinkt der Blutzuckerspiegel wieder pro Zeiteinheit ab, was erneute ,,Zuckerlust“ auslöst.

Also müssen wir nach hochwertigen Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischen Index suchen, damit wir gesund bleiben!

Und in der Tat ging vor etwa zwei Jahren ein Aufschrei die Gesellschaft! Die ,,bösen“ , einfachen Kohlenhydrate waren endlich entlarvt und die lange Zeit gültige Ernährungspyramide musste umgeschrieben werden! Nun waren nicht mehr, wie lange Zeit dogmatisch propagiert, einfache Kohlenhydrate wie Brot, Kartoffeln, Reis und Nudeln, an der Basis der Ernährungspyramide! Nein, nun wurde der größte Anteil der Ernährung, neben Flüssigkeit, durch Gemüse und nicht allzu süßes Obst,mit anderen Worten, mit vitamin- und ballaststoffreichen Lebensmittel mit einem geringerem glykämischen Idex (GI), ersetzt!

Daneben wurde auch die Bedeutung von magerem Eiweiß (Aminosäuren) betont, denn zum Aufbau und Erhalt der glatten (Haut- und Eingeweide) und  gestreiften Muskulatur (Skelettmuskeln / Muskeln des Bewegungsablaufes)  und auch für viele Funktionsabläufe im Organismus sind sie unerlässlich!

6. Wege zur Vermeidung/Behandlung einer Insulinresistenz!

Vielleicht fassen wir uns nun an die eigene Nase, weil wir bei dem Studium dieses Artikels gemerkt haben, dass wir selbst Gefahr laufen, eine Insulinresistenz zu entwickeln…

Deshalb habe ich Euch im folgenden Abschnitt Möglichkeiten zusammengestellt, um die Zellen wieder mehr auf Insulin ansprechen zu lassen, das heißt, für die Aufnahme des Zuckers zu sensibilisieren!

6.1. Zehn Tage relativ strenge kohlenhydratarme Diät

Es hat sich gezeigt, dass, ist die Insulinresistenz noch nicht zu weit fortgeschritten, eine anfänglich recht strikte, etwa 10 Tage dauernde Diät mit Verzicht auf Zucker und einfache Kohlenhydrate dazu führt, dass die Zelle wieder sensitiver auf Insulin reagieren und sich die Werte tatsächlich verbessern können! 

Danach empfiehlt sich ein vorsichtiger Kost-Aufbau mit einer der Hinzunahme von einigen ,,sinnvollen“ Kohlenhydraten!

In diesen Phasen habe ich meist zusammen mit den Patienten einen individuellen Ernährungsplan erstellt. Vielleicht habt Ihr einen guten Doc oder Ernährungsscoach an der Hand, der Euch dabei unterstützen kann! Wichtig ist, sich darüber klar zu werden, dass 10 Tage lang wirklich alle Weismehlprodukte wie Brot, Brezeln, Kuchen, Nudeln, aber auch Diätprodukte (erhalten oft sehr viel Zucker, da dieser als Geschmacksträger Fett ersetzt) und süßes Obst (Bananen), wie auch Pizza und andere Fertiggerichte, sowie Ketchup, süße Softgetränke und Alkohol vom Speiseplan fernbleiben müssen!

Stattdessen gibt es nicht zu süßes Obst und Gemüse (Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe…) , gutes Fleisch (Eiweiß, B-Vitamine) und Fisch oder auch Eier (Eiweiß, -Vitamine, Lecithin) , Yoghurt (ohne Zucker), gut gekochtes Sauerkraut (Milchsäurekulturen, die gut für den Aufbau der Darmflora sind), Mandeln und Nüsse und Gewürze wie Cumin, Zimt (eine blutzuckersenkende Wirkung ist beschrieben), Ingwer …

Kontrovers wird die Verwendung von Soja, Milch und Süßstoffen (Stevia) diskutiert. Letztere werden jedoch insulin-unabhängig verstoffwechselt und sind deshalb zumindest besser als Zucker!

Allerdings empfehle diese Lebensmittel  wenn schon, nur in Maßen zu genießen und bei Soja darauf zu achten, dass es nicht genverändert ist. Auch Fruchtzucker hat viele Nachteile, und kann tatsächlich über eine Erhöhung der Harnsäure und den dadurch bedingten Stickstoffverbrauch eine Insulinresuístenz fördern!

Damit Insulin nämlich an den Insulinrezeptoren der Zellen andocken kann, ist NO (Stickoxid) erforderlich.Die Harnsäure jedoch mindert die Bioverfügbarkeit des Stickoxids und somit auch die Insulinsensitivität der Zelle.

Allerdings ist die Menge, die in natürlichen Lebensmittel wie Obst vorkommt, okay. Lediglich der in der Industrie häufig verwendete Glucose-Fructose-Sirup ist mit Vorsicht zu genießen!

Hierzu ist anzumerken, dass unser Haushaltszucker, Saccharose, übrigens ein Zweifachzucker aus Glukose und Fructose ist!

IMG_7163
Beispiel: Leckeres Mittagessen  während der 10 tägigen Low Carb-Phase mit Gemüse und Eiweiß …

6.2. Einsatz von unterstützenden Nahrungsergänzungsmittel

( nicht nach Leitlinien, sondern aufgrund Literatur und Erfahrungen empfohlen)

  • Chiasamen und
  • Spirulina

sind beides gute Eiweißquellen, die  alle essentiellen Aminosäuren  enthalten. Sie sind deshalb so wichtig, weil bei einer Eiweiß armen Ernährung anstelle von Fett Muskeln abgebaut werden! Spirulina ist vor allem auch deshalb zu empfehlen, weil es etwa 3000 Mikronährstoffe enthält und dies in einer optimalen Zusammensetzung! Diese fehlen uns leider heutzutage oft!

  • Bei Resveratrol,
  • Carnitin und
  • Grüntee-Extrakte gibt es Hinweise, dass sie verbessernd auch die Insulin-Empfindlichkeit wirken!

Zusätzlich wird  Resveratrol einen Nutzen bei der Behandlung von Arteriosklerose, Herzkrankheiten, Alzheimer-Krankheit, Arthritis, manchen Autoimmunkrankheiten und sogar Krebs nachgesagt!

Carnitin binden  Fettsäuren und transportieren sie durch die Mitochondrienmembranen. Hier gibt es kontroverse Meinungen zu den Wirkungen beim Muskelaufbau … Während Bodybuilder auf die Einnahme schwören, halten Wissenschaftler dagegegen, dass der Körper meist keinen Mangel an Carnitin hat und und ein Überangebot keinen Vorteil bringt … aber Ateriosklerose begünstigt, denn im Darm wird aus Carnitin durch die Darmflora zuerst Trimethylamin und in Folge Trimethylaminoxid gebildet, welches Arteriosklerose begünstigt.[4]

Grüntee-Extrakte enthalten als herausragenden Inhaltsstoff  das Antioxidans Epigallocatechingallat (EGCG), dem verschiedene gesundheitsfördernde Wirkungen nachgesagt werden. Die Forscher vermuten, dass es unter anderem die Stärkespaltung hemmt, so dass weniger Glukose entsteht und ins Blut gelangt. Die blutzuckersenkende Wirkung tritt aber nur dann auf, wenn die stärkehaltige Nahrung und der grüne Tee gleichzeitig konsumiert werden. Teetrinken nach dem Essen bleibt hingegen offenbar wirkungslos.

Auf anderen Seiten zu diesem Thema habe ich auch Aloe Vera  als ein Mittel entdeckt, die die Empfindlichkeit gegenüber Insulin verbessern könnte.(24) Orginal-Literatur zu Studien habe ich allerdings nicht gefunden.

Zusätzliche Nährstoffprodukte

Je nach Nahrungsaufnahme kann es nötig sein, zusätzlich Nährstoffe zu ersetzen,auch wenn die Deutsch Gesellschaft für Ernährung (DGE) kein Freund von Supplementen ist! Wenn man aber die Nährstoff-Zufuhr berechnet, erkennt man, dass leider oft eine Unterversorgung vorhanden ist. Besonders muss man in unseren Breiten auf  Selen, Jod (vorher Schilddrüsen-Werte untersuchen lassen), Zink, und bei fleischarmer Ernährung B-Vitamine und Eisen achten und diese gegebenenfalls zuführen!

6.3. Regelmäßiger Sport mit kombinierten Muskelaufbautraining  und Krafttraining

Auch ein Sportprogramm wirkt sich (nicht nur)  auf die Insulinsensitivität positiv aus!  Dabei ist es wichtig, mindestens zweimal die Woche für etwa 25 Minuten zu trainieren. Am besten fragt Ihr vorher Eurem Doc und überlegt Euch mit ihm gemeinsam, welche Sportart  für Euch geeignet ist und wirklich Spaß machen könnte! Für den Muskelaufbau sind natürlich gezielte Trainingseinheiten in einem  Studio am effektivsten! Der Vorteil ist, dass Ihr dort Eure Ziele mit Fachleuten besprechen könnt, die die richtigen Traininigsmodalitäten zusammenstellen können, Ich finde ein abwechslungsreiches, alle Muskelgruppen aufbauendes Training, welches möglichst die Gelenke nicht belastet, am besten!

6.4. Gewichtsabnahme

cat-1351612__340

Das Gewicht kommt bei mir, für manche vielleicht verwunderlich, am Schluss! Denn für mich ist das Übergewicht eine Folge des Zusammenspiels vieler Faktoren und eine Diät birgt immer die Gefahr, den Körper mit wichtigen Nährstoffen und Eiweißen unter zu versorgen!   Gerne spreche ich von der ,,Unterernährung der Dicken“ denn wenn man sich die Mechanismen des Körpers klar macht, dann merkt man, wie die Entwicklung einer Insulinresistenz,  die Verdauung, der Bluthochdruck, hoher Blutfette (Hypertriglyzeridämie) u d der Entstehung von Übergewicht zusammenhängen.  Übrigens hat man für diesen Symptomenkomplex einen Ausdruck geschaffen, der alles unter einen Hut bringt, das sogenannte ,,Metabolische Syndrom“.

Was Not tut, ist eine Veränderung des gesamten Lebensstils, wie ich ihn oben geschildert habe. Hierzu gehört einen anfängliche ,,Diät“, die auf die sinnvolle Reduktion der Kohlenhydrate abziehlt unter Versorgung des Körpers mit allen wichtigen Nährstoffen (Mineralien, Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen, Ballaststoffen und Aminosäuren …) die er benötigt.

Wichtig ist es in dieser Zeit möglichst keine Muskelmasse zu verlieren und dafür zu sorgen, dass nicht einfach der Stoffwechsel seine Aktivität nach unten fährt,was leicht passieren kann und jede Diätbemühung zunichte macht! Verhindern kann man dies, wie vorbeschrieben, durch ein ausgeklügeltes Diät-Programm, geeignete Nahrungsergänzungsmittel und einem Bewegungsprogramm. Auch die Behandlung einer möglichen Schilddrüsen-Unterfunktion ist in diesem Zusammenhang wichtig!

Toll wäre es, wenn man bereits die Insulinresistenz adäquat behandeln könnte! Neben den oben genannten konservativen Methoden des Lifestylemanagement sind bereits Medikamente auf dem Markt, die eine beginnende diabetische Stoffwechsellage verbessern können!

 

7.1. Sensitzer

Die Rede ist von sogenannte Sensitizer wie Pioglitazon. Sie schwächen die Faktoren aus dem Fettgewebe, die eine Resistenz vermitteln, ab.
Daneben bemüht man sich um die Entwicklung von Medikamenten, die zur Behandlung der Insulinresistenz noch vor dem Ausbruch des Typ 2 Diabetes eingesetzt werden können.

Hierzu wurde ein lange bekanntes, bisher bei Gefäßerkrankungen und Bluthochdruck eingesetztes Medikament in der sogenannten HOPE- Studie an 9500 Patienten (19 Länder) untersucht und man gelangte in der Tat zu einem  sensationellen  Ergebnis, dass in einem der renommiertesten Fachzeitschriften, dem  New England Journal of Medicine veröffentlicht  wurde …

7.2. ACE-Hemmer und Sartane

fullsizeoutput_a23
Ein ausgeklügeltes Fitness-Programm unterstützt die Low-Carb-Diät durch Schutz der Muskeln!

In dieser Studie ging es um den ACE-Hemmer Ramipril.Es wurde untersucht, ob bei Patienten mit einer Gefäßerkrankung oder mit Diabetes das Risiko für das erneute Auftreten von Herz-Gefäß-Krankheiten durch Ramipril gesenkt werden kann.

Und in der Tat konnte dieses Medikament besonders bei den 3577  Diabetikern, die ja ein 2-4fach erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen haben,  glänzen! Die Gefahr, als Diabetiker an einer Herz-Gefäß-Erkrankung zu versterben, konnte durch die Einnahme von Ramipril tatsächlich um 35% gesenkt werden. Auch Diabetesfolgeschäden an Nieren, Augen und Nerven konnten um fast 20% gesenkt werden. Aber auch das Neuauftreten eines Diabetes mellitus Typ 2 konnte verhindert werden!  Hier werden weitere Untersuchungen mit Spannung erwartet!

Bei einer Studie der Charité Berlin, die 2005 im deutschen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, zeigte sich ein positiver Effekt des Sartans Telmisartan auf den Rückgang der Insulinresistenz bei Hypertonikern. Bei hohem Blutdruck und Übergewicht ist also eines dieser Medikamente anzuraten – und keine Betablocker, der das Gewicht eher steigert!

7.3. Gewichtsabnahme und Training

Eine finnische Studie hat zudem gezeigt, dass Insulinresistenz bei Übergewichtigen bereits durch eine Gewichtsabnahme von ca. 3,5 kg und regelmäßiges körperliches Training von ca. 30 Minuten pro Tag zu einer deutlichen Verbesserung der Insulinresistenz führt und zudem den Ausbruch eines Typ 2 Diabetes über einen Beobachtungszeitraum von 4 Jahren  verhindern kann.

 

8. FAZIT

doctor-3212067__340

Das war wieder einmal viel Information und obwohl ich sooo Vieles geschrieben habe, habe ich das Gefühl, dass noch einiges an weiterer Information für Euch notwendig wäre, um das Problem ausreichend zu schildern! So habe ich eine weitere häufige Komplikation bewußt ,,außen vor“ gelassen.

Ich vermute nämlich stark, dass dieses Krankheitsbild durch den gemeinsamen Auslöser beider Erkrankungen oft mit dem sogenannten Leaky-Gut Syndrom  (siehe dazu meinen Artikel) vergesellschaftet ist! Und an dieser Stelle eröffnet sich dann wieder ein neuer ,,Behandlungsschauplatz“…

Die Betrachtung der ,,Komplexität der Zusammenhänge“ macht offensichtlich, dass ein ,,normaler“ Arzt sich eigentlich gar nicht darum kümmern kann, den Körper seiner Patienten optimal  an allen ,,Baustellen“ ,,in Schuss“ zu halten! Denn wenn man weiß, dass er im Schnitt gerade einmal Zehn Minuten Zeit hat, sich um das spezifische Problem nur eines Patienten zu kümmern, bleibt da kaum noch Luft für  das bißchen ,,Mehr“, dass dringend notwendig wäre, um seinen Patienten gar nicht erst krank werden zu lassen!

Eine Entwicklung, die leider der ,,medizinische Fortschritt“ mit sich gebracht hat!   Vor lauter spezialisierten Fachärzten haben wir ,,den Hausarzt“ der eigentlich in der Mitte stehen, koordinieren und ,,kleinere“ Dinge durchaus selbst behandeln kann, oft aus den Augen verloren…    Deshalb auch hier mein Appell an Euch! Sucht Euch einen wirklich guten Hausarzt, der über den Tellerrand sieht und bittet ihn, Eure Gesundheit zu ,,koordinieren“. Wenn ihr einen solchen findet, schätzt euch glücklich und gebt ihn ,,nie wieder her“!

In jedem Fall ist es wichtig, dass Ihr Euch informiert und den Erhalt Eurer Gesundheit als Präventiv-Objekt selbst in die Hand nehmt, solange sich noch keine Malaisen eingeschlichen haben, die dann professioneller Hilfe bedürfen!

Ich hoffe deshalb, dass ich mit dieser Info  einen kleinen Beitrag bei dieser verantwortungsvollen Aufgabe beigetragen habe…

9. Literatur Studien/Sekundärliteratur

  1.  B. P. Hubbard, A. P. Gomes, H. Dai, J. Li, A. W. Case, T. Considine, T. V. Riera, J. E. Lee, S. Y. E, D. W. Lamming, B. L. Pentelute, E. R. Schuman, L. A. Stevens, A. J. Y. Ling, S. M. Armour, S. Michan, H. Zhao, Y. Jiang, S. M. Sweitzer, C. A. Blum, J. S. Disch, P. Y. Ng, K. T. Howitz, A. P. Rolo, Y. Hamuro, J. Moss, R. B. Perni, J. L. Ellis, G. P. Vlasuk, D. A. Sinclair: Evidence for a Common Mechanism of SIRT1 Regulation by Allosteric Activators. In: Science. 339, 2013, S. 1216–1219, doi:10.1126/science.1231097.
  2. DAZ 1999, Nr. 37, S. 34, 12.09.1999, ARZNEIMITTEL UND THERAPIE, HOPE-Studie: Ramipril senkt Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall

  3. Anja Lütke, nach S.E. Stern, K. Williams, E. Ferrannini et al.: Identification of Individuals With Insulin Resistance Using Routine Clinical Measurements. In: Diabetes, 2005, 54, S. 333–339
  4. diabetes.uni-duesseldorf.de Informationssystem der UNI Düsseldorf zum Diabetes mellitus vom 7. März 2005
  5.  N. Stefan, H.-U. Häring: Circulating fetuin-A and free fatty acids interact to predict insulin resistance in humans. In: Nature Medicine, 19, 2013, S. 394–395, doi:10.1038/nm.3116
  6. Turner et al.: Insulin deficiency and insulin resistance interaction in diabetes: estimation of their relative contribution by feedback analysis from basal plasma insulin and glucose concentrations. In: Metabolism, 1979, 28, S. 1086–1096.
  7. A. S. Rudenski, D. R. Matthews, J. C. Levy, R. C. Turner: Understanding insulin resistance: Both glucose resistance and insulin resistance are required to model human diabetes. In:Metabolism. 40, Nr. 9, September 1991, S. 908–917. ISSN 0026-0495doi:10.1016/0026-0495(91)90065-5.
  8. HOMA-Index – Laborlexikon.de 
  9. S. Kodama et al.: Influence of fat and carbohydrate proportions on the metabolic profile in patients with type 2 diabetes: a meta-analysis. In: Diabetes Care. 2009 May, 32(5), S. 959–965, PMID 19407076.
  10.  G Boden, K Sargrad, C Homko, M Mozzoli, TP Stein: Effect of a low-carbohydrate diet on appetite, blood glucose levels, and insulin resistance in obese patients with type 2 diabetes. In: Annals of internal medicine. 142, Nr. 6, 2005, S. 403–411. PMID 15767618.
  11. Too much sugar turns off gene that controls the effects of sex steroids (englisch),  2007
  12. van der Heijden GJ, et al: Aerobic exercise increases peripheral and hepatic insulin sensitivity in sedentary adolescents . J Clin Endocrinol Metab. 2009
  13. Foster GD, et al. A randomized trial of a low-carbohydrate diet for obesity. New England Journal of Medicine, 2003
  14. Samaha FF, et al. A low-carbohydrate as compared with a low-fat diet in severe obesity. New England Journal of Medicine, 2003
  15. Sondike SB, et al. Effects of a low-carbohydrate diet on weight loss and cardiovascular risk factor in overweight adolescents. The Journal of Pediatrics, 2003
    Black LE, Swan PD, Alvar BA: Effects of intensity and volume on insulin sensitivity during acute bouts of resistance training. J Strength Cond Res, 2010
  16. DGE e.V.: Fett. https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/fett/
  17. DGE e.V.: Kohlenhydrate und Ballaststoffe in der Ernährung. https://www.dge.de/presse/pm/kohlenhydrate-und-ballaststoffe-in-der-ernaehrung/
  18. Hu, et al.: Effects of Low-Carbohydrate Diets Versus Low-Fat Diets on Metabolic Risk Factors: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Clinical Trials. Am J Epidemiol. 2012 Oct 1; 176: S44–S54.
  19.  D. A. Sinclair und L. Guarente: Schlüssel zur Langlebigkeit. In: Spektrum der Wissenschaft. Oktober 2006, S. 34–41.
  20. Wissenschaftliche Studie zu Carnitin und Fettstoffwechsel (PDF-Datei; 98 kB)
  21. Wissenschaftliche Studie zur Wirkung von L-Carnitin bei der Regeneration nach dem Sport
  22. Doktorarbeit von Hanne Seline Marie Gustavsen: Bestimmung des L-Carnitingehaltes in rohen und zubereiteten pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln (PDF-Datei; 1,72 MB)
  23. Robert A Koeth, Zeneng Wang, Bruce S Levison, Jennifer A Buffa, Elin Org, Brendan T Sheehy, Earl B Britt, Xiaoming Fu, Yuping Wu, Lin Li, Jonathan D Smith, Joseph A DiDonato, Jun Chen, Hongzhe Li, Gary D Wu, James D Lewis, Manya Warrier, J Mark Brown, Ronald M Krauss, W H Wilson Tang, Frederic D Bushman, Aldons J Lusis, Stanley L Hazen: Intestinal microbiota metabolism of l-carnitine, a nutrient in red meat, promotes atherosclerosis. In: Nature Medicine. 19, 2013, S. 576, doi:10.1038/nm.3145.
  24. https://www.marathonfitness.de/hit-training-massives-muskelwachstum-in-minimalzeit/
  25. Quarks & Co, Univ. Heidelberg: Das große Ernährungs-Experiment mit Tim Mälzer. http://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/quarks/sendungen/experimentmittimmaelzerwdh102.html,
  26. https://krank.de/krankheiten/insulinresistenz/?gclid=EAIaIQobChMIx5qv87uh2gIVE-MbCh10YAh0EAAYASAAEgLBiPD_BwE
  27. https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/herzkreislauf/bluthochdruck/article/383907/hypertoniker-insulinresistenz-profitieren-telmisartan.html

 

 

Das Mikrobiom – neue Erkenntnisse über eine unterschätzten Armee

1. Zusammenfassung:

So wichtig wie ein zusätzliches Organ ist das Mikrobiom, welches aus unvorstellbaren 100 Billionen Mikroorganismen besteht.

anatomy-160524__340

Zum Mikrobiom gehören Bakterienstämme (v.a Firmicutes und Bacterioides), das Virom (überwiegend Prokaryonten) und das Mykom (überwiegend Sprosspilze), die nicht nur auf der Haut, in den Ohren, im Nasen-Rachenraum und im Mund, sondern auch im Gastrointestinal- und Urogenital-Trakt vorkommen (Authenrieth I., 2000). „Das Mikrobiom – neue Erkenntnisse über eine unterschätzten Armee“ weiterlesen

Frauenarzt – Sprechstunde Wechseljahre Teil 7 : Wie es kam, dass die Hormonersatztherapie so in Verruf geriet, nachdem anfänglich Begeisterung herrschte …

WICHTIG: Vor Anwendung jeder Therapie müssen die Gegenanzeigen geprüft werden und eine (gynäkologische und ggf. weiterführende) Untersuchung durchgeführt werden! Dieser Artikel dient nur zur allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung und Behandlung des Gynäkologen! Auch sind zwar die Inhalte nach bestem Wissen zusammengetragen worden, dennoch übernehme ich keine Haftung für die Richtigkeit oder die Wirksamkeit der Therapien!
Ich zeige im folgenden verschiedene Beispiele von eingesetzten Medikamenten.  Dadurch habe ich allerdings keinerlei pekuniären Nutzen! Ist das Werbung? Wenn ja deklariere ich den Text hiermit!

Inhaltsverzeichnis:

7.1. Auswertung der WHI Studie

7.2. Folge

7.2. Ursachen der Fehlinterpretationen der WHI-Studie

7.3. Zum Schluss war es doch wieder  anders …

Wie es kam, dass die Hormonersatztherapie so in Verruf geriet, nachdem anfänglich Begeisterung herrschte …

7.1. Auswertung der WHI Studie

Mehr als 16.000 Frauen nach den Wechseljahren hatten
sich freiwillig an der Studie beteiligt. Durchschnittlich 5,2 Jahre nahm die eine Hälfte der Frauen eine
Hormonkombination, die in Deutschland wenig gebräuchlich ist (Östrogene aus Stutenharn plus das Gestagen
Medroxyprogesteron MPA). Die Ergebnisse aus der Hormongruppe waren „ernüchternd“, wie der
Bundesverband der Frauenärzte feststellte.

Trotz der  offensichtlichen Vorteile einer Hormonersatztherapie war sie aber in der Vergangenheit  wegen ihrer vermeintlichen riskanter Nebenwirkungen in Verruf gekommen. Und zwar waren im Jahr 2002 die ersten Auswertungen der WHI-Studie für viele erschreckend gewesen, da die erhofften Vorteile  so  nicht eingetreten waren. Im Gegenteil! Manche Risiken hatten sich sogar nach einer HET erhöht!

In einer im März publizierten Artikels des angesehenen New England Journal of Medicine weisen nun Joann E. Manson und Andrew M. Kaunitz, zwei der maßgeblichen StudienautorInnen der WHI-Studie selbst, auf die Folgen der jahrelangen, fehlerhaften Interpretation ihrer Studiendaten hin:

7.2. Folge

IMG_7465Hunderttausende von Frauen hatten in der Folge der Studie, deren Auswertungen seit 2002 publiziert werden, die Hormonpräparate abgesetzt oder wurden nicht angemessen behandelt, weil die Annahme vorherrschte, dass die Hormonersatzbehandlung (HET) durchweg gesundheitliche Risiken berge.

,,Aber“, so schrieben die Autorinnen der Studie selbst, ,,Der Nutzen der Hormon- Ersatzbehandlung übersteigt bei weitem mögliche Risiken“,

Denn seit kurzem wissen wir nun aber , dass es bei der WHI-Studie, auf der diese Aussagen beruhen, doch zu einigen Mängeln sowohl beim Studiendesign als auch bei der Auswertung gekommen war! Da hierüber in der Presse recht viel berichtet wurde, möchte ich kurz erklären, was es mit dieser

7.2. Ursachen der Fehlinterpretationen der WHI-Studie

 WIe kam es zu den, zum Teil hohe Nebenwirkungsraten  bei der HET, die zur restriktiven Anwendungsempfehlungen der Hormone auch in den deutschen Richtlinen führte?

Nun war das durchschnittliche Alter der Frauen bei Beginn der HET 63 Jahre und nicht wie normalerweise üblich um den Zeitpunkt der Menopause (durchschnittlich im Alter von 51 Jahren). Zudem hatten ca. 50% der Teilnehmer Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen, wie starkes Übergewicht,Bluthochdruck, Raucherinnen und es gabVorerkrankungen wie Diabetes oder koronare HerzerkrankungenZudem war das in der Studie verwendete Hormonpräparat etwa doppelt zu hoch dosiert wie bei einer HET normalerweise üblich!

 Nun ist es so, dass, solange die Geschlechtshormone noch aktiv sind (als bis ca.   um 50 Jahre) , sie die Gefäße von Ablagerungen freihalten können! Dadurch kommt es zu einem Schutz vor Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.Wenn Hormone nun schon einige Jahre fehlen (was bei dem durchschnittlichen Alter von 63 Jahren der Fall ist), können sich zwischenzeitlich arterielle Plaques gebildet haben! Gibt man erneut Hormone, können sich Ablagerungen ablösen und durch das Gefäßsystem in Lunge, Herz oder Hirn gelangen und dort Infarkte auslösen, die schlimmstenfalls tödlich enden können. 

Wenn man das weiß. erklären die oben beschriebenen Studienfakten natürlich , warum es bei Beginn der Einnahme zunächst zu einer Erhöhung des Neuauftretens  von kadiovaskulären Ereignissen kam!

7.3. Zum Schluss war es doch wieder  anders …

Auch das folgende  Detail der Studie ist wichtig : In der kleinen Gruppe der 50- bis 59-Jährigen gab es unter den Teilnehmerinnen der WHI-Studie auch  positive Effekte:

Neben der Beseitigung der typischen Mangelsymptome wurde eine geringere Zahl an Knochenbrüchen, Diabetes-Erkrankungen und Todesfällen allgemein beobachtet, und bei der Untergruppe mit einer alleinigen Östrogentherapie sogar eine Senkung der Brustkrebs-Rate im Vergleich zu der mit einem Plazebo behandelten Gruppe.

Im Idealfall sollte also sofort beim Eintreten der Wechseljahre  mit einer Hormonersatztherapie begonnen werden!

Nachdem sich wieder einmal zeigt, wie wichtig doch genaue Recherche ist und dass sich sogar gegenteilige Schlüsse aus derselben Studie ableiten lassen, möchte ich mit dem Zitat von Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte zu den Vorfällen im Zusammenhang mit der WHI-Studie diesen Artikel schließen:

„Es ist sehr erfreulich, dass die Autoren der WHI-Studie selbst soeben im ‚New England Journal of Medicine‘ die Aussagefähigkeit ihrer eigenen Studie zurechtgerückt haben, mindestens ein Drittel aller Frauen in den Wechseljahren ist durch den Verlust der Hormonproduktion so sehr beeinträchtigt, dass sie eine medizinische Unterstützung brauchen, die über allgemeine Tipps zur Lebensführung und pflanzliche Plazebos aus dem Drogeriemarkt hinausgeht.

Viele von ihnen haben jahrelang um ihre Gesundheit gefürchtet, wenn wir ihnen einen Ersatz ihrer Hormone empfohlen und verordnet haben. All diese Frauen können jetzt wirklich erleichtert sein, und wir als ihre behandelnden Frauenärztinnen und -ärzte sind es auch.“

Frauenarzt – Sprechstunde Wechseljahre Teil 6 : Wenn der Antrieb ausbleibt und nichts mehr Spaß macht … Was bei Depressionen wirklich hilft!

Bildschirmfoto 2018-12-19 um 14.11.26.pngGisela hat zwei Kinder und ist eigentlich ein ,,Hansdampf in allen Gassen“. Nur in letzter Zeit klappt irgendwie alles nicht mehr so richtig. Sie nimmt zu, hat zu nichts mehr richtig Lust und der Alltag lief auch schon einmal besser…

cropped-fullsizeoutput_3ca31.jpegNachdenklich betrachte ich sie. Gisela ist 38, die Periode eigentlich noch da, aber…  Ein bisschen  unregelmäßig, schon!  In meinem Kopf rattert es … Hat sie Schilddrüsenprobleme? Oder vielleicht irgend welche einschneidenden Ereignisse im Leben, die ihr ,,die Suppe so richtig versalzen“? Hatte sie vielleicht schon früher solche Episoden? Eine Anämie vielleicht, oder gar Schlimmeres?

Ich nehme mir fest vor, Licht in diese Sache – und auch wieder in ihre Seele zu bringen …

  • Allgemeine Anamnese:
Version 8
Einfach einmal die Seele baumeln lassen und in den Himmel schauen… und lernen, das Leben wieder zu genießen!

Als erstes frage ich sie nach ihrem Leben, was ist in letzter Zeit so passiert, ist sie glücklich bei der Arbeit, geht es den Kindern gut… Ein Gespräch, fast wie unter Freundinnen und nach anfänglichem Zögern taut sie auf und erzählt mir, dass schon alles viel sei, ihr das aber früher nichts ausgemacht habe, … alles so Lala, aber keine eindeutigen Hinweise auf ein einschneidendes Ereignis … Sicher, die Ehe könnte besser laufen, die Kinder in der Schule besser und der Haushalt weniger – aber hat sie deshalb eine Depression? Könnte natürlich sein, wäre aber zu einfach!

Auch in der

  • Krankheitsanamnese und der
  • körperlichen internistischen und
  • gynäkologischen Untersuchung kann ich nichts ungewöhnliches entdecken. Vielleicht sind die Schleimhäute eine Spur zu trocken für das Alter und die Haut etwas kalt … EIn Schilddrüsen-Ultraschall, dass ich noch schnell durchführe , zeigt eine diffus vergrößerte Schilddrüse – sollte das doch die Ursache sein?

Erst die ausführliche

  • Laboruntersuchung bringt Licht ins Dunkel: Tatsächlich sind ihre Hormone schon ein wenig am schwächeln, auch, wenn ich natürlich weiß, dass ich nur einen Momentaufnahme vor mir habe… dennoch!  Auch die Schilddrüse ist gerade noch ausgeglichen, aber ich vermute aufgrund der Schilddrüsenvergrößerung einen Jodmangel.

 

Die

  • Therapie zieht sich eine Weile hin, bis sie nach etwa drei Monaten erstmals angibt, eine Besserung zu verspüren.

Meine Therapie:

  • Lifestylemanagement

Gemeinsam überlegen wir, was Gisela selbst wirklich Spaß machen würde wie sie ihr Leben abwechslungsreicher gestalten könnte, und was sie nur für sich tun könnte, welche Freunde sie hat und ob sie wieder mehr gemeinsam mit ihnen machen wollte…

Nachdem ich einen guten Draht zu ihr hatte, fiel ihr da nach einer kurzen kreativen Pause sogar ziemlich viel  ein! Sie gab an, einmal surfen lernen zu wollen (obwohl das natürlich in Saarbrücken eher schwierig ist…) , zur Kosmetikerin gehen zu wollen , Bauchtanzen, sich einmal in ein früheres Leben versetzen lassen,…

  • Medikamente

Auch medikamentös konnte ich ihr helfen! Für die angeknackste Schilddrüse erfolgte eine Jodgabe, weitere Kontrollen der Schilddrüsenwerte ergaben dann doch eine eindeutige Hypothyreose, weshalb wir nach einiger Zeit auf L-Thyroxin 50 umsetzten .

cropped-bildschirmfoto-2018-04-26-um-10-46-111.png

Zur Egalisierung der Hormone half Agnus Castus und die

  • Ernährung wurde so umgestellt, dass sie weniger(!) Rohkost aß, dafür mehr gekochtes Gemüse  und nicht zu saures Obst(wird von Menschen, die zu Kälte, Antriebslosigkeit und Frieren neigen, oft besser vertragen als zuviel Rohes ). Zudem fand sie Gefallen an orientalischen Gewürzen, die ihr oft ein wohliges Gefühl der Wärme vermittelten (Ingwer, Kurkuma, Kreuzkümmel…  und nach der  ayuvedischen Medizin die Verdauungssäfte anregen sollen.

Gisela ist natürlich noch relativ jung für Wechseljahresbeschwerden, aber machen wir uns nichts vor – ab 35 fängt die Hormontätigkeit an, nachzulassen. Meist merkt man es aber nicht so früh, aber bei Gisela kam eine Schilddrüsenunterfunktion dazu, die übrigens auch nicht soo selten ist!.

Wichtig ist, dass man, an die jeweilige Lebensphase und seinen Lebensentwurf angepasst, seinen Körper entsprechend aufmerksam behandelt und ihm das gibt, was er gerade braucht, damit die volle Leistungsfähigkeit möglichst bis ins hohe Alter erhalten bleibt!

Häufig ist es aber auch so, dass dadurch, dass die Kinder aus dem Haus gehen, sich vielleicht berufliche Veränderungen anbahnen oder man in die ,,Torschlusspanik“ verfällt, ,,nichts“ aus seinem Leben gemacht zu haben (was bei genauerem Hinsehen meist nicht stimmt!), eine Art Mutlosigkeit einstellt, die zu Verdauen ganz schon schwer sein kann! Plötzlich scheint nichts mehr Freude zu bereiten …und am liebsten möchte man sich nur noch verkriechen! Wichtig ist dann, die Signale zu erkennen und sich Hilfe zu suchen. Denn auch bei einer sogenannten ,,Depression“ gibt es wirklich Hilfe. Sei es durch Gespräche, harmonisierende Massagen und Bewegungen wie z.B. beim Thai Chi, oder, wenn es nicht anders geht, auch einmal mit Hilfe von Medikamenten!

Wir haben Glück, in Deutschland zu wohnen, wo man, wenn man lange Wartezeiten in Kauf nimmt, doch noch damit rechnen kann, auch bei solchen Leiden, die eigentlich fast alltäglich sind, adequate Hilfe zu bekommen! Man muss nur wollen, selbst mitarbeiten und dem Ganzen etwas Zeit geben, dann kann man wirklich damit rechnen, dass der Zustand sich wieder deutlich bessert!

Kleine Philosophie zum Älterwerden

Be happy again – heißt es auch  in den Wechseljahren – da innere und äußere Veränderungen oft zusammentreffen komme ich nun noch einmal zu der „Chance, Neues zu beginnen, sich über Altes klar werden„, über die ich schon am Anfang dieses Artikels geredet habe. Wichtig ist, sich, auch, wenn man sich nicht „so gut fühlt“, was eben in dieser Zeit manchmal vorkommt, klarzumachen, dass es weitergeht.

zzoldiebandMan sollte überlegen, was einem wirklich etwas bedeutet. Ja, man hat die Chance, Dinge, für die nie Zeit war, jetzt zu tun . Alte Wünsche können zum Teil jetzt erfüllt werden, wo es ruhiger ist und man vielleicht auch über bessere finanzielle Möglichkeiten verfügt, die aber gar nicht unbedingt für alles nötig sind. Schön ist natürlich, wenn man eine Familie hat, in der man sich wohl fühlt – da ist einem selten langweilig… Aber es gibt auch sonst reichlich Möglichkeiten…  Ich rede nicht nur von Bewegung, am besten an frischer Luft… obwohl das ja auch ein Anfang ist…

Vielleicht möchte man ein Instrument spielen lernen – mein Vater hat im Alter noch mit Kontrabass spielen angefangen und macht mittlerweile bei Konzerten mit – er ist über 70 Jahre alt. Meine Mutter leitet eine Herzsportgruppe und hat viel Freude dabei. Vielleicht möchtet Ihr auch gerne reisen – durch das Internet hat man z.B. bei Couchsurfing die Möglichkeit, an vielen Orten der Welt umsonst zu übernachten. Wer mag, kann auch Leute bei sich übernachten lassen. Das finde ich klasse und zu zweit dürfte sich auch die „Gefahr“ dabei merklich verringern. Aber man lernt neue Leute kennen und kann dadurch seinen eigenen Horizont erweitern. Mode ist auch etwas, was Spaß machen kann und wenn das Äußere stimmt, fühlt man sich innerlich wohler….Möglichkeiten gibt es viele, oft macht es auch mit Mehreren mehr Spaß und oft findet man auch Erfüllung darin, etwas wirklich Sinnvolles zu tun. Ehrenamtliche Tätigkeiten in Tierheimen oder Krankenhäusern zeigt einem, wie wichtig man für andere sein kann. Als ich Patientin war, habe ich mich über die Hilfe der „grünen Damen“ (ehrenamtliche Krankenhausmitarbeiterinnen, die den Kranken helfen, wenn sie z.B. etwas brauchen…)sehr gefreut.

Zur inneren Ruhe und Augeglichenheit sind viele Frauen von Yoga begeistert: Es kann helfen, die körperlichen Beschwerden in den Hintergrund treten zu lassen und das Innere von „Psychomüll“ zu berfreien, wie mir eine Patientin erzählte. Ich wollte Euch diese bildhafte Aussage nicht vorenthalten…

OLYMPUS DIGITAL CAMERAZu guter letzt noch ein Tipp: Auf keinen Fall sollte man seine Energien in Ärger über Menschen und Dinge, die man nicht ändern kann , vergeuden , dazu ist die Zeit zu kostbar. Denkt immer daran: Es ist nicht Eure Aufgabe, die Welt der Anderen nach Euren Maßstäben verändern zu wollen, sondern Ihr seid ein Teil der Welt und lebt in Ihrem Fluß. Macht Euch klar, was die Welt Euch schon alles gegeben hat und seid dafür dankbar, auch wenn es mal nicht so rund läuft. Wenn Ihr mit Euch in Einklang seid und zufrieden mit dem, was Ihr tut, ist dieser Teil der Welt schon besser…

Rechtliches :Die Inhalte dürfen nur nach Rückfrage und erteilter Erlaubnis kopiert werden. Die darin vorgeschlagenen Therapien sind kein Ersatz für ärztliche Behandlung, die immer bei medizinischen Problemen empfohlen wird. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Haftung übernommen. Bei unklarer Rechtslage wird darauf hingewiesen, dass unter Umständen Markennamen verwandt werden oder sonstige Formulierungen, die als ,,Werbung“ deklariert werden müssen, was ich hiermit tue. Gleichzeitig weise ich darauf hin, dass der folgende Text ohne Auftrag/Bezahlung entstanden ist.

 

 

 

Frauenarzt – Sprechstunde Wechseljahre Teil 5 : Was passiert mit dem Körper und wie kann ich ihn unterstützen

WICHTIG: Vor Anwendung jeder Therapie müssen die Gegenanzeigen geprüft werden und eine (gynäkologische und ggf. weiterführende) Untersuchung durchgeführt werden! Dieser Artikel dient nur zur allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung und Behandlung des Gynäkologen! Auch sind zwar die Inhalte nach bestem Wissen zusammengetragen worden, dennoch übernehme ich keine Haftung für die Richtigkeit oder die Wirksamkeit der Therapien!
Ich zeige im folgenden verschiedene Beispiele von eingesetzten Medikamenten.  Dadurch habe ich allerdings keinerlei pekuniären Nutzen! Ist das Werbung? Wenn ja deklariere ich den Text hiermit!

Inhaltsverzeichnis

5.1.Haut 

5.2. Haare 

5.3. Gewicht

5.4. Ernährung

5.5. leichter Sport

 

Was passiert mit dem Körper während der Wechseljahre und wie kann ich ihn unterstützen?

5.1. Haut 

Die Haut am ganzen Körper wird zunehmend trockener und dünner. Während der Wechseljahre kann es aber auch gelegentlich durch Hormonschwankungen  zu Unreinheiten kommen. Der Körper ist für ein Mehr an individueller Pflege dankbar. Fett und Feuchtigkeit sind dabei bei trockener, spannender Haut wichtig. Zusätzlich sollte auf ausreichend Sonnenschutz verwendet werden, damit sich keine Pigmentflecken bilden. Auch die Vaginal-Schleimhaut kann sich trocken anfühlen. Hier gibt es auch eine Reihe spezieller Cremes und Gele. Die Frauen empfinden oft unterschiedliche Produkte als angenehm. Die eine verträgt am besten einfaches Fett wie Vaseline, die andere bevorzugt ein feuchtigkeitshaltiges Gel. Zu beachten ist in dem Zusammenhang, dass Fettcreme ggf. die Zuverlässigkeit eines Kondomes herabsetzen kann.

Aggressive Waschcremes sollten vermieden werden. Bei Verwendung eines Makeups nicht übertreiben – zu dunkles Makeup setzt sich in den Fältchen ab und betont sie noch. Zu reichliche Verwendung von Puder trocknet die Haut oft aus und läßt sie maskenhaft wirken. Wenn man gepflegt mit einem leichten Makeup eine fröhliche Ausstrahlung bewahren kann, wirkt man viel jünger, als die überschminkte, auf „jung“ getrimmte Haut. Nie habe ich das Bild Gustav von Aschenbachs in dezzxr wunderschönen Visconti-Verfilmung des Thomas-Mann Klassikers „Tod in Venedig“ vergessen – Clownähnlich geschminkt um jünger zu erscheinen, will er der pathologischen Liebe zu einem Jungen nachhelfen… nicht nachmachen!

5.2. Haare 

Sie werden oft dünner und sollten so wenig wie möglich strapaziert werden. Zusätzlich vertragen sie auch eine sanfte Pflege in Form vom Kuren und Ölen. Hierzu gibt es auf meinem Blog auch einen Beitrag

MEDIZIN: HAARAUSFALL – THERAPIEN UND NEUE ERKENNTNISSE IM ÜBERBLICK

in dem einiges Tipps zum Thema: Haare und Wechseljahre gegeben werden…

5.3. Gewicht:

Oft kommt es in den Wechseljahren zu einer Gewichtszunahme, obwohl davor lange das Gewicht konstant war und man nichts an seinen Essgewohnheiten geändert hat… Aber mit dem verlangsamten Stoffwechsel sinkt auch der Energiebedarf…

Hier ist eine

5.4. ErnährungS1250006 (2)

, die eine ausreichende Nährstoffzufuhr bei möglichst wenig „leeren“ Kohlehydraten gewährleistet, sinnvoll. Neben Obst und Gemüse ist auch etwas hochwertiges  Eiweiß und Eisen gut (z.B. aus magerem Fleisch, Soja und Getreideprodukten wie  Quinoa und Kichererbsen), damit die Muskeln nicht abbauen und ausreichend roter Blutfarbstoff, der für den Sauerstofftransport notwendig ist. Auch Calcium ist wichtig (Milchprodukte), zusammen mit Vitamin D, das nur an der Luft gebildet werden kann sind sie wichtig für feste Knochen. Ggf. sollte man eine Knochendichtemessung erwägen und diese Stoffe in Tablettenform zu sich nehmen.Allerdings bin ich bei der oralen Calciumzufuhr etwas skeptisch. Denn als ich einmal für einige Monate an der Dialyse arbeitete, war das jahrelange Einnehmen solcher Calciumprodukte in zu hoher Dosierung ein nicht ganz seltenenr Dialysegrund! Überdosierungen in Tablettenform können der Niere also den Garaus machen!

Wer Fisch mag, hat hier einen tollen Eiweißliferant, Seefisch enthält u.a. Jod und wertvolle Fettsäuren. Auch bei Jod, das wichtig für die Schilddrüse ist,gilt, dass die Testung der Werte sinnvoll (s.o) ist. Toll ist auch die leichte mediterrane Küche oder Wokpfannen, in denen das Gemüse nur kurz mit wenig Fett knackig angebraten wird….Ab und zu ein wenig unbehandelte Nüsse knabbern – tut auch dem Gehirn gut…

Es gibt übrigens auch eine Anti-Aging Ernährung, die besagt, dass man sich unterkalorisch ernähren soll, weil das bei Ratten zu einer signifikanten Verlängerung des Lebens geführt hat… Nun ja, wem´s Spaß macht… Allerdings sehe ich dabei auch die Gefahr mt Unterversorgung an relevanten Nährstoffen. Zudem sind meines Wissens bis jetzt noch keine Studien dazu an Menschen veröffentlicht worden – wenn doch, gebt mir Bescheid!

zzbbAuch

5.5. leichter Sport

ist empfehlenswert. Sucht Euch etwas, das Euch Spaß macht, vielleicht mit anderen zusammen. Sonntags ziehen in unserer Gegend immer Die Walking-Frauen durch die Wälder – fröhlich schwatzend ohne dass man den Eindruck haben, dass sie sich überanstrengen. Ein Hund tut auch wahre Wunder. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, erfüllt er es mit fröhlichem Gebell und zwingt einen an die frische Luft….Wenn wir beim Sport sind , möchte ich auch die Beckenbodengymnastik, die ich auf alle Fälle auch vorbeugend durchführen würde, ansprechen. zzeinkaufDie Muskeln, die trainiert werden sollen, sind die, mit denen man den Harnstrahl anhalten würde.  Sie kann man unmerklich, z.B. wenn man in einer Warteschlange steht, anspannen.. 20x hintereinander, immer wenn man „Zeit “ hat, helfen schon viel um die Durchblutung in dieser Region zu fördern und die Blasenfunktion und eine andere, lustvollere… zu unterstützen. Es gibt natürlich noch viele anderen Übungen , z.B. auf den Rücken legen, die Beine anstellen, das Becken nach oben anheben, dabei die Wirbelsäule und Podex anspannen und abwechselnd die Beine nach vorne strecken. Oder sich auf die Seite legen und das obere Bein nur ein wenig nach hinten oben anheben und 20 sec. halten, dann die andere Seite… Dabei wird gleichzeitig die Bauch-Beine-Po-Region trainiert, der das auch nicht schadet…

Wenn man sich unsicher ist, kann man auch eine zeit lang unter professioneller Anleitung trainieren. Das macht Spaß und der innerer Schweinehund läßt sich besser überwinden…

 

Frauenarzt-Sprechstunde Wechseljahre Teil 4: ENTSCHEIDUNGSHILFE – Welche Therapie ist die richtige für mich?

WICHTIG: Vor Anwendung jeder Therapie müssen die Gegenanzeigen geprüft werden und eine (gynäkologische und ggf. weiterführende) Untersuchung durchgeführt werden! Dieser Artikel dient nur zur allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung und Behandlung des Gynäkologen! Auch sind zwar die Inhalte nach bestem Wissen zusammengetragen worden, dennoch übernehme ich keine Haftung für die Richtigkeit oder die Wirksamkeit der Therapien!
Ich zeige im folgenden verschiedene Beispiele von eingesetzten Medikamenten.  Dadurch habe ich allerdings keinerlei pekuniären Nutzen! Ist das Werbung? Wenn ja deklariere ich den Text hiermit!

Inhaltsverzeichnis

4.1. Was sagen die Leitlinien?

4.2. Auch ohne  Hormontherapie kann man relativ lange eine gute Lebensqualität bewahren!

 

4.1. Was sagen die Leitlinien?

Die ,,alten“Leitlinien (siehe oben) sprechen klare Worte – eine HRT ist nur dann empfehlenswert, wenn man unter Wechseljahresbeschwerden leidet, die man anders nicht in den Griff bekommt. Im Klartext heißt das: Wenn als Beschwerden da sind, ist es okay und sonst nicht?  ,,Aber“, werdet Ihr zu recht fragen, ,,was ist, wenn ich keine Beschwerden habe, mir aber die Vorteile durch eine HRT nicht entgehen lassen möchte?

S1390259 (2)

Das Bild drückt es aus: Nicht immer ist der Himmel nur Grau oder Blau … Es gibt -wie auch bei vielen Entscheidungen – viele ,,Zwischentöne“…

Ehrliche Meinung? Wer gerne Hormone nehmen möchte und wenn tatsächlich nichts dagegen spricht, man sich außerdem bewußt ist, dass ein Restrisiko immer vorhanden sein kann (siehe Kapitel Nebenwirkungen) , der sollte mit seinem Frauenarzt darüber sprechen, ob eine Hormontherapie nicht trotzdem sinnvoll sein könnte. Denn nur er kennt seine Patienten individuell und kann sie dementsprechend beraten!

Zwar hat die Natur solche langen Lebensspannen, wie wir sie momentan schon erreichen, eigentlich auch nicht vorgesehen. Das sollte aber kein Kriterium für eine HRT sein …  Denn das Ganze soll keinesfalls ins Gegenteil umschlagen! 

Auch, wenn man sich einfach nur unwohl bei dem Gedanken fühlt, der Natur ,,ins Handwerk zu pfuschen“, sollte man von einer HRT absehen, denn häufig merkt der Körper selbst ganz gut, was ihm gut tut, und was nicht. Denn viel zu oft unterdrücken wir dieses ,,natürliche Regulat“, den man auch ,,Instinkt“ nennt!  Zwar nicht immer, aber doch oft ist es nämlich gar nicht so verkehrt, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen!  Dabei sollten wir uns auch Folgendes vor Augen halten:

4.2. Auch ohne  Hormontherapie kann man relativ lange eine gute Lebensqualität bewahren!

Das oben geschriebene heißt nicht, dass es nicht möglich ist, auch ohne Hormontherapie nur langsam zu altern. Es gibt nämlich tatsächlich eine ganze Reihe Frauen, die Wechseljahresbeschwerden im typischen Sinn (s.o.) mit Schwitzen etc. überhaupt nicht durchmachen müssen und deren Körper sich gut an die wechselnden Umstände anpassen kann! Ob der Alterungsprozeß  schneller abläuft, wenn man keine Hormone nimmt, könnte zwar sein, allerdings sind die Geschlechts-Hormone nur einer von vielen Faktoren, die das Altern vorantreibt! Es ist auf der anderen Seite auch wichtig, dem Körper mit einer gewissen Disziplin all´ das zukommen zu lassen, was er benötigt (siehe unten). Dabei kann auch der Hausarzt immer wieder durch Blut- und Urinuntersuchungen feststellen, ob alles in Ordnung ist. Manchmal sind auch Zusatzuntersuchungen, die Auskunft über Vitaminmängel, Schilddrüsenzustand oder Knochenbeschaffenheit geben, sinnvoll. Leider zahlt diese Untersuchungen die Krankenkasse nicht immer ….

Setzt Euch also mit einem Frauenarzt, dem Ihr vertraut, zusammen und überlegt gemeinsam, was für Euch ganz allein das Richtige ist! Kommt Ihr gut klar? Habt Ihr Euer Leben auch ohne Hormone gut im Griff?

Oder habt Ihr selbst deutliche Risikofaktoren für vorzeitiges Altern wie Rauchen, gehäuften Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, Psychostress, Fehlernährung etc. , … die vorderdringlich angegegangen werden müssten,?

Auch wer gehäuft Erbkrankheiten, die in hormonellen Zusammenhang stehen,  wie gehäuft Brustkrebs, in der Familie hat, sollte genau mit dem Arzt seines Vertrauens besprechen, ob eine HRT wirklich von Nutzen ist oder sich vielleicht sogar eher ungünstig auswirkt!?

Seid Ihr unsicher? Schaut Euch die Vor- und Nachteile an, die ich Euch hier (mit zugegeben einiger Mühe, denn alleine die Überarbeitung und Literaturrecherche hat mich Tage  gekostet!) zusammengesucht habe und stellt Eurem Frauenarzt noch einmal die Fragen, die Euch wichtig sind und überlegt dann gemeinsam mit ihm, was für Euch am besten ist. Auch ich empfehle vielen Patienten keine Hormone. Denn nicht immer überwiegen die Vorteile! Auf der anderen Seite lasst Euch auch nicht in eine Ecke drängen! Wenn Ihr unter den Folgen des Älterwerdens leidet, habt Ihr mit einer ordentlichen, natürlichen Hormonersatztherapie eine Option, die man durchaus, ohne schlechtes Gewissen nutzen kann! Ob Ich 100% sagen kann, dass Ihr keine Schäden davon erleidet? Nein! Denn nichts in der Medizin, auch nicht im Leben, ist 100% sicher!  Aber ich kann aus Erfahrung sagen, dass die meisten Frauen, die deutliche Beschwerden hatten, nach etwa 2-12 Wochen beschwerdefrei waren und nicht mehr auf ihre HRT verzichten wollten!

Frauenarzt – Sprechstunde Wechseljahre Teil 2: Überblick und Besonderheiten moderner Hormon – Therapien

WICHTIG: Vor Anwendung jeder Therapie müssen die Gegenanzeigen geprüft werden und eine (gynäkologische und ggf. weiterführende) Untersuchung durchgeführt werden! Dieser Artikel dient nur zur allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung und Behandlung des Gynäkologen! Auch sind zwar die Inhalte nach bestem Wissen zusammengetragen worden, dennoch übernehme ich keine Haftung für die Richtigkeit oder die Wirksamkeit der Therapien!
Ich zeige im folgenden verschiedene Beispiele von eingesetzten Medikamenten.  Dadurch habe ich allerdings keinerlei pekuniären Nutzen! Ist das Werbung? Wenn ja deklariere ich den Text hiermit!

Inhaltsverzeichnis

2.1. Die Hormon-Ersatz-Therapie (HET), auf englisch: Hormone Replacement Therapy, (HRT):

2.1.1 Wirkweise einer HRT

2.1.2. Applikationsformen von Hormonen

2.1.3. Kontinuierliche und sequenzielle Hormontherapie

2.1.4. Vorbereitung einer HRT

2.1.4.1. Anamnese

2.1.4.2.Untersuchung

2.1.4.3. Zusatzuntersuchung CIMT

 Untersuchung der Intima Media Dicke der Carotis-Arterie

 

2.2. Verschiedene aktuelle Einnahme-Schemata

2.2.1. Kombinationstherapie  aus transdermalem naturidentischen 17ß-Estradiol und oralem Progesteron und sinnvoll Ergänzungen

2.2.2. Übliche  konventionelle Hormonersatztherapie, wie sie auch heute noch oft angewandt wird

2.2.2.1. Bsp. ,,Wechseljahrspille“

2.2.2.2. Soll man auf natürliche Hormone wechseln?

2.2.3.  Die Modifizierte Hormnonersatztherapie mit natürlichen Hormonen nach Rimkus

 

2.3. Nebenwirkungen der konventionellen HRT

2.3.1. Allgemeines zu Nebenwirkungen

2.3.2. Allgemeine Nebenwirkungen konventioneller HRT

2.3.3. Auftreten bösartiger Tumoren (Krebs) mit Häufigkeiten

2.3.4. Kontraindikationen einer Hormonersatzherapie

 

2. Behandlungsmethoden des klimakterischen Syndroms

… hängen natürlich von individuellen Gegebenheiten, Risiken und von der Intensität der Beschwerden ab, deshalb sollte insbesondere auch die Hormontherapie in die Hände Eures Gynäkologen gelegt werden.

2.1. Die Hormon-Ersatz-Therapie (HET), (englisch) Hormone Replacement Therapy, (HRT):

2.1.1 Wirkweise einer HRTKlimax nach Behandlung

Hier werden die fehlenden Hormone dem Körper wieder zugeführt. Dies ist die wirkungsvollste Behandlung. Wie kaum etwas anderes schafft sie, die oben genannten Symptome gut zu behandeln, die Haut bleibt frischer, das Denken fällt leichter (was mir einige Patientinnen tatsächlich bestätigt haben) das Osteoporoserisiko sinkt, das Urinhalten klappt wieder besser, ... kurzum – der Alterungsprozeß verlangsamt sich… Sogar eine  Schutzwirkung bezüglich koronarer Herzerkrankung und anderer Altersprozesse wurde in Studien gezeigt!

Laut Studienlage empfiehlt es sich, bei Beschwerden so früh wie möglich mit einer Hormonersatz -Therapie zu beginnenNach einem Alter von 60 Jahren sollte nicht mehr begonnen werden.

Ist die Periode bei Beginn der HRT schon länger als 2 Jahre nicht mehr aufgetreten, sollte auf alle Fälle eine Doppler-Untersuchung der Carotis-Arterien gemacht werden (siehe unten) und man kann auf alle Fälle gleich durchgehend beginnend (nicht sequentiell).

Siehe hierzu auch

2.1.2. Applikationsformen von Hormonen

zzhetHormon- Tabletten können verschieden zusammengesetzt sein, die  Dosierung ist gut zu erhöhen, verringern oder die Behandlung beenden.

Pflaster, Sprühsysteme und Gele wirken über die Haut. Das Pflaster muss man  ein bis zweimal wöchentlich auf die Haut kleben, Gele und Sprays werden täglich aufgetragen.

Östrogen-Nasenspray wendet man bis zu viermal täglich an. Auch hier ist eine gute Variabilität der Dosierung möglich.

Bei  Beschwerden nur  in der Scheide wie Trockenheit, Brennen oder Juckreiz kann man östrogenhaltige Vaginaltabletten, -zäpfchen, -creme benutzen.

Gestagene sind entweder Bestandteile von Tabletten oder separate Kapseln (natürliches Progesteron), wobei letztere auch in der Scheide aufgenommen werden.

2.1.3. Kontinuierliche und sequenzielle Hormontherapie

2.1.3.1. Kontinuierliche Hormontherapie:

Viele Frauen wünschen sich keine Blutung mehr. Dann kann durchgängig ein  Östrogen und Gestagen eingenommen werden. Bei Zustand nach Gebärmutterentfernung kann auch eine reine Östrogengabe ausreichend sein.

Hat man aber noch eine Gebärmutter, sollte man nach einem halben Jahr   einmal eine Ultraschall-Untersuchung der Gebärmutterschleimhaut durchführen (die man allerdings nicht von der Kasse bezahlt bekommt). Fängt sie an, sich aufzubauen ist es besser, sie durch eine Einnahme-Pause einmal abbluten zu lassen, da sich sonst eine sogenannte „Hyperplasie“ bilden kann, die sich im schlimmsten Fall zu Krebsvorstufen/Krebs entwickeln kann.

Sequenzielle Hormontherapie:

Bis zu zwei Jahren nach der Menopause (Sisiteren der ,,normalen“ Blutung) ist das Endometrium noch durch Hormongabe stimulierbar. Es ist möglich, dass es bei kontinuierlicher Gabe zu ungeregelten, lästigen Blutungen kommt. In so einem Fall, oder wenn die Frau gerne noch ihre Blutung weiter haben würde (was aber nicht immer klappt) empfielt sich die sequenzielle Hormontherapie.

Durch die Pause der Hormongabe kommt es zu einem Abbluten der Gebärmutterschleimhaut. Würde sich diese immer weiter aufbauen, könnte es zu einer sogenannten ,,Hyperplasie“ kommen, die dann im schlimmsten Falle entarten könnte (Endometriumshyperplasie)

Hier gibt es verschiedene Schemata. 

Zu beachten ist, dass bei sequentieller Anwendung zum Schutz des Endometriums mindestens 200  mg Progesteron gegeben werden sollten.

Z.B. werden  den ersten 9-12 Tagen des Zyklus ausschließlich Östrogene verabreicht, in der zweiten Hälfte (12-14 Tage) zusätzlich auch ein Gestagen. Danach kann man eine Östrogenpause (6-7 Tage) einlegen, in denen es meist zu einer Blutung kommt.

Oder man kombiniert 22 Tage und macht dann 6 Tage Pause …

Eigentlich wird heutzutage aber in der Ersatztherapie einen immer gleichbleibenden Östrogenblutspiegel favorisiert, d.h. dass man Östrogen durchnimmt, da es sonst wieder zu unangenehmen Beschwerden kommen kann.

Eine Östrogenmonotherapie ist möglich, wenn die Gebärmutter entfernt wurde und keine Endometrioseherde vorliegen, die sonst ggf. entarten könnten! Andererseits verhindert das Gelbkörperhormon Progesteron nicht nur Wucherungen der Gebärmutter, sondern kann auch  stimmungsaufhellend wirken und Schlafprobleme lindern.

2.1.4. Vorbereitung einer HRT

2.1.4.1. Anamnese

Allgemeine Anamnese (Krankengeschichte),  insbesondere Abklärung Kontraindikationen  HRT

wie Krebs , insbesondere Brustkrebs und Unterleibskrebs,  Blutgerinnungsstörungen, Herzinfarkt, Schlaganfall, Thrombosen,Embolien )Lererkrankungen, Allergien. Bluthochdruck, rauchen, Diabetes, Gallensteine, Migräne, Immunsystem, Epilepsie, Asthma, Ohrerkrankungen…Alles auch in der Familie aufgetretenperat

2.1.4.2. Untersuchung

  • Körperlich: Brüste, Unterleib
  • Ultraschall – Dicke Gebärmiutterschleimhaut, Myome, andere Tumoren? Eierstöcke?
  • Abstrich,… veränderte Zellen, Entzündungen?
  • Laboruntersuchung Hormone, Schilddrüse…, Blutbild, Leberwerte,…?

2.1.4.3. Zusatzuntersuchung CIMT

 Untersuchung der Intima Media Dicke der Carotis-Arterie (CIMT) (Halsgefäß) mittels Doppler/Ultraschall

Wenn man schon eine Weile  hormonell unterversorgt war, kann es sein, das sich bereits Plaques gebildet haben, die sich durch erneute Hormongabe ablösen könnten. Dieses Untersuchungsergebnis  ist nun ein (wenn auch nur orientierender) Marker für den Grad der Verkalkung der Gefäße. Denn an der Halsschlagader sieht man Ablagerungen recht gut!

cimt

Im folgenden zeige ich Euch

2.2. Verschiedene aktuelle Einnahme-Schemata

Als erstes möchte ich Euch das nach den neuesten Erkenntnissen erstellte Schema vorstellen und auch, welche Vorteile dieses Schema hat! Im Folgenden komme ich auch zu den Nebenwirkungen und Nachteilen, sowie zu den sonstigen Möglichkeiten der Behandlung in den Wechseljahren, sodaß Ihr Euch ein umfassendes Bild zu dieser Thematik machen könnt!

2.2.1. Kombinationstherapie  aus transdermalem naturidentischen 17ß-Estradiol und oralem Progesteron und sinnvoll Ergänzungen

(Aktuell nach den neuesten Erkenntnissen erstelltes Hormon-Ersatz-Schema):

  •  1-2 Kapseln Progesteron/Tag oral oder vaginal (letzteres eigentlich besser, dafür aber in Deutschland nicht offiziell zugelassen). (z.B. Progestan 100mg, Utrogest 100 mg)
  •  1-3 Pumphübe/Sprühstoße /Tag Transdermales 17-ß Estradiol (z.B. Gynokadin Dosiergel 0,6 mg/g Gel Estradiol, Estreva 0,1% Gel, rel. neu: Dosieraerosol Lenzetto 1,53 mg/Sprühstoß),  Wirkung oft erst nach ca 2 Wochen spürbar), individuelle Anwendungsempfehlungen beachten

 

Besonderheiten dieser Therapieform

1. Gestagen-Gabe 

 

16908283_126775491070106_1284338849505345536_n(2)Mikronisiertem natürlichem Progesteron den Vorzug geben! 

Dies hat sich hinsichtlich des Thromboembolierisikos als sehr günstig erwiesen. Auch im Hinblick auf das bei synthetischen Gestagenen besonders gefürchtete Brustkrebsrisiko weist natürliches ProgesteronVorteile auf. Eine kombinierte HRT mit Progesteron oder Dydrogesteron über bis zu fünf Jahre hat das Brustkrebsrisiko in der E3N-Studie nicht erhöht.

2. Östrogen-Gabe: 

Naturidentisches 17-ß Estradiol verwenden!

Warum? Die bis vor kurzem hierfür verwendeten Stutenöstrogene (z.B. Estradioldivalerat), d.h. Ausscheidungsprodukte des Pferdes (!) enthalten auch viele Metabolite  – über deren unerwünschte Wirkungen noch nichts bekannt ist! Die bisherigen Studien wurden übrigens alle mit solchem Östrogen Derivaten durchgeführt, die im Menschen nicht vorkommen. Während sich menschliches Östrogen (17-ß-Estradiol) im Laufe der Evolution an den Organismus angepasst hat, wissen wir nicht, was die Ausscheidungsprodukte der Stute im menschlichen Organismus anrichten!

Die Verabreichung des Östrogens sollte transdermal erfolgen,

entweder mit dem Hormonpflaster, einem Gel zum Auftragen auf die Haut oder seit kurzem dem Spray, das in kürzester Zeit einzieht. Dabei gelangt das Östrogen  kontinuierlich ohne größere Schwankungen über die Haut (transdermal) direkt ins Blut, so, wie es vor der Menopause natürlicherweise im Organismus war!

Denn durch den Mund (oral) verabreicht, muß  das Östrogen erst durch den Magen und gelangt dann durch das Pfortadersystem letztendlich zu den Organen, wo es gebraucht wird (Gehirn, Knochen und Herzkreislauf-System). An der Leber gibt es jedoch sehr viele Östrogen-abhängige Effekte, die bei der oralen Gabe beachtet werden müssen, z.B. die Aktivierung der Gerinnungsfaktoren oder des Schilddrüsen- und Kortikoidstoffwechsels und  die oft eine Erhöhung des Risikoprofils mit sich bringen!

Zusätzl. sinnvolle Gabe

(siehe auch 3. Nicht-hormononelle Behandlungsmehtoden) :

  • evtl. je nach Beschwerdebild  Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln /Vitaminen / lokalen Gels z.B. Aufbau einer gesunden Darmflora/Scheidenflora Multigyn-Produkte,  (Scheidenmillieu/Trockenheit, Gels) Vagisan-Creme, Femisanit (Scheidentrockenheit – Kapseln), Sinekrin (auch gegen Schwellungen,Knochen,Haut…), Chlorella (Versorgung, gegen Schadstoffe – kurmäßig), Spirulina (B-Vitamine)
  • nach Prüfung Vit. D3 Spiegel – Vit. D3 (z.B. Biomenta D3  20 000 IE /1x Woche Depot)
  • da im Alter auch oft die Schilddrüsenfunktion nachlässt, empfiehlt sich auch hier eine diagnostische Überprüfung, um ggf. eine Therapie (Jod, Schilddrüsenhormone) einzuleiten.

 

2.2.2. Übliche  konventionelle Hormonersatztherapie, wie sie auch heute noch oft angewandt wird

Eine die letzten Jahre am häufigsten angewandte Methode sind sogenannte ,,Wechseljahrespillen mit einer meist festen Kombination aus einem (überwiegend equinen) Östrogen und einem (künstlichen) Gestagen. Auch hier gibt es die kontinuierliche und die sequenzielle Hormontherapie. Hier nur ein Beispiel von vielen, dass noch viele Patientinnen so erhalten und auch gut damit fahren.

2.2.2.1. Bsp. ,,Wechseljahrspille“

( z.B. Cyclo-Progynova® N 2 mg/0,15 mg, überzogene Tabletten)
Einnahme 9 Tage gelbe Tablette enthält nur Estradiolvalerat 2,00 mg (entsprechend 1,53 mg Estradiol)
dann 12 Tage braune Tablette enthält Kombination Estradiolvalerat 2,00 mg (entsprechend 1,53 mg Estradiol), Levonorgestrel 0,15 mg, danach 7 Tage Pause (ggf. setzt in dieser Zeit Blutung ein)

Auch diese Kombination gilt als relativ sicher. Allerdings wird das Östrogen oral gegeben und das veränderte Östrogen gegeben (Nachteile siehe bei 2.1.1).

2.2.2.2. Soll man auf natürliche Hormone wechseln?

Nun ist die Frage: Soll man, da dieses Anwendungs-Schema ja, wie oben erklärt, einige Nachteile hat, zu den natürlichen Hormonen wechseln? Wenn man gut mit ihm fährt, ist eigentlich keine zwingende Notwendigkeit gegeben. Aber…

An besten ist es, man klärt mit seinem Gynäkologen, wie lange es sinnvoll ist, überhaupt noch Hormone zu nehmen. Denn eigentlich gilt für diese Kombi eine empfohlenen Einnahmezeit nur, solange es bezüglich der Beschwerden nötig ist. Laut aktueller Datenlage würde es aber durchaus Sinn machen, die Hormone doch etwas länger zu nehmen. Und dann wäre ein Wechsel auf natürliche Hormone schon sinnvoll!

Möchte man aber, aus welchen Gründen auch immer, sowieso in Bälde mit den Hormonen aufhören, kann man, denke ich, ohne wesentlich erhöhtes Risiko auch noch 1-2 Jahre bei diesem Verfahren bleiben… Allerdings würde ich, wenn ich mich neu für eine HRT entscheide, gleich zu dem natürlichen Verfahren raten!

 

2.2.3.  Die Modifizierte Hormnonersatztherapie mit natürlichen Hormonen nach Rimkus

zzrimkusVor etwa 2 Jahren flammte die Diskussion um die „Natürliche Hormontherapie nach Rimkus„, auf, die sich wie eine Mischung der beiden oben aufgezeigten liest … , aber doch  kleine, entscheidende Änderungen aufweist. Dabei werden wie bei 2.1.1. ausschließlich dem menschlichen Körper identische Hormone, mit Zink und Kupfer kombiniert (um die Enzymtätigkeit zu unterstützen), verwendet. Deshalb soll sie keine gravierende Nebenwirkungen (wie die Therapie mit leicht veränderten Hormonen  2.1.2., die aktuell (noch) Standard ist, haben. Leider fehlen auch hier standardisierte Studien, so daß keine offiziellen Empfehlungen gegeben werden dürfen. Ich hatte das Vergnügen, mich mit Dr. Rimkus einen Abend lang unterhalten zu dürfen. Er hat nach jahrzehntelanger Anwendung in seiner Praxis tatsächlich nie dererlei Nebenwirkungen festgestellt… und die Frauen haben sich laut seiner Aussage immer sehr wohl gefühlt. Deshalb gibt es mittlerweile einige Ärzte, die nach dem  Schema behandeln, ich habe nur von guten Ergebnissen gehört….

Aus diesen Gründen habe ich mich entschieden, hier diese Methode etwas genauer vorzustellen, meine Aufgabe ist es ja, möglichst umfassend zu informieren…

Hier wird im Präklimakterium  bei noch gutem Östradiol-Spiegel natürliches Progesteron  vom 7.-29. Zyklustag  eingenommen, danach 6 Tage Pause gemacht. Dies führt dazu, dass durch Umwandlung der Östrogen in Progesteronrezeptoren  an der Gebärmutterschleimhaut die Blutung mit der Zeit ganz wegbleibt.

Fehlt auch Östrogen, wird biphasisch (sequenziell) behandelt (7.-17. Tag nur Östradiol, dann 12 Tage kombiniert, dann 6 Tage Pause.

In der frühen Menopause  wird 22 Tage kombiniert, dann 6 Tage Pause gemacht. Bleiben mehr als 3 Monate die Blutungen weg, kann auf die Pause verzichtet werde (Pause immer nötig, wenn Blutungen auftreten, wenn die Blutung vorher schon einmal länger als ein Jahr weggeblieben ist, muß natürlich weiter abgeklärt werden, es könnte sich etwas Krankhaftes dahinter verbergen!

Möchte man die ältere Frau behandeln, beginnt man ganz langsam (mit der viertel oder halben Dosierung) und steigert dann langsam (Kontinuierliche Behandlung).

IMG_7470
Die richtig reifen Äpfel sind oft die Besten…

An der Stelle möchte ich betonen, dass ich von Herrn Rimkus keinerlei Zuwendung für diese Information erhalte, sondern nur bestrebt bin, alle Optionen aufzuzeigen!

Fazit zur Rimkus-Therapie: Wenn man bedenkt, dass Herr Rimkus seine Therapie einfach aufgrund seiner Beobachtungen und dem gesunden Menschenverstand aufgebaut hat, ist dieses Schema eine tolle Leistung! Er ist der ,,Urvater“ der natürlichen Hormone, wenn man so will! 7

Auf der anderen Seite weist das Schema kleine Mängel auf. So gibt er das Östrogen oral, was ungünstiger hinsichtlich der Verstoffwechselung sein soll.

Bei der Frau  über 60 Jahren ist es, wie insbesondere die WHI- Studie  ja nun gezeigt hat, relativ gefährlich, noch mit Hormonen anzufangen! Es ist schließlich wahrscheinich, dass es in den Jahren ohne Hormn-Substitution bereits zu einer Plaquesbildung gekommen ist, weshalb nun das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen bzw. Thrombosen und Embolien zumindest bei Beginn der HRT erhöht ist! Hier muss sicherlich von Fall zu Fall unterschieden werden, ob dieses Risiko noch eingegangen werden kann, denn die Empfehlungen raten davon ganz klar ab (,,window of opportunity“ : so früh wie möglich , Beginn nicht über 60 Jahre! )

Die Empfehlung geht deshalb dahin, auf alle Fälle vor Beginn jeder HRT das einfache Mittel der Intima-Media Dicken Messung anzuwenden, um einen Eindruck hinsichtlich des Plaques Risikos zu bekommen.

Wie bei den anderen Therapien auch, sollte die Schleimhautdicke der Gebärmutterschleimhaut mittels Vaginalsonographie im Auge behalten werden. Insgesamt ist die Rimkus-Therapie wahrscheinlich nicht schlechter, sondern durch die natürlichen Hormone eher besser als eine herkömmliche Hormontherapie! Ich sehe sie als Vorreiter-Therapie mit kleinen Mängeln, die man mit der natürlichen, modernen Hormontherapie behoben hat! Mir gefällt, mit welcher Vehemenz Herr Rimkus diese Therapie zum Wohle der Frau aufgebaut und entwickelt hat und damit den Weg für eine natürliche Hrmontherapie geebnet hat! Zudem sollten sich die Ärzte von seiner differenzierten, durchdachten Vorgehensweise, mit der er bemüht ist, für jede Frau die richtige Therapie zu finden, eine Scheibe abschneiden!

 

2.3. Nebenwirkungen der konventionellen HRT

2.3.1. Allgemeines zu Nebenwirkungen

Insgesamt wird die Hormongabe in den Wechseljahren sehr gut vertragen. Die Frauen fühlen sich oft schlagartig besser. Die Nebenwirkungen sind insgesamt relativ selten. Wenn sie aber auftreten, können sie mehr oder weniger belastend sein. Deshalb habe ich bei den gravierenden Nebenwirkungen (wie Brustkrebs) die Häufigkeiten dazu geschrieben, damit jede Frau für sich entscheiden kann, ob sie das Risiko eingehen will oder nicht. Allerdings sind viele der Nebenwirkung aufgrund der WHI-Studien-Auswertung entstanden, die ja gravierende Mängel aufweist. Dazu später mehr…

2.3.2. Allgemeine Nebenwirkungen konventioneller HET

  • Störung der Monatsblutung (wenn sie noch da ist),  wie Schmier- und Zwischenblutungen, schmerzhafte oder verstärkte Blutung und Ausfluß, Gebärmutterpolypen, es auch zu einem Wieder-Auftreten von Blutungen
  • Verschlimmerung von Geschwülsten der Muskelschicht der Gebärmutter (Leiomyomen),
  • Bauchschmerzen, Erbrechen, Verstopfung und Durchfall
  • Auftreten von Gallenwegs/-blasen – Erkrankungen
  • Kopfschmerzen, Migräne und Schwindel
  • Brustschmerzen, Vergrößerung der Brust, gutartige Brusttumore

2.3.3. Auftreten bösartiger Tumoren (Krebs) mit Häufigkeiten

– Zunahme des Brustkrebs-Risikos (Mamma-Karzinom)

unnamed-11
Möglichkeiten, wie man die Brust selbst auf Veränderungen untersuchen kann: Achsehöhlen und Areal über dem Schlüsselbein nicht vergessen!

Hier hat die Auswertung von über 50 Studien ergeben, dass ohne Anwendungvon Arzneimitteln zur Hormonersatzbehandlung etwa 45 von 1000 Frauen im Alter zwischen 50 und 70 Jahren eine Brustkrebsdiagnose zu erwarten haben. Es wird geschätzt, dass bei Frauen im entsprechenden Alter mit gegenwärtiger oder früherer Hormonersatzbehandlung bei 5-jähriger Behandlungsdauer 1 bis 3 zusätzliche Fälle pro 1000 auftreten, bei 10jähriger Behandlungsdauer 3 bis 9 und bei 15jähriger Behandlungsdauer 5 bis 20 . Unabhängig vom Alter der Frauen bei Beginn einer Hormonersatzbehandlung ist die Zahl der zusätzlichen Brustkrebsfälle ungefähr gleich (Luzuy Genf 2007).

– Zunahme des Gebärmutterschleimhautkrebs(Endometriumkarzinom):

Neuauftreten in Deutschland 27 pro 100.000 Frauen, bei Frauen mit alleiniger Östrogen-Substitution steigt das Risiko um das 2-fache, allerdings bei Verhütung mit Östrogenen und Gestagenen nur um das 0,3 bis 0,5- fache(Jens Einenkel, Leipzig 2012) . Dies erklärt sich dadurch, dass Gestagene schützend auf das überschießende Wachstum der Gebärmutterschleimhaut (Endometriumshyperplasie, die zu Krebs führen kann) wirkt. Deshalb gibt man auch Frauen, die die Gebärmutter noch haben, immer ein Gestagen dazu. Das Risiko ist also heutzutage wahrscheinlich wesentlich geringer als das doppelte Risiko.

– Zunahme des Eierstockkrebses (Ovarialkarzinom):

Neuauftreten innerhalb von 5 Jahren war bei Frauen ohne HET 2,2 pro 1000 Frauen, bei Frauen mit HET 2,6, d.h. es kommt zu einem  zusätzlichen Fall bei 2500 Benutzerinnen.
(Literatur: 1. Million Women Study Collaborators. Ovarian cancer and hormone replacement therapy in the Million Women Study. Lancet 2007 May 19; 369:1703-10 und 2. Lacey JV Jr et al. Menopausal hormone therapy and ovarian cancer risk in the National Institutes of Health–AARP Diet and Health Study Cohort. J Natl Cancer Inst 2006 Oct 4; 98:1397-405)

– Zunahme des thrombembolischen Risikos (d.h. Herzinfarkt, Schlaganfall, Lungenembolie)

um das 2-3 fache ( Hulley S,et al (1998) Randomized trial of estro- gen plus progestin for secondary pre- vention of coronary heart disease in postmenopausal women. Heart and Estrogen/progestin Replacement Study (HERS) Research Group. JAMA 280(7):605–613)

Allerdings hat die HET ja auch eine protektive Wirkung (s.o.)

2.3.4. Kontraindikationen einer Hormonersatztherapie

  • schwere Lebererkrankungen (cholestatischer Ikterus, Lebertumore)
  • hormonabhängige Tumore (Brustkrebs, Gebärmutterschleimhautkrebs… oder Zustand danach)
  • schwer einstellbare arterielle Hypertonie
  • thrombembolische Erkrankungen bei Störungen des Gerinnungsstatus mit Thromboseneigung -ungeklärte uterine Blutungen und Sichelzellanämie, Z.n. Infarkten/Embolien
  • evtl. schwere Migräne

 

Frauenarzt – Sprechstunde Wechseljahre Teil 1: Überblick, Prämenopause, Klimakterium, Menopause, Postmenopause

WICHTIG: Vor Anwendung jeder Therapie müssen die Gegenanzeigen geprüft werden und eine (gynäkologische und ggf. weiterführende) Untersuchung durchgeführt werden! Dieser Artikel dient nur zur allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung und Behandlung des Gynäkologen! Auch sind zwar die Inhalte nach bestem Wissen zusammengetragen worden, dennoch übernehme ich keine Haftung für die Richtigkeit oder die Wirksamkeit der Therapien!
Ich zeige im folgenden verschiedene Beispiele von eingesetzten Medikamenten.  Dadurch habe ich allerdings keinerlei pekuniären Nutzen! Ist das Werbung? Wenn ja deklariere ich den Text hiermit!

Inhaltsverzeichnis

1.1. Überblick: Vor- und Nachteile der Wechseljahre

1.2. Verlauf / Phasen der Wechseljahre und typische Beschwerden

1.2.1. Prämenopause

1.2.2. Klimakterium

1.2.3. Menopause

1.2.4. Postmenopause

Wechseljahre

1.1. Vor- und Nachteile

S1420009 (2)Wenn Ihr denkt, ich wolle Euch die Wechseljahre als ein ganz tolles Projekt verkaufen, aus dem viele Vorteile hervorgingen… Irrt Ihr Euch. Auch, wenn man nicht mehr verhüten muss und die monatlichen Blutung wegbleibt, würden  die meisten von uns trotzdem  gerne darauf verzichten! Kündigen sie doch das Ende unserer Fruchtbarkeit an und sogar, wenn wir sicher keinen Nachwuchs mehr wollen, ist es doch nicht schön, dass man nicht mehr könnte, auch wenn man wollte…

Zudem heißt es schließlich sogar in der einer Werbung so beddeutungsschwanger: ,,Wenn der Östrogenspiegel sinkt“… Ja, es ist leider richtig, reden wir es nicht schön,  dann kommt es zu einer Reihe von  Alterungprozessen (nicht nur der Haare)!  Dennoch weiß man dank der modernen Medizin, dass man doch ein paar Dinge tun kann, um diesen Prozess, sagen wir ´mal, etwas zu bremsen!

Zudem führen die körperlichen und seelischen Veränderungen des Klimakteriums oft dazu, daß man über sich und sein Leben reflektiert. Meist fällt es auch in eine Zeit des äußeren Umbruchs (Kinder gehen aus dem Haus, man wird vielleicht  Oma, im Job hat man oft alles erreicht…).  Diese Beschäftigung mit seiner Situation wird von vielen im Nachhinein als ,,Chance“ bezeichnet und sieht in etwa so aus:

,,Ich habe mir klar gemacht, was bisher falsch gelaufen ist und endlich den Mut gefasst, etwas zu verändern, mehr für mich zu tun, mein Leben mehr zu genießen, die Zeit besser zu nutzen für Dinge, die mir wichtig sind…„.

Also, nur Mut liebe Frauen! Erstens muss ,,der Wechsel“ für den Körper in Bezug auf das Altern gar nicht soo dramatisch ablaufen, wie das noch vor Kurzem der Fall war, denn wir können doch einiges tun, um ihn zu unterstützen und zweitens bieten sich oft in dieser Zeit noch einmal verschiedene Chancen, um noch einiges aus seinem Leben herauszuholen, man muss sie nur ergreifen!

Kommen wir als erstes zu den Behandlungsoptionen. Es gibt natürlich Frauen, diegar keiner Hilfe bei „dem Wechsel“ bedürfen. Die auf mein vorsichtiges ärztliches Nachfragen hin nur lächelnd antworten, sie hätten kaum oder nur wenig Probleme, die sie gut ertragen könnten … und danach kommt oft gleich die berechtigte Frage, ab wann man mit dem Verhüten Schluß machen könne… Um es  vorweg zunehmen (und weil für Euch Frauen, die Ihr zu dieser Gruppe gehört, außer dieser Frage eigentlich nur der Abschnitt über Ernährung wirklich relevant ist…)wenn die Regel (ohne Hormone einzunehmen) ein Jahr weg geblieben ist, ist es  unwahrscheinlich, schwanger zu werden.

So, nun für die restlichen Frauen, die Beschwerden haben oder einfach optimal informiert sein wollen…

1.2. Verlauf / Phasen der Wechseljahre und typische Beschwerden

Bei manchen schon mit 35 Jahren bei anderen um die 40,  wenn man noch gar nicht an die Wechseljahre denkt, beginnen sie ganz leise – mit der  sogenannten

1.2.1. Prämenopause

– die Eierstöcke fangen ein wenig zu „schwächeln“ an, das Gelbkörperormon Progesteron sinkt dann und wann etwas ab, der Eisprung bleibt manchmal aus, der Zyklus verkürzt sich… Bei manchen tritt das sogenannte „Prämenstruelle Syndrom“ (PMS) auf, bei dem man gegen Ende des Zyklus gereizt ist und die Brüste spannen, man zu Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen und Schmierblutungen neigt…. Hier kann man mit pflanzlichen Mitteln oft gute Ergebnisse erzielen, wer aber besonders stark leidet, dem bietet sich die Möglichkeit, entweder lokal (bei Brustspannen) ein Gestagen-Gel anzuwenden, oder schon mit einer ergänzenden oralen Hormon-Therapie diesen Mangel eventuell auszugleichen…

Zwischen 45 und 55 sinkt auch der Östrogenspiegel deutlich ab  und es ist da: das

1.2.2. Klimakterium

Für wenige unmerklich, für manche unerträglich können eine Reihe von

Beschwerden auftreten:

Klimax vor Behandlung

  • Hitzewallungen
  • Stimmungsschwankungen / schlechte Laune / Depressionen
  • Schlafstörungen
  • Libidoverlust (mangelndes Interesse an Sex)
  • Harninkontinenz (Urin kann nicht mehr immer gehalten werden)
  • Abgeschlagenheit / Müdigkeit/Denkstörungen
  • Gewichtszunahme…
  • Verlust der Knochendichte mit erhöhtem Frakturrisiko
  • zunehmende Verkalkung der Gefäße mit erhöhter Disposition zu Herz-Kreislaufeerkrankungen

Die endgültige

1.2.3. Menopause

(Periode bleibt  ganz weg) tritt dann im Durchschnitt mit 51 Jahren auf, auch das ist  individuell verschieden. Bei sehr schlanken Frauen in der Regel früher, bei Raucherinnen später. Mit der

1.2.4. Postmenopause

(durchschnittlich mit 70 Jahren, auch hier gibt´s große Schwankungen) ist die Umstellung des Körpers vollzogen, die Hormone  haben sich auf einem niedrigerem Niveau eingependelt, die Beschwerden sind meist verschwunden.

 

Frauenarzt – Sprechstunde Wechseljahre Serie in 1+ 7 Teilen: Überblick über neue und konventionelle Therapien, Tipps und Hintergründe! Heute: Einführung/ Überblick, Quellen

S1390162 (2)
DrNessy im Gespräch mit Prof. Ingrid Gerhard, ,,Grand Dame“ der Erkenntnisse um natürliche Methoden in der Gynäkologie und Geburtshilfe.
WICHTIG: Vor Anwendung jeder Therapie müssen die Gegenanzeigen geprüft werden und eine (gynäkologische und ggf. weiterführende) Untersuchung durchgeführt werden! Dieser Artikel dient nur zur allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung und Behandlung des Gynäkologen! Auch sind zwar die Inhalte nach bestem Wissen zusammengetragen worden, dennoch übernehme ich keine Haftung für die Richtigkeit oder die Wirksamkeit der Therapien!
Ich zeige im folgenden verschiedene Beispiele von eingesetzten Medikamenten.  Dadurch habe ich allerdings keinerlei pekuniären Nutzen! Ist das Werbung? Wenn ja deklariere ich den Text hiermit!

 

Hallo Ihr Lieben!

unnamed (29)Hormone helfen nicht nur gegen Wechseljahresbeschwerden, sondern wie wir nun wissen, auch gegen das Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen, gegen Osteoporose, machen eine pralle Haut,  und halten unter anderem die grauen Zellen fit!


Entscheidend für den Erfolg einer Hormonersatztherapie ist, dass man

* relativ früh nach Aussetzen der Menses anfängt,

* nicht älter  als 60 Jahre bei Beginn ist

* vor Beginn eine Doppler-Untersuchung der Halsgefäße durchführt (CIMT),

* die Frau befragt und  untersucht und

* natürliche Hormone gibt, dabei Progesteron als Kapsel, 17-Beta Estradiol transdermal als Spray, Gel oder Pflaster (und keine Derivate)

* wenn die Gebärmutter entfernt wurde, kann man u.U. auf Progesteron verzichten, ansonsten muss es gegeben werden, wenn man Östrogen gibt, sonst kann die Gebärmutterschleimhaut bösartig entarten!  Allerdings kann auch ein Mangel an Progesteron Beschwerden hervorrufen…


(Die Ergebnisse der WHI  Studie, die mit vielen Nebenwirkungen der klimakterischen Hormongabe behaftet waren, hatten den Nachteil, dass mit der Hormonersatz-Therapie im Durchschnitt erst mit 63 Jahre begonnen wurde, als die Frauen schon eine relativ lange ,,hormonarme“ Zeit hinter sich hatten! Zum zweiten wurden künstliche Hormone verwandt und die Daten einfach auf jüngere Frauen übertragen…)

In puncto Hormonersatztherapie/Wechseljahre ist soviel passiert, dass ich unbedingt noch einmal einen Artikel veröffentlichen muss, der zusammenfassendetwas Licht ins Dunkel bringt und beschreibt, was da eigentlich in der Forschung und auch Presse vor sich gegangen ist.

Dazu möchte ich Euch aber auch ein natürliches Hormon – Schema vorstellen, wie es aktuell aufgrund der Studienlage sinnvoll ist!  Als Alternative zeige ich Euch auch noch andere gängige Schemata, die aktuell in Deutschland verwendet werden! Ich werde diesen Artikel auf ein mal veröffentlichen, denn er soll für Euch wirklich nützlich sein, wenn Ihr in den Wechseljahren seid! Quasi mein kleines Weihnachtsgeschenk an Euch, in dem wirklich ein Großteil des Wissens um die Wechseljahre steckt! Ich werde ihn, wenn die Medizin weitergeht, wieder aktualisieren , so dass man auch Therapien nachschlagen kann!

INHALTSVERZEICHNIS

1. Wechseljahre

1.1. Vor- und Nachteile

1.2. Verlauf / Phasen der Wechseljahre und typische Beschwerden

1.2.1. Prämenopause

1.2.2. Klimakterium

1.2.3. Menopause

1.2.4. Postmenopause

2. Behandlungsmethoden des klimakterischen Syndroms

2.1. Die Hormon-Ersatz-Therapie (HET), (englisch) Hormone Replacement Therapy, (HRT):

2.1.1 Wirkweise einer HRT

2.1.2. Applikationsformen von Hormonen

2.1.3. Kontinuierliche und sequenzielle Hormontherapie

2.1.4. Vorbereitung einer HRT

2.1.4.1. Anamnese

2.1.4.2.Untersuchung

2.1.4.3. Zusatzuntersuchung CIMT

 Untersuchung der Intima Media Dicke der Carotis-Arterie (CIMT)

2.2. Verschiedene aktuelle Einnahme-Schemata

2.2.1. Kombinationstherapie  aus transdermalem naturidentischen 17ß-Estradiol und oralem Progesteron und sinnvoll Ergänzungen

2.2.2. Übliche  konventionelle Hormonersatztherapie, wie sie auch heute noch oft angewandt wird

2.2.2.1. Bsp. ,,Wechseljahrspille“

 

2.2.2.2. Soll man auf natürliche Hormone wechseln?

2.2.3.  Die Modifizierte Hormnonersatztherapie mit natürlichen Hormonen nach Rimkus

 

2.3. Nebenwirkungen der konventionellen HRT

2.3.1. Allgemeines zu Nebenwirkungen

2.3.2. Allgemeine Nebenwirkungen konventioneller HRT

2.3.3. Auftreten bösartiger Tumoren (Krebs) mit Häufigkeiten

2.3.4. Kontraindikationen gegen eine Hormonersatztherapie

 

 3. Nicht-hormonelle Behandlungsmethoden von Beschwerden im Klimakterium

3.1.  Pflanzliche Stoffe  zur Unterstützung der hormonellen Funktion  und Behandlung der Symptome

3.1.1. Mönchspfeffer (agnus castus) 

3.1.2. Sibirische Rhabarberwurzel

3.1.3. Cimifuga (Traubensilberkerze)

3.1.4. Salbei-Tee

3.1.5. Frauenmantel-Tee

3.2. Sonstige Medikamente, die bei Wechseljahresbeschwerden eingesetzt werden

3.2.1. selektiven Serotonin- Wiederaufnahmehemmer

3.3. Spezielle Nahrungsergänzungsmittel für die Zeit der Hormonumstellung siehe auch 2.1.1.

 

4.  ENTSCHEIDUNGSHILFE: Welche Therapieoption ist die richtige für mich?

4.1. Was sagen die Leitlinien?

4.2. Auch ohne  Hormontherapie kann man relativ lange eine gute Lebensqualität bewahren!

 

5. Was passiert mit dem Körper während der Wechseljahre und wie kann ich ihn unterstützen?

5.1.Haut 

5.2. Haare 

5.3. Gewicht

5.4. Ernährung

5.5. leichter Sport

 

6. ,,Psychohygiene“

7. Wie es kam, dass die Hormonersatztherapie so in Verruf geriet, nachdem anfänglich Begeisterung herrschte …

7.1. Auswertung der WHI Studie

7.2. Folge

7.2. Ursachen der Fehlinterpretationen der WHI-Studie

7.3. Zum Schluss war es doch wieder  anders …

 Quellen:

BRUSTKREBS – VORSORGE: WAS MUSS ICH WISSEN – WAS KANN ICH TUN

MEDIZIN: HAARAUSFALL – THERAPIEN UND NEUE ERKENNTNISSE IM ÜBERBLICK

PRESSEMITTEILUNG DER DEUTSCHEN GESELLSCHAFT FÜR GYNÄKOLOGIE UND GEBURTSHILFE E.V. (DGGG)

Hormonersatzbehandlung in den Wechseljahren hat mehr Nutzen als Risiken

Women’s Health Initiative (WHI)
https://www.whi.org/about/SitePages/About%20WHI.aspx

Schierbeck LL. et al.: Effect of hormone replacement therapy on cardiovascular events in recently postmenopausal women: randomized trial.
In: BMJ 2012;345:e6409. doi: 10.1136/bmj.e6409
http://www.bmj.com/content/bmj/345/bmj.e6409.full.pdf

Manson, JE, Kaunitz, PH und Kaunitz, AM.: Menopause Management – Getting Clinical Care Back on Track.
N Engl J Med 2016; 374:803-806. DOI: 10.1056/NEJMp1514242
http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMp1514242

© BVF, DGGG, DGMeno, DGGEF 2016

 

Original-Literatur :  Menopause Management – Getting Clinical Care Back on Track. JoAnn E. Manson, M.D., Dr.P.H., and Andrew M. Kaunitz, M.D. N Engl J Med 2016; 374:803-806March 3, 2016 DOI: 10.1056/NEJMp1514242
Rocca WA et al., Neurology. 2007 Sep 11;69(11):1074-83.

Georgakis MK et al., Psychoneuroendocrinology. 2016, Nov;73:224-243.

Maki PM. Menopause. 2013 Jun;20(6):695-709.
 Daniel, J.M., Hormones and Behavior (2013), 63: 231-237.

Caufriez A et al.: J Clin Metabol 2011; 96: E614-623

Canonico M et al.: Arteriscler Thromb Vasc Biol 30; 340-345

Fournier A, et al. Breast Cancer Res Treat. 2014; 145: 535–543